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Archivalien des Monats

Januar 2021

Einblick in das sanierungsbedürftige Güntzbad im Jahr 1955.
Lädiert, aber durchaus sanierbar. Zustandsaufnahme der Damenschwimmhalle vom 28. April 1955

Schwimmen und Schwitzen im großen Stil. Zur Geschichte des Güntzbades in Dresden

Mit den Worten „Dem Bauherrn zur Ehr‘, der Stadt zur Zierde, den Mitbürgern zum Segen“ übergab Stadtbaurat Hans Erlwein (1872-1914) im Dezember 1905 feierlich das neu errichtete Güntzbad in die Hände der Stadtverwaltung. Nach der Eröffnung am 2. Januar 1906 verfügte die Großstadt Dresden somit endlich über ein modernes städtisches Hallenbad. Bereits 1897 soll Oberbürgermeister Otto Beutler (1853-1926) bei einem Besuch des „großen Schwimmbads“ in Stuttgart die Idee hierzu entwickelt haben. Die Initiative für die Realisierung des Projektes ergriff die gemeinnützige Dr. Güntz’sche Stiftung, die für sämtliche Baukosten aufkam und der Stadt zusätzlich einen Reservefond zur Instandhaltung zur Verfügung stellte. Die Stiftung erwarb am 1. April 1899 zunächst Grundstücke unmittelbar an der Carolabrücke in der Marschnerstraße und am Elbberg. Die beiden Straßenfronten wurden mit Wohn- und Geschäftshäusern bebaut, während die Badeanlagen im hinteren Teil der Grundstücke errichtet wurden. Für Anregungen zur baulichen Gestaltung reiste Stadtbaurat Edmund Bräter (1855-1925) sogar eigens zum Müller‘schen Volksbad nach München.

Das Güntzbad war einer der bedeutendsten Jugendstilbauten in Dresden und verfügte über ein Herren- und ein Damenbecken, ein römisch-irisches Schwitzbad, ein Hundebad sowie etwa 50 Zellen für Wannenbäder. Auch ein Erfrischungsraum, eine Wäscherei und ein Friseur waren vorhanden. Das Wasser wurde über einen eigenen Brunnen bezogen und ein Pumpwerk sorgte für einen regelmäßigen Wasseraustausch. Der Gesamtaufwand für den Bau betrug etwa 1,5 Millionen Mark. Von Anfang an entwickelte sich das Bad zum Besuchermagnet: 1906 waren bereits 195 232 Gäste zu verzeichnen, bis 1925 erhöhte sich die Zahl auf 703 228. Der Blick auf die insgesamt rund 558 000 Besucherinnen und Besucher im Jahr 2019 in allen sieben Dresdner Schwimmhallen erlaubt Vermutungen über das damalige Gedränge in den Badeabteilungen und Schwitzstuben. In der Folge verschwanden viele der etwa 50 kleineren, privaten Badeanstalten und das Güntzbad konnte den Besucherstrom nicht mehr aufnehmen. Daher wurde 1925 unter Stadtbaurat Paul Wolf (1879-1957) ein Erweiterungsbau mit Kurbadeabteilung projektiert, der im April 1927 eröffnet werden konnte. Zugleich erfolgte eine Modernisierung der älteren Bauten und der technischen Betriebsanlagen. So war das Güntzbad möglicherweise das erste deutsche Hallenbad mit Unterwasserbeleuchtung. In der Badeanstalt fanden nun 143 Personen eine Beschäftigung, darunter auch ein „Badearzt“.

Bei den Luftangriffen im Februar 1945 wurden die Gebäude zwar beschädigt, aber nicht zerstört. Die Wiederherstellung fand bis Ende der 1950er Jahre weitgehend Befürwortung, da der Bäderbedarf in Dresden hoch war und durch den teilweise sehr guten Erhaltungszustand hierfür nur „verhältnismäßig geringe finanzielle und baustoffmäßige Mittel“ notwendig waren. Trotzdem wurde die Instandsetzung immer wieder verschoben und das Güntzbad 1964 schließlich abgerissen. Damit verschwand ein Wahrzeichen der Dresdner Bade- und Stiftungskultur endgültig aus dem Herzen der Stadt.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 6.4.40.1, Stadtplanungsamt Bildstelle, Schlüssel II8942, Nr. 1, unbekannter Fotograf, bearbeitet.

Johannes Wendt

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