|
Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de https://www.dresden.de/de/kultur/kulturfoerderung/kulturpreise/stadtschreiber.php 26.06.2026 14:11:12 Uhr 16.07.2026 19:05:19 Uhr |
|
Dresdner Stadtschreiber/in
In Kooperation mit der Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden schreibt die Landeshauptstadt jährlich das Dresdner Stadtschreiber/in-Stipendium aus. Es soll Freiraum bieten, künstlerische Ideen umzusetzen und die Begegnung mit der Dresdner Öffentlichkeit ermöglichen.
Die russisch-deutsche Autorin Olga Martynova ist Dresdner Stadtschreiberin im Jahr 2026.
Zur Person
Olga Martynova wurde 1962 in Dudinka (Sibirien) geboren und wuchs in Leningrad (heute St. Petersburg) auf, wo sie in den 1980er-Jahren die Dichtergruppe Kamera Chranenia mitbegründete. Seit 1991 lebt sie in Frankfurt am Main. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Oleg Jurjew (1959–2018), prägte sie den literarischen Dialog zwischen russischer und deutscher Gegenwartsliteratur maßgeblich. Nach Angaben ihres Verlages schreibt sie seit 2018 ausschließlich in Deutsch.
Martynova verfasst Gedichte, Essays und Romane, die sich durch feine Ironie, essayistische Reflexion und poetische Präzision auszeichnen. Ihre Themen kreisen um Erinnerung, Sprache, Migration und das Verhältnis von Kunst und Geschichte. Sie gehört zu den wenigen Autorinnen, die sowohl in der russischen als auch in der deutschen Literatur gleichermaßen Anerkennung genießen
Olga Martynova ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland, Vizepräsidentin der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz). Zu ihren wichtigsten Auszeichnungen zählen der Ingeborg-Bachmann-Preis (2012), der Berliner Literaturpreis (2015) und der Peter-Huchel-Preis (2025).
Olga Martynova überzeugte die Jury, der in diesem Jahr Annett Groh (Vorsitz), Volker Sielaff, Katrin Schumacher, Axel Helbig, Sylvia Kindelberger und Juliane Moschell angehörten, durch ihre Bewerbung ebenso wie durch die eingereichten Gedichte, die während eines Aufenthaltes in Istanbul entstanden.
JurybegründungOlga Martynova steigt mit Dante und Vergil in die Unterwelt hinab, spürt dem Mythos von Orpheus und Eurydike nach und führt in ihren Gedichten Zwiesprache mit Friedrich Hölderlin, Paul Celan oder Jelena Schwarz. In ihren Texten begegnen sich Mythos, Philosophie und Alltag. Zugleich ist sie eine Meisterin der leisen Zwischentöne. In ihrem profunden und hochreflektierten Werk geht es häufig um Identität und Erinnerung, um Verlust und Neuanfang. Zugleich entzieht es sich jeglicher vorschnellen Interpretation. Martynova vertraut auf die Kraft der Imagination. Ihre Essays, ebenso wie ihre Gedichte, öffnen Räume für das Nachsinnen, sprechen zu den Lesenden und sind zugleich auch Echo. Die Mehrsprachigkeit schwingt in ihren Texten, die sie seit dem Tode ihres Mannes Oleg Jurjew ausschließlich auf Deutsch verfasst, beständig nach. Für ihr Werk wurde Olga Martynova vielfach ausgezeichnet, zuletzt 2025 mit dem Peter-Huchel-Preis für ihren Lyrikband Such nach dem Namen des Windes.
Ausschreibung des Dresdner Stadtschreiber-Stipendiums 2027
Bis 15. August 2026 sind deutschsprachige Autorinnen und Autoren eingeladen, sich um das Amt der Dresdner Stadtschreiberin oder des Dresdner Stadtschreibers 2027 zu bewerben. Für das halbjährige Stipendium werden Bewerberinnen und Bewerber gesucht, die ihren Lebensmittelpunkt nicht in Dresden haben.
Ausgeschrieben wird das Stipendium vom Amt für Kultur und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden in Kooperation mit der Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden.
Das monatliche Stipendium in Höhe von 1.500 Euro wird für einen Arbeitsaufenthalt in der Landeshauptstadt Dresden von Juni bis November 2027 vergeben. Die Stiftung Kunst & Kultur stellt für diesen Zeitraum ein Appartement in der Stadt zur Verfügung. Bei Bedarf kann das Amt für Kultur und Denkmalschutz Autorinnen und Autoren mit betreuungsbedürftigen Kindern Unterstützung bei der Kinderbetreuung in städtischen Kindertageseinrichtungen und Schulen geben.
Das Stipendium soll der Stadtschreiberin bzw. dem Stadtschreiber Freiraum bieten, künstlerische Ideen umzusetzen und die Begegnung mit der Dresdner Öffentlichkeit ermöglichen. Sparkassenstiftung und Landeshauptstadt setzen voraus, dass die Stadtschreiberin oder der Stadtschreiber die Zeit überwiegend in Dresden verbringt, das Literaturgeschehen der Kulturstadt bereichert und durch eigene Veranstaltungen der Bedeutung von Sprachkultur und Literatur Impulse verleiht.
Eine öffentliche Antrittslesung im Dresdner Kulturpalast in Kooperation mit der Zentralbibliothek ist für den Beginn des Stipendiums im Juni 2027 vorgesehen.
Zudem wird gewünscht, dass die Stipendiatin oder der Stipendiat nach Absprache ein bis zwei zusätzliche Veranstaltungen wie ein Literaturgespräch, eine Lesung o. ä. anbietet. Angestrebt ist eine Vernetzung und Wirkung in die Dresdner Literaturszene z.B. über das Literaturnetz Dresden oder auch Kooperationen mit weiteren Kultureinrichtungen in der Landeshauptstadt Dresden während des Aufenthaltes.
Bewerberinnen und Bewerber sollten auf mindestens eine selbstständige Publikation verweisen können, die nicht im Eigenverlag erschienen ist. Gebeten wird um Einsendung einer Textprobe (mind. acht bis max. zwölf A4-Seiten), einer gesonderten Biobibliographie sowie eines Motivationsschreibens bis zum 15. August 2026 an das Amt für Kultur und Denkmalschutz, Frau Juliane Moschell, zusammengefasst in einer PDF-Datei, an kultur-denkmalschutz@dresden.de.