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Meldung vom 14.11.2014

Die Arbeit der Unfallkommission

300 Unfallhäufungsstellen mussten zwischen 2010 und 2012 begutachtet werden

 

Die Arbeit der kommunalen Unfallkommission ist eine Pflichtaufgabe der Straßenverkehrsbehörde. Dies regelt § 44 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO). Qualifizierte Mitarbeiter des Straßen- und Tiefbauamtes und der Polizeidirektion Dresden kommen fünf Mal im Jahr in der Dresdner Unfallkommission zusammen. Darunter sind ausgebildete Sicherheitsauditoren für Innerortsstraßen, die Defizite bei Straßenbaumaßnahmen aus der Sicht aller Verkehrsteilnehmer ermitteln, um Gefährdungen zu vermeiden. Unterstützt wird die Kommission durch Fachleute der Professur für Straßenverkehrstechnik an der Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List" der TU Dresden. Die Aufgabe der Unfallkommission ist es, zu ermitteln, wo sich Unfälle häufen, worauf diese zurückzuführen sind und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um Gefährdungen zu beseitigen.

Grundlage für die Arbeit der Unfallkommission ist die statistische Erfassung des Unfallgeschehens durch die Polizei. Erkennt diese eine solche Häufungsstelle, so informiert sie die Unfallkommission davon. Die Experten gehen dann vor Ort und bewerten die straßenbaulichen und verkehrstechnischen Umstände, um anschließend geeignete und erfolgversprechende Maßnahmen zur Entschärfung der Unfallhäufungsstelle vorzuschlagen. Das können kurzfristig umsetzbare Maßnahmen sein, wie die Verbesserung der Fahrbahnmarkierung, Parkverbotsbereiche für ein besseres Sichtfeld, Geschwindigkeitsbeschränkungen und -überwachungen oder auch die Veränderung der Betriebszeiten an einer Ampel. Manchmal reichen diese Maßnahmen nicht aus. Dann sind umfangreichere planerische und bauliche Veränderungen erforderlich. Die Unfallkommission informiert in diesem Fall das zuständige Planungsamt.

 

Unfallhäufungsstellen von 2010 bis 2012

In Dresden wurden von 2010 bis 2012 insgesamt 247 schwere (mindestens fünf Unfälle mit Personenschaden in 36 Monaten) und 46 leichte (mindestens fünf Unfälle gleichen Unfalltyps in 12 Monaten) Unfallhäufungsstellen registriert. Diese alle zu analysieren, ist eine kaum zu leistende Aufgabe für die Unfallkommission. Denn die Mitglieder der Kommission leisten die Arbeit neben anderen ihnen übertragenen Aufgaben. In jeder Sitzung können die Experten durchschnittlich über drei noch nicht bearbeitete Unfallhäufungsstellen beraten. Zur Systematisierung der Arbeit dient dabei eine Rangliste der Unfallhäufungsstellen sowie ein Arbeitsprogramm für den Zeitraum 2013 bis 2015 über die zu treffenden verkehrsorganisatorischen oder baulichen Maßnahmen.

Die zehn Kreuzungen mit den meisten Unfällen mit Personenschaden (Auswertungszeitraum 2010 bis 2012) im Stadtgebiet sind:

  • Strehlener Platz
  • Rathenauplatz
  • Sachsenplatz/Terrassenufer
  • Georgplatz
  • Leipziger Straße/Rehefelder Straße
  • Carolaplatz
  • Schlesischer Platz/Dr.-Friedrich-Wolf-Straße
  • Albertplatz/Rondellfahrbahn
  • Strehlener Straße/Franklinstraße
  • Albertbrücke

Sechs dieser zehn Unfallhäufungsstellen sind Massen-Unfallhäufungsstellen. Das heißt, dass mindestens 15 Unfälle gleichen Unfalltyps innerhalb von 12 Monaten passiert sind.

 

Maßnahmen zur Verbesserung der Situation

Am Georgplatz, Rathenauplatz und Carolaplatz hat das Straßen- und Tiefbauamt bereits Verbesserungen an der Ampelschaltung vorgenommen und gemeinsam mit dem Ordnungsamt Messgeräte zur Geschwindigkeitsüberwachung und Erfassung von Rotlichtverstößen installiert.

In die Planung der zur Zeit im Bau befindlichen Albertbrücke sind die Unfallanalysen der Unfallkommission eingeflossen.

An Unfällen auf der Leipziger Straße/Rehefelder Straße und am Schlesischen Platz /Dr.-Friedrich-Wolf-Straße sind meist Radfahrer beteiligt. Insbesondere durch Radfahrer, die in der falschen Fahrtrichtung fahren. Hier finden Kontrollen durch die Polizei im Rahmen der zur Zeit laufenden gemeinsamen Aktion von Polizei und Landeshauptstadt Dresden zur Erhöhung der Verkehrssicherheit für Radfahrer statt.

Am Albertplatz wird zurzeit im südlichen Bereich die Installation einer sicheren Querungsmöglichkeit für Fußgänger vorbereitet.

An der Strehlener Straße/Franklinstraße ist die Unfallkommission tätig geworden und hat nach dem Freiräumen der Sichtfelder auch die Zufahrt Franklinstraße auf eine Fahrspur einengen lassen. Die Ummarkierung erfolgte im September 2012.

Auf der Marienbrücke sind seit Ende 2012 vor allem bei Nässe viele Unfälle passiert. Deswegen hat die Unfallkommission die maximal zulässige Höchstgeschwindigkeit bei Nässe auf 30 km/h begrenzt und die Markierung angepasst.

An der Kreuzung Karl-Marx-Straße/Boltenhagener Straße wurde die Ampelregelung verändert. Linksabbieger der Karl-Marx-Straße haben jetzt eine eigene Linksabbieger-Ampel und fahren damit gesichert. Auf querende Fußgänger über die Karl-Marx-Straße wird mittels Gelbblinkern hingewiesen.

Die Markierung des Fahrbahnrandes und eine kleinen Sperrfläche soll an der Kreuzung Dornblüthstraße/Niederwaldstraße die Sicht auf den Hauptverkehr verbessern.

Erst Ende Oktober 2014 wurde die Umgestaltung der Einmündung Comeniusstraße in die Zwinglistraße fertiggestellt. Um den Radverkehr hier sicherer führen zu können, wurde die Fahrbahn zwischen Comeniusstraße und Stübelallee verbreitert, ein Schutzstreifen für Radfahrer markiert und die Überfahrt für Fahrräder an der Unfallhäufungsstelle auch rot eingefärbt.

Ob die getroffenen Maßnahmen auch die erwartete Verbesserung des Unfallgeschehens bewirken, wird in einem Vorher-Nachher-Vergleich überprüft. Darüber hinaus zieht die Unfallkommission Rückschlüsse für andere vergleichbare Unfallhäufungsstellen.

Trotz aller Bemühungen, die Situation an Unfallhäufungsstellen zu verbessern, werden sich auch in Zukunft Unfälle im Straßenverkehr nicht vermeiden lassen. Für die Unfallkommission ist es ein großer Erfolg, wenn die Anzahl der Unfallhäufungsstellen in Dresden abnimmt (siehe Präsentation).

Für die Arbeit der Unfallkommissionen wurde im März 2012 das „Merkblatt zur Örtlichen Unfalluntersuchung in Unfallkommissionen (M Uko)" von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) herausgegeben und bundesweit eingeführt.

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