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https://www.dresden.de/de/stadtraum/umwelt/umwelt/klima-und-energie/klimaanpassung/inklibau/anpassungsmassnahmen/inklibau_dachbegruenung.php 16.06.2023 08:15:50 Uhr 27.05.2024 14:11:49 Uhr

Dachbegrünung

Foto eines extensiv begrünten Flachdachs
Eine extensive Dachbegrünung ist mit geringem Pflegeaufwand verbunden.
Foto eines Gartens auf einem Tiefgaragenflachdach
Die Schaffung von Dachgärten ist mit einer intensiven Dachbegrünung möglich.

Bei einem Gründach wird ein (Flach-)Dach mit null bis zehn Grad Neigung oberhalb der Dämm- und Abdichtungsschichten mit einem Substrat bedeckt und bepflanzt. Zur Ableitung überschüssigen Niederschlagswassers wird unter der Substratschicht eine Dränschicht empfohlen. Die Begrünung von Dächern mit größeren Neigungswinkeln ist ebenfalls möglich. Dann sind jedoch zusätzliche Sicherungsmaßnahmen gegen das Abrutschen des Gründachaufbaus notwendig.

Bei extensiven Dachbegrünungen kommen niedrigwüchsige Moose, Sedumarten, Kräuter und Gräser zum Einsatz. Damit ist der Pflegeaufwand gering. Es wird eine fünf bis 15 Zentimeter mächtige Substratschicht benötigt. Bei intensiven Dachbegrünungen werden anspruchsvollere und höherwüchsige Pflanzen verwendet. Dabei wird eine Substratschicht von mindestens 15 bis 50 Zentimeter empfohlen. Das Dach muss für die Pflanzenpflege zugänglich sein.

Für längere sommerliche Trockenperioden kann eine Bewässerung nötig werden. Denn wenn die Pflanzen absterben, gehen die meisten Vorteile eines Gründachs verloren. Grundsätzlich gibt es jedoch eine große Auswahl an Pflanzenarten, die für den Extremstandort Dach geeignet sind. Zu beachten ist hierbei, dass der Aufbau eines Gründachs ein höheres Eigengewicht als unbekieste Flachdachaufbauten hat. Die nachträgliche Herstellung eines Gründachs ist daher gegebenenfalls mit einer statischen Ertüchtigung des Dachtragwerks verbunden.

Der Bau oder die Sanierung eines Dachs als Gründach hat diverse Vorteile. Neben den direkten Effekten für ein Gebäude, stechen insbesondere die positiven Einflüsse für das Umgebungsklima hervor.

Vorteile für das Gebäude

Materialschutz

Gründächer können die Dachabdichtung vor Schadstoffen schützen sowie den Einfluss von Extremwetterereignissen mindern. So werden Temperaturschwankungen der Materialien deutlich gedämpft und das Risiko von Rissbildung aufgrund thermischer Ausdehnung oder Versprödung infolge UV-Strahlung verringert. Auch die Beanspruchung der Dachhaut durch Hagel und Schlagregen kann durch eine entsprechend widerstandsfähige Begrünung verringert und Schäden minimiert werden.

Ein Nachteil ist in diesem Zusammenhang die erschwerte Wartung von Schäden. Durch die Begrünung ist eine einfache Inspektion der Dachabdichtung nicht möglich und Schäden können sich gegebenenfalls unbemerkt ausweiten.

Wärmedämmung

Die vergleichsweise hohen Schichtdicken eines Gründachs können theoretisch zu einer Verbesserung des Dämmwertes der Konstruktion beitragen. Da die Substratschichten jedoch die meiste Zeit Wasser führen oder zumindest feucht sind, ist davon auszugehen, dass die Dämmwirkung dieser Schichten sehr niedrig ist. Aktuell dürfen Gründachaufbauten (Substrat- und Pflanzenschichten) in der Berechnung der Dämmwirkung (U-Wert) eines Bauteils nicht berücksichtigt werden.

Vorteile für das Umgebungsklima

Regenwasserrückhalt

Die Niederschlagsrückhaltung vollzieht sich durch die Zwischenspeicherung des Wassers in der Substrat- und Drainageschicht sowie den Pflanzen selbst. Erst nach Sättigung dieser Schichten fließt überschüssiges Wasser ab. Dies entlastet die kommunalen Entwässerungssysteme bei Starkregen und verringert das Überflutungs- und Kanalisationsrückstaurisiko in den umliegenden Gebieten. Der Effekt ist bei einer intensiven Dachbegrünung am stärksten.

Da ein Teil des anfallenden Regenwassers permanent gebunden wird, können mithilfe eines Gründachs Abwasserentsorgungsgebühren eingespart werden.

Verdunstungskälte

Erwärmen sich Pflanzenblätter durch Sonneneinstrahlung, dann verdunstet ein Teil des in ihnen gespeicherten Wassers. Dieser Prozess verbraucht (Wärme-)Energie, die der Luft entzogen wird. Pflanzen tragen somit zur direkten Abkühlung der Umgebung bei und reduzieren den städtischen Wärmeinseleffekt.

Die Verdunstungskälte trägt unter anderem dazu bei, dass der Wirkungsgrad von Photovoltaik-Anlagen auf Gründächern geringfügig höher ausfällt als auf unbegrünten Dächern.

Bindung von Schadstoffen

Pflanzen können als Filter für die Umgebungsluft dienen und die Feinstaub-, CO2- und sonstige Schadstoffbelastung senken.

Biodiversität

Grünflächen schaffen Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Tiere. Gründächer dienen vor allem fliegenden Arten als Trittsteine durch den Siedlungsbereich und tragen so zur Biodiversität von Städten bei.

Optik

Ein Gründach ist nicht nur gut für das Umgebungsklima, sondern es ist auch schön anzusehen. Die Begrünung verändert sich im Laufe der Jahreszeiten. Natur kann somit auch in dicht bebauten Quartieren erlebbar werden. Die positive psychologische Wirkung von Grün ist längst erwiesen. Werden zum Beispiel Kräuter angepflanzt, entsteht auch eine direkte Nutzbarkeit.



Fehler bei der Pflanzenauswahl, Ausführung und Pflege können nicht nur die Wirksamkeit von Dachbegrünungsmaßnahmen stark reduzieren, sondern auch zu Schäden am Gebäude führen. Planung, Ausführung und Pflege sollten daher durch Fachpersonal erfolgen. Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist die Abstimmung mit der zuständigen Denkmalbehörde erforderlich.

 

Weitere Informationen und Planungshinweise zu Gründächern finden Sie unter:

Bundesverband GebäudeGrün e. V.

Außerdem stellt der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. Richtlinien für Planung, Bau und Instandhaltungen von Dachbegrünungen zur Verfügung und der Zentralverband des deutschen Dachdeckerhandwerks Fachregeln für Abdichtungen in seiner "Flachdachrichtlinie".