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13.04.2011

Vierter Band mittelalterlicher Dresdner Stadtbücher veröffentlicht

Der Bürgermeister für Kultur Dr. Ralf Lunau präsentiert am Montag, 18. April, 18 Uhr, im Stadtarchiv, Elisabeth-Boer-Straße 1, den letzten Band der Edition der spätmittelalterlichen Dresdner Stadtbücher (1404-1535). Er beinhaltet das sechste (1505-1520) und das siebente Stadtbuch Dresdens (1521-1535) und ist im Uni-Verlag Leipzig erschienen. Die Bürgerinnen und Bürger sind zur Präsentation herzlich eingeladen und können das Buch für 55 Euro vor Ort kaufen.
Das sechste und das siebente Stadtbuch erfassen insgesamt den Zeitraum von 1505 bis 1535 und sind mit über 1282 Einträgen die umfangreichsten der insgesamt neun Stadtbücher Dresdens und Altendresdens. Für die Dresdner Stadtgeschichte brachten die Jahre nach 1505 bis 1535 bedeutsame Ereignisse und Einschnitte mit sich, die sich in den Stadtbüchern widerspiegeln. Nach der Leipziger Teilung im Jahre 1485 stieg Dresden zur führenden Residenz der albertinischen Linie der Wettiner auf. Die Anwesenheit des Landesherrn und seines Hofes hinterließ in diesen Jahren im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gefüge der Stadt deutliche Spuren. Auch das Baugeschehen am Schloss und in der Stadt prägte nach dem Stadtbrand von 1491 die Jahre bis zur Reformation.
Seit dem Frühjahr 2005 arbeiten die Historiker Jens Klingner und Robert Mund unter der Leitung von Prof. Dr. Jörg Oberste von der Universität Regensburg und dem Leiter des Dresdner Stadtarchivs Thomas Kübler an der Edition der spätmittelalterlichen Dresdner Stadtbücher, die nun mit dem Abschluss des letzten von vier Bänden vollständig vorliegt: Bd. 1: Die drei ältesten Dresdner Stadtbücher (1404-1476), Bd. 2: Das vierte und fünfte Dresdner Stadtbuch (1477-1505), Bd. 3: Das sechste und siebente Dresdner Stadtbuch (1505-1535), Bd. 4: Die Stadtbücher Altendresdens (1412-1528). Ein zentraler Überlieferungsbestand für die Geschichte Dresdens im 15. und frühen 16. Jahrhundert ist somit erstmals für die historische Forschung vollständig verfügbar. Ein umfassender Registerband wird, ergänzt um ein Glossar juristischer Termini, das Gesamtprojekt im kommenden Jahr beschließen. Unterstützt wird dieses Projekt von der Ostsächsischen Sparkasse Dresden und dem Amt für Kultur und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden.
Die Stadtbücher sind die wichtigste Quelle zur spätmittelalterlichen Verfassungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Alltagsgeschichte Dresdens im 15. und frühen 16. Jahrhundert. Die Edition, die neben dem Text auch eine Einleitung, einen Kommentar zu jedem Eintrag und ein Register aller Orts- und Personennamen enthält, leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der frühen Dresdner Stadtgeschichte. Von der Edition ausgehend sind weitere Impulse für die Dresdner Geschichtsforschung der nächsten Jahre zu erwarten. Die wertvollen, schwer zu entziffernden Handschriften aus Pergament oder Papier befinden sich in der Obhut des Stadtarchivs Dresden.

Was sind die Dresdner Stadtbücher?


Eine der größten Leistungen des mittelalterlichen Bürgertums war die Durchsetzung seines Rechtes auf Freiheit und Selbstbestimmung. Stadträte und Bürgermeister standen an der Spitze der Bürgerschaft. In Dresden wird der erste Bürgermeister im Jahre 1292 erwähnt. Stadtschreiber, Kämmerer und Notare sorgten für die geordnete Stadtverwaltung. Das Stadtbuch, das im Jahre 1404 angelegt wurde, verzeichnete die vielfältigen Angelegenheiten des Stadtrates. Neben offiziellen Beschlüssen und Verträgen zogen auch Bürger vor den Rat, um ihre privaten Geschäfte, Familien- oder Rechtsangelegenheiten zu regeln: Eheverträge, Testamente, Erbteilungen, Quittungen, Stiftungen für die Dresdner Kirchen und Hospitäler, Kauf- und Kreditgeschäfte, Handwerksordnungen, Neubürgerlisten, Schiedssprüche und Ratsbeschlüsse - die Dresdner Stadtbücher gewähren einen Einblick in den Alltag des städtischen Gemeinwesens und seiner Bürgerinnen und Bürger. Mit ihrer Hilfe lässt sich die Geschichte Dresdens im Zeitalter des glanzvollen wettinischen Aufstiegs, der Hussitenkriege und der Reformation neu schreiben.

Die Überlieferung


Das Stadtarchiv Dresden bewahrt sechs der sieben Dresdner Stadtbücher aus den Jahren 1404 bis 1535 sowie die beiden Altendresdner Stadtbücher von 1412 bis 1549. Lediglich das zweite Dresdner Buch von 1437 bis 1453 ging während des Zweiten Weltkrieges verloren. Für das älteste Stadtbuch liegt eine Transkription von Elisabeth Boer aus dem Jahre 1963 vor. Ebenfalls überliefert sind ein Findregister für die Jahre 1454 bis 1519 sowie eine Reihe von Wachstafeln, ein seltener Fund aus den Jahren 1437 bis 1456. Jedes Buch umfasst zwischen 60 und 150 Pergamentblätter; im ärmeren Altendresden konnte man sich zumeist nur das weniger beständige Papier leisten. Mit wenigen lateinischen Ausnahmen sind die Einträge in frühneuhochdeutscher Sprache mit obersächsischer Einfärbung gehalten. Die spätmittelalterliche Kursivschrift variiert zwischen den verschiedenen Stadtschreibern, denen die Stadtbücher oblagen.
Schwer lesbar sind die erledigten Einträge, die die Schreiber in der Regel durchgestrichen haben. Insgesamt bedürfen mehr als 2000 eng beschriebene Pergament- oder Papierseiten sowie eine Reihe von Einzelblättern, Urkunden und Tafeln der wissenschaftlichen Edition und Kommentierung.

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