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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2020/05/pm_043.php 20.05.2020 13:53:21 Uhr 05.12.2020 07:30:58 Uhr
Meldung vom 15.05.2020

Kunst- und Förderpreisträger der Landeshauptstadt Dresden 2020

Seit 1993 wird durch die Landeshauptstadt Dresden jährlich ein Kunstpreis verliehen sowie ein Förderpreis für Erfolg versprechende Nachwuchskünstlerinnen und -künstler und Kulturschaffende oder Initiativen vergeben. Gewürdigt werden soll jeweils das herausragende und überregional bedeutsame künstlerische Schaffen oder kulturelle Engagement der Preisträger. Für den Kunstpreis sowie den Förderpreis 2020 gingen insgesamt 49 Einreichungen ein. Die durch den Dresdner Stadtrat berufene Jury zur Wahl der Preisträger des Kunst- und des Förderpreises der Landeshauptstadt Dresden wählte drei Preisträgerinnen aus. Vorschlagsberechtigt waren mit dem Stichtag 31. Oktober 2019 nicht nur Verbände, Vereine und Kulturinstitutionen, sondern auch Bürgerinnen und Bürger. Die Auszeichnungen sind mit 7.000 Euro für den Kunstpreisträger und jeweils 5.000 Euro Preisgeld für die beiden Förderpreisträger dotiert und werden durch den Oberbürgermeister im Rahmen eines Festaktes verliehen.

In diesem Jahr erhält die Tänzerin und Choreografin Katja Erfurth den Kunstpreis. Mit jeweils einem Förderpreis werden die Regisseurin Miriam Tscholl sowie der Verein Musaik – Grenzenlos Musizieren e. V. mit den Initiatorinnen und Musikpädagoginnen Luise Börner und Debora Oehler ausgezeichnet.

Das Mitglied der Jury und Beigeordnete für Kultur und Tourismus, Annekatrin Klepsch, würdigt die mit den Preisen verbundene Anerkennung der Landeshauptstadt Dresden in Hinblick auf zeitgenössische Ausdrucksformen in den Künsten als wichtige Voraussetzung zur Gestaltung einer nachhaltigen, sozialen sowie geschlechtergerechten Stadtgesellschaft. „Dass in diesem Jahr vier Frauen als Preisträgerinnen gewürdigt werden, überrascht, ist jedoch Ergebnis einer intensiven Diskussion in der Jury angesichts der Vielzahl preiswürdiger Vorschläge. Alle vier Preisträgerinnen sind Impulsgeberinnen für die Weiterentwicklung der Kunst- und Kulturstadt Dresden. Mit ihrer Arbeit haben sie verschiedene Orte in unserer Stadt künstlerisch neu belebt und stärken sie die kulturelle Teilhabe. Ich danke der Jury für die vertrauensvolle und konstruktive Diskussion.“

Kunstpreisträgerin 2020

Die Tänzerin Katja Erfurth tanzt seit über 25 Jahren nicht nur auf Dresdens Bühnen und hat als Multiplikatorin die Dresdner Tanzszene weit nach vorne gebracht. Nach ihrer neunjährigen Tanzausbildung an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden und dem darauffolgenden Engagement im Ballettensemble der Sächsischen Staatsoper Dresden ist sie seit 1997 freiberuflich unter anderem in zahlreichen Solotanzproduktionen, Choreografien für Inszenierungen im Musik- und Sprechtheater sowie für Schülertanzprojekte tätig. Als Vorstandsvorsitzende des Vereins Villa Wigman für TANZ engagiert sie sich maßgeblich für die Nutzung der ehemaligen Wigman-Schule als Produktionshaus für Tanz.

In der Begründung der Jury heißt es: „Ihre tänzerische Handschrift wird durch die Mittel der Klassischen Moderne geprägt und entwickelte eine enorme Strahlkraft über die Grenzen Dresdens hinaus. Ihr Engagement für den Erhalt und die Gestaltung der ehemaligen Wigman-Schule bringt die Landeshauptstadt wieder als Tanzstadt in den Fokus der Öffentlichkeit.“

Katja Erfurth: „Ich bin tief bewegt über diese außerordentliche Würdigung meiner künstlerischen Arbeit und meines Engagements für die Villa Wigman. Ich empfinde dies, vor allem in dieser krisenhaften Zeit, als ein Mut und Kraft gebendes Signal, diesen Weg mit aller Leidenschaft weiterzugehen und nicht nachzulassen im Suchen und Fragen nach den Themen des Lebens und der Kunst.“

Zwei Förderpreise hat die Jury für 2020 vergeben:
an den Verein Musaik – Grenzenlos Musizieren und die Regisseurin Miriam Tscholl

Musaik – Grenzenlos Musizieren:

In der Freizeit gemeinsam zu musizieren ist vielen Kindern und Jugendlichen aufgrund ihrer sozioökonomischen Ausgangsposition nur begrenzt möglich. Der Verein Musaik – Grenzenlos Musizieren eröffnet ihnen eine neue Chance über einen lokalen, kostenfreien, intensiven Zugang zu musikalischer Bildung in Gemeinschaft im Stadtteil. Dabei spricht der Verein vor allem geflüchtete und nicht-geflüchtete Kinder an, die aus benachteiligten Familien stammen. Initiiert wurde das soziale Musikprojekt von den Musikpädagoginnen Luise Börner und Deborah Oehler. Luise Börner, aufgewachsen in Dresden, studierte bis 2013 Instrumentalpädagogik mit Hauptfach Geige an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber. Nach dem Studium engagierte sie sich gemeinsam mit Deborah Oehler in einem peruanischen sozialen Musikprojekt. Auf Grundlage dieser Erfahrung initiierten die beiden jungen Musikerinnen 2017 Musaik – Grenzenlos Musizieren e.V., in dem aktuell 80 Kinder und Jugendliche des Stadtteils Prohlis gemeinsam musizieren. Luise Börner ist zudem Honorarlehrerin für Geige und Orchester am städtischen Heinrich-Schütz-Konservatorium. Deborah Oehler ist in Meißen aufgewachsen, studiert zurzeit Musik in Dresden und unterrichtet am HSKD im Fach Cello.

Aus der Begründung der Jury: „Das Angebot von Musaik – Grenzenlos Musizieren e.V. an junge Menschen ist nicht nur musikalische Bildung, sondern integrative kulturelle Arbeit und ein Beispiel par excellence, wie Teilhabe mit großem Vergnügen vermittelt werden kann. Der Verein hat sich getraut, in einem Milieu zu arbeiten, an das sich das Gros der Musikpädagogen nicht herantraut.“

Mitgliederstatement des Vereins Musaik – Grenzenlos Musizieren: „Wir freuen uns sehr über die Anerkennung und Ehrung, die Musaik mit diesem Preis zuteilwird! Das gibt Kraft, auch weiterhin Energie und Lebensfreude an die Kinder des Musaikprojektes zu geben und miteinander etwas zu verändern.“

Miriam Tscholl:

Miriam Tscholl studierte Kulturwissenschaft und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim und arbeitet seit 2004 als Regisseurin und Kuratorin an mehreren Stadt-und Staatstheatern. Von 2009 bis 2019 initiierte und leitete sie die Bürgerbühne am Staatsschauspiel Dresden. Sie startete dort Formate wie das Bürgerdinner, das Montagscafé oder das Europäische Bürgerbühnenfestival. Sie inszeniert und arbeitet derzeit in mehreren europäischen Städten. Ihr Lebensmittelpunkt ist weiterhin in Sachsen, wo sie zukünftig gerne Ideen und Pläne für die Kulturentwicklung im ländlichen Raum umsetzen würde.
Aus der Begründung der Jury: „Miriam Tscholl hat das Format der Bürgerbühne als eigene Kunstform in Deutschland etabliert. Mit ihrem unermüdlichen Einsatz hat sie Themen und Menschen auf die Bühne gebracht, die sonst in der Dramaturgie des Schauspiels keinen Eingang gefunden hätten.“

Miriam Tscholl: „Als ich die Nachricht über den Förderpreis erhielt, wühlte ich gerade in meinem Gemüsegarten, wie es derzeit wohl viele freie Kunstschaffende tun, deren Arbeit gerade pausieren muss. Ich bedanke mich bei der Stadt Dresden für die Würdigung und freue mich auf die Zeit, in der wir Corona-geimpft zum naiven Miteinander zurückfinden können. Ich denke, Kunst könnte uns beim Wiedereinüben von Social Nearing unterstützen. Bis dahin freue ich mich über den Preis, finde künstlerische Kompromisse und übe mich geduldig im Abstandhalten, was nicht unbedingt mein Ding ist.“

Verleihung:

Die Verleihung des Kunstpreises 2020 und der Förderpreise 2020 ist für September geplant. Aufgrund der Corona-Pandemie und der aktuellen Allgemeinverfügung innerhalb des Freistaates Sachsen steht noch kein konkretes Datum für die Verleihung fest.

Jury-Mitglieder:

Beigeordnete für Kultur und Tourismus Annekatrin Klepsch und Amtsleiter für Kultur und Denkmalschutz Dr. David Klein, Stadträte: Christiane Filius-Jehne, Petra Nikolov, Anne Holowenko, Matthias Rentzsch und Fachjuroren: Susanne Altmann, Joachim Klement, Barbara Lubich, Carena Schlewitt, Günter „Baby“ Sommer, Odile Vassas.

Das Statut sowie weitere Informationen zum Kunstpreis und zu den Förderpreisen der Landeshauptstadt Dresden finden Sie unter: www.dresden.de/kunstpreis

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