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Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2026/02/pm_003.php 04.02.2026 15:11:21 Uhr 04.02.2026 16:42:43 Uhr |
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Feuerwehr und Rettungsdienst Dresden 2025 stark gefordert
Große Evakuierung nach Kampfmittelfund und außergewöhnliche Großbrände prägen das Einsatzjahr
Feuerwehr und Rettungsdienst der Landeshauptstadt Dresden rückten im Jahr 2025 zu 179.051 Einsätzen aus. Damit bewegte sich das Einsatzaufkommen auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Prägend für die Jahresbilanz waren mehrere außergewöhnliche Einsatzlagen – allen voran die Kampfmittelfunde an der Carolabrücke sowie zwei Großbrände am 6. Juni, die einen hohen Kräfteansatz erforderten.
Einsatzaufkommen auf vergleichbarem Niveau
Der Rettungsdienst stellte mit über 94 Prozent den überwiegenden Anteil des gesamten Einsatzgeschehens. Die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr sowie die Leistungserbringer im Rettungsdienst - Deutsches Rotes Kreuz und Malteser Hilfsdienst - bewältigten im Jahr 2025 insgesamt 169.032 Einsätze. Die Zahl der Rettungswageneinsätze stieg auf 92.935 Einsätze (+2,5 Prozent), auch die Notarzteinsatzfahrzeuge waren mit 24.674 Einsätzen leicht häufiger gefordert (+0,8 Prozent). Die Zahl der Intensivtransporte nahm deutlich auf 365 Einsätze zu (+13 Prozent). Gleichzeitig gingen die qualifizierten Krankentransporte (eine medizinische Fachkraft begleitet den Transport) auf 51.058 Einsätze zurück (-5,0 Prozent).
Die Feuerwehr Dresden rückte im Jahr 2025 zu 10.019 Einsätzen aus. Damit blieb die Einsatzbelastung insgesamt auf einem vergleichbaren Niveau wie im Vorjahr. Besonders einzelne Großschadenslagen führten zeitweise zu einem erheblich erhöhten Personal- und Ressourceneinsatz.
Kampfmittelfund an der Carolabrücke: Größte Evakuierung in Dresden
Zwei herausragende Einsätze des Jahres 2025 waren die Kampfmittelfunde an der Carolabrücke am 8. Januar und am 5. August. Waren zu Jahresbeginn rund 10.000 Menschen von der Evakuierung betroffen, so erforderte der notwendige Sicherheitsradius im August die Evakuierung von rund 17.000 Menschen – so viele wie noch nie zuvor bei einem Kampfmittelfund in Dresden. Besonders herausfordernd war, dass bei beiden Evakuierungsmaßnahmen auch das Neue Rathaus im Sperrbereich lag und geräumt werden musste. Die Feuerwehr Dresden übernahm zentrale Aufgaben in der Einsatzleitung, der Gefahrenabwehr, der Evakuierungskoordination sowie der logistischen Absicherung. Die Bewältigung dieser Lagen war nur durch das enge und abgestimmte Zusammenwirken zahlreicher Akteure möglich.
Sicherheitsbürgermeister Jan Pratzka„Dass bei einem Kampfmittelfund so viele Menschen wie noch nie zuvor in Dresden evakuiert werden mussten, zeigt die Dimension dieses Einsatzes. Dass dies geordnet, ruhig und ohne Zwischenfälle gelang, ist dem engen Zusammenspiel von Feuerwehr, Polizei, Stadtverwaltung, Hilfsorganisationen und vielen weiteren starken Partnern zu verdanken – insbesondere auch dem ehrenamtlichen Engagement vieler Menschen in der Freiwilligen Feuerwehr und im Sanitätsdienst.“
Zwei Großbrände am 6. Juni binden massive Kräfte
Im Jahr 2025 verzeichnete die Feuerwehr Dresden zwölf Großbrände, was einem Anstieg von 33,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei leisteten die Einsatzkräfte viermal überörtliche Löschhilfe bei Wald- und Vegetationsbränden in benachbarten Landkreisen. Im Juli unterstützten Einsatzkräfte der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr die Bekämpfung der Brandkatastrophe in der Gohrischheide.
Doch auch Dresden selbst blieb von Großbränden nicht verschont. Zwei außergewöhnliche Großbrände ereigneten sich am selben Tag. Am 6. Juni brannte zunächst ein leerstehendes Gebäude auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs in der Leipziger Vorstadt. Wegen der massiven Rauchentwicklung musste die Bevölkerung gewarnt werden. Zur Lageerkundung kam unter anderem eine Drohnenstaffel zum Einsatz.
Am Abend desselben Tages brannte die ehemalige Staatsoperette an der Pirnaer Landstraße in Leuben. Aufgrund der massiven Brandausbreitung und der Einsturzgefahr war ein Innenangriff nicht möglich. Das Dach musste kontrolliert durchbrennen gelassen werden. Zwei Einsatzkräfte wurden verletzt.
Kritische Wohnungsbrände – besondere Gefährdung für Menschen und Einsatzkräfte
Wohnungsbrände zählen weiterhin zu den gefährlichsten Einsatzlagen. Auch 2025 kam es in Dresden zu mehreren kritischen Wohnungsbränden in mehrgeschossigen Gebäuden und Hochhäusern, bei denen Menschen in akute Lebensgefahr gerieten.
Am 15. Februar brannte eine Wohnung in der 11. Etage eines Hochhauses in der Bundschuhstraße in der Johannstadt. Dabei wurden fünf Menschen verletzt, drei Personen konnten durch die Feuerwehr gerettet werden. Zwei Menschen verstarben trotz sofortiger medizinischer Versorgung im Krankenhaus. Insgesamt waren 34 Personen betroffen.
Am 23. Juli kam es zu einem weiteren schweren Wohnungsbrand am Albert-Wolf-Platz in Prohlis. In einem Hochhaus in der 15. Etage stand eine Wohnung im Vollbrand. Eine Person wurde verletzt, zudem kam es während des Einsatzes zu einem Atemschutznotfall, bei dem ein Feuerwehrangehöriger verletzt wurde.
Ein weiterer kritischer Wohnungsbrand ereignete sich am 11. Dezember an der Stauffenbergallee in der Albertstadt. Eine Wohnung im vierten Obergeschoss brannte vollständig aus. Eine Person kam schwer verletzt ins Krankenhaus, drei weitere Menschen konnten durch die Einsatzkräfte gerettet werden.
Diese Einsätze verdeutlichen die hohe Gefährdung bei Wohnungsbränden – sowohl für die betroffenen Menschen als auch für die Einsatzkräfte. Heimrauchmelder spielen dabei eine entscheidende Rolle, da sie Brände frühzeitig erkennen und Menschen rechtzeitig warnen. Sie verschaffen wertvolle Zeit zur Selbstrettung und ermöglichen der Feuerwehr ein schnelleres Eingreifen.
Technische Hilfeleistungen: Breites Einsatzspektrum
Neben Bränden und rettungsdienstlichen Einsätzen stellte die Technische Hilfeleistung einen wesentlichen Bestandteil des Einsatzgeschehens dar. Die Einsatzkräfte wurden zu unterschiedlichen Hilfeleistungen alarmiert, die ein breites Spektrum an Gefahrenlagen abdeckten. Dazu zählten unter anderem 1.071 Einsätze bei Personen in Notlagen, beispielsweise bei akuten medizinischen oder lebensbedrohlichen Situationen außerhalb klassischer Brandeinsätze. Zudem rückte die Feuerwehr zu 179 Verkehrsunfällen aus, bei denen häufig auch Maßnahmen der technischen Rettung erforderlich waren. Ein weiterer Schwerpunkt lag bei der Beseitigung von Umwelt- und Verkehrsgefahren. So wurden die Einsatzkräfte in 547 Fällen zur Beseitigung von Ölspuren alarmiert. Darüber hinaus kam es zu 74 ABC-Einsätzen, etwa bei Gefahrstoffaustritten, Gasausströmungen oder vergleichbaren Lagen, die besondere Fachkenntnisse und Schutzmaßnahmen erforderten. Die Höhenretter rückten zu 17 Einsätzen aus.
Auch im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs war die Feuerwehr gefordert. In elf Fällen leisteten die Einsatzkräfte Hilfe bei Ereignissen im Zusammenhang mit der Straßenbahn, etwa bei technischen Störungen oder Notlagen von Fahrgästen. So entgleisten am 14. Oktober zwei Straßenbahnen nach einer Kollision. Nach der Versorgung von sechs verletzten Personen wurden beide Fahrzeuge in einem mehrstündigen Einsatz wieder auf die Gleise gesetzt. Am 15. Dezember geriet ein 13-jähriges Mädchen an einer Haltestelle unter eine Straßenbahn. Nach dem Anheben der Bahn konnte das Mädchen gerettet werden.
Diese Einsätze unterstreichen die Rolle der Feuerwehr Dresden als universelle Gefahrenabwehrorganisation mit einem breiten fachlichen Anforderungsspektrum.
Integrierte Regionalleitstelle Dresden erneut stark gefordert
Seit über zehn Jahren ist die Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) Dresden auf der Scharfenberger Straße in Übigau in Betrieb. Seitdem erreichen alle Notrufe über die 112 aus Dresden sowie den Landkreisen Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die IRLS. Anlässlich dieses Jubiläums trafen sich am 2. Dezember 2025 Kolleginnen und Kollegen der IRLS Dresden zu einem besonderen Fortbildungsformat im Stadtforum, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. In einem kleinen Festakt wurde gemeinsam auf zehn Jahre Zusammenarbeit zurückgeblickt und ein Ausblick auf die kommenden Jahre gewagt. Passend dazu konnte im Dezember das Richtfest für ein Interimsgebäude in Übigau gefeiert werden. Der Neubau soll ab Spätsommer 2026 zusätzliche Sozial- und Ruheräume für den anspruchsvollen 24-Stunden-Dienst bieten. Die Kosten belaufen sich auf rund vier Millionen Euro.
Das Team der IRLS Dresden disponierte im Jahr 2025 insgesamt 298.549 Einsatzereignisse (+0,6 Prozent). Dabei stieg die Zahl der disponierten Einsätze in der Notfallrettung auf 152.557 Ereignisse (+2,9 Prozent).
Insgesamt wurden 754.191 Anrufe entgegengenommen und getätigt, davon 198.059 über den Notruf 112. Gerade bei komplexen Einsatz- oder Flächenlagen zeigte sich erneut die zentrale Rolle der Leitstelle als Schaltzentrale des Einsatzgeschehens.
Gewalt gegen Einsatzkräfte: Klare Grenzen im Einsatzalltag
Menschen, die den Notruf 112 wählen, befinden sich häufig in akuten Ausnahmesituationen. Feuerwehr und Rettungsdienst begegnen den Betroffenen mit Professionalität, Empathie und dem klaren Ziel, schnell und wirksam Hilfe zu leisten – unabhängig von Ursache, Uhrzeit oder Einsatzort. Umso inakzeptabler ist es, wenn Einsatzkräfte während ihrer Arbeit behindert, bedroht oder angegriffen werden. Auch im Jahr 2025 kam es erneut zu Aggressionen und Gewalt gegen Einsatzkräfte, insbesondere im Rettungsdienst. Diese Entwicklung stellt eine erhebliche Belastung für die Einsatzkräfte dar und gefährdet im Ernstfall nicht nur sie selbst, sondern auch Patientinnen und Patienten.
Ein besonders gravierender Vorfall ereignete sich im Dezember 2025 in der Dresdner Neustadt. Während eines Rettungseinsatzes kam es im Rettungswagen plötzlich zu einem massiven Gewaltausbruch eines Patienten. Die Besatzung musste sich in Sicherheit bringen und einen Notruf absetzen. Der Patient flüchtete aus dem Rettungswagen, entwendete medizinisches Equipment und beschädigte das Fahrzeug erheblich. Erst durch das Eingreifen der Polizei konnte die Situation unter Kontrolle gebracht werden. Einsatzkräfte wurden dabei glücklicherweise nicht verletzt – der Vorfall verdeutlicht jedoch die Eskalationsdynamik solcher Situationen.
Feuerwehr Dresden und Rettungsdienst stellen klar: Gewalt gegen Einsatzkräfte wird nicht toleriert. Alle Vorfälle werden konsequent dokumentiert und angezeigt. Gleichzeitig werden Einsatzkräfte kontinuierlich geschult, um Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen und deeskalierend zu handeln – ohne dabei den eigenen Schutz zu vernachlässigen.
Leiter des Brand- und Katastrophenschutzamtes Dr. Michael Katzsch„Respekt ist keine Einbahnstraße. Wer Hilfe in Anspruch nimmt, muss akzeptieren, dass unsere Einsatzkräfte ihre Arbeit ohne Angst vor Bedrohung oder Gewalt verrichten können“.
Personal: Stabiler Bestand – Ehrenamt weiter wichtig
Die Gesamtpersonalstärke des Brand- und Katastrophenschutzamtes lag 2025 bei 2.322 Angehörigen. Die Berufsfeuerwehr stellte 918 Einsatzkräfte. Die Zahl der Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr sank leicht auf 1.404 Mitglieder, davon 555 aktive Einsatzkräfte. Die Nachwuchsarbeit bleibt mit 418 Mitgliedern in der Jugendfeuerwehr und 24 Kindern in der Kinderfeuerwehr eine wichtige Grundlage für die Zukunft der Feuerwehr Dresden.
Fazit
Das Jahr 2025 hat eindrucksvoll gezeigt, dass nicht allein die Anzahl der Einsätze entscheidend ist, sondern deren Art, Umfang und Koordinationsaufwand.
Jan Pratzka„Die Feuerwehr Dresden hat 2025 gemeinsam mit ihren Partnern gezeigt, dass sie auch außergewöhnliche Einsatzlagen sicher und professionell bewältigen kann. Mein ausdrücklicher Dank gilt allen Einsatzkräften im Haupt- und Ehrenamt.“