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18.05.2015

Dresden.? – Arbeiten mit der Stadt

Drei Kunstprojekte im öffentlichen Raum von Dresden

 

Am Sonnabend, 23. Mai 2015, 15 Uhr eröffnet Kulturbürgermeister Dr. Ralf Lunau vor dem Hochhaus am Pirnaischen Platz das Projekt „Dresden.? - Arbeiten mit der Stadt“. Das dreiteilige Kunstprojekt im öffentlichen Raum wurde von der Kunstkommission der Landeshauptstadt Dresden initiiert und über ein Ausschreibungsverfahren an den Kurator Thomas Eller übergeben. Die Künstler Florian Dombois, Via Lewandowsky und Nezaket Ekici setzen sich in ihren Arbeiten mit Dresden auseinander. Zur Eröffnung gibt er eine Einführung in die künstlerischen Arbeiten. Bis 5. Juli 2015 ist je ein Projekt am Hochhaus Pirnaischer Platz, am Landgericht und auf dem Postplatz zu sehen und zu erleben.

Ausgangspunkt der drei Kunstprojekte war die Frage nach den Kraftquellen Dresdens und wie diese sichtbar gemacht werden können. In mehreren Monaten haben sich die Künstler mit der Stadt und drei Themen, die für die Identität Dresdens wichtig sind, auseinandergesetzt: die „Geschichte Sachsens“, „Dresden Stadt der Wissenschaften“ und der „Umgang mit den Anderen“.

 

Via Lewandowsky: Installation vor dem Hochhaus Pirnaischen Platz, Grunaer Straße 5

„Ganz offensichtlich bezieht die Stadt einen Großteil ihres Selbstverständnisses aus Sachsens Geschichte. Die kunstgeschichtlichen und kulturhistorischen Sammlungen sind weltweit erstklassig. Die Wunden aber, die der 2. Weltkrieg und die deutsche Teilung gerissen haben, sind immer noch schmerzhaft spürbar. Der Umgang mit Kunstwerken und Architektur aus der DDR-Zeit erscheint nach wie vor problematisch. Was ja nur bedeutet, dass man mit diesem Thema noch lange nicht fertig ist“, so der Beitrag des gebürtigen Dresdners und in Berlin lebenden Künstlers, Via Lewandowsky. Er legt den Finger in genau diese Wunde. Seine Installation „Vergangenheit der Zukunft“ rekonstruiert vier Buchstaben eines ursprünglich am Hochhaus am Pirnaischen Platz angebrachten Schriftzugs. Anstatt „DER SOZIALISMUS SIEGT“ steht nunmehr nur noch „SIEG“ auf einem Gerüst vor der Fassade.

 

Florian Dombois: Happening mit Wissenschaftlern Postplatz am 30. Mai, 12 bis 14 Uhr

Der in der Schweiz lebende Künstler Florian Dombois hat sich intensiv mit Wissenschaftlern auseinandergesetzt, die sich mit Prozessen rückwärts laufender Zeit beschäftigen. Sein Projekt „Inverse“ stellt gesellschaftliche Entwicklung, technologischen Fortschritt sowie Avantgardeideen infrage. War früher immer alles besser?! – Oder: Ist gesellschaftlicher Fortschritt immer eine Sache der intellektuellen Linken? Für das bewusst ephemere* Projekt "Inverse" hat der Künstler ein „Flock of Happenings“ am Sonnabend, 30. Mai auf dem Postplatz initiiert, an dem Dresdner Wissenschaftler konkrete Beispiele aus ihrer Forschung zum Thema Zeit und ihrer Richtung zur Diskussion stellen. Gleichzeitig finden drei Abendveranstaltungen statt, in denen die Konsequenzen dieser Forschungsinhalte diskutiert werden. „Vielleicht ist unser lineares Zeitmodell, das nur zwischen progressiv und konservativ glaubt zu unterscheiden, zu simpel? – Was wäre, wenn die Zeit rückwärts liefe?“, so Florian Dombois Ansatz.

 

Nezaket Ekici: Installation in der Parkanlage vor dem Landgericht, Lothringer Straße 1

Die Berliner Künstlerin Nezaket Ekici hat sich dem Thema Umgang mit den „Anderen“ mit Ihrer Installation „PostIt“ vor dem Gerichtsgebäude genähert. „Teppiche sind Orte der Kommunikation und der Gemeinsamkeit – auf ihnen isst man und bespricht man sich. Auf ihnen werden Verhandlungen geführt, Differenzen diskutiert und Frieden hergestellt“, so Ekici. Die Nähe zum Landgericht soll auf eine Parallele von verschiedenen Rechtsverständnissen und Verhandlungspraktiken hinweisen. Ihr Portal aus Teppichen verweist aber auch in vielfacher Hinsicht auf die Rezeption und Integration orientalischer kultureller Gehalte und Objekte, bis hin zu Gottfried Semper, der schon 1860 sein Architekturkonzept in einer Art „Bekleidungstheorie“ formulierte und auf die reich verzierte Zeltarchitektur von Nomaden bezog. Gewollt ist auch ein Zusammenhang zu den üblicherweise verwendeten gelben Zetteln, wenn man etwas auf keinen Fall vergessen will. Das Oberlandesgericht ist der Ort, in dem am 1. Juli 2009 die ägyptische Pharmazeutin Marwa el Sherbini mit 18 Messerstichen aus ausländerfeindlichen Gründen erstochen wurde.

 

Ziel der Kunstkommission für Kunst im öffentlichen Raum war es, Künstlern und ihren Projekten im öffentlichen Raum durch eine Bündelung und kuratorische Begleitung zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Diskussionen sind erwünscht. Die Landeshauptstadt Dresden hat jedes der künstlerischen Projekte mit 25 000 Euro gefördert. Partner des Projektes ist auch die Stiftung Kunst und Musik für Dresden.

 

Dresden.? – Arbeiten mit der Stadt- Drei Kunstprojekte im öffentlichen Raum

Künstler:         Florian Dombois, Nezaket Ekici, Via Lewandowsky,

Kurator:           Thomas Eller

Eröffnung:      23. Mai 2015, um 15 Uhr

Ort:                 vor dem Hochhaus am Pirnaischen Platz, Grunaer Str.

Begrüßung:     Dr. Ralf Lunau, Kulturbürgermeister der Stadt Dresden

Förderer:         Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz

Partner:           Stiftung Kunst und Musik für Dresden

Projektdauer: 23. Mai bis 5. Juli 2015

 

*flüchtig, momentan, temporär, vergänglich, zeitlich

 

Bilder und weitere Informationen unter Bilder und weitere Informationen unter https://www.dropbox.com/s/ljsmcw4cf037wv5/Dresden.%3F_Presseunterlagen.zip?dl=0

 

Hinweis: Die Künstlerin Nezaket Ekici wird mit dem Aufbau ihrer Installation vor dem Gebäude des Landgerichtes, Lothringer Straße 1 am Mittwoch, 20. Mai 2015 beginnen. Sie ist vor Ort zu erreichen unter Telefon (01 73) 3 67 82 72.

Am Dienstag, 19. Mai 2015 wird ein Gerüst, 14 Meter lang und sieben Meter hoch installiert. Am Mittwoch, 20. Mai 2015 bringt die Künstlerin daran 34 Orientteppiche an.

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