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15.09.2014

Grabstein von Dr. Rudolf Friedrichs auf dem Weißen Hirsch wieder hergestellt

Friedrich ist Ehrenbürger und war erster Oberbürgermeister Dresdens nach 1945

 

Dr. Rudolf Friedrichs war Dresdens erster Oberbürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Sozialdemokrat hatte das Amt von Mai bis Juni 1945 inne. Dr. Rudolf Friedrichs ist Ehrenbürger der Stadt Dresden. Im September 2012 beschloss der Stadtrat auf Antrag der SPD, das Andenken an Friedrichs im öffentlichen Raum wieder zu verbessern. Ein Ziel war, seinen Grabstein wieder herzurichten. Auf dem Friedhof der Ev.-Lutherischen Kirchemeinde Dresden Bad Weißer Hirsch Am Heidetrand 8, steht er nun auf einer kleinen Anhöhe seit Juni 2014 mit dem Relief eines Männerprofils und dem Text "Ministerpräsident Dr. Rudolf Friedrichs, 9.3.1892 -17.6.1947". Den Grabstein schuf Steinmetz Hansbernhard Häsler aus Bühlau. Dr. Rudolf Friedrichs fand auf Beschluss der SED-Regierung 1980 seine letzte Ruhe im Ehrenhain auf dem Dresdner Heidefriedhof. Er erhielt dort einen neuen Grabstein. Steinmetz Günther Häsler, Sohn des Schöpfers des Steines, der mit der Entsorgung des alten Steines beauftragt war, fand das pietätlos und stellte den Stein auf sein Betriebsgrundstück. 2012 beschloss der Dresdner Stadtrat, das Gedenken des ehemaligen Oberbürgermeisters auch auf dem Weißen Hirsch wach zu halten. Gefördert vom Amt für Kultur und Denkmalschutz wurde der alte Stein restauriert und wieder an seiner ursprüglichen Stelle aufgestellt. Die Stadt Dresden finanzieret das Projekt rund 4 600 Euro.

Rudolf Friedrichs wurde 1892 in Plauen geboren. Als er sieben Jahre alt war, zog die Familie nach Dresden.  Friedrichs besuchte als Oberschüler die Kreuzschule, wo er 1913 sein Abitur ablegte. Im April 1913 begann er ein Studium der Rechst- und Staatswissenschaften an der Universität Leipzig.  Als Ende Juli 1914 der Erste Weltkrieg begann, meldete er sich als Kriegsfreiwilliger. Im Herst 1918 setzte er sein Studium fort uns beendete es erfolgreich 1920 mit dem juristzischen Staatsexamen und der Doktorprüfung. Er war dann zunächst im Amtsgereicht Freital und im Landgericht Dresden eingesetzt. 1922 wird er Mitglied der SPD. 1923 legte Friedrichs ein weiteres Staatsexamen ab und wurde in die innere Verwaltung Sachsens nach Dresden versetzt. Ab 1927 bis 1933 war Friedrichs  Abgeordneter im Stadtrat. 1933 verlor der Sozialdemokrat seine Ämter als Regierungsrat und Stadtrat. Er zog sich ins Privatleben zurück und arbeitete als juristischer Berater.

1945 machte ihn der sowjetische Stadtkommandant von Dresden zum Oberbürgermeister Dresdens, um das Weiterleben der zerstörten Stadt zu organisieren. Wenig später, im Juli 1945 ernannte ihn die Besatzungsmacht zum Ministerpräsidenten von Sachsen. Am 11. Mai 1945 verlieh die Stadt Dresden ihm die Ehrenbürgerwürde. Er bildete im Oktober 1946 ein Kabinett mit allen demokratischen Parteien. Noch im gleichen Jahr wurde die sächsische Verfassung verabschiedet. Im Altern von nur 55 Jahren starb Dr. Rudolf Friedrichs am 13. Juni 1947 in Dresden.

Seit 1947 trug das ehemalige Königsufer und seit 1971 die 1945 zerstörte und neu erbaute Carolabrücke den namen Dr. Rudolf Friedrichs. Die Rückbenennung sowohl des Ufers als auch der Brücke beschloss die Stadtverwaltung Dresden nach der politischen Wende am 17. Oktober 1991.

Dr. Peter Lames, Vorsitzender der SPD-Fraktion: „Der Sozialdemokrat Rudolf Friedrichs hat sich nicht nur als Dresdner Stadtrat und entschiedener Nazi-Gegner während der Zeit der Weimarer Republik um die Landhauptstadt verdient gemacht. Er leitete in seiner kurzen Amtszeit als Oberbürgermeister insbesondere auch den Wiederaufbau der Stadt ein, dem er auch als Ministerpräsident ab Juli 1945 seine ganze Kraft widmete. Leider erinnern in Dresden keine Straße, kein Platz und auch keine öffentliche Institution mehr an diesen Ehrenbürger unserer Stadt, sieht man einmal von einer versteckten Plakette unterhalb der Carolabrücke ab. Sicher, die Vereinnahmung seines Namens durch die SED mögen die Umbenennung aus der Zeit erklärbar machen. Doch mit Blick auf neue Forschungsergebnisse wird deutlich, dass die vollkommene Streichung des Namens aus dem Dresdner Stadtbild dem Leben und Wirken Dr. Rudolf Friedrichs einfach nicht gerecht wird. Seine Rolle bei der Gründung der Einheitspartei SED, die geprägt war von seinen Erfahrung aus der Zeit vor 1933, bleibt kritisch, doch emanzipierte er sich rasch. Insbesondere sein Einsatz für die Deutsche Einheit gegen den Willen der Besatzungsmacht verdient Respekt. Zu Recht steht sein Name deshalb schon seit Jahren auf der durch die AG Straßennamen erstellten Liste der zu würdigenden Personen."

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