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03.06.2005

Dresdner Ehrenmedaille

Landeskonservator Glaser und Pfarrer Reimann erhalten die städtische Ehrung

Am 4. Juni 2005 werden zum zweiten Mal verdienstvolle Dresdner mit der Ehrenmedaille der Landeshauptstadt Dresden geehrt. Der Stadtrat entschied sich im April 2005 für den Sächsischen Landeskonservator i. R. Prof. Gerhard Glaser und den Pfarrer und ehemaligen Vorsitzenden des Fördervereins zum Synagogenbau Siegfried Reimann. Oberbürgermeister Ingolf Roßberg überreicht die Ehrenmedaillen am Sonnabend, 4. Juni 2005 im Dresdner Rathaus in feierlichem Rahmen. Die Geehrten tragen sich in das Goldene Buch der Landeshauptstadt ein.

Dresdner Ehrenmedaille für Prof. Gerhard Glaser „Seine fundierte Fachkenntnis und seine brillante Formulierung machte die herausragende Stellung der Dresdner Bewerbung bei der UNESCO-Welterbe-Kommission erst möglich und führte letztendlich zum großartigen Erfolg. „Die Landeshauptstadt Dresden ist dem selbstlosen, auf dem Berufsethos und der Heimatverbundenheit fußenden Einsatz Prof. Glasers sehr dankbar“, so der Erste Bürgermeister Dr. Vogel in seiner Begründung.

Prof. Glaser war der dritte sächsische Landeskonservator seit Gründung des Amtes 1919. 20 Jahre lang hat er in dieser Funktion die Denkmalpflege in Sachsen kontinuierlich geprägt. Im Mittelpunkt stand für ihn immer das Denkmal. Sein beharrliches Handeln war nicht nur auf das Bewahren von Substanz reduziert. Vielmehr war ihm die Botschaft wichtig, die das Denkmal aus seiner Entstehungszeit und durch seine Geschichte vermittelte. Dabei würdigte er neben dem großen Monument auch das kleine, unscheinbare Kulturdenkmal. Wie bereits sein Vorgänger Hans Nadler, hat auch Prof. Gerhard Glaser Denkmalpflege als „Kunst des Möglichen“ beschrieben. Als Hochschullehrer nahm er die Gelegenheit war, sein Wissen und Credo an die junge Generation weiterzugeben. So auch seine persönliche Erfahrung im Verteidigen von Kulturdenkmalen gegen bornierte Anfechtungen und kurzfristig angelegtem modernen Ökonomismus.

Prof. Gerhard Glaser wurde am 15. Februar 1937 in Halle geboren. Dem Abitur an den Frankeschen Stiftungen folgte 1955 ein Architekturstudium an der TH Dresden. Ab 1961 arbeitete er als Architekt und Bauleiter in der Zwingerbauhütte, dann bis 1976 in der Bauabteilung des Institutes für Denkmalpflege. 1975 promovierte er an der TU Dresden über das „Grüne Gewölbe“. Prof. Glaser war maßgeblich am Aufbau des Dresdner Denkmalpflegebetriebes beteiligt und leitete hier bis 1981 das Projektierungsbüro. Im Jahr darauf kam er zurück an das Institut für Denkmalpflege, wurde Chefkonservator und blieb es bis zu seiner Einführung 1994 als Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen. Als Sächsischer Landeskonservator arbeitete er genau 20 Jahre. 1995 wurde er Honorarprofessor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden. Prof. Glaser ist jetzt im Ruhestand. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Prof. Glaser ist Mitglied der Architektenkammer und der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung, Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Wiederaufbau Frauenkirche und des deutschen Nationalkomitees von ICOMOS (International Council on Monument and Sites). Er wurde 1998 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 2002 erhielt er den Arras-Preis für Kunst und Kultur.

Dresdner Ehrenmedaille für Siegfried Reimann
„Die Ehrenmedaille für Pfarrer Siegfried Reimann ist ein Dank der Stadt für seine Verdienste und sein Eintreten für ein hoch sensibles, immer aktuelles Thema und für ein friedliches und menschliches Zusammenleben in Dresden“, so Oberbürgermeister Ingolf Roßberg. Neben seiner Pfarrtätigkeit, die von den Gemeindemitgliedern noch heute geschätzt wird und in der Annenkirche mit dem Beginn der Sanierung des historischen Bauwerkes verknüpft war, hat sich Pfarrer Siegfried Reimann mit großem Einsatz wie er selbst sagt: „darum bemüht, unsere schuldbeladene Vergangenheit bewusst zu machen und friedvolles Miteinander zwischen Juden und Nichtjuden zu fördern.“ Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete er 1982 den Arbeitskreis „Begegnungen mit dem Judentum“. In Vorträgen und Diskussionen wurden die Beziehungen zwischen Christentum und Judentum, dem Staat Israel und den arabischen Staaten und jüdische Weltkultur thematisiert. In der Zeit der Indoktrination durch die SED wurde dieses nicht gleichgeschaltete Diskussionsforum besonders positiv aufgenommen. Auf die Initiative von Pfarrer Reimann konnte am 6. November 1988, zum 50. Jahrestag der nazistischen Synagogenverbrennung, eine Gedenktafel an den Holocaust an der Dresdner Kreuzkirche angebracht werden.Nach der Wiedervereinigung ging der Arbeitskreis in die erste Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in den neuen Bundesländern über. Pfarrer Reimann widmete sich nach seiner Emeritierung dem Neubau der jüdischen Synagoge in Dresden. „Die Dresdner Synagoge ist eher zerstört worden als die Frauenkirche, sie sollte auch eher wieder stehen“, so Reimann. Anfang März 1995 war seine Initiative von Erfolg gekrönt, die Vorarbeiten für den Bau der Synagoge begannen. Im Oktober 1996 wurde Pfarrer Reimann Vorsitzender des Förderkreises, später 1997 des Fördervereins. Höhepunkt dieser Tätigkeit war die Weihe der Synagoge am 9. November 2001.

Siegfried Reihmann, Pfarrer i. R. wurde am 21. Januar 1930 in Neugersdorf geboren. Von 1949 bis 1954 studierte er Theologie in Leipzig. Dem Studium schloss sich 1955/56 ein Vikariat im Landkreis Wurzen an. Von 1956 bis 1964 war Siegfried Reimann Pfarrer in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). Nach Dresden kam er 1964 als Gemeindepfarrer in die Versöhnungskirche. 1976 wechselte er in die Annenkirche und trat 1995 in den Ruhestand ein. Siegfried Reihmann ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Ehrenmedaille der Landeshauptstadt Dresden
Die Medaille besteht aus 500 Gramm massivem Silber und hat einen Durchmesser von sieben Zentimetern. Sie wird mit einer besonderen Urkunde ausgehändigt. Gestaltet wurde sie vom Architekten und Medailleur Peter-Götz Güttler aus Dresden. Auf den Rand der übergroßen Münze sind der Name des Geehrten und das Ehrungsjahr eingeprägt. Die Vorderseite zeigt neben dem Dresdner Wappen ein Relief mit dem Blick über die Augustusbrücke in die historische Altstadt. Die Rückseite besagt: „Für Verdienste um die Landeshauptstadt Dresden“. Die Ehrenmedaille wird verliehen an lebende Personen der Stadt Dresden, die sich „um das gesellschaftliche, politische, kulturelle, religiöse, soziale oder wirtschaftliche Leben in der Stadt in besonderer Weise verdient gemacht oder durch ihr Wirken das Ansehen der Stadt Dresden gemehrt haben“. Wer eine Ehrenmedaille verliehen bekommt, entscheidet der Stadtrat in nicht-öffentlicher Sitzung. Eine Zweidrittelmehrheit ist notwenig.Nicht mehr als 25 lebende Personen sollen Träger der Ehrenmedaille sein, die einmal jährlich verliehen werden kann. Die erste Ehrenmedaille erhielt 2004 „Mister Jazz“, Karlheinz Drechsel, der Mitbegründer des Dresdner Dixielandfestivals.

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