Die Annahmen zur Gesamtstadt wurden anhand aktueller Trends in einer städtischen Arbeitsgruppe unter Leitung der Kommunalen Statistikstelle, in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtplanung und Mobilität und unter Beteiligung interner und externer Experten, festgelegt. Die Annahmen wurden in gewohnter Weise in einem Expertenworkshop im August 2025 mit unterschiedlichen Beteiligten aus Verwaltung und Forschung vorgestellt und diskutiert. Beteiligt waren unter anderem das Statistische Landesamt, das ifo-Institut Dresden, CIMA Hannover und die TU Dresden (Humangeographie). Da angesichts der aktuellen Entwicklung die Trendfortschreibung besonders schwer ist, wurde mehr auf langjährige Mittelwerte, unter Herausnahme von Ausreißerjahren (zum Beispiel Wanderungseinschränkungen durch Lockdowns, überhöhte Sterblichkeit), zurückgegriffen. Zudem ist es möglich, Personen mit Staatsangehörigkeiten aus Hauptherkunftsländern von Geflüchteten aus den Wanderungsdaten herauszurechnen und gesondert zu analysieren.
Insgesamt sind die Unsicherheiten der künftigen Bevölkerungsentwicklung Dresdens als sehr hoch zu bewerten. Neben dem niedrigen Geburtenniveau sind die hohe demografische Alterung in den ostdeutschen Bundesländern (als traditionelle Herkunftsgebiete Zuziehender) sowie die hohe Anzahl möglicher Rückkehrer von geflüchteten Menschen aus Syrien und der Ukraine als weitere Unsicherheitsfaktoren der Prognose zu nennen.
Für die Prognoseberechnung wurden, auf Basis der aktuellen Zahlen aus dem Melderegister der Landeshauptstadt Dresden, die nachfolgenden Annahmen getroffen:
Geburten- und Sterbefälle
Statistisch gesehen bekommt zurzeit eine in Dresden lebende Frau 1,1 Kinder (Stand 30.6.25). Diese sogenannte zusammengefasste Geburtenziffer lag 2018 noch bei 1,54. In der Prognose wird angenommen, dass die zusammengefasste Geburtenziffer bis 2035 wieder auf 1,3 steigt und danach langfristig auf diesem Niveau verbleibt. In der Prognose 2023 wurde noch ein Anstieg auf 1,4 angenommen.
Unter diesen Annahmen wird die Zahl der Lebendgeborenen von 4.100 Mitte 2025 bis 2040 wieder langsam auf 5.200 steigen. Der aktuelle Geburtenrückgang resultiert neben der niedrigeren zusammengefassten Geburtenziffer auch aus der geringeren Anzahl von Frauen im Alter von 25 bis 34 Jahren, die besonders viele Kinder zur Welt bringen. Die Zahl der Gestorbenen wird zunächst bis 2032 auf knapp 6.500 steigen, danach altersstrukturbedingt wieder sinken. Der Saldo zwischen Geborenen und Gestorbenen bleibt damit dauerhaft negativ und beläuft sich auf insgesamt -24.500 Personen bis 2040. Damit die Einwohnerzahl Dresdens wachsen kann, müssen also im Saldo mehr Menschen als durch das Geburtendefizit verloren gehen, nach Dresden zuziehen.
Wanderungen
Durch die Überlagerung mehrerer Trends und Krisen lassen sich die Wanderungsbewegungen gegenwärtig nur schwer abschätzen. Die Wanderungsannahmen sind deshalb mit großen Unsicherheiten behaftet. In der Prognose wird zunächst davon ausgegangen, dass die Zuwanderung durch Flucht und Asyl, die die Wanderungsgewinne der letzten Jahre dominierte, weiter an Bedeutung verlieren wird. Der aktuelle Wanderungsverlust zum Umland (Abwanderungen von Familien) verringert sich vorübergehend weiter (Baukrise, weniger Kinder), wird sich jedoch mittelfristig wieder erhöhen (einschließlich Nachholeffekt). Der leicht positive Wanderungssaldo aus den neuen Bundesländern erhöht sich durch nachrückende geburtenstärkere Jahrgänge wieder leicht, wird langfristig wegen des fortgeschrittenen demografischen Wandels aber wieder absinken. Bezüglich des Wanderungssaldos aus den alten Bundesländern wird auf einen langfristigen Mittelwert zurückgegriffen und ein weiterhin leichtes Wanderungsplus angenommen. Gleiches gilt für die Annahme bezüglich der Wanderungen ins bzw. aus dem Ausland (ohne Geflüchtete): es wird ein dauerhaft positiver Saldo angenommen, wobei die Zuzüge aufgrund der Annahme positiver wirtschaftlicher Entwicklung langfristig leicht steigen werden. Durch die Erweiterung und Neuansiedlung von Unternehmen im Dresdner Norden werden in den Prognosejahren bis 2032 knapp 5.000 zusätzliche Zuzüge angenommen, die hauptsächlich von außerhalb der Region und dem Ausland stammen. Zur Modellierung wurde auf empirisch ermittelte Werte zuziehender Erwerbstätiger bezüglich der durchschnittlichen Haushaltsgröße aus der Kommunalen Bürgerumfrage zurückgegriffen (durchschnittliche Haushaltsgröße von 1,5 Personen je Haushalt).
Kleinräumige Entwicklung
Wesentliche Einflussgrößen der prognostizierten Entwicklung in den Stadtteilen sind Geburten und Sterbefälle, Zuzüge, Fortzüge und innerstädtische Umzüge nach zusammengefassten Gebieten (Binnentypen) sowie die aktuelle Bautätigkeit und vorhandene mittel- bis langfristige Wohnbauflächenreserven, die sehr kleinräumig berücksichtigt werden.
Das kleinräumige Umzugs- und Wanderungsverhalten der vergangenen Jahre wird anhand von alters- und geschlechtsspezifischen Raten und Quoten in der Prognose fortgeschrieben. Auf Stadtteilebene wird die Prognose nur bis maximal 2035 veröffentlicht, da Aussagen zum kleinräumigen Umzugsverhalten wegen der Bautätigkeit und sich verändernden Wohnungsmarktbedingungen langfristig zunehmend unsicher werden.