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Dresden, 13. Februar – Ein Rahmen für das Erinnern

Am 13. Februar 2005 werden wir in Dresden – und mit uns Menschen in aller Welt – erneut an die Zerstörung unserer Stadt erinnern, die dann sechzig Jahre zurückliegt.

Vor diesem Jahrestag halten wir inne und befragen unseren Umgang mit diesem Teil unserer Geschichte. Wir tun dies in der Gewissheit, dass unser Erinnern wertvolle Erfahrungen erschließt. Wir tun dies auch, um einem möglichen Missbrauch zu begegnen.

Der »Rahmen für das Erinnern« beinhaltet Grundsätze, an die wir uns gebunden fühlen, wenn wir an den 13. Februar 1945 erinnern.

Er soll den Willen der Mehrheit der Dresdnerinnen und Dresdner zum Ausdruck bringen und Ausgangspunkt für eine möglichst breite Auseinandersetzung mit diesem Thema sein.

Woran wir erinnern

  • Wir erinnern an die Zerstörung des Dresdner Stadtzentrums zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 durch alliierte Luftangriffe, an den Tod mehrerer Zehntausend Menschen unddas Leid der Überlebenden.
  • Wir erinnern an die Vorgeschichte dieser Ereignisse,insbesondere an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und das Verbrechen des von Deutschland ausgegangenenKrieges.
  • Wir erinnern an den Anteil, den Menschen und Einrichtungen in Dresden an Kriegsführung, nationalsozialistischerUnterdrückung und deren Verbrechen – etwa an den jüdischen Bürgern der Stadt – hatten.
  • Wir erinnern an den Umgang mit der Geschichte der ZerstörungDresdens, die weltweit symbolische Bedeutung erhalten hat und für unterschiedliche politische Zwecke genutzt wurde.
  • Wir erinnern an Zeichen und Schritte des Friedens und derVersöhnung in den letzten 60 Jahren.

Warum wir erinnern

  • Wir erinnern, weil die Betroffenen das Recht haben, ihrer Erinnerung und Trauer Raum zu geben.
  • Wir erinnern, weil die Generationen der Zeitzeugen wertvolleErfahrungen weitergeben können, so ihre Friedenssehnsucht, die Hoffnung und die Lebenskraft des Wiederaufbaus.
  • Wir erinnern, weil wir aus dem historischen Geschehen die Verpflichtung zum Einsatz für Frieden, gegen Gewalt und Kriegableiten.
  • Wir erinnern, weil die Auseinandersetzung mit unsererGeschichte in Nationalsozialismus und Krieg uns die eigene Verantwortung für die Gestaltung einer menschenwürdigen, demokratischen und friedlichen Gesellschaft zeigt.

Was wir ablehnen

  • Wir wehren uns gegen den Missbrauch der Erinnerung zur Verharmlosung von Verbrechen der nationalsozialistischen deutschen Gesellschaft zwischen 1933 und 1945.
  • Wir wehren uns gegen den Missbrauch der Opfer der Zerstörung Dresdens zum Aufrechnen von Schuld.
  • Wir wehren uns gegen jede Form von Werbung fürdemokratiefeindliche und menschenverachtende Ideologien,Haltungen und Aktionen, die sich der Erinnerung an die Zerstörung Dresdens bedient.
  • Wir wehren uns gegen Revanchismus, Völkerverhetzung undGewaltpropaganda.
  • Wir wehren uns gegen jede Verhöhnung der Opfer.

Was wir wollen

  • Wir wollen, dass der 13. Februar Ausgangspunkt eines über den Tag hinausweisenden Lernens und Engagements für Frieden und Menschlichkeit wird.
  • Wir wollen kritisch und selbstkritisch an die jahrzehntelange Erinnerungs- und Gedenktradition anknüpfen.
  • Wir wollen die friedliche Gemeinschaft mit den Völkern derehemaligen Kriegsgegner bewahren und weitere Annäherungfördern.
  • Wir wollen uns bei aller inhaltlichen Vielfalt unseres Erinnerns andie oben genannten Grundsätze binden.

Wir laden alle ein, die sich ein weltoffenes Dresden wünschen, das sich seiner Verantwortung aus der Geschichte bewusst ist, in diesem »Rahmen für das Erinnern« aktiv zu werden!
Dresden, 22.09.2004

Autoren

Der Text wurde von einer kleinen Gruppe Dresdner Bürger erarbeitet, die sich mit der Geschichte Dresden in Nationalsozialismus und Krieg auseinandergesetzt haben.