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https://www.dresden.de/de/rathaus/politik/demokratie-respekt/marwa-el-sherbini.php 24.11.2023 13:48:11 Uhr 05.03.2024 12:35:28 Uhr

Marwa El-Sherbini

Warum ein Gedenktag für Marwa El-Sherbini?

Marwa El-Sherbini wurde in der Landeshauptstadt Dresden aus rassistischem und islamfeindlichem Hass ermordet.

Marwa El-Sherbini wurde 1977 in der ägyptischen Stadt Alexandria geboren. Sie war Schulsprecherin am English Girls College und war von 1992 bis 1999 Mitglied der Handballnationalmannschaft. In ihrer Heimat studierte sie Pharmazie und kam 2005 gemeinsam mit ihrem Mann, dem Biologen Elwy Ali Okaz, nach Deutschland. Seit 2008 lebte die Familie in Dresden, wo Marwa El Sherbini in einer Apotheke arbeitete.

Im August 2008 wurde Marwa El-Sherbini von ihrem späteren Mörder auf einem Dresdner Spielplatz als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft. Nach einer Anzeige bei der Polizei kam es am 1. Juli 2009 zur Gerichtsverhandlung im Dresdner Landgericht, bei der El-Sherbini als Zeugin aussagen sollte. Als sie den Gerichtssaal verlassen wollte, tötete sie der Angeklagte, der Russlanddeutsche Alex Wiens, mit zahlreichen Messerstichen und verletzte auch ihren Mann schwer. Der dreijährige Sohn wurde Zeuge, wie seine Mutter verblutete. Der Täter wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt; die besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt.

Marwa El-Sherbini ist nicht das einzige Opfer fremdenfeindlicher Gewalt in Dresden: Bereits im April 1991 kam der mosambikanische Vertragsarbeiter Jorge Gomondai in Folge eines fremdenfeindlichen Übergriffs zu Tode.

Dem rassistisch motivierten Mord an Marwa El-Sherbini wird am 1. Juli eines jeden Jahres mit dem Ziel gedacht, ein Zeichen für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft zu setzen, in der niemand aufgrund von Herkunft, Religion und Aussehen diskriminiert oder angegriffen wird.

Weitere Informationen finden Sie hier: www.gegenuns.de/marwa-el-sherbini

Die Stadtverwaltung Dresden beteiligt sich seit 2009 am Vorbereitungskreis des Marwa El-Sherbini Gedenkens, jetzt Initiative "Gedenken.Erinnern.Mahnen". Diesem gehören verschiedene Einrichtungen und Vereine wie der Ausländerrat Dresden e. V., Projekte Frauentreff und  Dresdner Migrationsgeschichten, die Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie e.V. (RAA - Sachsen e.V.) AFROPA e. V., der Johannstädter Kulturtreff und der Integrations- und Ausländerbeirat an.

Gedenken an Marwa El-Sherbini 2023

Rückblick auf das Gedenken 2023

Am Samstag, den 1. Juli 2023, 14 Uhr fand eine Gedenkkundgebung für Marwa El-Sherbini am gleichnamigen Park in der Lothringer Str. statt. Es wurde an das Leben der mutigen Frau mit einem Gedenkgang zu drei Stationen in der Johannstadt erinnert. Ab ca. 15:30 Uhrg gab es Gelegenheit für ein Gespräch und Begegnung im Garten des Johannstädter Kulturtreffs.

Veranstalter war der Initiativkreis Gedenken.Erinnern.Mahnen und der Frauentreff des Ausländerrates Dresden e. V.

Am Sonntag, den 2. Juli 2023, 15 Uhr fand ein Biografischer Spaziergang mit Viktoria statt. Viktoria berichtete aus Frauenperspektive über ihre Flucht nach Dresden, die Lebensrealitäten muslimischer Frauen und lud zum Gespräch ein. 

Am Montag, den 3. Juli 2023, 14 Uhr, fand im Landgericht Dresden, Lothringer Str. eine Öffentliche Gedenkveranstaltung mit Redebeiträgen und Kranzniederlegung statt. Die Veranstaltung wurde durch das Sächsische Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung, die Landeshauptstadt Dresden und der Ausländerrat Dresden e. V. organisiert.

Am Samstag, den 8. Juli 2023 fand im Ostragehege das "Kick racism -antirassistisches Fußballturnier in Erinnerung an Marwa" statt. Veranstalter war der Dresdner SC 1898 e. V.

Die Organisation CLAIM organisierte vom 19. Juni bis zum 1. Juli 2023 bundesweite Aktionswochen gegen antimuslimischen Rassismus. CLAIM ist die Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit. Dem Netzwerk gehören 50 muslimische und nicht muslimische Organisationen an.

Weitere Informationen finden Sie  hier https://www.claim-allianz.de/

Vom 30. Juni bis zum 4. August wurden im Johannstädter Kulturtreff, Elisenstr. 35, CLAIM- Plakate der Reihe "Heute mal wieder..." Antimuslimischer Rassismus trifft uns. Jeden Tag. Sprechen wir uns dagegen aus! gezeigt.

Marwa El-Sherbini Stipendium

Zum Gedenken an Marwa El-Sherbini loben der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden seit 2011 gemeinsam das „Marwa El-Sherbini Stipendium für Weltoffenheit und Toleranz“ aus. Ziel dieses Förderprogramms ist die Unterstützung zukünftiger Führungs- und Fachkräfte, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und sich aktiv für Freiheit, Demokratie sowie die Grund- und Menschenrechte einsetzen.

Dazu Oberbürgermeister Dirk Hilbert: „Jeden Tag werden wir durch den Tod dieser beiden Menschen schmerzlich daran erinnert, wie wichtig die Auseinandersetzung mit Rassismus und die gemeinsame Suche nach Wegen des partnerschaftlichen, respektvollen Miteinanders für eine friedliche und offene Stadtgesellschaft sind“.

Neue Marwa El-Sherbini-Stipendiatin 2023 -2025

Die 32-jährige gebürtige Kamerunerin Flaurita Maffokang ist die neue Stipendiatin des „Marwa El-Sherbini-Stipendiums für Weltoffenheit und Toleranz“. Staatsministerin Petra Köpping und der Erste Bürgermeister der Stadt Dresden, Jan Donhauser, überreichten der Masterstudentin der sozialen Arbeit an der Evangelischen Hochschule Dresden (EHS) am 9. Oktober in einer Feierstunde das Stipendium.

Flaurita Maffokang wurde am 17. Januar 1991 in Bamendjinda/Kamerun als fünftes von insgesamt 16 Geschwistern geboren. Von 2009 bis 2011 studierte sie an der Universität von Duala/Kamerun Germanistik und kam 2011 als Au-Pair nach Deutschland. In den Jahren 2013 bis 2019 studierte sie im Bachelorstudiengang der sozialpädagogischen Arbeit an der EHS. Seit 2018 arbeitet sie als Migrationssozialarbeiterin. Zum September 2023 nahm sie ihr Masterstudium der sozialpädagogischen Arbeit an der EHS auf. Später möchte sie noch promovieren. Sie hat sich außerdem als Referentin für Antirassismustraining und Empowerment bei Afropa e.V. Dresden qualifiziert. Flaurita Maffokang hat seit 2022 die deutsche Staatsbürgerschaft.

Das Stipendium wurde zum sechsten Mal ausgelobt. Flaurita Maffokang folgt auf Tabeja Kejal Jamshididana (Stipendiatin von 2021 bis 2023), Maya Singh (Stipendiatin von 2019-2021), Youmna Fouad (Stipendiatin von 2017-2019), Nurul Fatimah Khasbullah (Stipendiatin von 2015-2017) sowie Hiba Omari (Stipendiatin 2012-2015). 

Portraits bisheriger Stipendiatinnen

Tabea-Kejal Jamshididana

Tabea-Kejal Jamshididana wurde vom Kuratorium unter Leitung von Staatsministerin Petra Köpping und Oberbürgermeister Dirk Hilbert aus rund 30 Bewerbungen als Marwa El-Sherbini Stipendiatin für den Zeitraum 1. Oktober 2021 bis zum 30. September 2023 ausgewählt. Auswahlkriterien für das Kuratorium waren die vielfaltigen Formen des gesellschaftlichen Engagements der Studentin, z. B. im Rahmen eines Europäischen Freiwilligendienstes in Ungarn und in verschiedenen Projekten. Sie wirkte in einem Projekt der politischen Bildung und Demokratievermittlung an einer Universität in Belarus und beim AEGEE Buddyprogramm mit, das ausländische Studierende beim Start in Deutschland unterstützt. Außerdem engagierte sie sich ehrenamtlich im Rahmen eines Jugendgemeinschaftsdienstes auf einem Kurzfilmfestival. Geboren 1998 im brandenburgischen Liebenwalde studiert sie Psychologie mit dem Schwerpunkt klinische Psychologie und Psychotherapie an der TU Dresden. „Als Halb-Iranerin sind mir das aktive Leben und die Weitergabe von freiheitlich-demokratischen Werten sowie den Grund- und Menschenrechten ebenso wichtig, wie die Werbung für Vielfalt und Toleranz. Mir ist es als angehende Psychotherapeutin insbesondere ein Anliegen, die Akzeptanz und Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen und psychisch Erkrankten zu fördern. Ich danke für die Möglichkeit, mit diesem Stipendium auf diese wichtigen Themen aufmerksam machen zu können.“

Anlässlich des zehnten Todestages von Marwa El-Sherbini fand eine Gedenkwoche statt.