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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2024/02/pm_070.php 28.02.2024 14:00:59 Uhr 13.04.2024 08:34:17 Uhr

Johannstadt: Zerr-Eiche ist neues Naturdenkmal

Über 120 Jahre alter Baum auf dem Trinitatisplatz hat mehr als vier Meter Stammumfang

Johannstadt: Eine Zerr-Eiche (Quercus cerris) auf dem Trinitatisplatz ist jetzt neues Naturdenkmal. Damit hat die Untere Naturschutzbehörde der Landeshauptstadt Dresden ein besonders ausgeprägtes Exemplar dieser Baumart unter Schutz gestellt. 

So begründet der Leiter des Umweltamtes René Herold den Schutzstatus: 

„Ihre Geschichte, ihr Alter, die Seltenheit ihres Alters, ihr imposantes Erscheinungsbild und ihr genetisches Potential sind der Grund für das besondere öffentliche Interesse daran, diese einzigartige Zerr-Eiche als Naturdenkmal zu sichern und zu erhalten. Ihres unschätzbaren Wertes für die Vielfalt der Natur und für uns Menschen sollen sich auch nachfolgende Generationen bewusstwerden“.

René Herold, Leiter des Umweltamtes
Kahler Baum auf einer Wiese, im Hintergrund eine Straße

Mit mehr als vier Metern Stammumfang, gemessen in einer Höhe von einem Meter über dem Erdboden, ist dieser Baum für seine Art überdurchschnittlich groß und auch aufgrund seiner Eigenart und Schönheit ortsbildprägend. Die Zerr-Eiche wird in der Liste der Rekordbäume (Champion Trees) der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DDG) als drittstärkste Zerr-Eiche Sachsens und stärkste in der Landeshauptstadt Dresden geführt.

Auch wegen ihres Alters ist die Zerr-Eiche eine Rarität: Noch zum Pflanzzeitpunkt 1895 war diese Baumart ein nördlich der Alpen extrem selten gepflanztes Gehölz. 129 Jahre später wird die Zerr-Eiche vor allem deshalb geschätzt, weil sie hervorragend an die veränderten Klimabedingungen angepasst ist. Weil die Zerr-Eiche in ihrer Jugend sehr frostempfindlich ist und Dresden im kontinental geprägten Klima des Elbtals liegt, war diese Baumart in den damaligen Baumschulen Ende des 19. Jahrhunderts kaum verfügbar. Deshalb ist es naheliegend, dass genau diese Zerr-Eiche in der damals in der Nähe gelegenen Stadtgärtnerei am Tatzberg/Ecke Fürstenstraße (heute: Fetscherstraße) herangezogen, akklimatisiert und 1895 als experimentelle Pflanzung in der neu angelegten Grünanlage am Trinitatisplatz ihren Platz fand. 

Die junge Zerr-Eiche hat sich an dem ihr zugewiesen Standort offensichtlich gut entwickelt. Selbst die extrem kalten Winter 1894/95, 1928/29, 1939/40, 1940/41, 1941/42, 1946/47, 1969/70 und 1984/85 hat sie aufgrund ihrer besonderen genetischen Ausstattung schadlos überstanden. Von den schweren Bombenangriffen in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 sind an diesem Baum kaum Schäden zurückgeblieben. Ein Glücksfall ist es auch, dass die Zerr-Eiche vom Brennholzhunger der Nachkriegsjahre verschont wurde.