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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2026/01/pm_054.php 26.01.2026 15:40:14 Uhr 26.01.2026 16:47:31 Uhr

MNEMO Gedenkorte Hellerau und Hellerberg zum Holocaust-Gedenktag fertiggestellt

Neue Splitterskulpturen machen NS-Verbrechen im Dresdner Norden sichtbar

Gedenksplitter Kindergrabanlage St.-Pauli-Friedhof
Gedenktafeln

Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar sind die Gedenkorte Hellerau und Hellerberg im Rahmen des Projektes „MNEMO Gedenkareal Dresdner Norden“ zur Aufarbeitung der NS-Diktatur fertiggestellt worden. Die Splitterskulpturen des Künstlers Jochem Hendricks machen im Dresdner Norden die Opfer- und Täterorte der Zwangsarbeit und Gewaltherrschaft während der Zeit des Nationalsozialismus sichtbar und vermitteln ihre Geschichte. Die Splitter tragen Informationstexte und sind digital miteinander verknüpft. Die inhaltliche Ausarbeitung nahm der Beirat für Erinnerungskulturen der Landeshauptstadt Dresden in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur und Denkmalschutz vor.

„Fast 100 Jahre nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten kommt die Landeshauptstadt Dresden ihrer Verantwortung nach, an die Opfer von Zwangsarbeit und Gewaltherrschaft im nördlichen Stadtraum sichtbar zu erinnern. Die Splitter tragen prägnante Informationstexte, die digital verknüpft sind. Ich danke den zahlreichen Initiativen der Regionalgeschichte in Dresden sowie den Forscherinnen und Forschern, die sich seit vielen Jahren für die Aufarbeitung engagieren. Mit dem Alten Leipziger Bahnhof besteht darüber hinaus in den nächsten Jahren die Herausforderung, einen Gedenkort mit Bildungs- und Vermittlungs- und Begegnungsstätte zu schaffen.“

Annekatrin Klepsch, Kulturbürgermeisterin und Mitglied im Beirat Erinnerungskulturen

„Es ist gut, dass mit den Splittern an immer mehr Stellen in unserer Stadt deutlich gemacht wird, dass Dresden kein unschuldiges Opfer der NS-Diktatur und des Krieges war. Gerade aufgrund des jährlich stattfindenden Missbrauchs der Erinnerung an die Zerstörung Dresdens rund um den 13. Februar und den damit einhergehenden Verfälschungen der Geschichte durch die extreme Rechte, ist es wichtig, die Opfer- und Täterorte sichtbar zu machen und ins Bewusstsein der Bevölkerung zu holen. Nach dem ersten, wichtigen Splitter auf dem Heidefriedhof sind nun die nächsten Splitter öffentlich sichtbar. Diesen sollten noch viele weiteren folgen. Genügend geeignete Orte gibt es in Dresden leider.“

Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen

„HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste setzt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Areals und der Gebäudenutzung auseinander. Mit der Publikation von Robert Badura ‚Eine Pflanz- und Pflegestätte deutschen Geistes? Das Festspielhaus Hellerau im Nationalsozialismus als Kulturort und Polizeischule‘ anlässlich der Eröffnung des Ostflügels 2025 wurde ein weiterer Meilenstein gesetzt. Wir begrüßen, dass mit der Installation des Splitters am Ostflügel auf dem Gelände des Festspielhauses Hellerau nun für alle Besucherinnen und Besucher des Areals und seiner Spielstätten eine ständig verfügbare Kontextualisierung der Geschichte der Polizeischule während der Zeit des Nationalsozialismus geschaffen wird.“

Carena Schlewitt, Intendantin HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste

„Die neu installierten Skulpturen des großen, blauen Splitters in Hellerberg und der Wandsplitter am St. Pauli Friedhof und in Hellerau machen die Vision von MNEMO deutlich und zeigen, wie die weitere Umsetzung im gesamten Gedenkareal Dresdner Norden aussehen wird. Die Splitter markieren Orte nationalsozialistischer Verbrechen und verbinden sie miteinander, um ein Zeichen zu setzen.“

Jochem Hendricks, Künstler

„Erinnerung MNEMO soll unsere Zukunft vor Wiederholung schützen, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen. Wir freuen uns, dass mit der Umsetzung weiterer Splitter das Erinnerungsnetzwerk des „Gedenkareal Dresdner Norden“ wächst und hoffen auf weitere Partizipation der Bürgerschaft für die Zukunft.“

Florian Götze, Architekt
Gedenksplitter Kindergrabanlage St.-Pauli-Friedhof
Gedenktafel

Gedenkort Hellerberg und St.-Pauli-Friedhof

Während des Zweiten Weltkriegs befanden sich nördlich des St.-Pauli-Friedhofs, zwischen Radeburger Straße, Stauffenbergallee und Hammerweg, das „Judenlager Hellerberg“ und anschließend das „Entbindungslager Kiesgrube“. Ein großer Splitter markiert die Stelle des ehemaligen Lagers, in dem ab November 1942 die letzten etwa 300 als Juden verfolgten Menschen aus dem Dresdner Raum zwangsinterniert worden waren. Ein weiterer Splitter an der Mauer des St.-Pauli-Friedhofs verweist auf die Grabanlage von mindestens 225 Kindern von Zwangsarbeiterinnen, die im Lager einen qualvollen Tod fanden.

Gedenkort Hellerau 

Ab 1939 befand sich auf dem Gelände des heutigen Festspielhauses Hellerau eine von vier reichsweiten Lehranstalten für den Unteroffiziersnachwuchs. Bis zum Kriegsende durchliefen hier mehrere tausend Polizeisoldaten taktischen Unterricht, Trainingseinheiten an schweren Waffen, eine umfangreiche körperliche Ausbildung und eine sogenannte weltanschauliche Schulung. Der Ostflügel entstammt ebenfalls dieser Zeit, worauf nun auch ein Splitter hinweist. Vorausgegangen waren umfangreiche Forschungen durch den Historiker Robert Badura vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV), die auf Initiative des Stadtrates der Landeshauptstadt Dresden sowie HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste durchgeführt wurden. 

Hintergrund 

Das Projekt MNEMO Gedenkareal Dresdner Norden geht auf einen Ideenwettbewerb des Jahres 2022 zurück. Das Team um die Architekten Prof. Andrea Wandel, Prof. Wolfgang Lorch, Florian Götze und Thomas Wach (Wandel Lorch Götze Wach GmbH) sowie den Künstler Jochem Hendricks mit seinem Entwurf MNEMO DRESDEN entschied den Wettbewerb für sich. Die erste farbige Splitterskulptur wurde im Februar 2025 auf dem Heidefriedhof installiert. Ziel ist es, ein wachsendes Netzwerk von Erinnerungsorten im öffentlichen Raum zu schaffen.

Der „Gedenkort Hellerberg und St.-Pauli-Friedhof“ wurde gefördert durch eine Zuwendung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR (PMO-Vermögen), 6. Tranche und den Stadtbezirk Pieschen.

Der „Gedenkort Hellerau“ wurde mitfinanziert durch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten aus Steuermitteln auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.