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Meldung vom 28.09.2005

Vortragsreihe „Frauen(-)wirken in Dresden“

Am 10. Oktober 2005 laden das Frauenstadtarchiv und das Stadtarchiv Dresden sowie die Gleichstellungsbeauftragte für Frau und Mann der Landeshauptstadt Dresden um 18 Uhr zum Vortrag von Heike Liebsch in das Stadtarchiv Dresden, Elisabeth-Boer-Straße 1, ein. Im Vortrag informiert die Referentin über die Lebensstationen Victor Klemperers in Dresden – berichtet wird über Menschen, denen er begegnete und die ihn beschäftigten. Als Podiumsgast ist seine zweite Frau Dr. Hadwig Klemperer geladen. Sie schildert anhand der Tagebuchnotizen ihres Mannes den Alltag von Victor Klemperer in den beiden deutschen Diktaturen, der NS-Zeit und der DDR. In ihren Ausführungen richtet sich der Blick auf die beiden Frauen an seiner Seite, auf Eva, die ihm neben seinem Schreiben als Mittel existenzieller Selbstbehauptung über die NS-Zeit hinweghalf, und auf Hadwig, die Victor nach dem Tod seiner geliebten Frau Eva wieder Lebensmut gibt.

1920 kam Victor Klemperer (1881-1960) nach Dresden, um eine Professur an der Technischen Hochschule zu übernehmen. Sein Spezialgebiet waren die romanischen Sprachen. Generell war es die Sprache, die ihn faszinierte. Zwar waren seine Ausflüge in die Lyrik wenig erfolgreich – doch ein sicheres Gespür für Worte, für ihren Sinn und Unsinn prägten seinen Stil nicht nur beruflich, sondern auch ganz privat – in seinen persönlichen Tagebuchaufzeichnungen, die Victor Klemperer postum zu Weltruhm verhalfen. Seine Tagebucharbeit wurde Grundlage für spätere Werke und ist wichtiges Zeugnis seines Lebens und seines inneren Widerstandes gegen das Dritte Reich.

Mit dem Jahr 1933 erfolgte ein tiefer Einschnitt im Leben Victor Klemperers. Das Straßenbild von Dresden wurde zunehmend bestimmt von Boykottaufrufen gegen jüdische Geschäfte. Obwohl jüdischer Herkunft und damit unmittelbar von Hitlers antisemitischem Programm betroffen, blieb Victor Klemperer während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Totale Ausgrenzung und soziale Ermordung waren die Folge. Gemeinsam mit ihrem Mann ertrug Eva Klemperer Isolierungen, Demütigungen und ein Leben in Angst und Gefahr. Der Mut seiner Frau gab Klemperer Kraft und wurde für ihn zur Überlebenschance. Am 8. Juli 1951 starb Eva.

Der Kalte Krieg und die sich vertiefende deutsche Teilung beschleunigten unverhofft Klemperers späte Karriere. Er wurde Professor an der Universität in Berlin und lebte nun nicht mehr unter tödlicher Bedrohung, sondern in relativ komfortablen Nachkriegsverhältnissen. 1952 heiratete er Hadwig Kirchner, die ihm bis zu seinem Tod aufopfernd pfelgte.

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