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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/archiv/2005/03/c_100.php 29.05.2015 00:41:25 Uhr 13.11.2019 04:06:05 Uhr
Meldung vom 24.03.2005

Zwischenergebnis zu den Angriffen auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945

Die von Oberbürgermeister Ingolf Roßberg geleitete Historikerkommission zur Ermittlung der Anzahl der bei den Luftangriffen vom 13. bis 15. Februar 1945 auf Dresden umgekommenen Personen traf sich erneut zu einer Arbeitsberatung. Es wurde der weitere Arbeitsplan besprochen, vorhandene Unterlagen gesichtet und bisher nicht analysierte Archivdokumente ausgewertet.
Die Historikerkommission kommt zu dem Zwischenergebnis, dass alle diese Quellen in der Größenordnung die bisher angegebenen Zahlen von mindestens 25.000 Toten der Luftangriffe auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945 belegen. Dokumentarische Belege und schlüssige Argumentationen, die darauf hindeuten, dass diese Zahl um ein Vielfaches überschritten wird, sind bisher nicht bekannt.
Die Historikerkommission wird in ihrer weiteren Arbeit dennoch allen Hinweisen nachgehen, sie sorgfältig analysieren und bewerten — vor allem auch solchen, die zu deutlich anderen Einschätzungen als bisher kommen. Die Stadt erreichten gerade in den letzten Wochen dazu zahlreiche Zuschriften, die alle ausgewertet werden. In die Arbeit der Kommission fließen weiter insbesondere bisherige Publikationen, die in den Archiven zugänglichen Unterlagen und die im Stadtarchiv, im Stadtmuseum, im Militärhistorischen Museum und bei der Interessengemeinschaft "13. Februar 1945 e.V." vorhandenen Zeitzeugenberichte ein. Außerdem wird die Kommission verschiedene Fachgutachten einholen und eigene Untersuchungen vornehmen.

Zusätzlich bittet die Historikerkommission die Öffentlichkeit um sachdienliche Hinweise:

  • Die Bitte richtet sich zunächst an die damaligen Dresdner Bürger, die als Zeitzeugen um u.a. folgende Angaben gebeten werden: Wo haben Sie damals gewohnt? Wie viele Mitbewohner hat es gegeben? Wie viele Tote bzw. Verletzte sind gesehen worden? Wie viele Überlebende hat es im Haus bzw. der Umgebung gegeben? Wer war später in die Stadt zurückgekehrt oder wird noch vermisst?
  • Darüber hinaus richtet sich die Bitte der Kommission an Zeitzeugen, die sich im Februar 1945 als Soldaten, Flüchtlinge, Luftkriegsevakuierte etc. vorübergehend in der Stadt aufgehalten haben. Hier werden ähnliche Angaben erbeten: Wann und wo sind Sie in Dresden untergebracht gewesen, welche Beobachtungen über Zahl und Schicksal anderer Menschen konnten Sie machen?
  • Weiterhin werden konkrete Angaben zur Anzahl der Flüchtlinge in Dresden und anderer zeitweilig in Dresden untergebrachter Personen im Februar 1945 (z.B. sogenannte "Fremdarbeiter", Kriegsgefangene) erbeten: Wo befanden sich Unterkünfte für diese Personengruppen? Wie waren diese belegt? Wie viele Personen waren wo in welchen Haushalten untergebracht?
  • Wer kann Angaben zur Evakuierung von Sammelunterkünften (Krankenhäuser, Lazarette, Heime etc.) und von Betroffenen der Luftangriffe (Verletzte, Obdachlose etc.) machen? Wo sind solche Einrichtungen bzw. Personen nach ihrer Evakuierung untergebracht worden?
  • Die Kommission bittet schließlich um Hinweise auf eventuell bislang nicht bekannte oder nicht berücksichtigte Originalquellen und -dokumente, aus denen Angaben über die Anzahl der Überlebenden, Vermissten und der Toten entnommen werden können.

Diese sachdienlichen Hinweise sollen bitte schriftlich oder per E-Mail eingereicht werden beim Stadtarchiv der Landeshauptstadt Dresden, Postfach 120 020, 01001 Dresden, Fax 0351 / 488 15 03 bzw. E-Mail: stadtarchiv@dresden.de

Die Historikerkommission wird voraussichtlich bis in das Jahr 2006 hinein mit der weiteren Analyse befasst sein. „Eine politische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Vergangenheit und Gegenwart, den Ursachen und Auswirkungen von Krieg, Rassismus und Gewalt ist dringend erforderlich. Die unabhängige Arbeit der Historikerkommission soll historische Klarheit schaffen und somit der Instrumentalisierung der Opferzahlen in dieser Diskussion entgegenwirken“, so Oberbürgermeister Roßberg zu seinen Erwartungen.

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