Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de

https://www.dresden.de/de/rathaus/aemter-und-einrichtungen/unternehmen/stadtarchiv/archivalien-des-monats.php 02.10.2020 08:38:47 Uhr 21.10.2020 06:38:11 Uhr

Archivalien des Monats

Oktober 2020

Auf dem Foto sind im Hintergrund das Sachsenbad und die Bibliothek zu sehen. Vordergrund spielen Kinder in einem Springbrunnen. Es ist ein sommerlicher Tag.
Fotografien Volksbad Dresden Neustadt Nord-West (Sachsenbad)

Ein „herausragendes städtisches Projekt der Weimarer Republik“. Das Sachsenbad in Dresden-Pieschen

Das vom Stadtbaurat Paul Wolf (1879–1957) entworfene Volksbad Dresden Neustadt Nord-West in Pieschen, seit den 1930er-Jahren auch als Sachsenbad bezeichnet, entstand in den Jahren 1927 bis 1929 und gehört neben dem Bau des Deutschen Hygienemuseums zu den bedeutenden noch existierenden Großbauten der Klassischen Moderne in Dresden.

Der Bau entstand zusammen mit der angrenzenden Volksbibliothek, mit der er durch einen überdachten Gang verbunden ist und einen rechteckigen Platz mit Wasserbecken umschließt. Er ist Teil eines größeren stadtplanerischen Zusammenhanges. Das Bauensemble bildete den Auftakt zu den sich anschließenden Sportanlagen sowie zu einem Grünzug mit Schrebergärten. Der Idee eines Forums folgend, bildete die Anlage den baulichen wie ideellen Mittelpunkt eines teilweise neu entstehenden Wohnviertels, zu dem unter anderem eine modern-dynamische Wohnsiedlung von Hans Richter (1882–1971), dem wichtigsten Dresdner Architekten des Neuen Bauens, gehört. Das Ensemble wurde, so die Argumentation der Denkmalschutzbehörde, „als herausragendes städtisches Projekt der Weimarer Republik, das Funktionen, wie Bildung, Sport und Wohnen miteinander verband“ unter Schutz gestellt.

Die vielfältigen Funktionen (Schwimm-, Wannen- und Brausebad, Kurabteilung, Gymnastiksaal, Erfrischungsraum, Friseur, Bibliothek) dieses einstigen Stadtteilzentrums wurden im Laufe seines 65jährigen Betriebes rege genutzt, zeitweise von über 300.000 Besuchern im Jahr. Daraus ergibt sich neben seinem architektur- und kulturgeschichtlichen Wert eine hohe orts- und sozialgeschichtliche Bedeutung für die umliegenden Stadtviertel. Zugleich verbindet sich mit dem Bau ein Identifikationspotenzial, welches seit seiner Schließung im Jahr 1994 auch gegenwärtig ungebrochen stark erscheint und sich seit 2006 auch in Form einer starken Bürgerinitiative, Petitionen und anderen Aktionen äußert.

Dresden hat neben Hellerau und dem Hygienemuseum bezüglich der Reformbewegungen der klassischen Moderne ein vielfältiges materielles und immaterielles Kulturerbe aufzuweisen, welches derzeit erst schrittweise wiederentdeckt und in seiner Bedeutung neu erkannt wird. Dessen wissenschaftliche, kulturelle und auch touristische Erschließung dürfte für die Stadt Dresden auch zukunftsperspektivisch von besonderem Wert sein.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 6.4.40.1 Stadtplanungsamt Bildstelle, Nr. II7602, II7248, II7241, unbekannter Fotograf, 1929–1934.

Stefan Dornheim

September 2020

Auf dem Bild ist die Geschäftsempfehlung der Dresdner Reiseutensilien- und Lederwaren-Fabrik von Gottfried Luithard Lippold zu sehen. Er wirbt für Koffer aller Art. Beispielsweise Büffelleder-Koffer, Damenkoffer, aber auch für Schultaschen und Ranzen.
Werbetext der Dresdner Reiseutensilien- und Lederwaren-Fabrik von Gottfried Luithard Lippold.

„Ich leiste für die Sicherheit und Haltbarkeit dieser Koffer jede Garantie.“ Die Dresdner Reiseutensilien- & Lederwaaren-Fabrik G. L. Lippold

Am Ende des 19. Jahrhunderts führten der wirtschaftliche Aufschwung und die moderne Entwicklung des Verkehrswesens zu einem gesteigerten Reisebedürfnis in der Bevölkerung, in dessen Folge sich ein Massenmarkt für Reisegepäck etablierte, allen voran in der Kofferproduktion. Allein in Dresden gab es um die Wende zum 20. Jahrhundert zehn Kofferfabriken. Eine davon war die 1863 gegründete „Dresdner Reiseutensilien- und Lederwaarenfabrik G. L. Lippold“, die sich aufgrund der außerordentlichen Qualität ihrer Produkte über Dresden hinaus einen Namen machte. Der Begründer und Inhaber, Gottfried Luithard Lippold (1836-1904), war ein gelernter Täschner und Tapezierer aus dem Vogtland, dessen Erfolgsprinzip auf der Verwendung hochwertiger Materialien und innovativer Herstellungsprozesse gründete. Im Februar 1863 beantragte er das Dresdner Bürgerrecht sowie das Gewerberecht für ein Täschnerei- und Tapezierereigewerbe. Dank der rastlosen Tätigkeit und der hervorragenden Fachkenntnisse Lippolds florierte das Geschäft. Wie aus der historischen Geschäftsempfehlung, unserem Archivale des Monats September, ersichtlich ist, wurden in der Fabrik zunächst Reise- und Musterkoffer gefertigt sowie Taschen aller Art und Militärausrüstungsgegenstände. Später nahm G. L. Lippold auch die Produktion der truhenartig gestalteten Rohrplattenkoffer auf. Dieses Koffermodell erfreute sich bei den Reisenden wegen seiner Leichtigkeit und Widerstandsfähigkeit – trotz des erhöhten Preises – großer Beliebtheit. Im Jahr 1880 meldete Lippold die aus Javarohr gefertigten Koffer zum Patent an. Die eingetragene Schutzmarke, die im Briefkopf des abgebildeten Schreibens zu sehen ist, betont auf kreative Weise noch einmal die Leichtigkeit der Koffer – der Storch im Zentrum des dreieckigen Metallblättchens bringt kein Neugeborenes, sondern einen Lippold‘schen Rohrplattenkoffer.

Wie aus der im Stadtarchiv aufbewahrten Bürger- und Gewerbeakte für Herrn Lippold hervorgeht, reichte der ursprüngliche Fertigungsort auf dem Grundstück Trompeterstraße 19 bald nicht mehr aus, so dass weitere Werkstätten in der Stephanienstraße 49, in der Blasewitzer Straße 45 und in der Trinitatisstraße 36 eingerichtet wurden. Im Kellergeschoss befanden sich Rohrhandpressen und eine „Fraismaschine“ für das Zerlegen des Rohrs und das Pressen der Platten. In den oberen Etagen waren die Arbeiter mit Beziehen, Streichen, Schablonieren, Lackieren, Leimen und Trocknen beschäftigt. Der „durch das Leimen und Beziehen der Rohrplatten entstehende nach der Straße abziehende widerwärtige Geruch“ führte zu Beschwerden aus der Nachbarschaft, weshalb der für die Überprüfung verantwortliche Bezirksinspektor festlegte, dass die straßenseitigen Fenster stets geschlossen zu halten seien. Die Ausstattung der Werk- und Arbeitsräume entsprachen den damaligen neuesten Standards. Die Räume waren hell, geräumig und gut ventiliert und mit Dampfheizung und Gasbeleuchtung ausgestattet. Neben einem Essraum standen den mehr als 100 männlichen Arbeitern im Alter von über 16 Jahren sanitäre Anlagen zur Verfügung. Auch auf Maßnahmen zum Arbeitsschutz wurde Wert gelegt.

Auch wenn die Dresdner Reiseutensilien-Fabrik G. L. Lippold 1931 in Folge der Weltwirtschaftskrise erlosch, können Liebhaber bis heute Exemplare der Lippold‘schen Rohrplattenkoffer im Antiquitätenhandel erwerben. Zeitlos ist auch der Verweis auf die Fabrik in der Weltliteratur Erich Kästners. Wie im vierten Kapitel seiner Autobiographie „Als ich ein kleiner Junge war“ nachzulesen ist, ging sein Vater jeden Morgen in die Trinitatisstraße, um in der „Kofferfabrik Lippold“ den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, Bestand 17.4.1 Drucksammlung bis 1945, Sign. 277, Geschäftsempfehlungen „L“.

Claudia Richert

August 2020

Das Bild zeigt den Einsturz der Augustusbrücke beim Hochwasser von 1845. In der Mitte bricht der Kreuzpfeiler mitsamt Kruxifix ab. Elbe zeigt viele Wellen, die sich an den Pfeilern brechen.
Der Einsturz des Kreuzpfeilers beim Hochwassers 1845

Das verschollene Kruzifix. Werden und Vergehen eines Wahrzeichens

Die Hochflut der Elbe im Jahr 1845 war eine der bedeutsamsten Naturkatastrophen in der sächsischen Geschichte. In der damals einzigen städtischen Elbüberquerung, der heutigen Augustusbrücke, fand der aufgewühlte Strom einen besonders unliebsamen Widersacher. Auf dem Höhepunkt des Hochwassers am 31. März 1845 riss die Elbe einen Teil des fünften Brückenpfeilers mitsamt dem darauf befindlichen Wahrzeichen in die Tiefe. Dabei handelte es sich um ein vergoldetes Kruzifix, das auf einem mit Inschriftentafel versehenen Felsenpostament aus Pirnaer Sandstein über der Elbe thronte und insgesamt etwa acht Meter hoch gewesen sein soll. Das Monument war ein beliebter Ort der Andacht und des Gebets für fromme Christen und galt als Symbol für die „historisch begründete Verbindung der Brücke mit dem Heiligen Kreuz“ in Dresden.

Der bekannte Glockengießer Andreas Herold (1623–1696) goss das Kruzifix aus Metall, das bereits 1670 unter Kurfürst Johann Georg II. (1613–1680) aufgestellt wurde. Aber schon im 16. Jahrhundert hatten ältere Kruzifixe die Brücke geziert. Bei den Brückenarbeiten unter August dem Starken (1670–1733) wurde das jüngste Modell im Jahr 1731 versetzt und durch den massiven Unterbau aus Sandstein nach Entwürfen von Zacharias Longuelune (1669–1748) ergänzt. Als unterer Abschluss des Kruzifixes wurde eine vergoldete Weltkugel mit Schlange gesetzt. Vor der Sprengung der Brücke im Jahr 1813 durch die französische Armee konnte das Monument noch entfernt werden und blieb somit unversehrt. Den unnachgiebigen Kräften des Elbstroms vermochte es jedoch nicht zu entkommen: am Vormittag des 31. März 1845 zeichnete sich ein Riss im sogenannten „Kreuzpfeiler“ ab, bevor dessen Hinterhaupt und Zierde „mit lautem Getöse" in die Fluten stürzte. In den folgenden Jahren ergaben sich jedoch keine Kapazitäten, die Wiederherstellung des Wahrzeichens voranzutreiben, da zunächst die Behebung der schweren Flutschäden höchste Priorität hatte.

Die Reparatur der Brücke wurde zwar umgehend in die Wege geleitet, allerdings konzentrierten sich die Arbeiten auf die schnelle und zugleich langfristige Sicherung des infrastrukturell höchst bedeutsamen Bauwerkes. Ab den 1850er Jahren erregte die Frage nach der Wiederherstellung des Kruzifixes zunehmend das öffentliche Interesse. Insbesondere gab es mehrfach private Initiativen, das Kruzifix zu bergen und wieder aufzustellen, damit „das lebendige Andenken an diese christliche monumentale Zierde“ nicht verloren ginge. Bei den Erörterungen im Stadtrat wurde dann zwar auch eine Prüfung der Wiederherstellung beschlossen, allerdings verlief das Projekt im Sand. Ein wesentlicher Grund hierfür war, dass bereits bei der umgehend eingeleiteten Reparatur die erneute Aufnahme eines derart ausladenden Bauwerks wegen der statischen Problematik nicht berücksichtigt wurde. Obwohl in den ersten Jahren nach dem Unglück sogar ein „Taucherapparat“ für die Auffindung verwendet worden sein soll und auch später zahlreiche Nachforschungen erfolgten, blieb das Kruzifix bis heute verschollen.

Quelle: Pescheck, C. J. L.: Der Einsturz des Kreuzpfeilers beim Hochwassers 1845, Dresden, um 1845, bearbeitet.

Johannes Wendt

Juli 2020

Einladungskarte der Stadt Dresden zur Einweihung der Carolabrücke am 6. Juli 1895. Neben dem Einladungstext ist im Hintergrund die Carolabrücke zu sehen. Im Vordergrund ist ein Löwe auf einem Sockel zu sehen.
Einladungskarte der Stadt Dresden zur Einweihung der Carolabrücke am 6. Juli 1895

Schneller und bequemer über die Elbe. Die Einweihung der Carolabrücke vor 125 Jahren

Im Juli vor 125 Jahren gab es in Dresden ein Großereignis. Nach fast drei Jahren Bauzeit konnte am 6. Juli 1895 die Königin-Carola-Brücke eingeweiht werden. Benannt wurde sie nach Carola von Wasa-Holstein-Gottorp, der sächsischen Königin und Ehefrau von König Albert. Die Einweihung fand im Beisein der königlichen Familie statt. Zudem hatte die Stadt, in Person des Oberbürgermeisters Beutler, viele Honoratioren zum Festakt eingeladen. Die Carolabrücke war mit Fahnen und Laubgewinden geschmückt und auf der Altstädter Seite standen die beteiligten Gewerke in ihrer Tracht und mit ihren Abzeichen aufgereiht. Um 10 Uhr „kündeten lebhafte Hochrufe von seiten des zahlreichen Publikums das Nahen der königlichen Majestäten an.“ Oberbürgermeister Beutler begrüßte das Königspaar und begleitete sie zu ihren Plätzen in den tempelförmigen Schmuckbau, der mit blau gelben Tüchern geschmückt war.

Der Stadtbaurat Herrmann Klette leitete den Bau der Brücke, mit dem man dem zunehmenden Verkehrsaufkommen der Großstadt Rechnung trug. In der Mitte fuhren zweigleisig die Straßenbahnen. Für den Güterverkehr waren links und rechts der Schienen die Fahrwege für die Fuhrwerke sowie anschließend Gehwege angelegt. Für die Überquerung der Carolabrücke wurde ein Brückenzoll erhoben, so wie es auch schon bei der Augustus- und Albertbrücke üblich war. Personenwagen bezahlten 10 Pfennige je Zugtier. Ebenso mussten 10 Pfennige für beladene und unbeladene Fuhrwerke je Zugtier bezahlt werden. Eine Ausnahme bildeten Hundefuhrwerke. Da reduzierte sich der Brückenzoll um die Hälfte auf 5 Pfennige. Vom Brückenzoll ausgeschlossen waren alle Hofequipagen, kaiserliche, königliche und städtische Beamte, Militär und Feuerwehr sowie Leichenwagen. Nach Ende der Einweihungsfeierlichkeiten wurde die Brücke dem öffentlichen Verkehr übergeben.

Bis zum 7. Mai 1945 verband die Carolabrücke die Altstädter und Neustädter Seite. Einen Tag vor Kriegsende wurde sie, vor der anrückenden Roten Armee, gesprengt. Die Beschädigungen waren so groß, dass man sich nach Kriegsende entschied, die Brücke stückweise abzureißen. Erst 1967 begannen die Arbeiten für eine neue Elbquerung an alter Stelle. Die neue Brücke trug den Namen des ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten und Dresdner Oberbürgermeister, Dr. Rudolf-Friedrichs. 1991 erhielt sie ihren ursprünglichen Namen zurück.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 2.1.1 Ratsarchiv, A.XXIV.90.

Marco Iwanzeck

Juni 2020

Badespaß in der Prießnitzmündung
Badespaß in der Prießnitz

Zur Historie der Badekultur an der Prießnitz. Erquickende Heilkraft und „anstößigste Schauspiele“?

Erstmals im Jahr 1810 beantragte der Amtsrichter Carl Gottlieb Hartzsch (1757-1811) eine Konzession für die Anlegung eines Flussbades in der Prießnitz. Nach dessen Beschreibung waren zu dieser Zeit täglich „mehrere hundert Menschen“ in dem Flüsschen baden. Zahlreiche Wohlhabende hätten sogar wegen der medizinisch erprobten Heilkraft des Wassers ihre Sommerwohnung in der Nähe gewählt. Bei dem Andrang auf das Badeparadies ergaben sich allerdings Bedenken, da das Baden an den nur wenigen tiefen Stellen besonders begehrt war und hier wegen der fehlenden Geschlechtertrennung „die größte Schaamlosigkeit“ herrschen würde. Spazierende wären so dem „anstößigsten Schauspiel“ ausgesetzt und „anständige“ Badewillige am heilsamen Baden gehindert. Gesundheitliche und soziale Benachteiligungen sollten demnach mit der Einrichtung eines ordnungsgemäßen Badebetriebes beseitigt werden. Der Antrag wurde aber zunächst mit Verweis auf mögliche Schäden an den kostbaren königlichen Holzplantagen im Prießnitzgrund durch den Besucherverkehr abgelehnt.

Die Konzession für die Anlegung eines Bades mit Separierung der Geschlechter und adäquatem Sichtschutz erlangte dann erst der Kaufmann Carl August Rehbock (1802-1848) im Jahr 1835, sodass die „vorzügliche Heilkraft“ auch denjenigen zugänglich gemacht werden konnte, „in denen noch nicht der letzte Funken von Tugend und Gefühl für Sittlichkeit erloschen“ wäre. Anfangs störten die Vergnüglichkeiten in der Badeanstalt unweit des Alaunplatzes nur die lautstarken Übungen der Tamboure auf dem Exerziergelände. Eine zugehörige Restauration versorgte die Gäste sogar mit „Butterbrod“, Bier und Wein. Nach einer chemischen Untersuchung im Jahr 1838 konstatierte der renommierte Arzt und Apotheker Dr. Friedrich Adolph August Struve (1781-1840) eine exquisite Reinheit des Prießnitzer Wassers und verglich dessen Qualität sogar mit Heilquellen in Leuk und Pfäfers in der Schweiz. Auch dem feinen Sand wurde eine besondere Heilwirkung beigemessen: „Sandbaden“ hatte damals Konjunktur und konnte an der Prießnitz mit ihren sandigen Böden ausgiebig gepflegt werden.

1839 übernahm der Arzt Dr. Friedrich Wilhelm Ruschpler (1789 - 1861) das Prießnitzbad mitsamt Schank- und Speisewirtschaft, der im Übrigen zuvor auch das erste Dampfbad in Dresden eröffnet hatte. Aufgrund der befürchteten sittlichen Verführungen wurden sonstige Badeplätze für die jeweiligen Geschlechter restriktiv festgelegt und streng kontrolliert: bei Zuwiderhandlungen war mit „ernsthafter Zurechtweisung und nach Befinden gesetzlicher Bestrafung“ zu rechnen. Trotzdem erfolgte schon 1872 die Schließung des Badeplatzes für Frauen wegen vermeintlichen „Unzuträglichkeiten“. Letztlich verschwanden aber vor allem mit der fortschreitenden Bebauung entlang des Prießnitzlaufes sukzessive die offiziellen kostenfreien Badeplätze, obwohl diese insbesondere für die zahlreichen ärmeren Kinder aus der Antonstadt auch stets eine wichtige hygienische Funktion erfüllt hatten. Eine Verschiebung der Freiräume war kaum möglich, da die Heide als Staatsforst dem Zugriff der Stadt entzogen war. Die Prießnitzmündung blieb hingegen als Refugium der Badekultur an der Prießnitz für Kinder erhalten.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 6.4.40.2, Stadtplanungsamt Bildstelle, Nr. XV664, unbekannter Fotograf.

Johannes Wendt

Mai 2020

Leitfaden für Hoppe Gäste
Leitfaden für Verhaltensregeln

„Appetitlich frisch – für den Gästetisch“ eine Menüempfehlung von Rudolf Hoppe. Ein Meilenstein Dresdner Gastronomiegeschichte residiert im Stadtarchiv Dresden 

Kennen Sie noch den „Hoppe-Keller“ oder „Neustädter-Keller“ im Bahnhof Dresden-Neustadt? In der Zeit von 1936 bis 1945 wurde dieser von Rudolf Hoppe geleitet. Ein Teil seiner persönlichen Sammlung konnte durch das Stadtarchiv übernommen werden und ergänzt die Bestände zur Gastronomie um bedeutende Unterlagen. In der Sammlung befinden sich neben persönlichen Unterlagen und Erinnerungsstücken aus dem 1. Weltkrieg auch zahlreiche Speisekarten des ehemaligen „Hoppe Restaurants“ im Bahnhof Neustadt. Die Speisekarten geben nicht nur Auskunft über das Angebot von Speisen und Getränke, sondern spiegeln in Bild- und Textgestaltung die politische Lage der jeweiligen Zeit. So zeigt die Sammlung Rudolf Hoppe die Entwicklung der Dresdner Gastronomie während der beiden Weltkriege bis in die 1970er Jahre hinein.

Rudolf Hoppe wurde am 29. September 1894 geboren und entschied sich nach dem Vorbild seiner Eltern für eine Ausbildung im Gastgewerbe. 1913 schloss er seine Gesellenprüfung als Koch ab und begab sich für Praxiserfahrungen nach Stockholm, Rom und Paris. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges kehrte er nach Dresden zurück und trat in den Militärdienst ein. Ab 1920 beteiligte er sich am Geschäft seiner Eltern, die das Restaurant im Bahnhof Dresden-Neustadt, den sogenannten Hoppe-Keller, unterhielten. Als 1936 sein Vater starb, übernahm Hoppe die alleinige Führung des Gasthauses.

Hoppe zeichnete sich durch kreatives Handeln und ideenreiches Marketing aus. Das brachte dem „Hoppe-Keller“ viel Aufmerksamkeit und Erfolg einbrachte. Der Gastronom entwickelte für sich eine eigene Philosophie, bei der die Zuwendung gegenüber dem Gast an erster Stelle stand. So machte er sich seine im Ausland gewonnenen Erfahrungen zu Nutze und schuf illustre zum Teil mehrsprachige Speisekarten, die nicht nur das Angebot, sondern auch Sprüche zur Unterhaltung und Werbung für sein Restaurant enthielten. In diesem Kontext entstand auch unser Archivale des Monats April der „Leitfaden für HOPPE Gäste“. Dabei handelt es sich um die Menükarte der Bahnhofsgaststätte, liebevoll als „Magen-Fahrplan“ deklariert, für Pfingsten 1943. Während die eine Seite die Auswahl an Speisen auflistet, darunter Gulasch mit Leipziger Allerlei, Kalbs- und Schweinebraten sowie ein vitaminreicher Gemüseteller mit Kartoffeln „Fleischlos und doch so gut“ genannt, befand sich auf der Rückseite der erwähnte „Leitfaden“. Auf humoristische Weise wurde der Gast mit seinen Aufgaben im Rahmen seines Aufenthaltes im Restaurant konfrontiert. Dazu gehörten neben dem Bereithalten der Lebensmittelkarten, die, „Gefühlskontrolle“ bei längerer Wartezeit sowie das pünktliche Verlassen des Restaurants bei Ladenschluss „Letzte Strassenbahn“ genannt.

Nach Kriegsende wurde ihm die Weiterführung seines Restaurants untersagt. Für Hoppe waren die Jahre nach 1949 eine durchwachsene Zeit, in von finanziellen und persönlichen Krisen geprägt war. Dennoch bewahrte sich der Gastronom sein optimistisches Auftreten, sein Engagement sowie seine Zielstrebigkeit und war im Alter von 71 Jahren sogar wieder Restaurantleiter des HO-Gaststättenbetriebes Dresden.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 17.2.88 Gastronomische Sammlung

Meike Dietrich 

 

April 2020

Planungsskizze von Fritz Müller zum Wiederaufbau der Innenstadt
Planungsskizze von Fritz Müller zum Wiederaufbau der Innenstadt

Stadtplanung mal anders. Ein Vorschlag zum Wiederaufbau Dresdens

Schon einen Monat nach Kriegsende, im Juni 1945, arbeitete die Stadtverwaltung daran, den Wiederaufbau der Stadt zu planen und zu organisieren. Dafür wurden im Stadtgebiet Plakate für die Bevölkerung ausgehangen, die insbesondere Architekten und Bauplaner ansprechen sollten, um Ideen und Konzepte für den Wiederaufbau an die Stadtverwaltung zu senden. Der Aufruf zur Beteiligung erfuhr ein sehr großes Echo und viele Vorschläge und Skizzen wurden eingesandt.

Einen besonderen Vorschlag zur Gestaltung der Innenstadt liefert der Grafiker und Werbefachmann Fritz Müller. Nach eigenen Worten stellte seine Stadtplanung „eine kühne Lösung dar, aber wenn diese in der Durchführung von einem genialen Bauwillen, technischen Können und restloser Hingabe der Mitschaffenden getragen werde, so dürfte ein neues, der Stadt würdiges Neubild entstehen.“ Die Genialität seiner Idee bestand darin, die zerstörte Innenstadt „als warnendes Menetekel“ im Zustand vom Juni 1945 zu belassen und nur die Hauptverbindungsachsen Nord-Süd und West-Ost als Geschäftsstraßen zu erneuern. Müller meinte, dass man für die Verkehrsführung das historische Georgentor entsprechend erweitert oder verbreitert. Die zum großen Teil zerstörte Innenstadt wollte Müller mit einem großen begehbaren Wall, als breiten bepflanzten Wandelgang, umgeben, der in einer späteren Ausbaustufe mit „kleinen Bastionen, Ausstellungsgebäuden, Trinkhallen, Gaststätten geschmückt werden“ kann. Die starken Außenmauern dieses Stadtwalls sollten aus den Quadern und Steinen der vorhandenen Schuttmassen entstehen und sich „als abschließender Kranz dem Barock-charakter der alten Innenstadt anpassen.“ Die Ausmaße des Walls betrugen bei einer Länge von sieben Kilometern, zwanzig Meter Breite und zwölf Meter Höhe.

Die Innenstadt war nur noch über vier Straßenunterführungen der Hauptverkehrsachsen erreichbar. Vor dem Wall sollte eine breite Ringstraße angelegt werden, die den vorhandenen Straßen angepasst und als zentrale Geschäftsstraße gedacht wurde. Müller plante für den Bereich der Altstadt ein riesiges Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung in Form der stehengebliebenen Ruinen.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 4.1.9 Dezernat Aufbau, Nr. 9, Bl. 20.

Marco Iwanzeck

März 2020

Die fidel gewordene Dresdensia wird vom Roland der Städteausstellung auf einem Weinfass entführt.
Die fidel gewordene Dresdensia wird vom Roland der Städteausstellung auf einem Weinfass entführt.

„So er wil haben frembd getrenck an weyn und bier..“ Eindrücke vom Ratskellerbetrieb vor 400 Jahren

Anfang des 15. Jahrhunderts wurde der älteste Dresdner Ratskeller im Rathaus auf dem Altmarkt erstmals in Baurechnungen erwähnt. Zwischen 1460 und 1569 war es allein das Privileg des Dresdner Rates, „frembde“ Weine und Biere auszuschenken. Der Verkauf in den Ratskellern entwickelte sich dadurch bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhundert zu einer außerordentlichen städtischen Einnahmequelle, zumal das einheimische Bier damals keinen besonders guten Ruf hatte. 1550 waren die Einnahmen sogar fast so hoch wie die direk-ten Steuern und machten rund ein Viertel der gesamten Einnahmen aus. Das fremde Bier stammte vor-nehmlich aus Freiberg, aber auch aus Torgau, Belgern, Kamenz, Naumburg, Ortrand und Zerbst. Zunächst hatte der Schenke, später ein eigens verpflichteter Bier- und Ohmherr oder Kellermeister zu gewährleisten, dass nur „wol schmeckende und unthadelhafftigk“ Weine und Biere bezogen wurden. Der Verkauf von Nei-gen oder „schal und vertorbenen“ Getränken war dem Schankwirt ausdrücklich untersagt. Preislich war das importierte Bier etwa doppelt so teuer wie das einheimische, insofern stammte auch das Publikum im 16. Jahrhundert eher aus wohlhabenderen Kreisen und war überschaubar: im Jahr 1505 standen gerade einmal 27 Zinnkännchen als Trink- und Schankgefäße zur Verfügung. Mit der Eingemeindung der heutigen Dresdner Neustadt 1549 und der Anlegung eines Kellers im Gewandhaus auf dem Neumarkt 1592 bereicherten zwei weitere städtische Bier- und Weinkeller den Schankbetrieb.

Nach der Kellerordnung vom 1. April 1619 hatten sich alle Gäste zu richten, die sich in den Ratskellern „eines Truncks erhohlen“ wollten. Fluchen, Schelten, Gotteslästerung und Schmähen „frommer ehrlicher Leuthe“ wurden hiernach mit Geld- und Gefängnisstrafen geahndet, die Beleidigung der „lieben Obrigkeit“ sogar mit Leib- und Todesstrafen. Auch für Handgreiflichkeiten, etwa indem „einer dem andern Maulschellen“ gab, waren Geldstrafen vorgesehen. Kamen dabei aber „Tolche oder Brod-Messer“ zum Einsatz, wurde hierfür die „frevelnde“ Hand, mit der die Klinge gezogen wurde, abgehauen. Diese martialische Ahndung war seit 1564 auch durch ein Gemälde, bestehend aus einer Komposition von Stock, Hand und Beil, in der Trinkstube des Kellers auf dem Altmarkt präsent. Ansonsten waren etwa Karten- und Würfelspiele ausdrücklich zuge-lassen, insofern sie friedlich und ohne Betrügereien verliefen. „Viehisches Schreyen und Jauchtzen“ waren hingegen verboten, ebenso „das liebe Geträncke“ vorsätzlich zu verschütten oder Tische und Bänke mit Namen, Reimen oder gar „unnützen unverschämten Gemäldten“ zu verunstalten. Nach einer Feuersbrunst im Jahr 1653, die sich durch Unachtsamkeit beim Rauchen im Neumarktskeller entwickelt hatte, wurde auch das damals so bezeichnete „Taback-Trincken“ in den Ratskellern ausdrücklich untersagt. Im Übrigen wurden diejenigen, die sich etwa aus mangelnder Einsicht an der Kellerordnung vergriffen, mit vier Wochen Gefäng-nis bei Wasser und Brot bestraft. Da war gutes Benehmen bei einem „wol schmeckenden frembden“ Bier im Ratskeller durchaus die bessere Alternative.

Quelle: Abbildung nach Emil Rieck (1852-1939), in: Baensch, W. (Hg.): Erinnerungen an den Ratskeller. Deutsche Städte-Ausstellung, Dresden 1903 (Ausschnitt, retuschiert).

Johannes Wendt

Februar 2020

Einladungskarte zum Maskenfest des Geselligkeitsvereins Harmonie

"Geheimnisse unter der Maske" - Fasching 1906. Vom Tanz- und Maskenball im Dresdner Geselligkeitsverein "Harmonie"

Werden die kalten dunklen Wintermonate mit Tristesse und Schwermütigkeit in Verbindung gebracht, so galt die Ballsaison in den vorangegangenen Jahrhunderten als probates Mittel zur vergnügsamen Geselligkeit. Die Ballsaison startete am 11. November eines jeden Jahres und erlebte in den Monaten Januar und Februar ihren Höhepunkt. Den krönenden Abschluss bildeten die Faschingsveranstaltungen mit aufwendigen Maskenbällen. Wie eine solch illustre Veranstaltung ausgesehen haben kann, verrät unser Archivale des Monats. Dabei handelt es sich um eine spielerisch und farbenfroh gestaltete Festordnung der Gesellschaft Harmonie aus dem Bestand Drucksammlung mit dem Titel: „Harmonie Dresden - Maskenfest am 27. Febr. 1906“.

Ballvergnügungen waren um diese Zeit keineswegs mehr der adligen Gesellschaftsformation vorbehalten. Bereits ab der Mitte des 18. Jahrhunderts hatten sich im Zuge bürgerlicher Angleichungsprozesse in Dresden Geselligkeitsvereine gegründet. Der Verein „Harmonie“ wurde 1786 als Lesegesellschaft gegründet. Der Zweck der Verbindung bestand in „Erholung im geselligen Umgange“ und vor allem “unschuldiges und erlaubtes Vergnügen zu genießen und auf mehrere und gute Menschen zu verbreiten“. Den Mitgliedern der Harmonie stand neben dem Garten mit Kegel- und Schießplatz weiterhin ein Klub-, Spiel- und Lesezimmer in ihrem Gesellschaftshaus zur Verfügung. In den Gesellschafträumen wurde für Weinausschank und Gastronomie gesorgt. Neben Konzerten fanden auch Theateraufführungen, Liederabende und Ausflüge statt.

Besonderer Beliebtheit erfreuten sich aber die Feste und Bälle, die vornehmlich samstags, sonntags und montags veranstaltet wurden. Voraussetzung zur Teilnahme war neben der Mitgliedschaft in der Harmonie eine „salonfähige Kleidung“ entsprechend der Kleidungs- und Ballordnung. Das Maskenfest der Harmonie am 27. Februar 1906 begann um 19.30 Uhr mit dem ersten Programmpunkt „Geheimnisse unter der Maske“. In dieser Zeit traten geladene Gäste wie eine spanische Tänzerin oder ein Pariser Pantomimen-Quartett auf. Um 22 Uhr erfolgte der Aufruf zur Polonaise und zur anschließenden Demaskierung der Teilnehmer. Abschließend führten ausgewählte Mitglieder der Harmonie ein Theaterstück auf, dessen Text als Begleitheft den Besuchern zur Verfügung gestellt wurde. Auf einem Thronsessel auf dem Podium saß die in „olympischen Höhen residierende Harmonie“, die einer dringlichen Einladung des Vorstandes zur Teilnahme am Maskenfest gefolgt war. Die Rolle der Harmonie übernahm Fräulein Opitz. Nach dem Gruppentanz kam Prinz Karneval, in Person von Herrn Dr. Schaffrath, mit seinem Auto in den Festsaal gerast, um die Harmonie zu ehelichen. Die Harmonie wies ihn wegen seines ungestümen Werbens ab. Damit den lebensfrohen Prinzen Karneval nicht die Traurigkeit übermannte, vermählte die Harmonie ihn mit der reichen Industria. So nahm die Theateraufführung beim Maskenball das Zeitgeschehen auf witzige Art und Weise aufs Korn.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 17.4.1 Drucksammlung, Nr. 142

Sylvia Drebinger

Januar 2020

Heeresbäckerei im Jahr 1993
Heeresbäckerei im Jahr 1993

Vom Mehlspeicher zum Geschichtsspeicher der Stadt Dresden. Vor 20 Jahren bezog das Stadtarchiv die Heeresbäckerei.

Am 18. Januar 2000 öffnete das Stadtarchiv Dresden seine frisch sanierten Pforten in der ehemaligen Heeresbäckerei auf der Elisabeth-Boer-Straße 1. Der vergangene Hauptsitz auf der Marienallee im alten Kriegsarchiv der sächsischen Armee verfügte über sieben weitere Außenstellen in der Stadt seit 1945 und war stark sanierungsbedürftig. Der Stadtratsbeschluss vom 25. September 1997 bestätigte den neuen Standort des Stadtarchivs und dessen Entwicklungskonzeption mit den benötigten Finanzplanungen. Somit können seit der Zusammenführung mit den Außenstellen im Jahr 2000 und dem dazugehörigen Zwischenarchiv (2012) derzeit 42 Kilometer Archiv- und Sammlungsgut aufbewahrt werden. Darunter befinden sich 4200 Urkunden, 123 000 Karten, Pläne und Risse, 517 000 Fotos sowie 45 000 Bibliotheksbände aus der über 800-jährigen Geschichte der Stadt Dresden.

Das Gelände der ehemaligen Heeresbäckerei in der Dresdner Albertstadt umfasst ungefähr 9 ha und war Bestandteil der nach dem Deutsch-Französischen Krieg vom damaligen sächsischen Kriegsminister General von Fabrice entworfenen Garnisonsstadt. Nach 1877 wurde dieses Areal nach König Albert umbenannt. Die für das Militär konzipierte Heeresbäckerei nutzten bis 1991 die jeweiligen Militärverbände, zuletzt die Sowjetarmee. Von 1993 bis 1999 verfiel das Gebiet und eine Nutzung erfolgte nur teilweise. 

Die Archivale des Monats zeigt eine Momentaufnahme des ehemaligen Mehlspeichers aus dem Jahr 1993. Professor Jörg Schöner dokumentierte im Auftrag für den Freistaat Sachen die ehemaligen GUS-Liegenschaften. 2000 zog nach der schrittweisen Sanierung des denkmalgeschützten Areals das Stadtarchiv ein. Anstelle von Mehl lagern stattdessen historische Archivalien – dazu zählen auch die zahlreichen Fotografien von Jörg Schöner. Das Stadtarchiv Dresden übernahm im September 2018 den fotografischen Bestand von Professor Schöner mit circa 32.000 Fotos. Anlässlich seines 75. Geburtstags zeigt das Stadtarchiv eine besondere Auswahl von seinen Fotografien. Die Bilder dokumentieren öffentliche Bauvorhaben des Freistaats Sachsen und der Stadt Dresden. Zu seinem Portfolio gehören ebenfalls Bilder von den Sparkassengebäuden am Güntzplatz und Altmarkt sowie von der Kreuzkirche, Hofkirche und Synagoge. Jörg Schöner entwickelte ein digitales System zur Darstellung von Fassaden- und Gebäudeoberflächen in Originalgröße. Diese Methode unterstützt Restauratoren bei Aufmaßarbeiten und bildet die Grundlage der Zustandsdokumentation des rekonstruierten Historischen Grünen Gewölbes und dem Monitoring-Programm am Dresdner Zwinger. Vervollständigt wird der Bestand durch die Übergabe seines Luftbildarchivs der Jahre 1992 bis 2011, in dem besonders die Veränderungen der Dresdner Innenstadt dokumentiert wurden.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 17.6.2.23, Bildarchiv, Jörg Schöner.

Annemarie Niering

Drucken