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Archivalien des Monats

Januar 2026

Broschüre des Staubsaugapparates „Atom“
Broschüre des Staubsaugapparates „Atom“

»Die epochalste Erfindung der Neuzeit« erhält Einzug in die Stadtverwaltung. Der Staubsaugapparat ›Atom‹ von Edmund Kussi

Für viele Menschen beginnt das neue Jahr nach Weihnachten und Silvester mit einem großen Bodenschwung. Als gründlicher und schneller Helfer gilt dabei der Staubsauer. Nach über einem Jahrhundert Entwicklungsarbeit sind die Geräte heute handlich, leicht und schnurlos oder kommen gar als Roboter daher. Warum der Staubsaugapparat bereits zur Zeit seiner Erfindung als epochalste Erfindung galt, erfahren Sie in unserer Archivale des Monats. 

Im Oktober 1906 wandte sich der in Dresden ansässige Geschäftsmann Edmund Kussi (1866–1935) mit verschiedenen Broschüren zum Staubsaugapparat „Atom“ an das Marstall- und Bestattungsamt der Stadt Dresden. Der nahe Pilsen geborene Kussi war 1906 mit seiner Familie nach Dresden gezogen und wurde in den Adressbüchern als „Alleinvertrieb des Staubsaugapparates ›Atom‹ für Sachsen und Thüringen“ geführt. Eigentlicher Hersteller war der Österreicher Gustav Robert Paalen (1873-1945). Bereits kurz nach der Jahrhundertwende hatte Paalen US-Patente für die Staubsaugerapparate „Santo“ und „Atom“ erworben und diese erfolgreich weiterentwickelt. Erster Einsatzort war unter anderem die Wiener Hofburg. Dieser elitäre Kunde öffnete auch andernorts die Türen, wie der Vertriebler Kussi in seiner Werbebroschüre zum Staubsaugapparat „Atom“.

Sein Ziel war es, den Verkauf des Produktes zu befördern, indem er den Mehrwert des Apparates für die Reinigung der städtischen Bestattungswagen und Kutschen bewarb. Der ›Atom‹ war dabei keineswegs neu in der Stadtverwaltung, sondern kam bereits bei der Reinigung der Straßenbahn zum Einsatz. Obwohl die Anschaffung eines weiteren Apparates durch das Amt abgelehnt wurde, verweisen die überlieferten Werbebroschüren auf ein breites Spektrum zufriedener Kunden aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen, angefangen bei der Hofhaltung des sächsischen Königshauses bis hin zu Privathaushalten, Fabriken, Geschäftshäusern, Sanatorien, Hotels und Kaffeehäusern.

Eine persönliche Vorführung dieser „epochalste(n) Erfindung der Neuzeit“, wie Kussi den Staubsauger in den Werbetexten nannte,   bot er täglich in seinem Geschäft in der Seestraße 18 an und erklärte ausführlich die Funktionsweise wie auch den Mehrwert des Gerätes. Dieser lag nicht ausschließlich in der gründlichen Reinigung der Teppiche, Bodenbelege und Wandvorhänge, sondern erwies der Gesellschaft hinsichtlich der Hygiene wertvolle Dienste. Dank neuer Technik konnte auf das bis dahin gebräuchliche Teppich ausklopfen, das Schmutz und Keime in die Luft und in die Atemwege des Reinigungspersonals verbrachte, verzichtet werden.

Die Broschüre des Staubsaugapparates ›Atom‹ ist beispielhaft für die Konsumkultur des täglichen Lebens im industriellen Deutschen Kaiserreich zur Jahrhundertwende. Logo und Design der Produkte folgten der damals aktuellen Mode des Jugendstils und durch den Verweis auf errungene Auszeichnungen im Rahmen von Hygiene- und Fortschrittsausstellungen wurden die Kunden zum Kauf angeregt. Auf diese Weise Begann der Siegeszug des Staubsaugers in die europäischen und amerikanischen Haushalte und eroberte bald darauf die ganze Welt.

Dr. Sylvia Drebinger-Pieper

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 9.1.13 Marstall- und Bestattungsamt, Nr. 50, Bl. 46a