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02.05.2006

Vortrag: „Trümmerfrauen“ und „Trümmermänner“

Vortrag im Stadtarchiv hinterfragt ein Kapitel der Nachkriegszeit
Das Frauenstadtarchiv, das Stadtarchiv Dresden und die Dresdner Gleichstellungsbeauftragte für Frau und Mann laden für den 10. Mai, 18 Uhr zu einem Vortrag ins Stadtarchiv Elisabeth-Boer- Straße 1 ein. Anna-Sophie Pappai spricht in der Reihe „Frauen(-)wirken in Dresden“ über die reale und symbolische Aufbauarbeit in Dresden und Warschau nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Eintritt ist frei.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begannen vielerorts Frauen und Männer, die Trümmer des Krieges zu beseitigen und beim Wieder- und Neuaufbau ihrer zerstörten Städte mitzuwirken — auch in Dresden und Warschau. Unter großen Mühen und mit propagandistischem Aufwand wurden die Städte wieder aufgebaut. Dieser Aufbau war nötig für die Rückkehr zu normalen Lebensverhältnissen. Er wurde aber zugleich auch für politische Zwecke instrumentalisiert.
Die offizielle Darstellung, der zufolge die Bevölkerung mit großer Freude und mit großem Enthusiasmus am Wiederaufbau teilnahm, ist ein sehr einseitiges Bild und verschweigt die realen Hintergründe dieser Arbeit. Im Vergleich mit Warschau zeigen sich zwar viele Gemeinsamkeiten hinsichtlich alltäglicher Probleme beim Wiederaufbau. Es werden aber ebenso Unterschiede deutlich, die durch Glorifizierung und Symbolisierung auf verschiedene politische Absichten schließen lassen.
Am Beispiel der „Trümmerfrauen“ lassen sich die gesellschaftlichen Realitäten und symbolischen Konstruktionen sehr gut herausstellen, denn das Bild der „Trümmerfrauen“, deren Aufgabe es war, in Tausenden von freiwilligen Aufbaustunden Ziegel zu putzen, prägte im Allgemeinen unsere Vorstellung von der Nachkriegszeit. Im Vergleich zu den Warschauerinnen werden jedoch schnell Unterschiede sichtbar, die das mythische Bild der deutschen „Trümmerfrauen“ nachträglich in Frage stellen.
In ihrem Vortrag stellt Anna-Sophie Pappai die verschiedenen Bilder des Wiederaufbaus — zwischen Mythos und Wirklichkeit — gegenüber und hinterfragt die Gründe für diese Differenzierung.
Welche Rolle spielte der Wiederaufbau tatsächlich im Alltagsleben der Dresdner und Warschauer Bevölkerung? Wo lag die Grenze zwischen Freiwilligkeit und Pflicht, an den Enttrümmerungs- und Wiederaufbauaktionen teilzunehmen? Warum spricht man nie von „Trümmermännern“? Warum gibt es keine polnischen „Trümmerfrauen“? Welche symbolischen Funktionen und Werte wurden mit der Aufbauarbeit in Dresden und Warschau verbunden? Der Vergleich zwischen Warschau und Dresden soll Anregung sein, um mögliche Antworten auf diese Fragen zu finden.

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