Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de

https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2024/05/pm_110.php 30.05.2024 19:58:26 Uhr 12.07.2024 23:11:40 Uhr

Studierende zeigen Entwicklungsmöglichkeiten für die St. Petersburger Straße

Von der Verkehrsschneise zum lebendigen Stadtraum

Im Rahmen des interdisziplinären Moduls „Stadt und Landschaft im urbanen Kontext“ entwarfen 150 Studierende der TU Dresden in vier Teams städtebaulich-freiraumplanerische Konzepte zur Neugestaltung der St. Petersburger Straße. Basierend auf vier zukunftsorientierten Thesen entwickelten sie erste Ansätze: „St. Peter Park - maximal blau-grün“, „St. Peter Stadt - maximal urban“, „St. Peter Connector - maximal vernetzt“ und „St. Peter Inkubator - maximal flexibel“. Die Ausstellung mit den studentischen Entwürfen ist bis Sonnabend, 1. Juni 2024, im Zentrum für Baukultur im Erdgeschoss des Kulturpalasts zu sehen.

„Die St. Petersburger Straße ist ein Verkehrszug aus Zeiten der Idee einer autogerechten Stadt. Sie ist breit, laut und schwer überwindbar. Gleichzeitig bietet sie mit ihrer großen Fläche viel Potenzial. Hier kann ein breiter grüner Promenadenring entstehen, hier am Rand der Altstadt zwischen Stadtmuseum und Kurländer Palais ist Platz für eine hochwertige städtebauliche Entwicklung. Die St. Petersburger Straße wird weiterhin eine wichtige Hauptverkehrsstraße sein, aber sie soll keine Schneise durch die Innenstadt bleiben, sondern ein klimaangepasster Stadtraum mit Aufenthaltsqualität, der seiner prominenten Lage gerecht wird. Ich freue mich über die Kooperation mit der TU Dresden, in der die Studierenden mit ihren Entwürfen aufzeigen, welches Potenzial in der Gestaltung dieses Stadtraums liegt.“ 

Baubürgermeister Stephan Kühn

„Die Studierenden loten mit ihren Entwürfen die Möglichkeiten und Grenzen für die Entwicklung dieses Raums aus. Die vier Szenarien zeigen jeweils eine Entwicklungsrichtung und damit sind sie als Gesamtbild zu verstehen. Sie setzen so der räumlichen Entwicklung der St. Petersburger Straße einen ersten Rahmen. Ich freue mich, dass in dieser Kooperation die Arbeiten der Studierenden aufgegriffen und wirksam werden können.“

Prof. Melanie Humann, Inhaberin der Professur für Urbanismus & Entwerfen an der TU Dresden

Wie geht es weiter?

Aufbauend auf den Ergebnissen der studentischen Arbeiten findet im Wintersemester das Urban Lab an der TU Dresden statt, ein internationaler Workshop, an dem sich Studierende aus Deutschland, Polen, Tschechien und den Niederlanden dem Thema widmen werden. Die Stadt Dresden hatte bereits im Herbst 2023 gemeinsam mit dem Entwicklungsforum Dresden eine Auftaktveranstaltung zur Umgestaltung des Stadtraums um die St. Petersburger Straße durchgeführt. Dafür sind Workshops in Verbindung mit einem städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbsverfahren geplant. Die studentischen Arbeiten bilden dafür eine erste Basis. 

„Hier soll ein eigenständiger stadträumlicher Charakter entwickelt werden - inspiriert von vorbildlichen Ring- und Wallanlagen, wie wir sie in Wien, Leipzig oder Bremen bewundern. Verkehrliche Funktionen können viel kompakter geordnet und in das Stadtgrün integriert werden. Eine innige Verbindung von Innenstadt und Vorstädten schafft Platz für urbanes Leben.“

Dr. Matthias Lerm, Leiter des Amts für Stadtplanung und Mobilität

Zur Geschichte der Stadtentwicklung an der St. Petersburger Straße

Vor 1945 existierte auf dem Gebiet der jetzigen St. Petersburger Straße keine durchgehende Verbindung. Der Hauptverkehr lief vom Bahnhof aus über die Prager Straße und von dort auf dem Ring um die Innenstadt weiter zum Georgplatz. Nach der Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg wurden in den 1950er Planungen aus den 1930er-Jahren für den Verkehrszug der heutigen St. Petersburger Straße wieder aufgegriffen und es wurde ein Wettbewerb zur Gestaltung der Straße durchgeführt. Der Siegerentwurf Wolfgang Raudas sah eine breite Prachtstraße mit bepflanzten Mittelstreifen und großem Demonstrationsplatz am Pirnaischen Platz vor. Dieser Entwurf wurde zwar nicht umgesetzt, war jedoch Grundlage für die spätere Gestaltung ab Mitte der 1960er-Jahre mit der weiträumigen, heute als überdimensioniert eingeschätzten, und autogerechten Umgestaltung von Georgplatz, Pirnaischem Platz und Rathenauplatz, einschließlich der dazwischenliegenden Teile des alten Rings, die der neuen Verbindung als Sekundärerschließungen zugeschlagen wurden. Erneute Umplanungen ab 1993 wurden wegen des geringen Entwicklungsdrucks der Innenstadt und fehlender Mittel nicht weiterverfolgt. Teil dieser Planungen war jedoch auch der heute als Promenadenring bekannte Grünring um die Altstadt, für den zuletzt auch im Bereich der St. Petersburger Straße der Abschnitt zwischen Wilsdruffer Straße und Rathausplatz angelegt wurde.