Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de

https://www.dresden.de/de/kultur/kunst-und-kultur/1700-Jahre-juedisches-Leben-in-Deutschland.php 10.11.2021 11:51:26 Uhr 03.12.2021 22:47:24 Uhr

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Ausschnitt aus einem Plakat mit dem Titel "Jüdisches Leben in Dresden"

Im Jahr 2021 besteht jüdisches Leben in Deutschland seit 1700 Jahren. Bundesweit finden aus diesem Anlass Veranstaltungen statt, die das vielfältige jüdische Leben heute und in der jüdischen Geschichte und Kultur auf dem Gebiet des heutigen Deutschland beleuchten. Mit der Vermittlung jüdischen Lebens soll auch dem wiedererstarkten Antisemitismus in Deutschland begegnet werden.

Der Verein „321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e. V.“ koordiniert und gestaltet das bundesweite Festjahr unter:  www.2021JLID.de

Auch die Landeshauptstadt Dresden widmet sich in enger Verbundenheit diesem Projekt. Eine Vielzahl von Events von verschiedensten Akteuren ist vorgesehen, insbesondere auch aus der Kunst- und Kulturszene. Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf die Vergangenheit. Der Fokus gilt besonders dem heutigen jüdischen Leben, seiner Vielfalt und Vitalität.

Nachfolgend finden Sie einige ausgewählte Veranstaltungen der Landeshauptstadt Dresden im Rahmen des Festjahres.

Gedenkveranstaltung zum 83. Jahrestag der Reichspogromnacht

9. November 2021, 15.30 Uhr, Stele Brühlscher Garten, Hasenberg

Anlässlich des 83. Jahrestages der Reichspogromnacht fand am Dienstag, dem 9. November 2021, die Gedenkveranstaltung an der Stele Brühlscher Garten, Hasenberg, statt. Hier stand die von Gottfried Semper entworfene und 1840 eingeweihte Dresdner Synagoge bis zu ihrer Zerstörung in der Reichspogromnacht.

Zur Gedenkveranstaltung sprachen der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Dresden, Herr Michael Hurshell und Oberbürgermeister Dirk Hilbert. Zusätzlich verlas Herr Claus Dethleff vom Stolpersteine für Dresden e. V. einen Erinnerungsbericht einer jüdischen Familie aus dieser Zeit. Der Synagogenchor Dresden umrahmte musikalisch die Gedenkveranstaltung. Es folgte das „El mole Rachamim“ und das Kaddisch-Gebet. Anschließend fand eine Kranzniederlegung durch Repräsentanten aus dem Sächsischen Landtag, des Freistaates Sachsen und der Landeshauptstadt Dresden statt.

Veranstalter des Gedenkens waren die Landeshauptstadt Dresden in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde zu Dresden.

Festakt „20 Jahre Weihe Neue Synagoge Dresden“
9. November, 17.00 Uhr

Nach der offiziellen Gedenkveranstaltung fand für geladene Gäste der Festakt „20 Jahre Weihe Neue Synagoge Dresden“ in der Synagoge statt. Diese Veranstaltung wurde im Livestream übertragen und kann auf auf dem YouTube-Kanal der Landeshauptstadt Dresden nachgeschaut werden.

Botschaften, die bleiben: Die verschwindende Wand 

9.  10. November 2021, Neues Rathaus, Goldene Pforte

Zum Gedenken an die Pogromnacht laden die Landeshauptstadt Dresden, das Goethe-Institut und die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora an die Goldene Pforte des Neuen Rathauses in Dresden ein. Mit der Eröffnung der „Verschwindende Wand“ am 9. November 2021 um 10 Uhr wird der Opfer des Holocaust und der Gräuel der NS-Diktatur und der Reichspogromnacht gedacht. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland Synagogen. Unzählige jüdische Geschäfte und Gotteshäuser wurden geplündert, viele Menschen verhaftet, misshandelt und getötet. Die interaktive Installation „Verschwindende Wand“ vereint auf 6.000 Holzklötzchen Zitate von Überlebenden der Konzentrationslager Buchenwald, Mittelbau-Dora und deren Außenlager. Die beweglichen Zitatklötzchen machen die Botschaften der Überlebenden sichtbar – zum Mitnehmen, damit sie nie in Vergessenheit geraten.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert wird die Gedenkveranstaltung eröffnen, gefolgt von Redebeiträgen von Fr. Dr. Nora Goldenbogen – Vorsitzende des Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden, Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Institut und Prof. Dr. Jens-Christian Wagner – Stiftungsdirektor Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.

Stolperstein Alter Leipziger Bahnhof eine Leerstelle in der Erinnerungskultur der Stadt Dresden 

9. November, 19 Uhr, HANSE 3 e. V. (Atelierhaus auf dem Gelände des Alten Leipziger Bhf.)

Der Alte Leipziger Bahnhof ist als ältester Fernbahnhof Europas ein industriegeschichtliches Denkmal von besonderem Rang und fristet seit Jahren ein trauriges Dasein als in großen Teilen verfallende Ruine. Am Abend des 9.November dieses Jahres, dem 83. Jahrestag der Reichspogromnacht, soll er mit einer dreiteiligen Videoprojektion auf der Fassade des Gebäudes symbolisch „zum Leben“ erweckt werden. Besucher, die vor das Gebäude kommen, werden ihre Schatten auf die Fassade werfen, wenn sie in die Projektionen anfahrender Züge treten. Erinnert werden soll damit zum einen an die frühere Funktion des Ortes. Zum anderen soll die Installation auf eine Lücke in der Erinnerungskultur aufmerksam machen. Am 21.Januar 2022 jährt sich zum 80. Mal die Deportation Dresdner jüdischer Menschen von ebendiesem Ort. Für den anstehenden Diskussionsprozess um eine würdige und angemessene Bezeichnung und Gestaltung dieses Ortes und seiner Geschichte möchte diese Videoinstallation eine Anregung sein.

Weitere Informationen

Film und Gespräch: „Zustand und Gelände“

9. November, 19 Uhr, Motorenhalle, riesa efau. Kultur Forum Dresden e.V.

Der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm „Zustand und Gelände“ zeigt die sogenannten wilden Konzentrationslager in Sachsen, die direkt nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 eingerichtet wurden. Die Orte und die dort stattgefundenen traumatischen Ereignisse sind weitestgehend vergessen. Weitere historische Ereignisse überschrieben diese Orte. Dies als Ausgangspunkt genommen ist der Film selbst Zeugnis, wie Geschichte reflektiert werden kann. Im Gespräch mit der Regisseurin Uta Adamczewski möchten wir über Erinnerungsdiskurse und Verantwortung sprechen. Wir fragen nach dem formalen Konzept des Films und die Bedeutung von Emotionalität in Dokumentarfilmen. Außerdem wird die Frage der Verantwortung des Einzelnen für Menschenrechtsverletzungen thematisiert.

Weitere Informationen

Lesung aus Max Mannheimers "Spätes Tagebuch", musikalisch untermalt

9. November, 19 Uhr, Klemperer-Saal der SLUB

Max Mannheimer hat alles durchlitten, was einem Menschen in dem von den Deutschen entfesselten Inferno zustoßen konnte: Demütigung, Vertreibung, Internierung im Ghetto, Tod fast der ganzen Familie in der Gaskammer, Arbeitslager und KZ, Hunger, Krankheit und Misshandlung. Wie durch ein Wunder hat er überlebt. Lange konnte er nicht darüber sprechen, er war Kaufmann, doch Kunst und Kultur waren für ihn Lebenselixier. Erst als er selbst sich dem Tod nahe glaubte, fing er an zu erzählen, in seinem Tagebuch, das ein großes menschliches Dokument geworden ist. Anfang der 1980er Jahre begann Max Mannheimer dann auch in die Schulen zu gehen, um von seinem Überleben der Konzentrationslager in Theresienstadt, Auschwitz und Dachau zu erzählen.

Weitere Informationen

Musik der Nacht  Gedenkkonzert für die Opfer der Pogromnacht 1938

9. November, 19.30 Uhr, Annenirche Dresden, Dresdner Kammerchor | Hans-Christoph Rademann

Mit ergreifender französischer Chormusik, dirigiert von Hans-Christoph Rademann, erinnert der Dresdner Kammerchor an die grausame Nacht der Novemberpogrome. Die Komponisten Francis Poulenc, Darius Milhaud und Maurice Ravel traten mit ihrer Kunst für die Freiheit ein – ihre Tonsprachen kannten keine durch Nationalität, »Rasse« oder Religion gesetzten Grenzen. Bereits zum Auftakt des 1. Weltkriegs reagierte Ravel verständnislos auf die nationalistische »Liga zur Verteidigung französischer Musik«, die alle Einflüsse und Musik deutschsprachiger Komponisten ächten wollte. In Ravels Ideal einer reichen Tonkunst waren verschiedenartige Impulse lebensnotwendig. Ihn als Nicht-Juden faszinierte die jüdische Musiktradition sehr,

sodass er mehrere Stücke auf hebräische Melodien schrieb; besonders innig und eindrucksvoll klingt seine Version des »Kaddisch«, eines der höchsten Gebete im Judentum – tieftraurig und hymnisch zugleich. Wie selbst in der dunkelsten Nacht des Krieges die Musik unsere Hoffnung am Leben halten kann, zeigte Poulenc mit seinem Zyklus »Un soir de neige«: Die Lyrik des Résistance-Dichters Paul Éluard über die tödliche, in Eis erstarrte Natur fasste er in melancholische, berückend schöne Chorminiaturen. Der Jude Milhaud musste aus seiner französischen Heimat Anfang der 40er-Jahre fliehen. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs entfaltete er seine Karriere als Pendler zwischen Europa und den USA. Mit seinen traditionellen Konzerten zur Pogromnacht setzt der Dresdner Kammerchor ein Zeichen dafür, dass es eine beständige Aufgabe für die Gegenwart bleibt, den – nicht nur kulturellen – Austausch zwischen den Nationen lebendig zu halten und weiter stabile Brücken zu bauen, damit die Geschichte der Ausgrenzung und Gewalt sich nicht wiederholen kann.

Weitere Informationen

Shir Hir Ha Shirim Cantar de los cantares  Lied der Lieder
Paul Hoorn & Freund/innen  Kapelye CORAZON

11. November, 19.30 Uhr, Zentralwerk

Liebe ist stärker als der Tod – und Gesang stärker als der Hass… Das poetische Konzert zum Gedenken an die Pogromnacht 1938 in Deutschland versammelt Lieder aus den jüdischen Ghettos in Vilna und Krakow, lateinamerikanische Lieder von Victor Jara, Silvio Rodriguez u.a., den Mauthausen-Zyklus von Mikis Theodorakis, die Todesfuge von Paul Celan und das Lied von der Moldau von Bertolt Brecht/ Hanns Eisler. Es werden wie selbstverständlich Bögen geschlagen ins Hier und Heute, voller Schmerz und Hoffnung. Der Ort des Konzertes schafft eine eindrückliche Verbindung zu den Liedern: Das heutige Zentralwerk war in der Zeit des zweiten Weltkriegs eine Rüstungsfabrik, in der zahlreiche Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter arbeiteten, darunter 700 Frauen aus Konzentrationslagern, die hier untergebracht waren. Dieses Konzert soll an diesem Ort ein Gesang der Klage und des Eintretens für die Würde von Opfern grausamer Gewalt und Entmenschlichung sein, aber auch ein Aufstand gegen Mutlosigkeit, eine Vision von einem friedlichen Leben.  Musik und Poesie als konkreter Ausdruck der Lebendigkeit und als Utopie in einer Welt der Gleichgültigkeit und des Hasses. Nach einer kurzen Pause wird vor dem zweiten Konzertteil ein Dokumentarfilm gezeigt, in dem die damalige jüdische Zwangsarbeiterin Henny Brenner Auskunft gibt über ihre Erlebnisse an diesem Ort.

Weitere Informationen

Im Fokus: Jüdische Musik Aktuell  Kammerkonzert der Kurt Masur Akademie

12. November, 19.30 Uhr, Konzertsaal im Kulturpalast

Am 9. November vor zwanzig Jahren wurde in Dresden die neue Synagoge eingeweiht. Seitdem ist sie eine Art Scharnier zwischen jahrhundertealter jüdischer Tradition und einer lebendigen, vorwärtsgewandten Moderne. Unsere Akademist*innen wollen das Jubiläum mit jüdischen Musiker*innen ihrer Generation feiern. Sie haben sie nach Dresden eingeladen, mit ihnen Musik aktuell in Deutschland lebender jüdischer Komponisten zu spielen. Zu ihnen gehört Ohad Ben-Ari, der zwei seiner neuen Werke nach Dresden mitbringt und selbst am Klavier zu erleben sein wird.

Weitere Informationen

„Licht und Schatten“  Lesung mit Burghart Klaußner aus den Kinotagebüchern Victor Klemperers

15. November, 18 Uhr, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr

Der Dresdner Victor Klemperer ist bekannt für seine sprachkritische Analyse des Dritten Reiches, als passionierter Kinogänger hingegen weniger. Nicht selten geht er mehrmals pro Woche ins Kino. Zunächst kritisch, lässt er sich schon bald von dem seinerzeit noch jungen Medium mitreißen. Lange dient ihm der Kinoraum als Zufluchtsort vor der zunehmenden nationalsozialistischen Verfolgung. Klemperers pointierte Filmkritiken fällen nicht nur ästhetische Urteile, mit Ausweitung der nationalsozialistischen Propaganda nehmen sie auch die gesellschaftlichen Veränderungen in den Blick. Moderiert von der Herausgeberin des Kinotagebuchs »Licht und Schatten«, Nele Holdack, und dem Filmkritiker Knut Elstermann liest Burghart Klaußner, preisgekrönt für seine Darstellungen in »Das weiße Band« und »Der Staat gegen Fritz Bauer«, ausgewählte Passagen. Sie alle eint, Zeugnis für die Verdunkelung Deutschlands in den 30er und 40er Jahren zu sein, in denen lichte Momente immer rarer wurden.

Weitere Informationen 

Jüdische Vielfalt in Deutschland  Regionalkonferenz Dresden

16. November, 10  16.30 Uhr, Neues Rathaus

Das Jubiläumsjahr 2021 ist ein doppeltes: Es feiert „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ wie auch die Einweihung der Neuen Synagoge in Dresden vor 20 Jahren. Beide Jubiläen bieten die Chance, die Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland, Sachsen und Dresden angemessen zu würdigen. Die Deutsche Gesellschaft e. V. lädt Sie gemeinsam mit dem Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und der Landeshauptstadt Dresden ein, mit Expertinnen und Experten aus Bildung, Kultur, Politik und Wissenschaft ins Gespräch zu kommen und sich über jüdisches Leben und jüdische Kultur auszutauschen.

Weitere Informationen

Plakat für die Ausstellung "Rethinking Stadtgeschichte" im Stadtmuseum Dresden

Rethinking Stadtgeschichte: Perspektiven jüdischer Geschichten und Gegenwarten

1. Oktober – 31. März 2022, Stadtmuseum Dresden

Jüdisches Leben gibt es in Deutschland bereits seit 1.700 Jahren. In Dresden beginnt diese Geschichte im Mittelalter – und sie ist komplex, denn was „jüdisch“ war, ist oder sein soll, bleibt immer auch eine Frage des Standpunkts. Die Intervention in der Dauerausstellung des Stadtmuseums lädt Besucherinnen und Besucher ein, unterschiedliche Dimensionen des Jüdischen zu erkunden. Sie zeigt auch, dass sich im alltäglichen Leben zahlreiche Berührungspunkte zu jüdischer Vergangenheit und Gegenwart finden. In Wohnzimmern, Kellern oder Garagen stehen heute noch Objekte, die solche Geschichten erzählen.

Begleitet wird die Intervention von Impulsen aus Kunst, Wissenschaft und Austausch zu einzelnen Ausstellungsobjekten. Führungen geleiten ins Umfeld des Stadtmuseums. Eine Blog-Reihe begleitet das Format und greift die aktuelle Debatte um ein „Jüdisches Museum“ in Sachsen auf.

Weitere Informationen

Masel im Palast: Jüdische Kultur in Musik, Film und Literatur

Eine Veranstaltungsreihe der Zentralbibliothek im Kulturpalast Dresden

Weitere Informationen

Drucken

Partner