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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/archiv/2015/05/pm_032.php 28.05.2015 22:59:02 Uhr 13.11.2018 09:13:05 Uhr
11.05.2015

Schädlingsbefall an Dresdner Nadelbäumen

Sitkafichtenläuse lassen Nadeln absterben – Maiwuchs nicht gefährdet In den letzten Tagen sind im Stadtgebiet Stechfichten und andere Nadelbäume zu sehen, deren Nadelkleid vollständig braun gefärbt ist. Ursache für das Braunfärben und anschließende Absterben der Nadeln ist ein Massenbefall durch die Sitkafichtenlaus. Der gesamte Baum ist aber nicht abgestorben. Aus den Endknospen wird sich der Maiwuchs weitgehend normal entwickeln. Mit den Maitrieben in den Folgejahren werden die betroffenen Bäume nach drei bis vier Jahren wieder eine geschlossene Krone entwickeln. Fast immer ist die Stechfichte bzw. Blaufichte betroffen, die im Volksmund fälschlicherweise als Blautanne bezeichnet wird. Das Schadbild kann in geringem Ausmaß auch an Douglasien, an der Serbischen Fichte bzw. Omorika-Fichte und sehr selten an anderen Fichten zu sehen sein. Die gut sichtbaren grünen Läuse mit roten Augen saugen seit dem Ende des Winters an den Nadeln und bringen diese zum Absterben. Erst nach einigen Wochen offenbart sich durch die Braunverfärbung die Ursache. Die Läuse verschwinden üblicherweise als Population im Verlaufe des Frühjahrs. Der Neutrieb wird deshalb nicht befallen. Die natürlichen Feinde der Läuse sind Schwebfliegen, Marienkäfer und andere Wirbellose, die deren Bestand stark dezimieren. Deshalb ist in den Folgejahren nicht zwangsläufig mit einem erneuten Befall zu rechnen. Einen vergleichbaren Lausbefall gab es zuletzt in den 1990er Jahren, nachdem es mehrere Jahre hintereinander ähnliche Witterungsbedingungen wie dieses Jahr gab. Milde Winter ohne Temperaturen unter -10°C und trockene Frühjahrswochen begünstigen die Entwicklung der Laus und die He-rausbildung eines Massenbefalls. Bäume die an trockenen Standorten stehen, werden bevorzugt befallen. Durch den Menschen direkt bekämpfbar sind die Läuse durch Spritzungen im März. Das ist aber nur für kleine Bäume bzw. für die unteren Astpartien angeraten und wegen des Nichtbefalls des Maitriebes auch nicht unbedingt notwendig. Da die Stechfichte eher normale, leicht feuchte Standorte bevorzugt, ist bei trockenen Standorten ein zusätzliches Bewässern zum Winterausgang empfehlenswert. „Der Lausbefall ist für wenige Wochen ein erhebliches optisches Problem, jedoch keine Frage der Stand- und Bruchsicherheit der Bäume“, erklärt Hartwig Seiche vom Dresdner Umweltamt. „Die Laus bzw. die befallenen Bäume stellen keine Gefahr für den Menschen, für Sachwerte oder für andere Baumarten dar. Eine Weiterverbreitung auf andere Baumarten ist wegen der großen Wirtsspezifik kaum zu erwarten und auf andere Blaufichten zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu befürchten“, ergänzt er. Es besteht also generell kein Grund zur Fällung der befallenen Bäume. Außerdem gilt das allgemeine Fällverbot vom 1. März bis 30. September nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Wer seinen Baum erhalten will, sollte keinesfalls die scheinbar toten Äste abschneiden. Langfristig empfiehlt es sich, bei der Baumbepflanzung eine Durchmischung von Nadel- und Laubbaumarten zu verfolgen, so dass in den Befallsjahren das Ortsbild nicht so drastisch beeinflusst wird. Beispielsweise eignen sich die Mähnenfichte, die Orientalische Fichte oder die Mädchenkiefer als Alternative zur Stechfichte. Denn mit der Sitkafichtenlaus werden wir uns abfinden müssen. Seit den 1960er Jahren sind größere Befallsherde bekannt. Die Laus wurde aus Nordamerika eingeschleppt und folgte damit lediglich einer ihrer Wirtsbaumarten, der Stechfichte. Diese wurde erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Europa eingeführt und trat wegen ihrer blaugrünen Erscheinung, An-spruchslosigkeit und leichten Vermehrbarkeit einen regelrechten Siegeszug in der Beliebtheit an.

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