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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2021/10/pm_025.php 14.10.2021 17:14:31 Uhr 21.10.2021 22:30:36 Uhr
Meldung vom 08.10.2021

30 Jahre „Healthy Cities Network“ Dresden

WHO bestätigt Mitgliedschaft Dresdens im europäischen Netzwerk

Die Landeshauptstadt Dresden ist erneut als Mitglied im europäischen „Gesunde-Städte-Netzwerk“ der Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt. Die Beigeordnete für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen Dr. Kristin Klaudia Kaufmann nahm die Mitgliedsurkunde für die Phase bis 2025 entgegen, die am 29. September 2021 in Dresden eintraf.
Das europäische „Gesunde-Städte-Netzwerk“ (WHO European Healthy Cities Network) ist eine Initiative des europäischen Regionalbüros der WHO in Kopenhagen. Ziel ist es, die Verbesserung des körperlichen, geistigen, sozialen und umweltbezogenen Wohlbefindens der Menschen in den Städten zu einer der wichtigsten Aufgaben der Kommunen zu machen. Demnach sollen Gesundheit und Wohlergehen in einer gesunden Stadt im Mittelpunkt aller kommunalen Entscheidungsprozesse stehen. Das zuständige Projektbüro in Dresden ist dem städtischen Amt für Gesundheit und Prävention angegliedert.
Die frisch eingetroffene Mitgliedsurkunde gibt Dresden gleich doppelt Grund zur Freude. Denn in diesem Jahr jährt sich die Mitgliedschaft der Stadt im Netzwerk zum 30. Mal. Gesundheitsbürgermeisterin Dr. Kristin Klaudia Kaufmann sagt dazu: „Wir blicken mit Stolz zurück auf 30 Jahre WHO-Mitgliedschaft, in denen Dresden, dem Selbstverständnis der WHO folgend, wichtige Meilensteine zur Verbesserung der Gesundheit seiner Bevölkerung erreichen konnte. Wir haben uns noch viel vorgenommen. Wir freuen uns auf die Fortsetzung dieser erfolgreichen internationalen Partnerschaft.“

Wie alles begann

Alles begann im Jahr 1990, als die Stadtverordnetenversammlung mit Beschluss vom 6. September 1990 verfügte, der Gesundheitsförderung in der Kommunalpolitik einen höheren Stellenwert einzuräumen. Die Stadtverordneten schufen damit die Voraussetzung zum Netzwerk-Beitritt. Nach Einreichen des Aufnahmeantrages beim Europäischen WHO-Regionalbüro Anfang 1991 und der erfolgreichen Vorstellung und Verteidigung des Dresdner Konzepts im Europabüro der WHO in Kopenhagen im Frühjahr 1991 nahm die Landeshauptstadt Dresden am 12. Dezember 1991 die offizielle Aufnahmebestätigung entgegen und wurde die 35. Stadt im europäischen Netzwerk „Healthy Cities“.

Aufbauphase: Projektbüro und Beirat

In den ersten Jahren des Projektes wurden zunächst die Strukturen für die Projektarbeit geschaffen: ein Projektbüro und ein Beirat wurden in Dresden etabliert. Die Aufgaben des Projektbüros lagen unter anderem in der Aufbereitung von Daten zu demografischen, epidemiologischen, sozialen und umweltbedingten Sachverhalten sowie Daten zum Gesundheitsverhalten. Auch der Aufbau erster Projekte zur Gesundheitsförderung startete. Dabei lag in den ersten Jahren ein besonderer Fokus auf Kindern und Jugendlichen.
Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 16. August 1993 bildete sich der Dresdner WHO-Beirat. Er vereint Fachleute aus verschiedenen gesundheitlichen Bereichen, darunter Medizin, Pflege, Wissenschaft, öffentlicher Gesundheitsdienst und Politik. Der Beirat berät das Projektbüro und fungiert als Bindeglied zu potenziellen Projektpartnern. Er dient als interdisziplinäre und träger- bzw. einrichtungsübergreifende Plattform für Information, Kommunikation, Diskussion sowie die Entwicklung und Evaluierung innovativer Vorhaben auf dem Gebiet der öffentlichen Gesundheit.

Erste Projekte und Gesundheitsberichterstattung

Maßnahmen der ersten Jahre waren beispielsweise SPORTS FORMULA, ein umfangreiches Sportprogramm, welches in zwei Schulen für 450 Schülerinnen und Schüler unter der Leitung des Kreissportbundes Dresden e. V. angeboten wurde oder das Projekt „Gesunde Schule“, das an drei Modellschulen etabliert wurde. Im Fokus standen die Themen drogenspezifische Prävention, Aggressionsbewältigung, Sexualerziehung und gesundheitsfördernde Ernährung.
1997 erschien das erste Stadtgesundheitsprofil. Dieser Gesundheitsbericht bildete die Grundlage für die Ableitung von Handlungsschwerpunkten einer gesundheitsfördernden Stadtpolitik. Die Herausgabe eines Stadtgesundheitsprofils ist bis heute obligatorischer Bestandteil der Mitgliedschaft im Netzwerk, ist aber auch unerlässlich als Arbeitsgrundlage des WHO-Büros und der strategischen Gesundheitsplanung des Gesundheitsamts. Seit 1991 publizierte das Projektbüro insgesamt sechs Ausgaben des Stadtgesundheitsprofils. Ein neues Stadtgesundheitsprofil befindet sich aktuell in Erstellung. Es soll voraussichtlich 2022 erscheinen.
Im weiteren Projektverlauf ging es darum, Aktionen zur Lösung von Gesundheitsproblemen einzuleiten und diese nachhaltig zu fördern. Das Projekt arbeitet nach dem Prinzip „Health in all policies“ – Gesundheit in allen Politikfeldern. Danach werden Gesundheit und Gesundheitsförderung als kommunale Querschnittsaufgabe verstanden, die unter anderem die Bereiche Soziales, Stadtentwicklung, Umwelt, Kultur, Bildung und Sport betreffen. Dies bedingt eine enge Vernetzung von verwaltungsinternen und externen Akteuren sowie einen regelmäßigen Austausch, die Abstimmung gemeinsamer Vorgehensweisen und die Schaffung eines gemeinsamen Grundverständnisses für den Begriff der Gesundheit.
Dieser Vorgehensweise folgend, konnten in den vergangenen drei Jahrzehnten deutliche Fortschritte für die Gesundheit der Dresdner Bürgerinnen und Bürger erreicht werden.

Strategische Gesundheitsplanung

2008 entstand der erste Aktionsplan für aktives und gesundes Altern. Das erste Dresdner Stadtgesundheitsprofil für ältere Menschen und die Gesundheitskonferenz „Aktives Altern“ legten den Grundstein dafür. Im Aktionsplan bekennt sich die Landeshauptstadt Dresden zu einer gesundheitsfördernden Seniorenpolitik. Der Dresdner Stadtrat beschloss den Aktionsplan im Januar 2008 Dresdner Stadtrat schrieb ihn 2015 fort. Der Aktionsplan ist seit Sommer 2021 im neuen Fachplan für Seniorenarbeit und Altenhilfe integriert. Dabei liegt der Fokus der Maßnahmen auf der Sensibilisierung für eine gesunde Lebensweise, der Schaffung von zeitgemäßen und bedarfsgerechten Angeboten, der Vernetzung von Akteuren und dem Ausbau einer repräsentativen Datenbasis.

Besondere Schwerpunkte: Bewegungsförderung und Kindergesundheit

In den vergangenen zehn Jahren konnte das Projektbüro beim Amt für Gesundheit und Prävention die Bewegungsangebote im Dresdner Stadtgebiet deutlich ausbauen. Das WHO-Büro hat dabei unter anderem Ansätze, die sich in anderen europäischen Städten bewährt haben, nach Dresden geholt. So wurden 2014 unter dem Titel „Walking People“ fünf neue Lauf- und Bewegungsstrecken initiiert. Die Europäische Kommission stellte dafür Fördermittel bereit. Auch die Stadtteilrundgänge der Reihe „Bewegung im Stadtteil“ sind ein echtes Erfolgsprojekt. Für das Engagement im Bereich „Gesundes und aktives Altern“ zeichnete die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) die Stadt Dresden im Jahr 2016 im Rahmen des Bundeswettbewerbes „Gesund älter werden in der Kommune – bewegt und mobil“ aus. Die Landeshauptstadt Dresden belegte den dritten Platz im Wettbewerb. Auch das kostenlose Sportangebot „Fit im Park“, das seit 2017 Menschen auf öffentliche Grünflächen zum Sporttreiben animiert, erfreut sich Jahr für Jahr immer größerer Beliebtheit in der Bevölkerung. Seit August 2021 gibt es als weiteres Angebot den „Geh-sundheitspfad“ in Dresden-Trachau. Der „Geh-sundheitspfad“ ist ein Lehrpfad mit zwölf Tafeln, die Wissenswertes zum Thema Gehen und Gesundheit, zur Umwelt und zur Stadtgeschichte erzählen.
Das WHO-Büro fördert zudem ein gesundes Aufwachsen Dresdner Kinder und Jugendlicher. Erste Angebote gibt es bereits für werdende Mütter und Väter während der Schwangerschaft, welche sich in der Stillzeit fortsetzen. Auch im Kita- und Grundschulalter gibt es verschiedene Maßnahmen zum Beispiel zur gesunden Ernährung, der Mundgesundheit, der Bewegungsförderung und der Suchtprävention.
Ganz im Sinne von „Health in all policies“ ist das WHO-Büro in vielen kommunalen Handlungsfeldern aktiv. Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist das Projekt „KINET“, das Dresdner Modell für Frühprävention. „KINET“ vernetzt Akteure eines Sozialraumes miteinander, die bei der Entwicklung eines Kindes mitwirken und befördert deren gegenseitigen Austausch und die Zusammenarbeit. „KINET“ wirkt dabei in den Stadtgebieten Gorbitz und Prohlis, wo sich Einrichtungen mit ungleichen Entwicklungsbedingungen und -voraussetzungen der Kinder konfrontiert sehen.

Überregionale und internationale Zusammenarbeit

Während der 30-jährigen WHO-Mitgliedschaft etablierte das Projektbüro beim Amt für Gesundheit und Prävention ein enges lokales und überregionales Netzwerk aus sozialen Einrichtungen, Vereinen, Verbänden und Hochschulen. Inzwischen ist Dresden als WHO-Stadt bundesweit etabliert. Der Erfolg zeigt sich auch darin, dass das Projekt bereits mehrere Förderungen auf Bundesebene erhalten hat. Ein aktuelles Beispiel dafür ist beispielsweise das Verbundvorhaben „HeatResilientCity“ (Hitzeanpassung urbaner Gebäude- und Siedlungsstrukturtypen), in dem neben dem Umwelt- und Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Dresden, auch die Landeshauptstadt Erfurt, die Technische Universität Dresden, die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, das Leibniz-Institut für Ökologische Raumentwicklung sowie das Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation der Fachhochschule Erfurt involviert sind. Das WHO-Büro bearbeitet federführend ein Teilprojekt, in dem es um die Prävention hitzebedingter Gesundheitsschäden geht. Die Maßnahmen im WHO-Projekt „Gesunde Städte“ werden neben dem Bund auch durch den Freistaat Sachsen und die gesetzlichen Krankenkassen gefördert.
Seit 1991 ist Dresden ununterbrochen Mitglied des europäischen WHO-Netzwerks. Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist eine Bewerbung der Mitgliedsstädte für die jeweils fünfjährige Projektphase. Die aktuelle Phase VII läuft bis 2025. Der Fokus in dieser Zeit liegt auf dem Ausbau und der Verstetigung von gesundheitsfördernden Angeboten sowie der Verbesserung der Chancengerechtigkeit für ein gesundes Aufwachsen, Leben, Arbeiten und Altern. Die Arbeit fußt auf den Grundprinzipien der Chancengleichheit, Nachhaltigkeit, der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit und Solidarität.

Eine ausführliche Beschreibung zum Projekt, den Aktivitäten und den Arbeitsschwerpunkten steht online unter dresden.de/WHO
Hier findet sich anlässlich des Jubiläums auch eine aktuelle Bilderstrecke zum Projekt.

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