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https://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/migration/aktuelles/interkulturelle-tage/interviewserien/folge-2-2019.php 25.09.2019 14:38:41 Uhr 17.11.2019 03:04:31 Uhr

Interview-Serie 2019

„Zusammen leben. Zusammen wachsen.“ – Engagierte stellen sich vor

Folge 2 – Interkulturelle Tage in Dresden – Im Interview: Badr Ali, Imam des Islamischen Zentrum Dresden e. V.

Herr Badr Ali

Vom 22. September bis zum 13. Oktober finden unter dem Motto „Zusammen leben. Zusammen wachsen“ die 29. Interkulturellen Tage statt. Dazu stellen sich passend zu den diesjährigen Themenschwerpunkten Vereine und Initiativen vor.

Im zweiten Teil steht das Thema „Interreligiösen Austausch fördern.“ im Mittelpunkt. Gesprächspartner hierzu ist Badr Ali, Imam des Islamischen Zentrums. Er steht dort unter anderem für ein respektvolles Miteinander aller in Dresden lebenden Menschen ein.

Was ist das Islamische Zentrum Dresden e. V.?

Das Islamische Zentrum ist eine der Moscheen in Dresden und damit ein Ort, an dem Musliminnen und Muslime ihre Religion ausleben können. Es ist aber auch ein Kulturtreff, ein Ort des Zusammentreffens für Menschen islamischen Glaubens, die schon länger in Dresden wohnen oder neu zugezogen sind, für Geflüchtete und Menschen anderer Glaubensrichtungen.

Unser Anliegen ist es, Musliminnen und Muslime in ihrer Religiosität zu unterstützen, aber auch bei privaten oder familiären Problemen Hilfestellung zu leisten. Wir verrichten religiöse und kulturelle Feste und stärken somit unsere Gemeinschaft.

Darüber hinaus arbeiten wir mit der Landeshauptstadt Dresden und Vereinen zusammen, um über den Islam aufzuklären und die Integration voranzutreiben. Dabei ist uns natürlich auch die Arbeit mit Geflüchteten wichtig, so werden diese beispielsweise von Mitgliedern unserer Gemeinde bei offiziellen Behördengängen begleitet.

Was sind Ihre Aufgaben als Imam im Islamischen Zentrum?

Ich bin zunächst die spirituelle Führung der Gemeinde und helfe den Gläubigen, ihren Glauben hier in Deutschland zu leben. Ich leite die täglichen Gebete und halte Predigten, arbeite aber auch als Seelsorger und biete Arabisch- und Religionsunterricht für Kinder an.

Darüber hinaus repräsentiere ich die Gemeinde bei externen Veranstaltungen oder offiziellen Anlässen und bekomme dort die Möglichkeit, über den Islam zu sprechen. Ich halte auch den Kontakt zu Musliminnen und Muslimen, die aus verschiedenen Gründen nicht in unsere Moschee kommen können, weil sie beispielsweise krank sind, und unterstütze sie.

Warum ist Ihnen der interreligiöse Austausch wichtig?

Der Respekt vor anderen Religionen und anderen Meinungen ist uns im Islam sehr wichtig. Jede Muslimin und jeder Muslim muss im Dialog mit Menschen anderen Glaubens respektvoll sein und versuchen Missverständnisse zu vermeiden und auszuräumen.

Die unterschiedlichen Religionen und Meinungen sind meiner Meinung nach die Merkmale des Lebens. Es gibt diese Unterschiede nicht ohne Grund, sie sind von Allah so gewollt und eine Chance für unsere Gesellschaft. Wir sind als Menschen auf ein Miteinander angewiesen und ein gutes Zusammenleben entsteht nur über den Dialog miteinander sowie Respekt und Akzeptanz füreinander. Somit ist der interreligiöse Austausch auch eine zentrale Voraussetzung für eine gelungene Integration. Wir sind alle Menschen und sollten diese Menschlichkeit im Zusammenleben nicht vergessen. Dieser Aspekt ist uns sehr wichtig.

In Dresden stehe ich als Imam vor allem mit christlichen Gemeinden im Austausch. Über die Integrationsbeauftragte der Landeshauptstadt Dresden pflegen wir aber auch Kontakte mit anderen Religionen. So haben wir beispielsweise das Islamische und Jüdische Neujahr in den vergangenen Jahren im Rathaus feiern können. Gerade solche Veranstaltungen sind wichtig für den Austausch und das Verständnis für und zwischen den Religionen.

Was bedeuten die Interkulturellen Tage für Sie?

Die Interkulturellen Tage bedeuten für mich eine Zeit des Zusammentreffens. Jeder und jede bekommt dort die Möglichkeit, sich vorzustellen und neue Kontakte zu knüpfen. Außerdem entstehen während dieser Zeit interreligiöse und kulturelle Begegnungen, die sonst häufig nicht zustande kommen. Während dieser Zeit ist der Austausch sehr hoch, was eine große Chance bedeutet. Allerdings werden dort auch Probleme und Konflikte sichtbar, die noch gelöst werden müssen. So erfahren wir, wo wir auf Verständnis und wo auf Grenzen stoßen. Wir merken, wo die Grenzen der anderen sind und wie wir mit diesen umgehen können.

Welche Veranstaltung bieten Sie im Rahmen der Interkulturellen Tage an?

Wir bieten den Tag der offenen Moschee an. Dort hat jede interessierte Person die Möglichkeit, die Moschee zu besichtigen und Fragen zum Islam zu stellen. Ich werde dort Vorträge halten und für die Fragen der Besuchenden zur Verfügung stehen. Wir hoffen, dass wir an diesem Tag viele Menschen empfangen und Ihnen einen guten Einblick in den Islam und unser Gemeindeleben geben können. Wir erleben häufig, dass eine falsche Vorstellung über den Islam besteht. Daher hoffen wir, dass viele Menschen daran interessiert sind, den Islam so kennenzulernen, wie wir ihn erleben.

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