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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2016/08/pm_064.php 22.08.2016 17:07:22 Uhr 16.07.2024 12:13:47 Uhr

Dresdner Rosengarten wird 80 Jahre

Lilli Marlen, Ghislaine de Feligonde, La France - diese blumigen Namen kennzeichnen drei von etwa 120 verschiedenen Rosensorten im Dresdner Rosengarten am Carusufer, der vor 80 Jahren entstand. Auf rund  30.000 Quadratmetern findet der Besucher viele interessante und zum Teil noch aus der Entstehungszeit stammende Gehölze. Der damalige Stadtgartendirektor Balke setzte hier seine Idee von einer Uferpromenade um. Das "Königsufer" gilt als das bedeutendstes städtebauliche Projekt der 1930er Jahre in Dresden.

Gepflegt wird der Dresdner Rosengarten von gut ausgebildetem Stammpersonal des Regiebetriebes Zentrale Technische Dienstleistungen der Stadt Dresden. Bodenkunde, Düngerlehre, Pflanzkenntnis, technisches Verständnis für einzusetzende Maschinen und Geräte gehören ebenso dazu wie das Wissen um Bewässerungssysteme, Brunnenanlagen und neueste alternative Methoden mobiler Stromerzeugung. Speziell im Rosengarten kommt noch das Wissen um die Rose mit den ihr eigenen Anforderungen hinzu. Der Rosenschnitt variiert je nach Rosensorte. Alle Aufgaben müssen nicht nur überhaupt abgearbeitet werden, sondern zum gärtnerisch richtigen Zeitpunkt. Insgesamt ein Meister und sieben Mitarbeiter arbeiten wöchentlich zwei Tage im Dresdner Rosengarten. Die Pflegekosten betragen jährlich etwa 175 000 Euro. Dazu kommen noch etwa Materialkosten von rund 1500 bis 2000 Euro.

Die Aufgaben sind vielfältig. Die Rasenflächen müssen gesäubert und gemäht werden, das Unkraut gejätet und die Rosen zurückgeschnitten werden. Die Wege sind sauber zu halten und die Abfallbehälter zu leeren. Frühjahr werden die Rosen gedüngt. Im Sommer ist die Hainbuchenhecke mit einer Höhe von bis zu 2,50 Metern mit dem ersten Schnitt dran und die Rosen brauchen Wasser. Im Herbst muss der Dresdner Rosengarten vom Laub befreit und für den Winter vorbereitet werden. Die Rosen erhalten ihren Winterschutz mit Nadelholzreißig. Die Hochstammrosen werden eingraben, Bäume und Sträucher beschnitten und ausgelichtet. Und dann ist schon der Winterdienst auf dem Plan, bis im Frühling die ganze Arbeit von neuem beginnt.

Der Rosengarten entlang des Elbufers hat mehrere Querachsen, die wunderbare Ausblicke auf die Elbe bieten. Im vorderen Teil, vom Rosa-Luxemburg-Platz kommend, wachsen hauptsächlich Rosensorten der 1930er Jahre, in eher landschaftlicher Gestaltung. Im mittleren Teil konnte das Original nicht weitergeführt werden. In Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege, sind nun Rosen gepflanzt, die dem historisch belegbaren Farbverlauf entsprechen. Dieser Farbverlauf von weiß an der Plastik "Genesung" beginnend, über orange zu rosa, dunkelrot, und rot zu gelb an der Schutzhütte, ist am deutlichsten an den über 70 Rosenbeeten der zentralen Mittelachse erkennbar und nachzuvollziehen. Die Beete links und rechts dieser Achse übernehmen den Farbverlauf der Mittelachse und führen ihn fort. Auch das Hochstammrosenquartier zeigt sechs weiteren Sorten in den Farben weiß, rosa und rot. Im Gegensatz zu Vorder- und Mittelteil des Rosengartens, zeigt sich im Senkgarten noch die Formensprache der 1970er Jahre und bietet Sorten aus fünf Jahrzenten Züchtung in Frankreich, Großbritannien, der  BRD und der DDR. Der Senkgarten wurde als erster Gartenteil des heutigen Rosengartens 1935 an die Dresdner Bevölkerung übergeben. Die historische Gestaltung hatte das Rosengartenkaffee als Ausgangspunkt. Die aktuelle flächige Rosenpflanzung aus den 1970er Jahren, wählt genau dieses Kaffee als Endpunkt ihrer Gestaltungskonzeption. Während der Hochwasser  im August 2002 und im Juni 2013, stand dieser Teil des Dresdner Rosengartens mehrere Tage fast komplett unter Wasser, 2002 mit einer Wasserhöhe von über zwei Metern.

Direkt rechts und links neben der Brunnenschale vor dem „Kaffee Rosengarten“ präsentiert sich die Rosensorte „Meilland’s Rose Elbflorence“ aus dem Jahr 2005. Die Rosentaufe fand statt im Rahmen des Rosenkongresses des Vereines Deutscher Rosenfreunde e. V. im Juni 2005 in Dresden.


Ein Klassiker im Rosengarten ist die 'Lilli Marleen', ein farbenfroher Dauerblüher. Die im Frühjahr den ganzen Strauch überziehenden, feuerroten Blüten sind von samtigem Glanz und vertragen sowohl heiße als auch kalte Witterung.

Die 'Ghislaine de Feligonde', eine französische Kletterrose aus dem Jahre 1916 steht im vorderen Teil und bildet eine gelb blühende Mitte im ersten Teil. Lange Zeit hielt sich die Legende, dass diese Rose nach einer Frau benannt wurde welche ihren schwer verwundeten Mann der zwischen den feindlichen Linien lag unter Einsatz ihres Lebens rettete. Seit 2005 ist es als sicher erwiesen, das die erwähnte Ghislaine damals  (1916) zwei Jahre alt und die Tochter des Ehepaares de Feligonde war. Der Name wurde von Jean Claude Nicolas Forestier (1861-1930) dem Züchter F. Turbat vorgeschlagen. Forestier war mit den de Feligondes befreundet und legte der Familie später am Château de Chantemesle in Logron / Eure-et-Loiran einen Garten an. Zu einer derartigen Legendenbildung kommt es immer mal wieder und vor allem dann, wenn Geschichten schön sind, die Quellen unsicher und über Jahre unerkannt von einem Buch zum anderen ungeprüft abgeschrieben wird.

1867 entsteht ebenfalls in Frankreich die erste Teehybride 'La France' durch den Züchter Jean-Baptiste Guillot. Diese Sorte war die bedeutendste Züchtung des 19. Jahrhunderts und die erste Teehybride überhaupt. Sie gilt als erste, moderne, öfter blühende Rose. Sie bildet sehr große, schlanke Blüten von silbrigrosa Farbe. Die Rückseite der Blütenblätter ist etwas dunkler getönt. Die edle, in ihrer Mitte hoch gebaute und stark gefüllte Blüte, duftet sehr intensiv. Der Strauch ist belaubt mit dunkelgrünen, dekorativen Blättern. Der Wuchs ist aufrecht und etwa 1,2 Meter hoch. Mit 'La France' beginnt ein völlig neuer Abschnitt in der Züchtung von Rosen. Aus diesem Grund wird ab 1867 die generelle Trennung in vorher = Alte Rosen und nachher = Moderne Rosen eingeführt und ist noch heute gültig.