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09.04.2019

Bunte Wiesen bringen Artenvielfalt ins Stadtzentrum

Pilotprojekt „Langschnittflächen“ startet auf dem Mittelstreifen der St.-Petersburger-Straße

Bunte Blumenwiesen statt kurzer Rasen: Damit das möglich wird, sind in diesen Tagen die Landschaftsgärtner des Regiebetriebes Zentrale Technische Dienste im Auftrag des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft auf dem Mittelstreifen der St.-Petersburger-Straße mit den vorbereitenden Arbeiten beschäftigt.

„Zwischen Rathenauplatz und Georgplatz testen wir in einem Pilotprojekt, wie sich Blumenwiesen mitten im Stadtzentrum etablieren können und wie sie sich pflegen lassen. Solche Bienenwiesen sind gut für die Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere, insbesondere für Insekten. Wir wollen aber auch sehen, welche Auswirkungen sie auf das Stadtklima und das Stadtbild haben“, so Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen zum Vorhaben. Auf den Flächen kommt auch Saatgut aus dem Projekt „Urbanität und Vielfalt“ des Umweltzentrums Dresden e. V. zum Einsatz. Es wurde im vergangenen Jahr von Dresdnerinnen und Dresdnern gewonnen, die sich am von der Landeshauptstadt Dresden begleiteten Projekt beteiligt haben.

Jörg Lange, Abteilungsleiter im Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft erläutert, welche Arbeiten notwendig sind, damit aus Rasen eine Wiese werden kann: „Zwischen Rathenauplatz und Georgplatz bringen wir zwei verschiedene Saatgutmischungen aus. Zwischen den vier Baumreihen säen wir in einem zwei Meter breiten Streifen eine Saatgutmischung schattenliebender Pflanzen („Reb- und Obstzeilen-Mischung“). Damit das Saatgut keimen kann, wurde die Grasnarbe vorher maschinell aufgelockert. In der sonnigen Achse Rathaus – Skateranlage wird auf einer Fläche von 100 Quadratmetern die Grasnarbe vollständig entfernt, die Fläche mit Substrat aufgefüllt und mit einer Saatgutmischung sonnenhungriger Pflanzen (Sortiment „Wärmeliebender Saum“) eingesät.“

Die Aussaaten sollen als Keimzelle zur Ausbreitung der Arten auf der gesamten Mittelinsel dienen. Dieser Prozess wird einige Jahre dauern. Unterstützt wird die Ausbreitung der Pflanzen dadurch, dass die Flächen nur noch ein bis zwei Mal pro Jahr gemäht werden. Im Vergleich: herkömmliche Kurzrasenflächen werden in der Regel bis zu zwölf Mal im Jahr gemäht. Auf ausgewählten Flächen bleiben die Pflanzen auch über den Winter stehen. Sie dienen als Quartier für Insekten und sind zudem ein besonderer Blickfang. Das Umweltamt begleitet das Projekt, um Handhabung und Auswirkungen zu beobachten.

Die Dresdnerinnen und Dresdner können die Entwicklung der ehemaligen Rasenfläche zu einer Wiese selbst miterleben und sich ab spätestens Anfang Mai auch an den neu aufgestellten Hinweistafeln über das Projekt informieren. Die Tafeln werden an den Fußgängerüberwegen am Pirnaischen Platz und beim Übergang zwischen Lingnerallee und Rathaus stehen.
Zukünftig soll es im Stadtgebiet mehr Wiesen statt des klassischen Rasens geben. Das breite Artenspektrum der verschiedenen Gräser und Blütenpflanzen, wie man sie auf einer Wiese vorfindet, trägt zur biologischen Vielfalt in der Stadt bei.

Weitere Informationen

Langschnittwiesen: Um dem Klimawandel zu begegnen und die Artenvielfalt in der Stadt zu fördern, hat die Landeshauptstadt Dresden bereits in den letzten Jahren aus einigen klassischen Rasenflächen sogenannte „Langschnittflächen“ gemacht. Auf diesen Flächen wird zwei Mal im Jahr das Gras geschnitten, mit Ausnahme eines zwei Meter breiten Streifens an den Rändern der jeweiligen Flächen. Hier wird das Gras zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit dauerhaft kurzgehalten. Im Unterschied zum Pilotprojekt auf der St.-Petersburger-Straße erfolgte keine zusätzliche Einsaat.

Umfang der Langschnittflächen auf kommunalen Flächen in Dresden: vor 2019: 375 Hektar; 2019: weitere zehn Hektar, davon rund 4,2 Hektar auf der St.-Petersburger-Straße. Flächen auf denen „Langschnitt“ praktiziert wird, befinden sich unter anderem auf den Elbwiesen, im Bereich der Elbschlösser, an der Stübelallee, Ammonstraße, Güntzstraße (in Zusammenarbeit mit dem St.-Benno-Gymnasium) und im Räcknitzpark. Pflegeaufwand: Für die sogenannten Langschnittflächen sind andere Aufwendungen zu kalkulieren als bei Kurzschnitt. So wird zwar deutlich seltener gemäht, die Mahd dauert jedoch länger, die Beräumung des Mähgutes bringt einen erhöhten Transportaufwand mit sich und es fallen Kosten für die Kompostierung an. Nicht zuletzt ist für Langschnitt geeignete spezielle Mähtechnik notwendig. Darauf stellt sich die Stadtverwaltung mit dem Regiebetrieb Zentrale Technische Dienste Stück für Stück ein.

Pilotprojekt - Informationen zu den Saatgutmischungen:

Die Saatgutmischungen „Reb- und Obstzeilenmischung“ und „Wärmeliebender Saum“ bezieht die Landeshauptstadt Dresden von der Rieger-Hofmann® GmbH aus Blaufelden-Raboldshausen, Baden-Württemberg.
Die „Reb- und Obstzeilenmischung“ ist ein Sortiment schattenliebender Pflanzenarten, welches im Obst- und Weinbau verwendet wird.
Die Saatgutmischung „Wärmeliebender Saum“ ist für sonnige Standorte geeignet.

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