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https://www.dresden.de/de/rathaus/politik/demokratie-respekt/marwa-el-sherbini.php 30.06.2022 15:10:02 Uhr 28.09.2022 07:54:57 Uhr
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© Ronny Geißler, Ausländerrat Dresden e. V. Gedenken an Marwa El-Sherbini

Marwa El-Sherbini

Warum ein Gedenktag für Marwa El-Sherbini?

Marwa El-Sherbini wurde in der Landeshauptstadt Dresden aus rassistischem und islamfeindlichem Hass ermordet.

Marwa El-Sherbini wurde 1977 in der ägyptischen Stadt Alexandria geboren. Sie war Schulsprecherin am English Girls College und war von 1992 bis 1999 Mitglied der Handballnationalmannschaft. In ihrer Heimat studierte sie Pharmazie und kam 2005 gemeinsam mit ihrem Mann, dem Biologen Elwy Ali Okaz, nach Deutschland. Seit 2008 lebte die Familie in Dresden, wo Marwa El Sherbini in einer Apotheke arbeitete.

Im August 2008 wurde Marwa El-Sherbini von ihrem späteren Mörder auf einem Dresdner Spielplatz als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft. Nach einer Anzeige bei der Polizei kam es am 1. Juli 2009 zur Gerichtsverhandlung im Dresdner Landgericht, bei der El-Sherbini als Zeugin aussagen sollte. Als sie den Gerichtssaal verlassen wollte, tötete sie der Angeklagte, der Russlanddeutsche Alex Wiens, mit zahlreichen Messerstichen und verletzte auch ihren Mann schwer. Der dreijährige Sohn wurde Zeuge, wie seine Mutter verblutete. Der Täter wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt; die besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt.

Marwa El-Sherbini ist nicht das einzige Opfer fremdenfeindlicher Gewalt in Dresden: Bereits im April 1991 kam der mosambikanische Vertragsarbeiter Jorge Gomondai in Folge eines fremdenfeindlichen Übergriffs zu Tode.

Dem rassistisch motivierten Mord an Marwa El-Sherbini wird am 1. Juli eines jeden Jahres mit dem Ziel gedacht, ein Zeichen für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft zu setzen, in der niemand aufgrund von Herkunft, Religion und Aussehen diskriminiert oder angegriffen wird.

Weitere Informationen finden Sie hier: www.gegenuns.de/marwa-el-sherbini

Die Stadtverwaltung Dresden beteiligt sich seit 2009 am Vorbereitungskreis des Marwa El-Sherbini Gedenkens, jetzt Initiative "Gedenken.Erinnern.Mahnen". Diesem gehören verschiedene Einrichtungen und Vereine wie der Ausländerrat Dresden e. V., die Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie e.V. (RAA - Sachsen e.V.)Dresden Postkolonial, AFROPA e. V., Netzwerk Demokratie Courage, der Johannstädter Kulturtreff und der Integrations- und Ausländerbeirat an.

Gedenken am 1. Juli 2022

Gemeinsam mit der Landeshauptstadt Dresden und dem Ausländerrat Dresden e.V., erinnert das Sächsische Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung (SMJusDEG) mit einer öffentlichen Gedenkveranstaltung um 14 Uhr an die Tat und ihre Opfer.

Die Gedenkfeier findet vor dem Landgericht Dresden, Lothringer Straße 1, 01069 Dresden statt. Dort wird es die Möglichkeit geben, Blumen und Trauerkränze niederzulegen.

An der Gedenkveranstaltung nehmen Staatssekretär und Amtschef im Sächsischen Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung, Mathias Weilandt, teil, die Zweite Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur und Tourismus der Landeshauptstadt Dresden, Annekatrin Klepsch, die Vorsitzende des Ausländerrates Dresden e. V., Eter Hachmann, Herr Rechtsanwalt Eberhard Schultz und Herr Rechtsanwalt Khaled Abou Bakr Othmann als Vertreter der Familie El-Sherbini und Frau Youmna Fouad, stellvertretende Vorsitzende des Ausländer- und Integrationsbeirat in Dresden.

Das Gedenken soll ein Zeichen setzen für ein tolerantes, respektvolles und friedliches Miteinander ohne jegliche Form von Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung.

Veranstaltungen des Ausländerrat e.V.

Ab ca. 14.30 – 15.30 Uhr: Interaktiver „Wunschbaum für ein Dresden, wie ich es mir wünsche“ im Marwa-El-Sherbini-Park

Öffentliche Mitmach-Aktion: Schreiben Sie auf, was Sie sich für ein friedliches Miteinander in der Stadt wünschen! Schreibutensilien haben wir vor Ort. Unsere gemeinsamen Wünsche werden für eine Woche als papierne Botschaften einen Baum im Marwa-El-Sherbini-Park schmücken.
Veranstaltet vom Frauentreff des Ausländerrats Dresden e. V.

15:30 – 17:30 Uhr: Dresdner Migrationsgeschichten: Stadtführung durch die Johannstadt

Drei Dresdnerinnen erzählen von ihrem Leben in Dresden, dem Glauben sowie von Leben und Tod von Marwa El-Sherbini. Teilnehmende sind eingeladen, unterwegs ihre Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Personenanzahl ist begrenzt. Wir bitten um Anmeldung per E-Mail an pezlarova@auslaenderrat.de. Der Treffpunkt wird nach der Anmeldung bekannt gegeben. Die Tour wird fotografisch begleitet. 

Marwa El-Sherbini Stipendium

Zum Gedenken an Marwa El-Sherbini loben der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden seit 2011 gemeinsam das „Marwa El-Sherbini Stipendium für Weltoffenheit und Toleranz“ aus. Ziel dieses Förderprogramms ist die Unterstützung zukünftiger Führungs- und Fachkräfte, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und sich aktiv für Freiheit, Demokratie sowie die Grund- und Menschenrechte einsetzen.

Dazu Oberbürgermeister Dirk Hilbert: „Jeden Tag werden wir durch den Tod dieser beiden Menschen schmerzlich daran erinnert, wie wichtig die Auseinandersetzung mit Rassismus und die gemeinsame Suche nach Wegen des partnerschaftlichen, respektvollen Miteinanders für eine friedliche und offene Stadtgesellschaft sind“.

Neue Stipendiatin bis 2023 ausgewählt

Aus rund 30 Bewerbungen wurde vom Kuratorium des Marwa El-Sherbini-Stipendiums unter Leitung von Staatsministerin Petra Köpping und Oberbürgermeister Dirk Hilbert, Frau Tabea-Kejal Jamshididana aus dem brandenburgischen Liebenwalde ausgewählt. Das Stipendium läuft vom 1. Oktober 2021 bis zum 30. September 2023.

Auswahlkriterien für das Kuratorium waren die vielfaltigen Formen des gesellschaftlichen Engagements der Studentin, z. B. im Rahmen eines Europäischen Freiwilligendienstes in Ungarn und in verschiedenen Projekten. Sie wirkte in einem Projekt der politischen Bildung und Demokratievermittlung an einer Universität in Belarus und beim AEGEE Buddyprogramm mit, das ausländische Studierende beim Start in Deutschland unterstützt. Außerdem engagierte sie sich ehrenamtlich im Rahmen eines Jugendgemeinschaftsdienstes auf einem Kurzfilmfestival.

Tabea-Kejal Jamshididana, geboren 1998 wird im Wintersemester ein Masterstudium der Psychologie mit dem Schwerpunkt klinische Psychologie und Psychotherapie an der TU Dresden beginnen. Sie hat bereits einen Bachelor in Psychologie.

Frau Jamshididiana dazu: „Als Halb-Iranerin sind mir das aktive Leben und die Weitergabe von freiheitlich-demokratischen Werten sowie den Grund- und Menschenrechten ebenso wichtig, wie die Werbung für Vielfalt und Toleranz. Mir ist es als angehende Psychotherapeutin insbesondere ein Anliegen, die Akzeptanz und Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen und psychisch Erkrankten zu fördern."

Portraits bisheriger Stipendiatinnen

Anlässlich des zehnten Todestages von Marwa El-Sherbini fand eine Gedenkwoche statt.

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