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https://www.dresden.de/de/rathaus/politik/oberbuergermeister/demokratiekonferenz.php 13.09.2022 11:19:16 Uhr 08.12.2022 23:20:15 Uhr

Grußwort zur Eröffnung Demokratiekonferenz 2018

25. August 2018, Deutsches Hygiene-Museum Dresden

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen zur Demokratiekonferenz! Ich freue mich sehr, in so viele Gesichter zu blicken.

  • Ich sehe da Vorfreude, auf spannende Vorträge, Workshops und Diskussionen.
  • Ich sehe Motivation, in den kommenden Stunden gemeinsam etwas Positives für Dresden zu bewirken.
  • Und natürlich erzählen mir Ihre Gesichter auch etwas über Sie selbst.

In manchem Gesicht zeichnen sich vielleicht Sommersprossen etwas deutlicher ab als sonst – immerhin sind wir kurz nach der Urlaubszeit und die Sonne verwöhnt uns in diesem Jahr teilweise mehr als uns lieb ist. Ein anderes Gesicht ziert heute vielleicht einen etwas längeren Bart, weil sein Besitzer den Samstagmorgen lieber zum gemütlichen Familienfrühstück genutzt hat, statt zur ausführlichen Rasur.

Unser aller Gesichter offenbaren ein kleines Stück von uns selbst: Woher wir kommen, wie wir uns fühlen oder an was wir glauben; denken wir zum Beispiel an die Bindis der Hindus.

Gesichter sind Spiegel unserer Identität – und diese ist vielfältig. Vor allem aber ist sie gleichwertig.

Blonde Harre, blaue Augen, schwarze Locken, helle Haut, weiche Lippen, kantige Wangen – klar, wir sehen unterschiedlich aus. Aber trotzdem sind wir alle gleich. Auf diesem Prinzip baut unsere demokratische Gesellschaft auf, nachzulesen natürlich auch an prominenter Stelle im Grundgesetz.

Der Gleichheitsgrundsatz garantiert uns ein Leben in Freiheit. Weil sich Vielfalt hier freier und gleichberechtigt entfalten kann, leben wir im Wohlstand. Ich muss Ihnen das nicht sagen: Innovation braucht Einflüsse von außen. Die Errungenschaften der modernen Welt gründen darauf, dass Menschen mit unterschiedlichem Wissen, Erfahrungen und kulturellem Hintergrund miteinander gearbeitet haben und nicht gegeneinander. Warum erwähne ich es trotzdem, obwohl es selbstverständlich ist? Weil es Bewegungen gibt, welche die – oft nicht unbegründeten – Ängste der Menschen nutzen, um unsere offene Gesellschaft zu attackieren.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir müssen Gesicht zeigen, um Demokratie  zu verteidigen! Demokratie, Freiheit und Gleichheit sind keine Naturgesetze. Hier in Dresden ist das offensichtlich. Ein kleines persönliches Beispiel: Bei der Auftaktveranstaltung zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus im März habe ich Tumulte und Störungen erlebt, als Prof. Dr. Kai Hafez zum Thema Islamfeindlichkeit referierte. Gäste und Redner wurden unterbrochen, ausgebuht oder aber gegen ihren Willen fotografiert.

Deshalb ist es eminent wichtig, dass wir alle – Zivilgesellschaft, Verwaltung, Politik – uns gemeinsam für Demokratie, Weltoffenheit und die Wertschätzung von Vielfalt einsetzen. Vielen Dank an alle, die am Lokalen Handlungsprogramm für ein vielfältiges und weltoffenes Dresden mitgearbeitet haben. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass es unter breiter Beteiligung mit den zivilgesellschaftlichen Akteuren in der Stadt auf die Beine gestellt wurde. Wir konnten uns auf gemeinsame Ziele verständigen: 

  • die Stärkung des demokratischen Gemeinwesens
  • den Abbau von Erscheinungsformen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und von Extremismus
  • den Ausbau von politischer Bildung einschließlich historischpolitischer Bildung
  • die Verbesserung der gesellschaftlichen Integration hin zur inklusiven Gesellschaft

Phänomenen wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wollen wir aktiv begegnen – wie wichtig das ist, zeigt das Treffen vor diesem Haus.

Mal wieder …

Dresden muss in den letzten Jahren regelmäßig sein Gesicht herhalten, als Kulisse, vor der menschenverachtende Ideologien verbreitet werden. Ich finde das unerträglich. Wie Sie alle hier im Saal versuche auch ich, das zu ändern. Doch wie kann es gelingen, das wahre Gesicht Dresdens – eine neugierige, aufregende und mutige Stadt – wieder in den Mittelpunkt zu rücken?

 Ich denke, wesentlich sind drei Dinge: 

  • Klare Kante gegen Hass und Gewalt und Ausgrenzung zeigen – auch im Alltag.
  • Eine neue Kultur des Miteinanders schaffen – auch mit denen, deren Meinung wir nicht teilen.
  • Wissen über demokratische Politische Prozesse stärken – auch, wenn es anstrengend ist.

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demokratiekonferenz,

dabei möchte ich betonen: Das sind Aufgaben für die gesamte Stadt. Demokratie darf keine Eliteveranstaltung sein. Sie muss sich besonders intensiv gerade mit denen auseinandersetzen, die unzufrieden sind. Unzufriedenheit entsteht aus realen Problemen. Über diese müssen wir einen offenen Dialog führen. Denn Demokratie lässt sich nicht von oben verordnen.

Die Stadtverwaltung kann zwar vieles ermöglichen. Funktionieren kann es aber nur, wenn möglichst viele mit anpacken. „Gemeinsam Demokratie gestalten“ ist das treffende Motto für diese Konferenz, deren Programm einen hochspannenden fachlichen Austausch verspricht. Und heute Nachmittag singen und musizieren Chöre gemeinsam mit den Dresdnerinnen und Dresdnern auf dem Vorplatz des Kulturpalastes. Kommen Sie vorbei und gestalten Sie Dresdens Klang mit! Ich bin überzeugt, dass er genüsslich sein wird, ganz im Gegensatz zu der Kakophonie, die über die Cockerwiese schallt.

Dresdens Identität ist nicht nur vielfältig – sie war und ist auch im Wandel. Mit der Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas wollen wir diesen Wandel aktiv gestalten. Auch hierzu lade ich Sie herzlich ein. Schon morgen gibt es die nächste Gelegenheit dazu, an den „Orten des Miteinadners“.

Bevor ich Sie in diesen Tag entlasse, möchte ich allen danken, die sich beruflich oder ehrenamtlich, in Vereinen oder Bündnissen für ein demokratisches Dresden einsetzen. Dieses Engagement hat viele Formen, sei es in der Jugendarbeit, der politischen Bildung, bei der Mitarbeit in Gremien oder in der Unterstützung und der Integration von Migranten. Viele engagieren sich in den zahlreichen LHP-Projekten, manche im Begleitausschuss, und einige von Ihnen haben diese Demokratiekonferenz mitgestaltet.

Ihr Gesicht steht für ein vielfältiges, demokratisches und im besten Sinne aufregendes Dresden. Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Demokratiekonferenz 2018!

 

 

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