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https://www.dresden.de/de/kultur/kulturentwicklung/kulturpalast/weg-der-roten-fahne.php 28.04.2017 11:23:54 Uhr 18.11.2019 08:28:58 Uhr
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© Fyona A. Hallé

Wandbild „Der Weg der Roten Fahne“

Die Entstehung

Das 30 Meter lange Wandbild „Der Weg der Roten Fahne“ entsteht zwischen 1968 und 1969. Gestaltet und umgesetzt wird es von einer Künstlergruppe um Gerhard Bondzin, Professor an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste. Es zeigt im Stile des sozialistischen Realismus den Weg zum Sozialismus und stellt die DDR in den Kontext des damaligen Geschichtsbildes. Der in einem vorherigen Wettbewerb ausgewählte Siegerentwurf von Rudolf Sitte zum Thema „Die Veränderbarkeit der Welt“ wurde verworfen.

Modell Kulturpalast Dresden (Westseite), Entwurf des Reliefs "Veränderbarkeit der Welt" von Rudolf Sitte.

Der Inhalt

Das Wandbild soll eine Traditionslinie der deutschen Arbeiterbewegung darstellen, die mit der 1848er Revolution beginnt und in der Gründung der DDR mündet. Das dahinter stehende marxistische Geschichtsverständnis beruht auf dem historischem Materialismus. Dabei wird davon ausgegangen, dass geschichtliche Prozesse nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten ablaufen.

Aus Sicht der Auftraggeber soll das Wandbild dabei helfen „das sozialistische Geschichtsbewusstsein mitzuprägen, sowohl dem opferreichen Kampf der Arbeiterklasse ein Denkmal zu setzen als auch das heute Erreichte als Ergebnis dieses Kampfes erlebbar zu machen."

In einer zeitgenössischen Darstellung werden die einzelnen Figurengruppen und ihre Bedeutung dargestellt:

1. Figurengruppe

Am linken unteren Eck der Bildfläche erkennt man eine sich tief bückende Frau, die Steine ergreift und einen Mann, der einen schweren Korb schultet. Über ihnen richtet sich ein Mann, sein Gewehr packend, aus kniender Lage auf; er symbolisiert die Erhebung von 1948. Mann und Frau versorgen sich und die Kameraden mit Pflastersteinen, reiner Waffe des Proletariats. Der sich erhebende bewaffnete Bürger hinter der Frau richtet seinen Blick aufwärts, in die Zukunft. Über ihm steht aufrecht und in seiner ganzen Körpergröße, frontal dem Beschauer zugewandt, Karl Marx. In seinen Händen hält er ein Schriftstück, das sein Werk versinnbildlicht. Ihm zur Rechten, in gleicher Haltung steht Friedrich Engels, der Mitschüler der Lehre des wissenschaftlichen Sozialismus, in seiner Hand das Gewehr. Historisch motiviert ist dieses Attribut durch die Teilnahme Friedrich Engels an den revolutionären Kämpfen. Mit dieser Szene ist die Geburtsstunde des Kommunistischen Manifestes dargestellt, das die Kämpfe der Arbeiterklasse fortan bestimmte, die unter dem Zeichen der Roten Fahne geführt wurden. Am oberen Bildrand steht in plastisch vertieften Lettern die Erkenntnis: "Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein."

2. Figurengruppe

(...)"hebt eine Frau das Symbol dieses Kampfes, die rote Fahne, auf und trägt sie der Sonne entgegen, die nunmehr im Bild hinter einer kargen Landschaftssilhouette sichtbar wird. Das Motiv des Kampfliedes "Brüder zur Sonne, zur Freiheit" wird hier bildhaft angestimmt." 

3. Figurengruppe

"Ein Zug gefesselter Arbeiter drängt sich erschöpft vorwärts. Hinter ihnen wird ihr Bewacher sichtbar: ein bewaffneter Polizist mit kaiserlicher Pickelhaube. Schwer ziehen diese Männer an einem Strang. Aber das "Sozialistengesetz", das die gemeinsamen Aktionen der Arbeiterklasse unmöglich machen, sollte und deshalb auch die revolutionären Arbeiter einkerkerte und verfolgte, erreicht das Gegenteil. Die Arbeiterklasse festigte ihre Verbindungen und ging gestärkt aus diesem Kampfe hervor. Durch die geschickte Bildformulierung wird der weitere Weg nicht als Abwärtsentwicklung, vielmehr als Vorwärtsentwicklung empfunden."

4. Figurengruppe

"Im nächsten Bild, das den Weg in einem nach links ausholenden Schwung bis zur Gruppe der Novemberkämpfer markiert, verteidigt ein Arbeiter die rote Fahne. Zwei Polizisten fallen ihm in den Arm, die Szene lässt an Straßenkämpfe denken. Seine körperliche und moralische Kraft überragt die der Polizisten: Aber er ist von der Reaktion umstellt und eingekreist, so formuliert es das Bild. Vor ihm windet sich ein Drahtverhau, hinter ihm galopiert ein Pferd und behindert ihm beim Durchbrechen der Einkreisung der Reaktion. Der Arbeiter kämpft um die rote Fahne und bahnt ihr den Weg in die Zukunft." 

5. Figurengruppe

"Als Gegensatz zu den vorangehenden Gruppen (...), empfinden wir die Ruhe und Sicherheit in der Gruppe der Novemberkämpfer. Drei Werktätige, erkennbar an ihrer Kleidung, eine Frau und zwei Männer, stehen als Soldaten der Revolution bewaffnet (mit zwei Gewehren und einem Maschinengewehr), in kämpferischer Haltung aufrecht und entschlossen vor der roten Fahne, unter dem Zwischen des leuchtend roten Sterns der proletarischen Revolution fest zusammen." 

6. Figurengruppe

"Vor einer Versammlung erregter Arbeiter spricht, von einem Podest aus, Ernst Thälmann, die zur Faust geballte Rechte zum Gruß erhoben. Rechts von ihm auf rotem Grunde Hammer und Sichel, hinter ihm die roten Fahnen, verkörpert dieses Szene das Erstarken der Arbeiterbewegung in den zwanziger Jahren, als das Thälmannsche Zentral-Komitee der Kommunistischen Partei den revolutionären Kampf lenkte. Zur Linken Thälmanns strebt eine junge Frau, ein Bündel Flugblätter im Arm, wilden nach außen. Ihr rechter Arm, der ein Flugblatt austeilt, weist auf das benachbarte Bild (...)." 

7. Figurengruppe

"Es zeigt einen inhaftierten Genossen, der durch den Stacheldraht hindurch nach einem am Boden liegenden Flugblatt greift: Noch in Gefangenschaft sucht der Widerstandskämpfer das Wort seiner Partei." 

8. Figurengruppe

"Mit dem Bild der Agitation in der "Weimarer Republik" unmittelbar verbunden ist das Bild der um den gefallenen Kampfgenossen Trauernden. Die rote Fahne deckt den Toten auf der Bahre, vor dem zwei Männer zum Schwur die Fäuste ballen, und eine Frau im Knien schützend ihr Kind umarmend, die Frau des gefallenen Genossen." 

9. Figurengruppe

"Dieses Feld wird überschnitten von der roten Fahne in dem vorwärts schwingenden Arm der Fahnenträgerin, von der Fahne des Sieges, die die Gegenwart repräsentiert und den Weg in die Zukunft weist. Zu den zuletzt genannten Bildern gehört das über ihnen in die Betonwand geprägte Vermächtnis der Widerstandskämpfer: "Leben wird unser Programm - trotz alledem" 

10. Figurengruppe

"(...) Gruppe der Befreiung, die eine Doppelgruppe ist, und die die Wiederaufnahme des Kampfes der deutschen Arbeiterklasse nach der Illegalität vor allem mit Hilfe der Sowjetunion im Jahre 1945 darstellt. Die linke Zweiergruppe zeigt den Sowjetsoldaten, der den aus einem Verlies aufsteigenden KZ-Häftling befreit. Vier befreite Widerstandskämpfer bring symbolisch die rote Fahne über dem Arm mit: Er hat durch seinen Kampf unter Einsatz seines Lebens Ehre und Weder der Klasse und der Nation gerettet. Die rechte Dreiergruppe zeigt Aktivisten der ersten Stunde, einen Arbeiter und ein Kind neben dem sowjetischen Soldaten mit der Maschinenpistole in der Hand. Damit ist der sowjetischen Befreiungstat und der Hilfe der Sowjetunion in der ersten Stunde des Neubeginns im Jahre 1945 in Deutschland ein bleibendes Denkmal gesetzt." 

11. Figurengruppe

"Sie veranschaulicht die sozialistische Menschengemeinschaft in der Deutschen Demokratischen Republik, den Sieg der roten Fahne! Das Staatswappen der Deutschen Demokratischen Republik in der mittleren Raumzone dieses Bildteiles, links neben der starken Mittelgruppe, benennt das Thema, um das diese Menschen ringen, diskutieren und agitieren. Über diese Gruppe formuliert am oberen Bildrand der Schriftblock: "Wir sind die Sieger der Geschichte. Das rote Banner, das den Kopf Lenins trägt, bestimmt die Parteilichkeit, mit der die sozialistische Menschengemeinschaft errichtet wurde. Es kennzeichnet den Geist, in dem sie sich unbeirrt weiterentwickelt. Unter Lenins Banner scharen sich im oberen Teil der Bildpyramide Jugendliche mit der Fahne der Freien Deutschen Jugend um Walter Ulbricht, den Ersten Sekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Er steht aufrecht. Die Bewegung seines rechten Arms deutet an, daß er sich agierend an die ihn umgebenden Menschen wendet. Der Erste Sekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzende des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik stand bereits mit Beginn des Aufbaus der antifaschistisch-demokratischen Ordnung und in der Zeit des Sieges der sozialistischen Produktionsverhältnisse im Zentrum der Leitung des revolutionären Prozesses, der zur Errichtung des ersten Staates der Arbeiter und Bauern in der deutschen Geschichte führte. In der Person des Ersten Sekretärs repräsentiert diese Gruppe, die getragen wird von den Arbeitern, Technikern, der Jugend und allen Schichten der Bevölkerung, die Führungstätigkeit und die geleistete Aufklärungsarbeit der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Am linken Teil dieser zentralen Menschenpyramide diskutieren Werktätige kameradschaftlich miteinander. Ein dritter Arbeiter mit Schutzhelm und Brille blickt aufwärts, als gelte es, das Ziel des Weges abzuschätzen. Vor ihnen lässt eine junge Frau im Arbeitskittel ein Textband durch die ihre Hände gleiten, das sie der vor ihr stehenden Maschine, einem Computer entnommen hat. Somit werden gemeinsames Schaffen, verantwortungsbewusstes Mitwirken und Mitregieren, als auch die Gründung des Fortschritts auf die modernsten Produktionskräfte und die Verwirklichung der wissenschaftlich-technischen Revolution in der Deutschen Demokratischen Republik ausgedrückt." 

12. Figurengruppe

"Die in der Deutschen Demokratischen Republik zur Wirklichkeit gewordenen Zielsetzung des Kommunistischen Manifestes wird durch weitere Einzelheiten bildhaft veranschaulicht: Durch den Jungen Pionier, der auf der Erde eine Taube, das Symbol des Friedens zeichnet, wird der Geist sozialistischer Bildung und Erziehung in unserem Stadt charakterisiert." 

13. Figurengruppe

"Der bewaffnete Angehörige einer sozialistischen Kampfgruppe steht vor zwei jugendlichen Männern: einem deutschen Arbeiter und einem Sowjetsoldaten, die sich beide in der Geste der Verbrüderung umarmen. Gemeinsam drücken sie symbolisch den Willen zu treuer Freundschaft der Völker in der sozialistischen Staatengemeinschaft und die Kampfentschlossenheit zur Verteidigung der Errungenschaften des Sozialismus aus."  14. Figurengruppe "Dieser Gedanke findet eine zweite Ausdeutung in der Dreirgruppe, die sich rechts unten anschließt. Sie zeigt einen Jungen Pionier, einen Soldaten und einen Arbeiter um die rote Fahne vereint, die der Arbeiter fest umklammert, der Soldat ausbreitet und der Pionier berührt. Dies geschieht in feierlicher Haltung, die auf den Schwur der Fahne schließen läßt.  15. Figurengruppe "In einheitlichem Rhythmus marschiert eine zahlreiche Gruppe vorwiegend jüngerer Menschen aller Schichten und Berufe vorwärts, Arm in Arm und mit der roten Fahne, rote Bänder mit sich führend. "Brüder, in eins nun die Hände" setzt den Schlussakkord in diese reiche Symphonie, die das Auf und Ab des zurückgelegten Kampfes, seine Schwere und Unerbittlichkeit in der Zuversicht enden läßt, mit der Einheit der Arbeiterklasse den größten Sieg der deutschen Geschichte errungen zu haben."

 

Die Kontroverse

Nach 1990 wird über das Wandbild immer wieder kontrovers diskutiert. Dabei geht es um die Frage, wie man mit repräsentativen Bildzeugnissen der DDR nach der friedlichen Revolution in Dresden umgeht. Für einige wirkt das Wandbild wie eine Provokation im Stadtbild, für andere ist es Ausdruck einer historischen Epoche, die Dresden über vier Jahrzehnte lang geprägt hat.

Im Zuge der Sanierung des Kulturpalastes führt das Amt für Kultur und Denkmalschutz im Jahr 2015 mit Experten und Stadträten einen Workshop durch. Ziel ist, die Debatten über das Wandbild aufzugreifen und Vorschläge für den weiteren Umgang zu entwickeln. Ein wesentliches Ergebnis dieses Workshops ist die Maßgabe, das Wandbild nicht losgelöst vom Gesamtgebäude und dessen Geschichte zu betrachten.

Mit der Ausstellung „Der Kulturpalast Dresden. Architektur als Auftrag“ des Stadtmuseums wird dieser Anspruch erfüllt. Mit einer sich in Entwicklung befindlichen Broschüre zum Wandbild wird langfristig der Entstehungskontext und der Inhalt des Wandbildes vorgestellt.

 

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