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https://www.dresden.de/de/leben/stadtportrait/europa/partner/skopje/interview-mit-schnabl.php 27.08.2021 08:22:07 Uhr 20.01.2022 03:18:06 Uhr

Fokus Partnerstädte - 5 Fragen an Gerold Schnabl (Skopje)

Gerold Schnabl vor dem Stadtwappen von Skopje
Gerold Schnabl vor dem Stadtwappen von Skopje

Was hat Sie nach Skopje geführt? Was sind Ihre Aufgaben?

Alles hat angefangen im Sommer 2019. Ich war als Umweltingenieur in der Stadtverwaltung in Coburg im Bereich Technische Gewässeraufsicht und im Immissionsschutz tätig. Davor war ich Leiter der Stabsstelle Umwelt/Klimaschutz, die aufgelöst wurde. Leider ist der Klimaschutz immer noch eine freiwillige Leistung der Kommunen. Doch die Ereignisse der letzten Tage/Wochen haben aufgezeigt, dass der Umwelt- und Klimaschutz zur Kommunalen Pflichtaufgabe hochgestuft werden muss. Mein Ziel war es immer, mich aktiv im Umweltschutz einzubringen: Die Idee war geboren, mich nach einer Tätigkeit umzuschauen, wo Fachpersonal im Bereich Umwelt/Klimaschutz dringend benötigt wurde. Über die Städtepartnerschaft Nürnberg-Dresden-Skopje bin ich auf das NakoPa-Projekt unter dem Projekttitel „Schornsteinfeger für saubere Öfen und saubere Luft in Skopje“, das von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) gefördert wird, gestoßen. Da auch Dresden mit Skopje im EU-Projekt MAtch-UP zum Thema Smart City zusammenarbeitet, haben sich beide Städte bei der SKEW über das Programm „Fachkräfte für kommunale Partnerschaften weltweit“ (FKPW) um eine Personalstelle zur Koordination und Umsetzung ihres entwicklungspolitischen Engagements in Skopje bemüht. Seit dem 01.07.2020 arbeite ich nun im Rahmen der Städtepartnerschaft Nürnberg-Dresden-Skopje für zwei Jahre als integrierte Fachkraft hier in Skopje und begleite die Umsetzung von Partnerschaftsprojekten mit einem Fokus auf Luftreinhaltung.

Was ist für Sie das Besondere an Skopje?

Nord Mazedonien war für mich ein Durchreiseland nach Griechenland usw., ansonsten unbekannt. Bei einem Kennenlern-Besuch auf Einladung des Oberbürgermeisters Petre Schilegov im Herbst 2019 lernte ich dieses Land zum ersten Mal kennen – und lieben! Skopje ist mittlerweile eine Millionenstadt. Ok – der Individualverkehr folgt anderen Regeln als in Deutschland und ist gewöhnungsbedürftig. Da ich aber gewohnheitsmäßig lieber mit dem Fahrrad bzw. E-Scooter unterwegs bin, kann ich hier auf ein perfekt ausgebautes Radwegnetz ausweichen. Getrennte Radfahrspuren für beide Richtungen, sogar mit kleinen Zebrastreifen für Fußgänger! Die Stadt selbst ist großzügig mit Grünanlagen, langen Alleen und Parks ausgestattet. Bei der Innenstadt steht man vor der Wahl: Kitsch oder Kunst! Das ist natürlich Geschmacksache, denn der ganze Innenstadtbereich ist übersät mit sehr vielen Statuen und Denkmälern (Mir gefällt es :) ). Es gibt einen historischen orientalischen Basar, viele Händler, Straßenmusiker, Cafés, Restaurants usw. Die Menschen hier sind äußert gastfreundlich. Man fühlt sich hier willkommen!

Haben Sie einen Lieblingsplatz / einen Geheimtipp?

Auf jeden Fall Skopje bei Nacht in der Innenstadt. Hier findet das Leben auf der Straße statt: Musiker, Puppenspieler, Straßenhändler, Konzerte am Ufer des Vardar. Man kann die Zeit vergessen!
Jeder hat hier seinen eigenen Geheimtipp: das Lieblingsrestaurant, das Lieblingscafé.

Wie verändert sich Stadt? Welche aktuellen Entwicklungen gibt es? Bzw. wie haben Sie die Corona-Zeit erlebt?

Aktuelle Veränderungen und Entwicklungen sind für mich als Neuling schwer zu erkennen. Was mir auffällt ist der allgemeine Wunsch, schnellstmöglich den Anschluss an die EU zu bekommen. Hier werden alle Anstrengungen unternommen, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen. Viel wurde schon erreicht, vieles muss noch umgesetzt werden.
Corona-Situation: Hier gab es keine Diskussionen um die Maskenpflicht. Die Regel seit April 2020 bis Ende Mai 2021 lautete, sobald die eigene Wohnung verlassen wird, besteht Maskenpflicht. Keine Ausnahmen! Ich selbst habe mich hier gut aufgehoben gefühlt, obwohl natürlich auch in Skopje durch Corona viele Menschen gestorben sind. Leider war es mir auch nicht so oft möglich, nach Deutschland zu reisen wie ursprünglich geplant

Was war bisher Ihr spannendstes Erlebnis in Skopje?

Hmmm – ich habe letztes Jahr mit dem Gleitschirmfliegen angefangen :)

Wie blicken Sie von Skopje aus auf Deutschland?

Ich habe mir die Entscheidung nicht leichtgemacht, nach über 30 Jahren im Öffentlichen Dienst den Schritt zu wagen, ins Ausland zu gehen. Durch die Vorbereitung durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und die Unterstützung durch die jeweiligen Ämter für Internationale Angelegenheiten in den Partnerstädten war ich bestens auf meinen Einsatz vorbereitet. Was auffällt, ist der große Unterschied zwischen einem reichen Land wie Deutschland und Nord Mazedonien. Hier wünsche ich mir mehr Gleichheit. Was den Umwelt- und Klimaschutz betrifft, sollte die Zusammenarbeit in diesem Bereich auf beiden Seiten intensiviert werden. Ganz nach Napoleons Motto: getrennt marschieren, vereint schlagen! (Natürlich auf den Umwelt- und Klimaschutz bezogen)

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