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11.04.2017

„Permanenter Neuanfang“ auf dem Dresdner Neumarkt bis 2019

Kunst im öffentlichen Raum – permanente Auf- und Anregung

Ab Dienstag, 25. April 2017 wird auf dem Dresdner Neumarkt die Skulptur „Denkmal für den permanenten Neuanfang" stehen. Die Beigeordnete für Kultur und Tourismus, Annekatrin Klepsch weiht sie 16 Uhr gemeinsam mit den Hamburger Künstlern Heike Mutter und Ulrich Genth ein.
Die Skulptur wird für zwei Jahre auf dem Neumarkt eine Dreieckskonstellation mit den vorhandenen Denkmälern Martin Luthers und Friedrich August des II bilden. Sie besteht aus einer umgebauten und in Hautfarbe lackierten Hebebühne, auf deren Plattform Teilabgüsse von bekannten Dresdner Denkmälern zu einer dreidimensionalen Collage zusammengefügt sind. Auf der Arbeitsfläche der Hebebühne steht eine große, regelmäßig perforierte Bronzehohlkugel auf einer kleinen Säule. Sie nimmt Bezug auf Elfenbeindrechselarbeiten aus der Zeit des Absolutismus, die in den Dresdner Kunstsammlungen ausgestellt sind. Darüber ist ein bronzener Abguss des rechten Arms der Trümmerfrau beweglich in einem Gestänge montiert. Dieser gibt in unkalkulierbaren, zufälligen Zeitintervallen einen hörbaren Schlag auf die Kugel ab. Als drittes Element ist der wehende Schleier einer der Figuren des Mozartdenkmals mit dem ihn tragenden, tänzerisch bewegten Arm zu sehen. Alle Figurenfragmente sind an einem Gestänge befestigt ist, das an medizinische Fixateure erinnert. Die Original-Hebebühne wird im ausgefahrenen Zustand stabilisiert. Um die Standfläche zu vergrößern werden zusätzliche Stützen angebracht. Die Gesamthöhe der Skulptur beträgt 7,46 Meter. Ihre Standfläche ist 3,87 Meter mal 2,48 Meter. Sie besteht aus Edelstahl, lackiertem Stahl, Bronze, Aluminium sowie mechanischen und elektronischen Bauteilen.

Der Vorschlag für die Skulptur entstand 2011, als die Kunstkommission für Kunst im öffentlichen Raum unter dem Titel DRESDEN-PERSPEKTIVEN FÜR KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM ein Symposium im ehemaligen Heizkraftwerk Mitte veranstaltete, mit dem Ziel, künstlerische Diskussionen zu Stadtraum und Stadtentwicklung anzuregen und einen produktiven Prozess in der Stadt für Kunst im öffentlichen Raum zu bewirken. (1)
„An ihrem zentralen Standort nimmt die Skulptur eine relativierende Funktion ein, die sich mit der Architektur des Platzes und seiner Bedeutung befasst und Fragen nach einem zeitgemäßen Gedenk- und Denkmalverständnis stellt. Mit ihren sensiblen, konkret an den örtlichen Zusammenhängen ausgerichteten Projekten thematisieren Heike Mutter und Ulrich Genth den öffentlichen Raum als ein vielfältig bestimmtes Spannungsfeld. Wichtig ist ihnen dabei ein offener, bisweilen humorvoller und keinesfalls belehrender Umgang mit den jeweiligen Situationen des konkreten Ortes“, so Annekatrin Klepsch.

Heike Mutter und Ulrich Genth: „Als wir 2012 begannen, das Denkmal für den permanenten Neuanfang zu entwickeln, besaß vor allem der Neumarkt noch einen sehr starken musealen und zugleich touristischen Charakter, auf dem zeitgenössischer Kunst keine Präsenz eingeräumt wurde. Wir entwarfen die Skulptur als Anregung, die Diversität und Komplexität der historischen Bezüge der Stadt anzunehmen und sie in einen Diskurs mit Fragen der heutigen Zeit zu stellen. Inzwischen ist dieser Platz zu einem Austragungsort politischer Konflikte und gleichzeitig zu einem Ort für Kunst geworden. Dennoch scheint es uns immer noch hochaktuell, gerade hier ein relativierendes Zeichen gegen den fortwährenden Streit um Deutungshoheiten zu setzen“.

Die Gesamtkosten für dieses Projekt betragen 60 000 Euro, die aus dem Budget für Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Dresden zur Verfügung gestellt werden. Für die Realisierung der künstlerischen Arbeit konnten die Künstler überwiegend ortsansässige Firmen gewinnen: Kunstgießerei Gebr. Ihle (Dresden), Metallbau Kaden und Döring (Halsbrücke), Engelbach+Partner (Dresden), Klinkenbusch+Kunze Architektur und Gestaltung (Dresden) und Jörn Zehe (Hamburg)

(1) Zum Symposium wurden überregional tätige Kuratoren und Künstler eingeladen, die sich im Vorfeld mit dem städtischen Leben Dresdens auseinander gesetzt hatten, um auf der Grundlage ihrer Beobachtungen und Analysen Projektvorschläge für den öffentlichen Raum Dresdens zu entwickeln.
Im Ergebnis der Diskussionen wurde der Vorschlag des Künstlerduos Heike Mutter & Ulrich Genth aus Hamburg ausgewählt und zur Realisierung vorgeschlagen. Beide nahmen auf Einladung von Roland Nachtigäller, Kurator und künstlerischer Leiter des Museum Marta in Herford, am Symposium teil.
Heike Mutter und Ulrich Genth haben insbesondere durch ihre 2011 auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe im Angerpark Duisburg fertig gestellte Landmarke „Tiger & Turtle - Magic Mountain" internationale Bekanntheit erlangt.
In der Begründung der Kunstkommission zum „Denkmal für den permanenten Neuanfang" hieß es:
Dass das Denkmal für den permanenten Neuanfang an einem scheinbar historischen Ort entgegen der allgemeinen Erwartung nicht an ein Ereignis oder eine Person der Geschichte, sondern an die Gegenwart erinnert, wird als geschickter Kommentar zum Dresdner Mythos und zur (Neu)Erfindung dieser Stadt bewertet.

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