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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2024/01/pm_028.php 12.01.2024 15:04:25 Uhr 18.05.2024 20:42:07 Uhr

Christian Friedel erhält den Kunstpreis 2024 der Landeshauptstadt Dresden

Förderpreise gehen an Ina Weise und Literatur JETZT! e. V.
Drei Frauen und zwei Männer stehen auf der Straße und blicken in die Kamera

Der Kunstpreis der Landeshauptstadt Dresden 2024 geht an den Schauspieler und Sänger Christian Friedel. Die Künstlerin Ina Weise sowie der Verein Literatur JETZT! werden jeweils mit dem Förderpreis ausgezeichnet. Seit 1993 vergibt die Landeshauptstadt Dresden jährlich einen Kunstpreis sowie bis zu zwei Förderpreise an herausragende Künstlerinnen und Künstler, Kulturakteure oder Initiativen.

„Die Preise der Landeshauptstadt Dresden sind Symbole der Anerkennung und Wertschätzung für herausragendes künstlerisches Schaffen über die Stadtgrenzen hinaus. Sie fördern die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen. Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger zeugen innerhalb ihres Wirkungsfeldes von einem vielfältigen und international orientierten künstlerischen Schaffen, das unsere Stadt bereichert und inspiriert. Danken möchte ich an dieser Stelle den Jurymitgliedern für ihre Initiative in den Jahren 2020 bis 2024. Durch ihre Expertise und Objektivität wurde der Kunst- und Förderpreis der Landeshauptstadt geprägt.“

Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch

Bis zum 31. Oktober 2023 haben Verbände, Vereine, Kulturinstitutionen sowie Bürgerinnen und Bürger 37 Vorschläge für die Preise 2024 eingereicht. Eine durch den Stadtrat berufene Jury traf die Auswahl der drei Preisträgerinnen und Preisträger. Der Kunstpreis ist mit 7.000 Euro dotiert. Für jeden Förderpreis gibt es ein Preisgeld von 5.000 Euro. Die feierliche Verleihung nimmt Oberbürgermeister Dirk Hilbert im Sommer 2024 im Rahmen eines Festakts auf Schloss Albrechtsberg vor.

Kunstpreis 2024: Christian Friedel

Christian Friedel, geboren 1979 in Magdeburg, studierte Schauspiel an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Erste Theaterengagements führten ihn an das Bayerische Staatsschauspiel München, die Münchner Kammerspiele, das Schauspiel Hannover und an das Staatsschauspiel Dresden, dem er auch heute noch verbunden ist. In der Titelpartie von Schillers „Don Carlos“ war Friedel zum Berliner Theatertreffen 2011 eingeladen. Die Inszenierung wurde zudem mit dem deutschen Theaterpreis Der Faust ausgezeichnet. Als Shakespeares „Hamlet“ spielt er seit 2012 vor ausverkauftem Haus und gastierte u. a. beim Shakespeare-Festival im historischen Schloss Kronborg in Helsingør. Seit 2016 spielt er auch am Düsseldorfer Schauspielhaus, wo er u. a. mit Robert Wilson in der international erfolgreichen Produktion „Der Sandmann“ und zuletzt für den Monologabend „Dorian“ zusammengearbeitet hat. Für diesen Abend komponierte Friedel mit seiner Band Woods of Birnam auch die Musik. Darüber hinaus steht Christian Friedel regelmäßig vor der Kamera, u. a. in Michael Hanekes Spielfilm „Das weiße Band“, der 2009 bei den Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme gewann und für den Oscar nominiert war. Für die Titelrolle in Oliver Hirschbiegels „Elser – Er hätte die Welt verändert“ erhielt Friedel den Metropolis-Preis 2015 und war sowohl für den Deutschen als auch für den Europäischen Filmpreis als Bester Schauspieler nominiert. Auch Jessica Hausners Historienfilm „Amour Fou“, in dem er Heinrich von Kleist spielt, wurde mit einer Einladung nach Cannes honoriert. Friedel ist Ensemblemitglied in der Fernsehserie „Babylon Berlin“. Mit Jonathan Glazer drehte er 2021/2022 den Spielfilm „The Zone of Interest“, der seine Weltpremiere 2023 im Wettbewerb bei den Filmfestspielen in Cannes gefeiert hat. Neben der Schauspielerei ist Christian Friedel Leadsänger und Komponist der Artpop-Band „Woods of Birnam“, die seit ihrer Gründung in Dresden 2011 auch immer wieder interdisziplinäre Großprojekte produziert. Bislang sind sechs Alben erschienen. Zudem komponierte die Band zahlreiche Theater- und Filmmusiken, u. a. für die Serie „Babylon Berlin“ oder für die Theaterinszenierungen von Shakespeares „Hamlet“ und „Macbeth“. Außerdem arbeitet Friedel als Theaterregisseur. So inszenierte er u. a. am Deutschen Theater Göttingen und am Staatsschauspiel Dresden.

„Christian Friedel hat einen künstlerischen Weg eingeschlagen, der von Vielseitigkeit und einem beeindruckenden Ethos geprägt ist. Seine immer wieder faszinierende Darstellung außergewöhnlicher Charaktere, für die er zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat, zeigt seine schauspielerische Meisterschaft. Internationale Anerkennung erlangte Christian Friedel durch seine herausragende Rolle in dem mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Film ‚Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte‘. Auch als Regisseur, Sänger und Songwriter zeigt sich sein vielfältiges Talent. Christian Friedels künstlerisches Engagement geht jedoch weiter. Als leidenschaftlicher Musiker bereichert er die Kulturszene insbesondere mit der Pop-Band ‚Woods of Birnam‘, die seit fast zehn Jahren durch Veröffentlichungen, Konzerte und Tourneen beeindruckt. Aktiv setzt er sich für soziale und kulturelle Themen ein, darunter Menschenrechte, globale Gerechtigkeit sowie Umweltschutz. 

Christian Friedel lässt sich nicht festlegen und öffnet mit seiner Arbeit immer neue Möglichkeitsräume in den unterschiedlichsten Feldern der Kunst. Er ist nicht nur ein herausragender Schauspieler, sondern ein Künstler, der die Grenzen der Kunst sprengt und neue Horizonte erkundet. Die Strahlkraft seines Wirkens reicht weit in die Gesellschaft und erreicht besonders die junge Generation. Durch sein Engagement in verschiedenen Medien, von Bühne über Leinwand und Bildschirm bis Musik, spricht er junge Menschen an und setzt ein inspirierendes Zeichen in der Welt der Kunst.“

Aus der Begründung der Jury

„Ich fühle mich außerordentlich geehrt, dass ich mit dem Kunstpreis 2024 ausgezeichnet werde. Ich bedanke mich von Herzen für diese Wahrnehmung und Wertschätzung. Mein Wunsch, Künstler zu werden, war ein ganz natürlicher Impuls in meiner Kindheit. Im Grunde mache ich heute nichts Anderes, als damals auf dem Schulhof in der Pause, wenn ich meine Handpuppen mitbrachte, Lieder sang oder Rollen spielte und sich eine Traube von Mitschülern um mich bildete. Ich tat es nicht aus Eitelkeit, sondern weil es Spaß machte, sie zu unterhalten und mit ihnen spielerisch in den Dialog zu treten. Mich berührt es, wenn ich mit meiner Arbeit junge Menschen inspirieren kann, verschiedene Wege des Ausdrucks zu entdecken. Wie kann jemand seine Energie, Kreativität oder Gefühle ausdrücken? Dazu braucht es nicht immer ein Publikum. Doch in den heutigen Zeiten, wo es dringend den Dialog in der Gesellschaft braucht, ist die Kunst ein wichtiger Vermittler und braucht eine größere Aufmerksamkeit. Ich freue mich, dass es vor allem in Dresden dafür offene Augen und Ohren gibt. Und es ermutigt meine Band und mich, auch in Zukunft aus dieser kulturellen Stadt heraus Kunst zu erarbeiten, die die Menschen berührt, inspiriert oder einfach gut unterhält. Kunst ist vielleicht die wichtigste Form von Bildung in einer Gesellschaft.“

Christian Friedel

Förderpreis 2024: Ina Weise

Ina Weise, geboren 1985 in Dresden, ist freischaffende Künstlerin. Sie studierte Textildesign an der Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Nach längeren Studienaufenthalten an der Kunstuniversität Linz in Österreich, der Strzemiñski Academy of Art £ódŸ in Polen und der School of the Art Institute of Chicago absolvierte sie 2014 ihren Master an der Bauhaus-Universität Weimar. Diesem schloss sich eine langjährige Tätigkeit als künstlerische Mitarbeiterin an, die zuletzt in einer Vertretungsprofessur für den internationalen Masterstudiengang mündete. Zusätzlich arbeitete sie u. a. als freie Kuratorin im Kunsthaus Dresden. Ina Weises Arbeiten umfassen ortsspezifische Installationen und Interventionen in öffentlichen Räumen. Ausgehend von künstlerischer Recherche unter Einbeziehung des jeweiligen historischen, politischen und sozialen Kontextes fokussieren sich ihre Projekte häufig auf spezifische Details, die bei genauerer Betrachtung Einblick in größere Zusammenhänge gewähren. Indem sie Fragen und Phänomene aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, kommentiert und miteinander kurzschließt, schafft sie neue Situationen, die sich im Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit bewegen. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Maxim-Gorki-Theater Berlin, im Kunsthaus Dresden, im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Bauhaus-Museum Weimar, in der Gedenkstätte Buchenwald, im Kunstquartier Bethanien, sowie in Sarajevo, Düsseldorf, Brazzaville, der Schweiz und Chicago ausgestellt. 

„Ina Weise hat sich als Künstlerin und Kuratorin in den vergangenen Jahren sowohl innerhalb des deutschsprachigen Raumes als auch international Anerkennung für ihr vielseitiges Wirken und ihre künstlerischen Strategien erarbeitet. Mit ihrem beeindruckenden Schaffen verwandelt sie insbesondere den öffentlichen Raum in einen Ort der Reflexion und Inspiration. Dabei verfolgt sie in ihren Projekten stets den konzeptionellen Ansatz: Inhalt vor Form, unabhängig davon ob es sich um Installationen, Interventionen oder Performances handelt. Ihre präzise, oft humorvolle und stets sinnliche Herangehensweise macht Ina Weise zu einer Künstlerin, die lebendige Diskussionen im öffentlichen Raum anregt. In den künstlerischen Prozessen engagiert sie sich nicht nur für die Ästhetik des Werkes, sondern setzt sich auch mit gesellschaftlichen sowie erinnerungskulturellen Diskursen auseinander und verhandelt Themen des Städtebaus sowie der Stadtplanung. Ihr Lebenslauf weist zahlreiche Stationen auf, die ihre Vielseitigkeit und Offenheit für internationale Einflüsse sowie globale Herausforderungen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit unterstreichen. Als Botschafterin der Landeshauptstadt Dresden arbeitete sie im Rahmen einer Künstlerresidenz 2023 in der Partnerstadt Brazzaville. Darin spiegelt sich nicht nur ihre künstlerische Neugier wider, sondern auch ihre Bereitschaft, Brücken zwischen verschiedenen Kulturen zu schlagen.“

Aus der Begründung der Jury

„Ich bin sehr dankbar für die Anerkennung durch den Förderpreis der Landeshauptstadt Dresden. Kunst schafft Perspektivwechsel und macht gesellschaftliche Fragestellungen oder Schieflagen sichtbar. Die Auszeichnung ermutigt mich, weiterhin mit Leidenschaft und Neugier Themen wie Offenheit, Toleranz und Mehrstimmigkeit in direkter Anwendung zu untersuchen, Diskurse anzuregen und öffentliche Räume aktiv mitzugestalten. Vielen Dank an den Konglomerat e.V. Dresden, das Kunsthaus Dresden sowie an die Studierenden und Lehrenden des internationalen Masterstudiengangs ‚Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien‘ der Bauhaus-Universität in Weimar, die mich auf meinem kreativen Weg begleiten."

Ina Weise

Förderpreis 2024: Literatur JETZT e. V. 

Literatur JETZT!, das Dresdner Festival für Literatur, wurde im Jahr 2007 mit dem Ziel gegründet, die vielfältigen Schreibweisen und Präsentationsformen von Gegenwartsliteratur in Dresden sichtbar zu machen und hemmende Grenzen zwischen der Welt der literarischen Hochkultur und der Szene der literarischen Populärkultur zu überwinden. Hier trifft das geschriebene Wort auf eine gesprochene Gegenwart, es mischt sich die Literatur in all ihren Formen mit Musik, mit Darstellender oder Bildender Kunst. Ob Kinderbuch, Roman oder Lyrikperformance: Was alles zusammenhält, ist der Anspruch, das Hier und Jetzt zu verhandeln. Seit 2019 wird das Festival von dem Verein Literatur JETZT! e. V. organisiert und hat sein festes Zentrum im Zentralwerk Pieschen. Seit vier Jahren ist das Kinderlesefest Literatur FETZT! fester Bestandteil des Programms. Der im Kern aus neun Aktiven bestehende Verein arbeitet munter mit anderen Kulturschaffenden und literaturaffinen Kooperationspartnern in Dresden und Sachsen zusammen.

„Das ‚Literatur Jetzt Festival‘ ist seit 2007 ein wiederkehrendes Highlight im Literaturkalender der Stadt. Das Festival widmet sich der zeitgenössischen Literatur und zeigt deren Möglichkeitsräume, Themen und Deutungen in vielfältigen Formaten. Das Festivalprogramm, das Belletristik, Lyrik, Sachbücher, Kinderbücher, Lesungen und Diskussionen umfasst, feiert Literatur in all ihren Facetten, bleibt aber in seinen Grenzen immer fließend und lässt Freiraum für andere Kunstsparten. Das selbstgesteckte Ziel, Bindeglied zwischen literarischer Subkultur und etablierter Literaturszene zu sein, meistern die Organisatoren mit Beharrlichkeit und Mut. Die Entwicklung des Literaturfestivals in den vergangenen Jahren ist in erheblichem Maße auf die bemerkenswerte Zusammenarbeit von professionellen Akteuren aus unterschiedlichen Sparten, die sich ehrenamtlich engagieren, zurückzuführen. Das Organisationsteam, das seine exzellenten Fähigkeiten und seine Leidenschaft für Literatur einbringt, hat dem Festival nicht nur einen unvergleichlichen Charakter verliehen, sondern auch zur signifikanten Steigerung seiner Beliebtheit und Wirkung geführt und trägt damit nachhaltig zur kulturellen Entwicklung der Stadt Dresden bei.“

Aus der Begründung der Jury

„Wir freuen uns sehr, dass unser Verein den Förderpreis der Stadt Dresden erhalten hat und wir so noch einmal offiziell gespiegelt bekommen, dass wir auf dem richtigen Weg sind mit einem Literaturfestival, das verbinden und möglichst vielen Menschen den Zugang zum geschriebenen Wort ermöglichen will. Denn Literatur ist mächtig. Wir können lesend verschiedene Perspektiven einnehmen, unser dunkelstes Selbst erkunden, die Welt verstehen oder von einer besseren träumen.“

Die Mitglieder vom Literatur JETZT! e. V.

Mitglieder der Jury 

Christiane Filius-Jehne (Stadträtin, Fraktion Bündnis 90 / Die Grüne), Anja Apel (Stadträtin, Fraktion DIE LINKE), Petra Nikolov (Stadträtin, Fraktion CDU), Matthias Rentzsch (Stadtrat, Fraktion AfD), Susanne Altmann (Kunsthistorikerin), Joachim Klement (Intendant Staatsschauspiel Dresden), Barbara Lubich (Drehbuchautorin), Carena Schlewitt (Intendantin Hellerau Europäisches Zentrum der Künste), Günter „Baby“ Sommer (Musiker), Odile Vassas (Literaturvermittlerin), Annekatrin Klepsch (Kulturbürgermeisterin), Dr. David Klein (Leiter des Amtes für Kultur und Denkmalschutz)

Nach der Neuwahl des Stadtrates 2024 am 9. Juni 2024 wird im zweiten Halbjahr 2024 eine neue unabhängige Jury für die Wahlperiode des Stadtrates 2024 bis 2029 aus sachkundigen Persönlichkeiten vom Stadtrat bestätigt und durch den Oberbürgermeister berufen.