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https://www.dresden.de/de/rathaus/aemter-und-einrichtungen/unternehmen/stadtarchiv/neuigkeiten/corona-archiv.php 25.03.2021 10:16:18 Uhr 13.04.2021 14:46:36 Uhr

Die Corona-Sammlung des Stadtarchivs Dresden

Übergabe von Unterlagen des Universitätsklinikums für die Corona-Sammlung des Stadtarchivs. v.l.n.r.: Prof. Maria Eberlein-Gonska, Prof. Thomas Kübler, Janko Haft und Michael Doerwald.
Übergabe von Unterlagen des Universitätsklinikums für die Corona-Sammlung des Stadtarchivs. v.l.n.r.: Prof. Maria Eberlein-Gonska, Prof. Thomas Kübler, Janko Haft und Michael Doerwald.

Universitätsklinikum übergibt Dokumente zur Corona-Pandemie an Dresdens Stadtarchiv

Am Montag (8. Februar 2021) übergab das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ein erstes Konvolut an Unterlagen zur COVID-19-Pandemie an das Stadtarchiv Dresden. Mit zahlreichen Dokumenten wie Verfahrensanweisungen, Hinweisschildern, Postern, mehreren Ausgaben des Mitarbeitermagazins „Carus Intern“ und des Newsletters „Carus Quick“ sowie dem Corona-Tagebuch und dem monothematisch auf die Corona-Krise zugeschnittenen Jahresbericht erhalten spätere Generationen einen Überblick über die vielfälti-gen Aktivitäten, mit denen das Dresdner Uniklinikum dieser Gesundheitskrise begegnet ist. Weiterhin gehen zwei Exemplare der im März 2020 selbst genähten Schutzmasken nebst einer zweiseitigen Anleitung zum Nachmachen heute als Zeitzeugen der COVID-19-Pandemie in das kollektive Gedächtnis des Stadtarchivs Dresden über. Ein entsprechendes Paket mit diesen Unterlagen und Objekten nehmen heute der Leitende Archivdirektor Prof. Thomas Kübler gemeinsam mit der Historikerin Mandy Ettelt aus den Händen von Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand, Prof. Maria Eberlein Gonska, Leiterin des Zentralbereichs Qualitäts- und Medizinisches Risikomanagement sowie Janko Haft, Kaufmännischer Vorstand des Uniklinikums entgegen.

„Bereits im April 2020 haben wir damit begonnen, eine Corona-Sammlung aufzubauen. Anfangs waren es vor allem Objekte und Dokumente aus privater Hand“, sagt Prof. Thomas Kübler. „Neben dieser privaten Ebene ist es für uns als Stadtarchiv jedoch wichtig, auch Unterlagen zu bekommen, die das Geschehen aus der Per-spektive öffentlicher Einrichtungen dokumentieren. Bei der Bewältigung der Pandemie in der Stadt spielt das Universitätsklinikum als öffentliche Institution eine zentrale Rolle. Deshalb ist es für unsere Arbeit sehr wichtig, Dokumente und Objekte aus dem Klinikbetrieb übernehmen zu können. Umso erfreulicher ist es, dass uns das Uniklinikum bei unserer Arbeit so unkompliziert unterstützt.“

„Um in der heraufziehenden Pandemie so wirksam und auch nachhaltig wie möglich agieren zu können, ha-ben wir am Uniklinikum frühzeitig ein Krisenmanagement etabliert. Angesichts einer Situation, die in dieser Form und diesem Ausmaß absolutes Neuland darstellte, war uns klar, dass wir unser Tun immer wieder auf den Prüfstand stellen müssen. Das aber geht nur, wenn wir alle Maßnahmen und die davorliegenden Ent-scheidungsprozesse sorgfältig dokumentieren“, erinnert sich Prof. Michael Albrecht an die ersten Monate der Pandemie.

„Anhand dieser Dokumente lassen sich die im Zuge der COVID-19-Pandemie ergriffenen Maßnahmen und Aktivitäten eindrucksvoll belegen“, ergänzt Prof. Maria Eberlein-Gonska. „Allein in den ersten beiden Monaten der Krise wurden über 1.100 Dateien in Form von Protokollen und Berichten angelegt. Ohne eine systemati-sche Aufbereitung und Ablage dieser Dokumente wäre ein großer Teil dieses Wissens in seiner Gesamtheit nicht verfügbar und würde den so wichtigen Lernprozess nach der Krise verhindern.“ Aus ganz unterschiedli-chen rechtlichen Gründen lassen sich derzeit viele dieser internen Dokumente nicht direkt in den Archivbe-stand überführen. „Es bleiben jedoch genügend Unterlagen, die wir bereits heute den nachfolgenden Genera-tionen hinterlassen können. Sie werden ihnen helfen, das komplexe Geschehen in der Pandemie besser zu verstehen. Mit der Bitte um Unterlagen zur Corona-Krise hat das Stadtarchiv bei uns offene Türen eingerannt. Ich bin mir sicher, dass die ersten, heute übergebenen Dokumente nur der Anfang dessen sind, was das Uni-versitätsklinikum den Archiven in den Jahren nach Ende der Krise zur Verfügung stellen kann“, so der Medizinische Vorstand weiter.

„Die Inhalte vieler Unterlagen wirken erst einmal ganz banal. Beispielsweise benötigten wir von einem zum anderen Tag Hinweistafeln und Wegweiser, damit Menschen mit Infektionsverdacht den direkten Weg in die Corona-Spezialambulanz finden und dabei keinen Kontakt zu Mitpatienten haben. Auch klinikumsintern gab es viel zu kommunizieren – zum Beispiel eine Anleitung zum richtigen Anlegen der Schutzausrüstung. Auch solche Unterlagen geben ein gutes Bild von der Situation im Uniklinikum ab“, sagt Janko Haft, Kaufmännischer Vorstand des Uniklinikums. Insgesamt waren es bisher rund 1.000 Dokumente und Schilder. Angesichts der sich oft ad hoc ändernden Situationen waren darunter immer wieder kurzfristige über Nacht oder das Wochenende zu erledigende Aufträge. Abgearbeitet wurden sie durch das von Michael Doerwald geleitete Grafikerteam der Dresdner Agentur Ketchum. Heute findet diese gestalterische Arbeit den Weg ins Dresdner Stadtarchiv.

Ein Blick über die Corona-Sammlung
Auswahl aus der Corona-Sammlung des Stadtarchivs

Ein Dank an alle Corona-Sammler

Der Coronavirus hat unser Leben nachhaltig verändert und beeinflusst unseren Alltag nach wie vor. Wie der Virus auf unser Leben Einfluss nimmt, zeigt die mittlerweile reich gefüllte Corona-Sammlung im Stadtarchiv. Anfang Mai rief die Institution alle Bürger*innen in und um Dresden dazu auf, am Aufbau einer Corona-Sammlung mitzuwirken. Seither wächst die Sammlung Stück für Stück. Über 2.500 Einzeldokumente, darunter auch kleine Kunstwerke, gehäkelte Masken und Corona-Witze, sind bereits enthalten. Für diese großartige Beteiligung dankt das Stadtarchiv allen fleißigen Unterstützern.

Fotoimpressionen aus der Corona-Sammlung


  • Werbeschild mit Verhaltensregeln im Umgang mit Covid19.
  • Von Erziehenden einer Kindertagesstätte am Zaum aufgehangene Zettel mit der Aufschrift "Liebe Kinder, wir vermissen euch"
  • Die Kirche in der Bünaustraße in Dresden Löbtau. Am Zaun hängen Hinweiszettel für geschriebene Texte, die zum mitnehmen gedacht sind. Auf einem Zettel steht Ermutigung to go.
  • Der menschenleere Neumarkt
  • Vom Balkon fotografiert. Mit Kreide auf den Gehweg geschrieben. Ich geh morgen zum Arzt. Was fehlt dir denn? Dynamo
  • wegen Covid19 abgesperrter Spielplatz
  • Auf dem Gehweg vor dem Kulturpalast liegende Elektroroller. Keine Menschen sind auf dem Foto.
  • Plakat im Schaukasten. Die städtischen Kulturbetriebe kündigen den Vorstellungsausfall an.
  • Kammerchor mit Abstand. Vier Sängerinnen auf der Bühne und ein Dirigent im Mittelgang. Weitere Musikerinnen sitzen an den Seiten der Kirche. Zuschauer befinden sich auf der Empore.
  • Brühlsche Terrasse. Kein Mensch weit und breit zu sehen.
  • Kaum Fahrgäste auf dem Bahnhof Dresden Neustadt
Werbeschild mit Verhaltensregeln im Umgang mit Covid19. Von Erziehenden einer Kindertagesstätte am Zaum aufgehangene Zettel mit der Aufschrift "Liebe Kinder, wir vermissen euch" Die Kirche in der Bünaustraße in Dresden Löbtau. Am Zaun hängen Hinweiszettel für geschriebene Texte, die zum mitnehmen gedacht sind. Auf einem Zettel steht Ermutigung to go. Der menschenleere Neumarkt Vom Balkon fotografiert. Mit Kreide auf den Gehweg geschrieben. Ich geh morgen zum Arzt. Was fehlt dir denn? Dynamo wegen Covid19 abgesperrter Spielplatz Auf dem Gehweg vor dem Kulturpalast liegende Elektroroller. Keine Menschen sind auf dem Foto. Plakat im Schaukasten. Die städtischen Kulturbetriebe kündigen den Vorstellungsausfall an. Kammerchor mit Abstand. Vier Sängerinnen auf der Bühne und ein Dirigent im Mittelgang. Weitere Musikerinnen sitzen an den Seiten der Kirche. Zuschauer befinden sich auf der Empore. Brühlsche Terrasse. Kein Mensch weit und breit zu sehen. Kaum Fahrgäste auf dem Bahnhof Dresden Neustadt

Krankheiten und Seuchen in Dresden im Lauf der Jahrhunderte

MDR um 4 im Stadtarchiv

Wie das Coronavirus unseren Alltag verändert, zeigt die mittlerweile reich gefüllte „Corona-Sammlung“ im Stadtarchiv der Landeshauptstadt Dresden. Einen Einblick in unsere Corona-Sammlung sowie in die Geschichte der Pandemien in Dresden erhielten Sie am 16. Dezember 2020 bei der Sendung "MDR um 4".

Zu sehen ist der Beitrag in der MDR Online-Mediathek:

www.mdr.de

Wir sind dankbar, wenn auch Sie uns Ihre eigenen Erlebnisse und Erinnerungen zur Verfügung stellen und die Corona-Sammlung des Stadtarchivs Dresden mehren möchten.

Magazin im Stadtarchiv Dresden. Teile der Corona-Sammlung sind aufgebaut. Personen von links nach rechts Frau Dr. Drebinger-Pieper, Herr Professor Kübler und Herr Götz.
v.l.n.r. Frau Dr. Drebinger-Pieper, Herr Professor Kübler, Herr Götz vom MDR.
Dresden und die Empidemien - Ein Gespräch im Stadtarchiv.

Dresden und die Empidemien

Die Entstehung bzw. das Wachstum von Städten war stets eng verbunden mit den Ausbrüchen von Krankheiten und Seuchen. Ursächlich dafür waren bekanntlich schlechte hygienische Lebensbedingungen, die sich unter anderem aus der Knappheit von Nahrungsmitteln und Wohnraum ergaben, ebenso wie aus der Müll- und Fäkalienentsorgung oder der Haustierhaltung zur Nahrungsmittelproduktion. Als Katalysator für ansteckende Krankheiten wirkten Naturkatastrophen, Ernteausfälle und Kriegsereignisse, die Mangelernährung zur Folge hatten und somit eine Beeinträchtigung des Immunsystems begünstigten. Die Verbreitung über große Distanzen hinweg erfolgte durch Handel und Fremdenverkehr.

Epidemien in der Vergangenheit

Der MDR Sachsenspiegel zu Gast im Stadtarchiv

Der Blick in die Geschichte zeigt deutlich, dass Ausbrüche von Epidemien eine deutliche Zäsur im städtischen Leben darstellten. Der Umgang damit ähnelt dem aktuellen Vorgehen, auch wenn Diagnose- und Therapiemaßnahmen natürlich nicht in dem gleichen Rahmen zur Verfügung standen. Die Bevölkerung wurde stark in die Bekämpfungsmaßnahmen eingebunden und musste (teils unter Protest) tiefgreifende Einschränkungen in Kauf nehmen. Die eingeleiteten Maßnahmen ließen aber auch in den zurückliegenden Epidemiewellen erkennen, dass bei den Einschränkungen wirtschaftliche Aspekte nicht außer Acht gelassen wurden.

Ratsurkunde vom 12. Oktober 1463
Ratsurkunde vom 12. Oktober 1463

Pest

Ein erster schriftlicher Hinweis zur Pest in Dresden fällt auf das Jahr 1349. In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten wurde die Stadt immer wieder von ansteckenden Krankheiten befallen, die allesamt unter dem Begriff „Pestilenz“ subsumiert wurden. Zur Eindämmung und Bewältigung erließen die Landesherren sowie der Rat der Stadt zahlreiche Handlungsanweisungen, die sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens tangierten. Es wurden Maßnahmen ergriffen, die eine Isolierung und Betreuung erkrankter Patienten in Pesthäusern und Hospitälern möglich machen sollten. Nachdem im Jahre 1463 Schüler der Kreuzschule an der Pest verstorben waren, kam es zum ersten urkundlich nachweisbaren Erlass des Landesherren, namentlich Kurfürst Friedrich II., keine Fremden mehr in die Stadt einzulassen

Eine Verschärfung der Maßnahmen ist für das Jahr 1474 nachgewiesen, bei denen die Einwohner unter anderem dazu angehalten wurden, die Stadttore zu hüten, tote Körper zu meiden, die Leichen nicht zum Begräbnis zu begleiten, sowie Hab und Gut der Verstorbenen nicht ohne ausreichende Zeit und Reinigung an sich zu nehmen. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts werden erstmals Maßnahmen zur Ursachenbekämpfung dokumentiert: Straßen wurden gereinigt, der Kontakt mit möglichen Infizierten streng gemieden, die Kontakte in Wirtshäusern eingeschränkt und für den Gottesdienst in der Bartholomäikirche wurde eigens eine steinerne Kanzel, die sogenannte Pestkanzel, außerhalb der Kirche an der Kirchmauer aufgestellt.

In der am 14. Dezember 1566 erlassenen Pestordnung wurde von Seiten des Stadtrates beklagt, dass die Einwohner früheren Anordnungen nicht Folge leisteten, Vorsichtsmaßnahmen und Verkehrsbeschränkungen nicht akzeptierten, sodass die Maßnahmen mittels Leibes- und Geldstrafen durchgesetzt werden sollten.

1680 trat die Pest letztmalig in Dresden auf. Die auf landesherrlichen Befehl für Dresden geführten Totenverzeichnisse der Einwohner weisen 5103 Pestopfer aus (andere historische Aufzeichnungen verweisen dagegen auf circa 8000 Personen). Die umfangreiche Seuchenverordnung des Rates sah unter anderem vor, dass jeder Hauswirt im Falle einer Quarantäne, ausreichend Nahrungsmittel für mehrere Monate vorhalten, das Haus säubern und es zweimal täglich mit Wacholderbeeren, Birkenrinde, Büchsenpulver oder Schwefel ausräuchern sollte. Kam es nachweislich zur Infektion eines Bewohners wurde das Haus mit allen Einwohnern vorübergehend von außen verschlossen. Im Falle eines Pesttodes musste die Leiche umgehend gemeldet, entfernt und binnen 24 Stunden bestattet werden. Die Vielzahl der Verstorbenen führte bereits in den 1630iger Jahren zu einer dringend notwendigen Vergrößerung des Johannis- und des Lazarettfriedhofs sowie 1680 zur Errichtung des Elias-Friedhofs als Pest- und Seuchenfriedhof.

Aktentitel einer Akte aus dem Jahr 1813. In der Akte geht es um den Ausbruch des sogenannten Nervenfiebers, heute unter dem Begriff Typhus bekannt.
Akte zum Ausbruch des Nervenfiebers in Dresden im Jahr 1813

Typhus

Während der Befreiungskriege 1813 wurde die Stadt vom sogenannten Nervenfieber befallen, das heute allgemein als Typhus abdominalis bekannt ist. Die Königlich Sächsische Polizeikommission verordnete, dass der Kontakt zu infizierten Verstorbenen und deren verbliebenen Besitz zu vermeiden sei. Leichen, abgedeckt mit einem schwarzen Wachstuch, zum Grab gefahren und nicht getragen werden. Auch die bereits erprobte Ausräucherung des Wohnraumes wurde festgelegt. Die Entwicklung der Typhusepidemien in Dresden dokumentierte der Arzt des Dresdner Stadtkrankenhaus Alfred Fiedler und veröffentlichte 1884 seine Studie „Über das Verhalten des Typhus abdominalis in Dresden in den letzten 34 Jahren“. Bereits in einem Beitrag der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde in Dresden aus dem Jahr 1875 hatte Fiedler seine Beobachtungen geschildert und damit Langzeitstudien als Mittel der Krankheitsbekämpfung propagiert. Wie bereits bei der Pest rückten die Hygienebedingungen in den Fokus der untersuchenden Mediziner. Insbesondere der Zustand der Kloaken und Schleusen sowie die Qualität des Trinkwassers wurden als problematisch angesehen. Gefordert wurde neben der Abwendung von der Wasserversorgung mittels Brunnen durch den Aufbau von Wasserleitungen und Kanalisationssystemen, eine allgemeine Verbesserung hygienischer Zustände durch öffentliche Gesundheitspflege. Dazu gehörte neben der Bereitstellung sauberen Wassers auch die Anleitung zum Selbstschutz durch wiederholte gründliche Reinigung des eigenen Körpers sowie des gesamten Haushaltes. Die Behandlung eines Patienten sollte ausschließlich unter Anwendung von Desinfektionslösungen stattfinden, deren ordnungsgemäßer Gebrauch, beispielsweise Mischverhältnisse, Anwendungsdauer und Einwirkzeit erst vermittelt werden mussten (Verhaltensvorschriften bei der Pflege von Typhuskranken herausgegeben vom Rat der Stadt Dresden am 26. Oktober 1907) . Typhus blieb allerdings bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ein wesentliches Problem und erlebte in den Monaten nach Kriegsende 1945 eine letzte Hochzeit. Die schlechten Lebensverhältnisse, insbesondere durch die Unterernährung der Bevölkerung, führte zu einer für Dresden ungewöhnlich starken Ausdehnung. Die Epidemie erreicht mit 70 Erkrankungen pro Woche ihren Höhepunkt im August 1945. Die sowjetische Militärverwaltung griff mit Ärzten und Sanitätspersonal ein, stellte Desinfektionsmittel und Impfstoff zur Verfügung. Der erfolgreiche Einsatz eines Impfstoffes ging auf den mikroskopischen Nachweis des Erregers durch Carl Joseph Eberth zurück und wurde erstmals Ende des 19. Jahrhunderts durchgeführt.

Verhaltensregeln während einer Choleraepidemie
Merkheft zu Verhaltensregeln während einer Cholera-Pandemie

Cholera

Im Gegensatz zur verhältnismäßig langen Inkubationszeit des Typhus (in der Regel 1–3 Wochen) ist Cholera durch plötzlich auftretende Durchfälle und Erbrechen gekennzeichnet. Es kommt dabei zu einer raschen Austrocknung des Körpers und den Verlust von wichtigen Mineralien. Das Cholerabakterium (Vibrio cholerae) wurde allerdings erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Robert Koch entdeckt. Eine konkrete medizinische Versorgung ließ sich daraus nicht ableiten und somit blieb die Sterblichkeitsrate weiterhin hoch. Die erste namentlich benannte Choleraepidemie lässt sich in Dresden für das Jahr 1831 nachweisen. Am 10. Juni 1831 erschien die erste Bekanntmachung, wie man die Cholera erkennen und sich im Vorfeld gegen sie schützen kann. Am selben Tag beantragte die sächsische Landesregierung die Bildung einer Immediat-Commission, welche die Leitung sämtlicher Gesetze und Regeln rund um die Cholera übernehmen sollte.

So wurde die Bevölkerung davon in Kenntnis gesetzt, dass sie sich vor Erkältungen und anderen Krankheiten zu schützen habe, damit der Körper nicht zu entkräftet wird, um der Cholera keinen Angriffspunkt zu geben. Aus gleichem Grund sollten Geist und Körper nicht durch übermäßige Arbeit geschwächt werden. Es wurde außerdem empfohlen, regelmäßig die Wohnung zu lüften und dem Körper genügend Nachtruhe zukommen zu lassen. Gewarnt wurde hingegen vor übermäßigem Genuss fetthaltiger Speisen und Alkohol.

In den Ratsakten finden sich Aufzeichnungen zur Abwendung der grassierenden Cholera. Die Maßnahmen waren dabei sehr umfangreich. Schulen seien im Falle eines Choleraausbruchs sofort zu schließen. Ansonsten sollen die Menschen dennoch einem geregelten Leben nachgehen. Bei Einkäufen sollen große Menschenansammlungen gemieden werden. Da die Stadt nach Ausbruch der Cholera abgeriegelt wurde, war der Handel mit Nahrungsmitteln nur eingeschränkt möglich.

Neben Zeitungsartikeln wurden die Bewohner Dresdens durch Flugblätter über Neuerungen informiert. Ein solcher Fall wurde für den 4. Juli 1831 dokumentiert, als eine Bekanntmachung der Polizeibehörde in beiden Medien erschien. Darin verkündete diese, dass alle Wirte und Herbergsväter sofort jeden Fremden in der Stadt melden mussten, da sie ansonsten eine Strafe zu erwarten hätten. Einreisende wurden häufig kontrolliert und nur diejenigen nach Sachsen und später nach Dresden eingelassen, die ordentliche Papiere besaßen. Dennoch konnte es passieren, dass doch einmal jemand durch die Kontrollen rutschte. Wurden Fremde gemeldet und hatten diese keinen gültigen Gesundheitspass bei sich, wurden sie in Beobachtungsanstalten verbracht, in den meisten Fällen in die vorbereiteten Contumazanstalten(Quarantäneanstalten).

Die Zeitung Dresdner Neueste Nachrichten vom 8. Oktober 1918 berichtet über das Auftreten einer neuartigen Grippe
Die Zeitung Dresdner Neueste Nachrichten vom 8. Oktober 1918 berichtet über das Auftreten einer neuartigen Grippe

Spanische Grippe

In den Dresdner Neuesten Nachrichten findet sich ein erster Hinweis auf die „Neue Grippe“ am 8. Oktober 1918. Berichtet werden über den alarmierenden Zustand der Nachbarländer und die hohe Sterblichkeitsrate, insbesondere in Folge der auftretenden Lungenentzündung. Dass sich auch der Zustand in Dresden drastisch verschlechterte, bestätigen die Unterlagen des Krankenpflegeamtes zur „Grippeerkrankungen“. Bereits die ersten Einträge vom 11. und 12. Oktober 1918 thematisieren die Überfüllung der städtischen Krankenhäuser und die Einrichtung einer „Grippe-Station“ in der Heil- und Pflegeanstalt. Die Höchstzahl der Patienten belief sich am 26. Oktober 1918 auf 111 Personen. Im Krankenhaus Friedrichsstadt war der Höchststand bereits am 17. Oktober mit 1034 Erkrankten erreicht, im Krankenhaus Johannstadt waren es im Zeitraum vom 11. Oktober bis zum 25. Oktober 1918 806 Personen. Die städtische Krankenkasse gab an, dass die Zahl der Erwerbsunfähigen von Anfang bis Ende Oktober von 53 auf 153 Personen gestiegen sei.

Außerdem kam es über die Empfehlung des Reichsgesundheitsrates hinaus zum allgemeinen Veranstaltungsgebot. Dagegen formierten sich Proteste insbesondere die Geschäftsführer privater Theater erhoben beim Rat, den beiden Dresdner Kreishauptmannschaften sowie beim Ministerium Einspruch und verwiesen auf die erheblichen finanziellen Belastungen, die durch den Ausfall der Veranstaltungen und die Lohnfortzahlungen der Angestellten zu Stande kämen.

Der Stadtrat in Dresden war bemüht aktiv und restriktiv dem Fortschreiten der Grippe entgegen zu wirken. Mittels zusätzlicher Lebensmittelrationen sollte die körperliche Konstitution der Bevölkerung gestärkt werden. Der Schulbesuch ebenso wie das Abhalten aller öffentlichen Veranstaltungen mit größeren Menschenansammlungen wurde bis zum 20. Oktober 1918 zurückgefahren und ab diesem Zeitpunkt untersagt. Während Theater, Kino und Konzerte geschlossen blieben, wurde der Gottesdienst in gewohnter Weise fortgeführt. Begründet wurde die harte Maßnahme mit dem schnellen ansteigen der Krankenzahlen sowie dem schweren Verlauf.

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