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07.07.2005

Dresden aus der Sicht der Kinder

Wie leben Kinder und Jugendliche in Dresden? Gibt es genügend Freizeitangebote? Wie ist es mit der Lebenszufriedenheit der Kinder in Dresden bestellt? Wie sieht der Schul- und Familienalltag der Dresdner Kinder aus? Welche Ängste und Sorgen haben sie? Die Forschungsgruppe Kinder und Jugend der Technischen Universität Dresden ließ sich auf diese und andere Fragen von Schülerinnen und Schülern der Landeshauptstadt antworten. Unter Leitung von Prof. Dr. Karl Lenz entstand in enger Kooperation mit dem Jugendamt der Landeshauptstadt Dresden die Zweite Dresdner Kinderstudie, finanziell gefördert von der Stiftung für Jugend & Sport der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Erste Ergebnisse stellte Prof. Lenz heute gemeinsam mit Oberbürgermeister Ingolf Roßberg in einer Pressekonferenz vor:

Kinder und Jugendliche wollen sich engagieren:
57 Prozent der Befragten möchte in sozialen Hilfsorganisationen mitarbeiten, über 40 Prozent Spielplätze mitplanen. Kommunale Kinder — und Jugendpolitik hat hier in den nächsten Jahren eine Herausforderung zu bewältigen. Den Kindern Räume für ihr Engagement zu schaffen, wird eine vorrangige Aufgabe des Kinderbeauftragten sein, den es in Dresden bald wieder geben soll.

Zufriedenheit mit Freizeitangeboten:
Knapp die Hälfte der Dresdner Kinder ist mit dem Angebot zufrieden, wobei die Jüngeren zufriedener als die Älteren sind. Unterschiede gibt es hier in den Stadtteilen. So ist wohl in der Neustadt für die Kinder deutlich mehr zu erleben als für die Kinder aus Leuben, Loschwitz und Prohlis.

Spielplätze und Einkaufspassagen sind Lieblingsplätze:
Über zwei Drittel der Dritt- bis Fünftklässler nutzen den Spielplatz in ihrer Freizeit am liebsten, das sind mehr als vor fünf Jahren. Tendenziell aber verlagern die Kinder und Jugendlichen ihre Freizeit in Bäder, auf Sportanlagen, Einkaufspassagen und die Skaterbahn.

Welche Freizeitangebote fehlen:
Vermisst werden vor allem Sportplätze und Sportanlagen für Fuß-, Basket- und Volleyball. Jugendtreffs und Schwimmbäder werden auch oft genannt. Wie bereits in der ersten Studie zeigt sich, das vorhandene Kinder- und Jugendeinrichtungen bislang stark von Jungen dominiert werden, bzw. zu wenig Angebote für Mädchen haben.

Mehr Kinder und Jugendliche von der Arbeitslosigkeit der Eltern betroffen:
Waren es 1999 noch zehn Prozent der Dresdner Kinder deren Eltern arbeitslos waren, ist dieser Anteil mittlerweile auf 14 Prozent angestiegen. Damit ist aktuell jedes siebte Kind von der Arbeitslosigkeit der Eltern betroffen.

Zu wenig Gleichaltrige und zu viel Verkehr:
Warum fühlen sich Kinder und Jugendliche ihrem Wohngebiet nicht wohl? Am häufigsten fehlen Gleichaltrige im Umfeld (41 Prozent). Jedes dritte Kind klagt über Abgase, weitere 25 Prozent über zu viel Verkehr und zu wenig Ampeln. 32 Prozent vermissen Bäume, Grünanlagen und Parks.

Schule als besonderer Stressfaktor:
92 Prozent der Kinder klagen über Erschöpfung, 32 Prozent davon sehr oft. 80 Prozent haben oft oder manchmal Kopfschmerzen, 75 Prozent leiden unter Nervosität und Unruhe. Waren es vor fünf Jahren noch ca. acht Prozent, die einen Hauptschulabschluss anstrebten, sind es heute noch vier Prozent. Fast alle Schüler auf dem Gymnasium wollen die Schule mit dem Abitur verlassen und auch jeder vierte Mittelschüler hat das Bildungsziel „Abitur“.

Umgang untereinander ist ruppiger geworden:
Ca. 55 Prozent der Kinder geben an, schon einmal Opfer physischer Gewalt gewesen zu sein. Im Vergleich zur Vorgängerstudie ist das eine Zunahme um ca. 20 Prozent. Dieser Anstieg kommt vor allem dadurch zustande, das bei dieser Frage deutlich mehr Kinder angaben: „kam schon vor“. Dies macht deutlich, dass Gewalt ganz überwiegend ein Einzelfall bleibt.

Mutter und Freunde sind sozialer Rückhalt:
Deutlich zugenommen hat der Anteil der Kinder, die nur bei einem Elternteil leben (1999: neun Prozent / 2004: 17 Prozent). Für mehr als vier Fünftel ist die Mutter die wichtigste Bezugsperson. Mädchen hingegen besprechen Probleme eher mit Freunden, Jungen eher mit der Mutter oder dem Vater.

Familienatmosphäre ist gut, gemeinsame Aktivitäten sind jedoch selten:
Deutlich zugenommen hat der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die mit dem Freiraum, den ihre Eltern ihnen geben sehr zufrieden sind. (1999 ca. jeder Dritte, 2004 fast jeder Zweite). Die Atmosphäre in Dresdner Familien ist kommunikativ, es wird miteinander geredet, weniger gestraft. Gemeinsame Familienaktivitäten sind aber seltener geworden. Über 60 Prozent der Kinder haben noch nie oder selten mit ihren Eltern gemeinsam Sport getrieben. 54 Prozent waren noch nie als Familie im Kino oder im Theater. (1999: 28 Prozent/ 2004: 54 Prozent)

Die Erste Dresdner Kinderstudie gab es 1999. 2004 - fünf Jahre später - wurde die repräsentativ angelegte Kinderstudie wiederholt. 1.800 Kinder und Jugendliche der dritten bis neunten Klassenstufe (acht bis 16 Jahre) wurden im November und Dezember 2004 befragt. Ausgewählt wurden sie per Zufall. Alle Schüler und Schülerinnen von 101 Klassen an verschiedenen Schulen erhielten Fragebögen. Die jüngeren Kinder einen mit neun Seiten, die Älteren einen mit 13 Seiten.
Die große Zahl der befragten Kinder bietet die Möglichkeit auch nach Stadtteilen auszuwerten. Differenzierte Unterschiede in den Lebenslagen der Kinder im Stadtgebiet können ermittelt werden. Mit dem Vergleich zu Ergebnissen der Ersten Kinderstudie lassen sich Entwicklungstrends erkennen und aufzeigen.
Kinderfreundlichkeit ist heute ein Standortfaktor, der angesichts der demografischen Entwicklung in der Zukunft immer wichtiger werden wird. Die Studie liefert wichtige Informationen für vielfältige Planungsprozesse im Kinder- und Jugendbereich der Stadt und soll einen Beitrag zu einem kinderfreundlichen Dresden leisten.

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