Im Jahre 1838 wurde in Dresden unterhalb der Brühlschen Terrasse der Grundstein für eine imposante Synagoge gelegt. Ihr Entwurf stammte von dem bekannten Baumeister Gottfried Semper, dem auch die Leitung der Bauarbeiten übertragen wurde.
"Mein Haus werde genannt ein Haus der Andacht allen Völkern...", so stand es in Hebräisch über dem äußeren Hoftor.
Am 8. Mai 1840 unter großer öffentlicher Anteilnahme geweiht, sollte die Dresdner Synagoge jedoch nicht länger als ein Jahrhundert die Wirkungsstätte der jüdischen Gemeinde Dresdens sein.
Bau der Synagoge 1838 bis 1840
Die geschichtlichen Wurzeln der jüdischen Gemeinden in Sachsen reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück und beschränken sich auf die Städte Dresden und Leipzig. Zwischen 1500 und 1700 waren alle Juden aus dem sächsischen Raum vertrieben worden – erst mit dem Regierungsantritt des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. erfolgte die Konzessionierung des Aufenthalts für einige ausgewählte jüdische Familien in Dresden und Leipzig.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts kämpften die Dresdner Juden um gesetzliche Gleichstellung . Ab Mai 1837 war es ihnen per Gesetz erlaubt, eine Religionsgemeinschaft zu bilden. Damit wurde der Bau einer gemeinsamen Synagoge im Stadtgebiet Dresdens möglich. Die 682 Mitglieder zählende Gemeinde war lange in vier Privatsynagogen zersplittert.
Gottfried Semper (1803-1879)
Die Planung des neuen Bauwerkes übernahm Gottfried Semper. Die Dresdner Synagoge ist der einzige Sakralbau, den der berühmte Architekt jemals entworfen hat. Obwohl für den Auftrag keinesfalls ein fürstliches Honorar winkte, nahm er die Herausforderung an.
Die Bauaufgabe forderte die ganze schöpferische Kraft Sempers, denn für eine Synagoge existierte kein Mustertypus. Innerhalb kürzester Zeit legte der Architekt die Baupläne vor. Nur zwei Monate nach Auftragsbeginn konnte der Grundstein gelegt werden.
Obwohl Semper darauf achten musste, den sakralen Bau möglichst harmonisch in sein architektonisches Umfeld einzufügen, verlieh er seinem Werk ein unverwechselbares Gesicht. In Anlehnung an byzantinische Kreuzkuppelkirchen entstand ein kraftvolles, stilistisch aber weitgehend neutrales Gebäude. Im quadratischen Innenraum wiesen Schmuckelemente auf die Verschmelzung der orientalischen mit der europäischen Kultur hin. Er beherbergte doppelgeschossige Emporen und bot Platz für 300 männliche und 200 weibliche Besucher. Daneben gab es 500 Stehplätze.
Reichspogromnacht 1938
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten breitete sich der Antisemitismus unaufhaltsam aus. So wurden auch in Dresden von 1933 an Juden boykottiert, vertrieben, zu Zwangsarbeit verpflichtet und in Vernichtungslager verschleppt.
In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 fiel die Dresdner Synagoge den Flammen zum Opfer. Das Feuer hatten Angehörige der SA gelegt. Herbeieilenden Feuerwehrleuten wurde das Löschen untersagt, sie durften lediglich die umliegenden Häuser vor dem Übergriff des Feuers schützen.
Die zurückgebliebene Brandruine wurde bald darauf abgerissen, ein Teil der Steine für den Straßenbau verwendet. Die Kosten für die Beseitigung der Trümmer ihres Gotteshauses musste die jüdische Gemeinde selbst tragen.
Einziges überlebendes Dokument der Synagoge war einer der beiden Davidsterne, die die Türme geziert hatten. Ein mutiger Feuerwehrmann versteckte ihn auf seinem Dachboden, wo der Stern den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand.
Überleben & Neubeginn 1945
Im Januar 1945 lebten noch 174 Juden in Dresden. Einige von ihnen fielen im Februar den Bombenangriffen auf ihre Heimatstadt zum Opfer; andere überlebten, weil die letzten geplanten Transporte in Vernichtungslager auf Grund der Angriffe nicht mehr erfolgen konnten.
Diese kleine Gruppe wagte im Herbst 1945 einen vorsichtigen Neuanfang. Die Jüdische Gemeinde wurde neu gegründet und zählte bereits Ende der 40er Jahre wieder mehr als 200 Mitglieder in Dresden.
An das zerstörte jüdische Gotteshaus erinnert seit 1975 ein Gedenkstein in Form einer Menora. Er ist in unmittelbarer Nähe des früheren Standortes der Synagoge auf der östlichen Seite der Brühlschen Terrasse zu finden.