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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2019/09/pm_091.php 23.09.2019 11:42:55 Uhr 21.10.2019 11:30:44 Uhr
23.09.2019

Silberhochzeit für die Villa Weigang

Besichtigung am Montag, 30. September möglich


Die Villa Weigang auf der Goetheallee wurde am 30. September 1994 nach umfassender Rekonstruktion wiedereröffnet. Seit 25 Jahren erfreut sich dieser Heiratsort sehr großer Beliebtheit, obwohl es in Dresden weitere zehn sehr schöne Hochzeitsorte gibt. Am Montag, 30. September 2019 bietet sich von 14 Uhr bis 19 Uhr die Möglichkeit zur Besichtigung. Man kann interessante Details zur Rekonstruktion des Gebäudes und zur Wiederherstellung der Gartenanlage erfahren.  Im Trausaal mit 25 Plätzen finden jeweils zur vollen Stunde Kurzvorträge statt. Als Redner konnte u. a. der ehemalige Leiter des Standesamtes, Frank Neubert, gewonnen werden. Er hat das Haus 25 Jahre aktiv begleitet. Der letzte Vortrag beginnt 18 Uhr. Die Besichtigung sowie die Teilnahme an den Vorträgen sind kostenfrei. 

„Die Villa Weigang ist etwas ganz Besonderes. Jährlich geben sich hier über 1 800 Paare das Ja-Wort. Seit 1994 waren es mehr als 40 600 Paare. Ich bin stolz, dass Dresden mit der Villa Weigang über eines der schönsten Standesämter Deutschlands verfügt“, so der Erste Bürgermeister Detlef Sittel.

Die Villa fasziniert nicht nur durch ihre idyllische Lage im Villenviertel von Blasewitz, sondern vor allem durch ihre üppige und noble Innenausstattung. Der aufmerksame Betrachter entdeckt üppige Sandsteinarbeiten am Gebäude und eine wunderschöne Sonnenuhr. Die Hochzeitstermine in diesem Märchenschloss sind stets sehr gut gebucht.

Hintergrundinformationen: Das Standesamt, die Villa Weigang auf der Goetheallee 55 in Dresden, wurde von 1991 bis 1994 umfassend rekonstruiert. Am 30. September 1994 war die Wiedereröffnung mit sieben Eheschließungen. 1991 gab es vier Orte zum Heiraten in Dresden. Außer der Villa Weigang waren es noch die Standesämter im Rathaus, am Palaisplatz und auf der Oskarstraße.

Vom 30. September 1994 bis zum 31. Dezember 1998 war die Villa Weigang mit zwei Trauräumen der einzige Heiratsort in Dresden. Durch den dramatischen Einbruch der Eheschließungszahlen von 3 504 im Jahr 1988 auf nur noch 1 298 Eheschließungen im Jahr 1994 war die Kapazität der Villa völlig ausreichend. Durch den Anstieg des Bedarfs und die größer werdenden Hochzeitsgesellschaften musste ab 1999 die Anzahl der Eheschließungsorte und die Kapazität der Räume aufgestockt werden. Insgesamt stehen derzeit elf Objekte zur Verfügung.Die Villa Weigang ist auf Grund der Beliebtheit der Spitzenreiter mit jährlich etwa 1 800 Eheschließungen. Seit der Wiedereröffnung bis zum 31. Dezember 2018 heirateten 40 664 Paare in der Villa. Dieses Jahr werden es bis zum Jubiläum nochmals 1 388 Paare sein.

Zur Geschichte: Die Villa wurde 1894/95 erbaut. Der Architekt ist wahrscheinlich Poscharsky. Die Bauakten sind 1945 verbrannt. Die 1893/94 erbaute Villa auf dem Vogesenweg 4 weist große Ähnlichkeiten mit der Villa Weigang auf. Hier weiß man sicher, dass sie von Poscharsky erbaut wurde. Poscharsky verkaufte die Villa auf der Goetheallee 55 am 21. Dezember 1895 an den Bautzener Kaufmann Karl Otto Weigang für 120 000 Mark. Bis 1914 wurde sie von der Familie Weigang als Sommerwohnung genutzt. Die Villa besaß eine prächtige Innenausstattung mit edlen Hölzern und Wandmalereien und moderne Technik. Es gab eine zentrale Dampfheizungsanlage und einen Speisenaufzug.

Der bedeutende Historien- und Freskenmaler Ferdinand Wagner d. J. (1847-1927) hat anspruchsvolle Deckenmalereien geschaffen. In einem der Trausäle können diese bewundert werden. Der aufmerksame Betrachter wird in einigen Gemälden die Initialen von Wagner finden. Im Mittelbild ist Aphrodite, die Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit, dargestellt. Ein früher Hinweis auf die zukünftige Nutzung der Villa. Nach dem Tod von Weigang wurde die Villa verkauft und es gab zahlreiche Eigentümerwechsel. Anfang der 50er Jahre wurde die Landeshauptstadt Eigentümerin der Villa. Seit 1957 wird sie für standesamtliche Zwecke genutzt. Bis 1991 befand sich in der ersten Etage die Meldestelle der Polizei.

1965 wurde das Grundstück in fünf Teile aufgegliedert. Die anspruchsvolle Gartenanlage wurde weitestgehend zerstört. Auf einem Teil wurde ein strukturwidriges Einfamilienhaus errichtet (2018 abgerissen). In anderen Teilen wurden Garagen und eine wilde Ansammlung von Gemüsegärten und Lauben gebaut. Bei notdürftigen Instandsetzungsarbeiten in der Villa wurden die Turmhauben gekappt und flach abgedeckt. Die Brunnenanlage wurde zugeschüttet und die Brunnenfigur ein Putto auf Postament und ein Barometerhäuschen durch sowjetische Truppen abtransportiert. Das geschah in den Jahren zwischen 1964 und 1975, wie überliefert ist. 

Der Zustand der Villa und der Gartenanlage war aus vorgenannten Gründen 1991 desaströs. Zur Goetheallee war das Grundstück nur noch mit einem Tor aus Gitterstäben abgegrenzt. Offensichtlich wurde das ursprüngliche kunstvoll geschmiedete Tor an einen anderen Ort verbracht. Das Tor zum Käthe-Kollwitz-Ufer gehörte durch die Grundstücksteilung nicht mehr zur Villa und war durch zahlreiche armstarke Bäume durchwachsen.

Mitte 1991 wurde die Rekonstruktion der Villa forciert. Es erfolgte mehrfach die Prüfung auf eventuell bestehende Restitutionsansprüche. Danach wurde eine denkmalpflegerische Zielstellung in Auftrag gegeben. Ein Ziel war die Rückgewinnung des Hauptportals zum Käthe-Kollwitz-Ufer und von Teilen der Gartenanlage. Es wurde ein Antrag auf „Zuwendung für investive Zweckzuweisung“ gestellt. Nachdem das damalige Regierungspräsidium den Antrag über 400 000 DM bewilligt hatte, begann die Rekonstruktion. Es wurden in den Folgejahren weitere Fördermittel bewilligt. Der Gesamtkostenvoranschlag belief sich auf 4,7 Millionen DM. Der Kostenrahmen wurde eingehalten.

Eckpunkte des Bauablaufs: Bekämpfung des Schwammes im Dachgebälk, Neudeckung des Daches, Freilegung des Hauses und Trockenlegung, Freilegung der übertünchten Wandmalereien an den Fassaden, Sicherung und Neuverputz der Villa, Erneuerung aller Medienleitungen sowie Gas, Wasser, Strom, Abwasser, Schaffung neuer Toilettenanlagen, Erneuerung der Heizungsanlage, Aus- und Umbau aller Räume, Holzsanierung, Neuanfertigung eines Kronleuchters im Foyer, 1994 Aufsetzung der Turmhauben, die neu geschaffen wurden, 1994 Fertigstellung des Südostteils der Gartenanlage.

Mit der Wiedereröffnung am 30. September 1994 war die Sanierung bei weitem noch nicht abgeschlossen. Auf der Nordseite stand noch ein Gerüst, die Fassadenbemalung musste noch fertiggestellt werden. Bis 1996 erfolgten die Sanierung des Zauns und die Neuschaffung des Gartentores zur Goetheallee. Alle Sandsteinsäulen und die Balustrade mussten repariert und ergänzt werden. Bis 1998 folgte die Freilegung und Erneuerung der Brunnenanlage. Eine Brunnenfigur aus dem Fundus wurde aufgesetzt. 2009 wurde die Villa barrierefrei. In die Terrasse wurde für den Zugang zur Eheschließung ein Aufzug eingebaut.

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