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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/galerie-2-stock_137059.php 10.05.2022 14:32:17 Uhr 16.05.2022 19:33:49 Uhr

Verletzlichkeit und Verantwortung

2. März bis 28. Mai 2022

Ballons
Bärbel Kuntsche: Auf der Veranda (Ballons über Radebeul), Holzschnitt, 2019
Abend
Christiane Latendorf: Mag dich, Öl auf Leinwand, 2020
Kopf
Gerda Lepke: Kopf seitlich, Tusche auf Japanpapier, 2016
Denkmal
Gudrun Trendafilov: In Gedanken (Serie „SchwarzRotGelb“), Mischtechnik auf Papier, 2016

In ihrer vierteiligen Jahresreihe „Natürlichkeiten“ stellen die Dresdner Sezessionistinnen die Mensch-Umwelt-Beziehung ins Zentrum ihrer künstlerischen Auseinandersetzung. Die zweite Ausstellung zeigt Arbeiten von Bärbel Kuntsche (Jg. 1939), Christiane Latendorf (Jg. 1968), Gerda Lepke(Jg. 1939) und Gudrun Trendafilov (Jg. 1958).

Der Ausstellungstitel umschreibt metaphorisch die Suche nach dem eigenen Selbstverständnis als eine mögliche Art der Emanzipation im Denken auf dem Weg zur Selbsterkenntnis. „…und als ich mich selber trank, war ich zum Schauen erwacht. Da fiel mir Leben zu.“, schrieb Ingeborg Bachmann in ihren Tagebüchern. Die Selbstbilder der vier ausstellenden Künstlerinnen können wie Zustandsbeschreibungen der Seele gelesen werden. Insbesondere der Kopf war innerhalb der Kunstgeschichte immer auch ein Symbol für Intellekt, Seele, Zeitgefühl und Zeitgeist, für Modebewusstsein und Charakter, für Vergegenwärtigung von Heldentum und Herrscherkraft, für Weisheit, Verschlagenheit und Dummheit. Der Kopf ist ein Sinnbild für Verlust und Gewinn, für Versagen und Motivation.

Darauf nimmt Bärbel Kuntsche, die seit vielen Jahren jeden Tag mit einem Selbstporträt beginnt, direkt Bezug. Diese Selbstspiegelungen entsprechen sensibel ihrer jeweiligen Stimmung: kritisch oder empfindsam, freudvoll oder traurig und nachdenklich. Sie weiß um die Polarität von Stille. Die Stille in ihren Arbeiten ist auch mit Temperaturen verbunden, von warm bis kalt – wie zwischen dem Schwarz und Weiß ihrer Holzschnitte der gesamte farbige Kosmos verborgen ist. Man spürt die Sehnsucht, auch in den Gärten und Fensterausblicken, die Balance in einer Welt der Ungewissheiten nicht zu verlieren.

Christiane Latendorf hat es glücklicherweise nicht verlernt, mit Kinderaugen zu sehen und sich überraschen zu lassen. Alles ist möglich! Eine vitale Freude am Machen und ein damit verbundenes, gesteigertes Lebensgefühl kennzeichnen ihre bildnerische Arbeit. Ihre Malereien sind skurrile, witzig-ironische, liebenswerte, auch absurde Anmerkungen zur Gegenwart, die voll vom Geheimnis der Tage und der Nächte sind.

Gerda Lepke hat Alltagserfahrungen in eigene Mythologien verwoben, so dass diese als Gleichnis zeitlos Bestand haben und lesbar bleiben. Dazu gehören immer wieder Köpfe in ihrer eigenwilligen pointilistischen Handschrift. Bewegung, Leidenschaft und Schwingung zeichnen ihre Kunst aus. Die Kunst, sich ein Bild zu machen, ist ihr Lebensinhalt in einem niemals endenden Kampf, die Sprachlosigkeit zu überwinden. Sie hat sich nicht verloren in den Turbulenzen der Zeit.

Gudrun Trendafilov ist eine Künstlerin figürlich akzentuierter Verinnerlichung. In der Zeichnung ist das Inwendige ablesbar und zeitlos, so dass das allgemeine Unbehagen, das Einsamkeit, Ziellosigkeit und Fremdbestimmung hervorrufen, aufgehoben wird. Alles ist möglich innerhalb der Poesie der Formen, Träume erfüllen sich und der Himmel berührt die Erde.

Die Betrachtenden werden herausgefordert, sich interpretierend in die Arbeiten der vier Künstlerinnen zu versenken, sich selbst zu finden und zu positionieren, um letztlich Mensch zu sein und zu bleiben in dieser herausfordernden Zeit.  

In den darauffolgenden zwei Schauen kreisen die Arbeiten thematisch um Wachstum und Wandel und Ressource und Konsequenz.


Der Dresdner Sezession 89 e. V.

Die Künstlerinnenvereinigung Dresdner Sezession 89 e. V. prägt seit über 30 Jahren das Kunstgeschehen der Landeshauptstadt. In der Vernetzung mit der (inter-)nationalen Künstlerszene entwickeln die Künstlerinnen und Kunstwissenschaftlerinnen Ausstellungen und Projekte, die die Öffentlichkeit für das Schaffen weiblicher Kunstakteure sensibilisieren. Zentraler Ort ist die gemeinsame „galerie drei“, die mittels institutioneller Förderung des Amtes für Kultur- und Denkmalschutz der Landeshauptstadt betrieben wird.

Kontakt:

Dresdner Sezession 89 e. V.
galerie drei
Prießnitzstraße 43
01099 Dresden

www.sezession89.com


Hinweis:
Besucherinnen und Besuchern der Galerie wird empfohlen, bis auf Weiteres die bekannten Mindestabstände zueinander einzuhalten und eine FFP2-Maske zu tragen.


Link zur Seite „Dresden Contemporary Art“ – Ausgabe 2/2022:
Midissage: Verletzlichkeit und Verantwortung | Dresden Contemporary Art

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