Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de

https://www.dresden.de/de/rathaus/politik/demokratie-respekt/marwa-el-sherbini.php 24.06.2021 15:14:48 Uhr 04.08.2021 08:59:00 Uhr
Kopfgrafik
© Ronny Geißler, Ausländerrat Dresden e. V. Gedenken an Marwa El-Sherbini

Marwa El-Sherbini

Warum ein Gedenktag für Marwa El-Sherbini?

Marwa El-Sherbini wurde in der Landeshauptstadt Dresden aus rassistischem und islamfeindlichem Hass ermordet.

Marwa El-Sherbini wurde 1977 in der ägyptischen Stadt Alexandria geboren. Sie war Schulsprecherin am English Girls College und war von 1992 bis 1999 Mitglied der Handballnationalmannschaft. In ihrer Heimat studierte sie Pharmazie und kam 2005 gemeinsam mit ihrem Mann, dem Biologen Elwy Ali Okaz, nach Deutschland. Seit 2008 lebte die Familie in Dresden, wo Marwa El Sherbini in einer Apotheke arbeitete.

Im August 2008 wurde Marwa El-Sherbini von ihrem späteren Mörder auf einem Dresdner Spielplatz als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft. Nach einer Anzeige bei der Polizei kam es am 1. Juli 2009 zur Gerichtsverhandlung im Dresdner Landgericht, bei der El-Sherbini als Zeugin aussagen sollte. Als sie den Gerichtssaal verlassen wollte, tötete sie der Angeklagte, der Russlanddeutsche Alex Wiens, mit zahlreichen Messerstichen und verletzte auch ihren Mann schwer. Der dreijährige Sohn wurde Zeuge, wie seine Mutter verblutete. Der Täter wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt; die besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt.

Marwa El-Sherbini ist nicht das einzige Opfer fremdenfeindlicher Gewalt in Dresden: Bereits im April 1991 kam der mosambikanische Vertragsarbeiter Jorge Gomondai in Folge eines fremdenfeindlichen Übergriffs zu Tode.

Dem rassistisch motivierten Mord an Marwa El-Sherbini wird am 1. Juli eines jeden Jahres mit dem Ziel gedacht, ein Zeichen für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft zu setzen, in der niemand aufgrund von Herkunft, Religion und Aussehen diskriminiert oder angegriffen wird.

Weitere Informationen finden Sie hier: www.gegenuns.de/marwa-el-sherbini

Die Stadtverwaltung Dresden beteiligt sich seit 2009 am Vorbereitungskreis des Marwa El-Sherbini Gedenkens, jetzt Initiative "Gedenken.Erinnern.Mahnen". Diesem gehören verschiedene Einrichtungen und Vereine wie der Ausländerrat Dresden e. V., die Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie e.V. (RAA - Sachsen e.V.)Dresden Postkolonial, AFROPA e. V., Netzwerk Demokratie Courage, der Johannstädter Kulturtreff und der Integrations- und Ausländerbeirat an.

Gedenken am 1. Juli 2021

Um 10 Uhr findet eine Kundgebung des Sächsischen Staatsministeriums der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung und des Ausländerrates Dresden e. V. vor dem Landgericht, Lothringer Str. statt. An dieser nimmt der Staatssekretär und Amtschef Herr Mathias Weilandt, die Zweite Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Dresden, Frau Annekatrin Klepsch, der Anwalt der Familie El-Sherbinis, Herr Schultz, die Vorsitzende des Ausländerrates Dresden e. V., Frau Eter Hachmann, und Dr. Hussein Jinah vom Integrations- und Ausländerbeirat teil. 

Von 17 bis 19 Uhr wird eine "Lebendige Bibliothek" im Garten des Johannstädter Kulturtreffs, Elisenstr. 35 stattfinden.

Sieben Frauen sprechen in kleinen Gruppen über ihre persönlichen Erfahrungen mit Rassismus, Diskriminierung, Ankommen und gesellschaftlicher Teilhabe in Dresden.

Eine Lebendige Bibliothek verleiht Lebendige Bücher – Menschen. Diese ermöglichen persönliche Gespräche, in denen Leserinnen und Leser ihnen Fragen stellen können, die sie interessieren. Auch die Lebendigen Bücher können den Lesenden Fragen stellen.

Die Veranstaltung wird durch die Initiative Gedenken.Erinnnern.Mahnen organisiert. Sie fördert eine lebendige Erinnerungskultur für Todesopfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Ganztägig wird ein Gedenkbanner auf dem Marwa-El-Sherbini-Park aufgestellt.

Marwa El-Sherbini Stipendium

Zum Gedenken an Marwa El-Sherbini loben der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden seit 2011 gemeinsam das „Marwa El-Sherbini Stipendium für Weltoffenheit und Toleranz“ aus. Ziel dieses Förderprogramms ist die Unterstützung zukünftiger Führungs- und Fachkräfte, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und sich aktiv für Freiheit, Demokratie sowie die Grund- und Menschenrechte einsetzen.

Dazu Oberbürgermeister Dirk Hilbert: „Jeden Tag werden wir durch den Tod dieser beiden Menschen schmerzlich daran erinnert, wie wichtig die Auseinandersetzung mit Rassismus und die gemeinsame Suche nach Wegen des partnerschaftlichen, respektvollen Miteinanders für eine friedliche und offene Stadtgesellschaft sind“.

Ausschreibung 2021

Gefördert werden für die Dauer von bis zu zwei Jahren (in der Regel vier Semester) Studierende in einem Masterstudiengang (oder in gleichwertigen Diplom-, Magister- usw. Studiengängen) an einer Dresdner Hochschule.

Voraussetzung ist das Vorliegen eines Bachelor-Abschlusses oder eines Abschlusses in einem einstufigen akademischen Studiengang (Diplom, Magister, Staatsexamen). Soweit der Masterstudiengang o. ä. nicht an einer Universität absolviert wird, ist mit den Bewerbungsunterlagen der Nachweis der Akkreditierung zu übersenden.

Kriterien für die Aufnahme in die Förderung sind - neben sehr guten Leistungen im Studium - interkulturelle Kompetenz, starkes gesellschaftliches Engagement und politisches Interesse sowie gute Kommunikationsfähigkeit in deutscher und englischer Sprache.


Weitere Informationen und die Antragsunterlagen können auf DRESDEN-concept - Marwa El-Sherbini Stipendium abgerufen werden.

Die Bewerbungen sind bis zum 31. August 2021 bei DRESDEN-concept e. V. unter geschaeftsstelle@dresden-concept.de einzureichen.

Portraits bisheriger Stipendiatinnen

Anlässlich des zehnten Todestages von Marwa El-Sherbini fand eine Gedenkwoche statt.

Drucken

Partner