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Archivalien des Monats

Februar 2024

Zeitungskopf des Wochenblattes „Leipzig-Dresdner-Eisenbahn“ aus dem Jahr 1842
Zeitungskopf des Wochenblattes „Leipzig-Dresdner-Eisenbahn“ aus dem Jahr 1842

„Die Leipzig-Dresdner-Eisenbahn“. Ein Wochenblatt zwischen Technikbegeisterung und -skepsis.

Die öffentliche Aufmerksamkeit, welche die im Jahre 1839 eröffnete erste europäische Ferneisenbahnlinie zwischen Dresden und Leipzig erregte, muss enorm gewesen sein. Nicht nur die einschlägige Reiseliteratur rückte die entstandenen Bahnhofsanlagen rasch unter die Top-Fünf der Dresdner Sehenswürdigkeiten. Auch das sich seinerzeit ausdifferenzierende lokale und überregionale Pressewesen fand hierin seit der Projektierungsphase und bis in die ersten Betriebsjahre hinein ein wachsendes Lesepublikum. Dieses räsonierte mitunter euphorisch über die humanen Fortschrittsmöglichkeiten der Dampfeisenbahn. Es beklagte teils das nahe Ende ruhiger, beschaulicher Lebenswelten oder mahnte gar vor einem möglichen Missbrauch nunmehr entfesselter technischer Potentiale. Zum breiten öffentlichen Diskurs gesellten sich literarische, poetische und satirische Reflektionen zum „eisernen Dampfross“ als neuen Fortschrittssymbol.

Der mediale Markt begann bald auf diesen geschäftsförderlichen Trend zu reagieren. Journalisten befeuerten ihn mit Inhalten und Verleger begannen thematisch spezialisierte Zeitschriften herauszugeben. Neben der „Erzgebirgischen“ und der „Pönickischen Eisenbahn“, erschienen Blätter mit dem Titel „Dampfwagen“ oder „Komet“ - nach einer seinerzeit populären Leipziger Lokomotive.

Die von 1839 bis 1843 beim Leipziger Verleger und Redakteur N. Büchner erscheinende „Leipzig-Dresdner-Eisenbahn“ trug den Untertitel „Ein Wochenblatt für Deutschland“ und spielte auch in ihrer inhaltlichen Strukturierung humorvoll mit Eisenbahnmetaphorik. Dabei hielten sich unterhaltsame, intelligente und nachdenkliche Stimmen durchaus die Waage. Mit kritischen Tönen wurden etwa die miserablen bis gefährlichen Reisebedingungen für die ärmsten Bevölkerungsteile in offenen „Kälberwagen“ kommentiert, das Einziehen der Pässe vor Fahrtantritt oder das Abschließen der Wagons. Daneben wurden Vorschläge für mehr Betriebssicherheit diskutiert.

Besonders beflügelte die neue Bahntechnik weitere Fortschrittsphantasien darüber, wie Maschinen die Welt künftig weiter verändern könnten. In der Ausgabe vom 17. November 1841 formulierte ein Beitrag Gedanken, die man aus heutiger Sicht durchaus als hellsichtig bezeichnen könnte: Die Erfindung der Eisenbahn verkleinere die Erde. Geografie könne man nunmehr nicht nur aus Büchern, sondern zugleich auch Vor-Ort studieren. Maschinen könnten Tag und Nacht für die Menschen arbeiten, ganze Städte in Kürze erbauen, Häuser in einem Guss erstellen sowie fertig gedruckte Bücher und Zeitungen hervorbringen, Briefe und Buchführungen automatisiert erledigen, die Felder von selbst pflügen und den Menschen „Engeln gleich“ das Fliegen ermöglichen. Dass sich mit dem Fortschrittssymbol Eisenbahn bald auch sprichwörtliche „Höllenfahrten“ planen und durchführen ließen, zeichnete sich schon früh nach deren Erfindung ab. Bereits 1842, nur wenige Jahre nach Eröffnung der Strecke, erschienen erste militärstrategische Publikationen, wie etwa „Die Eisenbahnen und ihre Bedeutung als militärische Operationslinien“ von Karl Eduard Poenitz. Dessen Theorien sollten schon 1849 praxisrelevant werden, als es galt, Preußische Truppenverstärkung zur Niederschlagung des Maiaufstandes zügig nach Dresden zu mobilisieren. Gut einhundert Jahre später war die Eisenbahn, einstige Hoffnungsträgerin menschlichen Fortschritts, auch zu einem zentralen Instrument nicht nur militärischer Truppen- und Rüstungsgüterbewegungen zweier Weltkriege geworden. Sie bildete auch die Infrastruktur für die Planung und Umsetzung der massenhaften Vertreibungen, Deportationen und Vernichtungen von Menschen im 20. Jahrhundert.

Dr. Stefan Dornheim

Quelle: Stadtarchiv Dresden, Bestand Bibliothek/Zeitungen Z. 272

Januar 2024

Seite aus dem Winterkatalog des Sportkaufhauses Hermann Mühlberg in Dresden
Seite aus dem Winterkatalog des Sportkaufhauses Hermann Mühlberg in Dresden

Das fröhlich frische Wintervergnügen

Sobald die ersten Schneeflocken fallen und liegen bleiben, ziehen Kinder wie Erwachsene auf die Rodelhänge, um mit ihren Schlitten die Hänge herunterzufahren. Das winterliche Rodeln ist nach wie vor ein sehr beliebtes Freizeitvergnügen. Auch der professionelle Rodelsport erfreut sich großer Beliebtheit. Am Ende des 19. Jahrhunderts war das Rodeln noch das bescheidene Wintervergnügen der Alpenbewohner. Doch schon wenige Jahre nach der Jahrhundertwende trat der Rodelsport einen wahren Siegeszug an. Dies lag wohl vor allem daran, dass kein anderer Sport so leicht erlernbar war und gleichzeitig so viel Freude bereitete. Man benötigte nur das richtige Equipment.

Auf diesen Winterspaß hatte sich in Dresden ganz besonders das Kaufhaus Hermann Mühlberg eingestellt und gab für die kalte Jahreszeit einen eigenen Katalog für Wintersport und Touristik heraus. Somit konnten die Dresdnerinnen und Dresdner alles Notwendige für ihre Freizeitgestaltung besorgen. Auf zwölf Katalogseiten wurden die verschiedensten Schlitten, Rodel, Bobsleighs und Skeletons angeboten. Der größte Teil des Sortiments umfassten die typischen Rodel, die auch heute noch sehr beliebt sind. Die Davoser-, Tiroler- oder Alpenrodel gab es in unterschiedlichen Varianten und Preisklassen. Es gab Holz- oder Stahlrohrschlitten in der Ausführung mit ein, zwei oder drei Sitzen. Das Kaufhaus hielt aber auch Sondervarianten vor. Einige Modelle besaßen eine Klappfunktion, um den Rodel auf dem Rücken tragen zu können. Andere waren mit einem Lenkrad wie bei einem Automobil ausgestattet.

Da das Rodeln noch eine junge Sportart war, gab es im Katalog auch eine Handlungsanweisung für unerfahrene Piloten, denn eine gewisse Technik ist unerlässlich. So sollten die ersten Versuche bei höchstens zehn Prozent Gefälle und wenig Kurven ausgeführt werden. Die richtige Sitzposition, also weit hinten sitzen, den Oberkörper zurückneigen und die Füße fest anlegen, sei einzuhalten. Mit den Füßen wird gelenkt und gebremst, wobei der Bremsvorgang durch das Hochreißen des Schlittens unterstützt wird. Als Sicherheitshinweis galt, dass bei einem eigenen Sturz die Bahn schnellstens mit dem Rodel verlassen wird. Dahingehend hat sich bis heute wenig geändert.

Marco Iwanzeck

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 17.4.1 Drucksammlung, Nr. 278/2