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Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de https://www.dresden.de/de/leben/gesundheit/hygiene/umwelt-wasser/pfas.php 13.01.2026 15:33:21 Uhr 29.01.2026 21:27:47 Uhr |
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PFAS
PFAS sind geruchslos, geschmacklos und können Gase, Flüssigkeiten oder feste Kunststoffe sein. Untersuchungen des Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) haben in einzelnen Oberflächengewässern in den Dresdner Stadtteilen Hellerau/Wilschdorf, Klotzsche und Weixdorf eine erhöhte PFAS-Konzentration ergeben. Wir erklären, was das für Gewässer, Böden und Anwohner bedeutet.
Aktuelle Meldungen
Neue PFAS-Messwerte in Gewässern im Dresdner Norden (13.01.2026)
PFAS-Chemikalien in Gewässern im Dresdner Norden (16.12.2025)
PFAS: Begriffserklärung
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – auch bekannt als „Ewigkeitschemikalien“. Diese Stoffgruppe umfasst mehr als 10.000 verschiedene Substanzen, die aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften, großen Stabilität und thermischen Beständigkeit eine breite Anwendung finden.
Die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von PFAS in der Industrie, bei der Brandbekämpfung, der Landwirtschaft sowie in Textilen führen auch zu einer Vielzahl an Eintragungsmöglichkeiten in die Umwelt. Neben dem Haupteintragungspfad aus der Industrie sind PFAS-haltige Produkte in jedem Haushalt zu finden.
Chemisch betrachtet bestehen die organischen Verbindungen aus unterschiedlich langen Kohlenstoffketten, bei denen die Wasserstoffatome entweder vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) durch Fluoratome ersetzt sind.
Die PFAS bauen sich in der Natur und in Organismen nicht oder nur äußerst langsam ab. Folglich verbleiben sie für einen sehr langen Zeitraum in der Umwelt. Einige dieser Verbindungen gelten als sehr mobil und können sich über das Wasser in der Umwelt verbreiten. Eine Entfernung ist dann meist nur begrenzt und mit großem Aufwand möglich. Die Sanierung belasteter Böden und Gewässer sind personalintensiv und kostspielig. Das gilt auch für die Entsorgung der Schadstoffe (zum Beispiel Hochtemperaturverbrennung bei über 1.000 Grad Celsius).
Mittlerweile finden sich PFAS in Fischen, Muscheln, Wildtieren, Milch, Früchten und Gemüse und somit auch in vielen Nahrungsmitteln wieder – und zwar weltweit. Sogar in Polarregionen und in der Tiefsee wurden PFAS nachgewiesen.
PFAS im Alltag
PFAS sind in mehreren Hundert Anwendungen zu finden, unter anderem in Verbraucherprodukten wie beispielsweise:
- Verpackungen wie Pizzakartons
- Backpapier
- Regenjacken
- Zahnpflegeprodukten wie Zahnseide
- Imprägniersprays zur Schuhpflege, für Textilien und Leder
- Pflanzenschutzmitteln
- Antihaftbeschichtungen (zum Beispiel Pfannen)
- Feuerlöschschaum
Vorkommen in offenen Gewässern des Dresdner Nordens
Im Rahmen eines Messprojekts hat das LfULG Wasserproben in einzelnen Oberflächengewässern der Gemarkungen Hellerau, Lausa und Weixdorf genommen. Die Analyse der Wasserproben ergab teils erhöhte PFAS-Konzentrationen. Besonders betroffen sind die Bereiche Ziegeleiteichgraben und Ziegeleiteich. Die Stadtverwaltung hat daraufhin weitere Untersuchungen eingeleitet.
Wie es zu den Verunreinigungen kam, ist noch unklar. Ende November 2025 haben Fachleute Proben aus allen Teichen der Weixdorfer Teichkette entnommen.
Analyseergebnisse
Aus den vorläufigen Analyseergebnissen im Januar 2026 ergibt sich das folgende Bild. Mehr zu den Grenzwerten (PFAS-4/20) erfahren Sie im Abschnitt "Vorkommen im Trinkwasser".
Quellbereiche Oberflächengewässer
- Die höchsten PFAS-Befunde wurden im Bereich des Ziegeleiteiches/Ziegeleiteichgrabens ermittelt (PFAS-4 und PFAS-20 über 1 Mikrogramm/L – im Bild rot markiert).
- Alle anderen untersuchten Gewässer weisen deutlich geringere PFAS-Konzentrationen im Nanogramm-Bereich auf (rund 0,1 bis 0,01 µg/L, gelb und grün markiert).
Teichkette Weixdorf
- Entlang der Teichkette Weixdorf wurde der auffälligste Befund am Zulauf Seifenbach ermittelt (0,057 µg/L PFAS-4, 0,153 µg/L PFAS-20).
- Alle untersuchten Gewässer weisen im Vergleich zum Ziegeleiteichgraben deutlich geringere PFAS-Konzentrationen im Nanogramm-Bereich auf (rund 0,1 bis 0,01 µg/L).
- Die PFAS-Konzentration nimmt entlang der Teichkette messbar ab und lag zum Untersuchungszeitpunkt an der Stadtgrenze unter der Bestimmungsgrenze.
- Nur im Zulauf Seifenbach wurden PFAS im Sediment knapp oberhalb der Bestimmungsgrenze nachgewiesen.
Fischbestände
Für den Ziegeleiteich bestätigten auch Fischuntersuchungen die PFAS-Belastung. Zum Schutz der Gesundheit von Konsumenten hat die Stadtverwaltung deshalb das Angeln im Ziegeleiteich sofort verboten. Das Angelverbot bleibt bis auf Weiteres in Kraft.
Bei Fischen im Waldbad Weixdorf wurden Höchstwerte für die PFAS-Konzentration in Lebensmitteln ebenfalls überschritten. Deshalb untersagte das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt im Sinne des Verbraucherschutzes das Inverkehrbringen der schadstoffbelasteten Fische. Außerdem hat die Behörde angeordnet, dass die belasteten Fische aus dem Waldbad Weixdorf weiterhin tierschutzgerecht unterzubringen sind.
Für Fische mit PFAS-Höchstgehaltsüberschreitung gilt ein Inverkehrbringungsverbot. Die Fischbestände in den Teichen müssen wegen der Schadstoffbelastung jedoch vorerst nicht gekeult werden – ein Töten der Fische aufgrund der Schadstoffbelastung darf nicht gegen § 1 des Tierschutzgesetzes verstoßen. Die Abwägung zwischen dem Tierschutz und dem Schutz des Gewässersystems muss behördlich überprüft werden.
Vorkommen in Badegewässern
Den Messungen zufolge ist nur das Waldbad Weixdorf betroffen und weist eine erhöhte Konzentration an PFAS auf.
Einem Betrieb der Badestelle Weixdorf im Jahr 2026 steht aus derzeitiger Perspektive und mit dem aktuellen Wissenstand jedoch nichts entgegen. Allerdings empfiehlt das Amt für Gesundheit und Prävention explizit vulnerablen Personengruppen wie Kindern, Schwangeren und älteren Menschen auf die Nutzung der Badestelle zu verzichten.
Dem vereinsgebundenen Wassersport (Kanu-Polo) im Waldbad Weixdorf steht nach aktueller Risikobewertung hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen nichts entgegen.
Zur Erläuterung: Badegewässer stellen hinsichtlich der Anforderungen an die Wasserqualität kein Trinkwasser dar und sind auch nicht mit diesem unmittelbar vergleichbar. Untersuchungen zu PFAS in Badegewässern sind derzeit nicht gesetzlich vorgegeben. Für die Bewertung der Wasserqualität von Badegewässern verfolgt das Umweltbundesamt (UBA) einen pragmatischen Ansatz. Dieser beruht auf der Annahme, dass beim Baden eine bestimmte Menge Wasser verschluckt wird, wodurch eine Aufnahme von PFAS in den Organismus grundsätzlich gegeben ist. Das UBA nimmt in einem Worst-Case-Szenario an, dass jeden Tag des Lebens in einem Badegewässer gebadet wird und dabei eine Wasseraufnahme von bis zu 0,1 Liter erfolgt. Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) legt einen Trinkwasserkonsum von 2 Litern pro Tag zugrunde. Dementsprechend kann die gesundheitlich vertretbare PFAS-Konzentration im Badegewässer 20-fach höher sein als ihr Grenzwert nach TrinkwV. Auf dieser Basis ergibt sich für Badegewässer eine vertretbare PFAS-20 Konzentration von 2,0 µg/l bzw. für PFAS-4 Konzentration von 0,40 µg/l. Die Tatsache, dass allein schon aus klimatischen Gründen kein täglicher Besuch eines Badegewässers erfolgt, verschafft laut UBA eine zusätzliche rechnerische Sicherheit.
Vorkommen im Trinkwasser
Grenzwerte
Zur Gewährleistung einer hohen Trinkwasserqualität gelten bundesweit einheitliche Vorgaben. Diese bestimmen auch die höchstmögliche Konzentration von PFAS im Trinkwasser.
Seit dem 12. Januar 2026 gilt deutschlandweit für die Summe aus 20 PFAS-Substanzen eine Obergrenze von 100 ng/l (0,00010 mg/l) Trinkwasser. Dieser sogenannte „PFAS-20“-Grenzwert ist in der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) vom 20. Juni 2023 geregelt.
Darüber hinaus tritt am 12. Januar 2028 der Summengrenzwert „PFAS-4“ in Kraft; demnach darf die Summe aus den Gehalten von PFOS, PFOA, PFNA und PFHxS den Wert von 20 ng/l (0,000020 mg/l) nicht überschreiten. Der zusätzliche Grenzwert trägt den toxikologischen Erkenntnissen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Rechnung, die 2020 eine tolerierbare wöchentliche Aufnahmemengen (TWI) für die Summe der genannten PFAS in Höhe von 4,4 ng/kg Körpergewicht abgeleitet hatte.
Trinkwasserbrunnen
Diese Grenzwerte sind wichtig für Nutzerinnen und Nutzer von Trinkwasserbrunnen, die sich in der Nähe zu den belasteten Gewässern befinden. Das Amt für Gesundheit und Prävention ließ bereits Brunnenwasser untersuchen und steht in Kontakt mit den Nutzerinnen und Nutzern.
Öffentliches Trinkwassernetz
Haushalte, die ans öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen sind, sind von dem lokalen PFAS-Vorkommen nicht betroffen. Sie können sich auf die Qualität ihres Wassers verlassen. Die Versorgung der Stadt Dresden erfolgt mit Trinkwasser aus den Wasserwerken Coschütz – bei diesem Trinkwasser handelt es sich um aufbereitetes Oberflächenwasser aus dem Talsperrensystem Klingenberg/Lehnmühle im Osterzgebirge -, Hosterwitz und Tolkewitz (in letztgenannten Wasserwerken wird ein Gemisch aus der Elbe landseitig zufließendem Grundwasser und Uferfiltrat der Elbe aufbereitet). Im Dresdner Norden werden die Ortsteile Marsdorf, Schönborn sowie der Bereich "Zur alten Ziegelei" in Weixdorf mit Trinkwasser aus dem Trinkwasserzweckverband Röderaue versorgt.
Gesundheitsschutz und Risikomanagement
Eine unmittelbare gesundheitliche Gefährdungslage für die Bevölkerung im Dresdner Norden ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gegeben. Bei anhaltendem und ausgeprägtem Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln können gesundheitliche Risiken jedoch nicht ausgeschlossen werden.
Denn: Menschen nehmen PFAS hauptsächlich über Lebensmittel wie Fisch, Obst oder kontaminiertes Trinkwasser auf. Im Körper reichern sich die PFAS im Blut, im Fettgewebe und in Organen (etwa der Leber) an. Laut Umweltbundesamt haben fast alle Menschen in Deutschland PFAS im Blut.
Erhöhte PFAS-Konzentrationen können langfristig gesundheitliche Beeinträchtigungen verursachen. Dazu zählen unter anderem erhöhte Cholesterinwerte, beeinträchtigte Nierenfunktion, Veränderungen der Schilddrüsenhormonspiegel und ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen. Die EU diskutiert daher ein weitreichendes Verbot, einige Einzelsubstanzen wurden bereits verboten.
Um ein Höchstmaß an Klarheit und Sicherheit zu erreichen, wurden Proben in dem lokalen Gewässersystem genommen. Anhand der voraussichtlich Anfang Januar 2026 vorliegenden Befunde wird die Stadtverwaltung die Lage und den etwaigen Handlungsbedarf erneut prüfen.
Die Stadtverwaltung steht in engem Kontakt mit den staatlichen Fachbehörden – insbesondere der Landesdirektion Sachsen und dem LfULG – sowie mit Grundstückseigentümern, um eine Verschleppung bzw. Ausbreitung von Schadstoffen nachhaltig zu minimieren.
Private Brunnenbesitzer in den PFAS-belasteten Orten sollten kein Grundwasser verwenden. Auch nicht zum Gießen von Pflanzen.
Verbraucherinnen und Verbraucher, die bewusst auf PFAS verzichten wollen, sollten auf die Kennzeichnung „Frei von PFAS“ oder „fluorfrei“ achten. Dann können sie sicher sein: Das Produkt ist tatsächlich PFAS-frei. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, ob ein bestimmtes Produkt PFAS enthält, wendet sich am besten direkt an die Hersteller.
Weitere Informationen
Links
- FAQ zu PFAS (Bundesumweltministerium)
- PFAS-Portal (Bundesumweltamt)
- PFAS – Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
- Veröffentlichung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (PDF-Dokument)
- Jahrhundertgift PFAS: Wie verseucht ist Deutschland? - Recherche von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung im Jahr 2023
Kontakt
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