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https://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/migration/aktuelles/interkulturelle-tage/interviewserien/folge-1-2019.php 25.09.2019 14:38:28 Uhr 17.11.2019 08:12:48 Uhr

Interview-Serie 2019

„Zusammen leben. Zusammen wachsen.“ – Engagierte stellen sich vor

Folge 1 – Interkulturelle Tage in Dresden – Im Interview: Julia Günther vom Netzwerk „Prohlis ist bunt“

Mitglieder des Netzwerkes „Prohlis ist bunt“. Julia Günther (3. von links) mit den Mitgliedern

Vom 22. September bis zum 13. Oktober finden unter dem Motto „Zusammen leben. Zusammen wachsen“ die 29. Interkulturellen Tage statt. Dazu stellen sich passend zu den diesjährigen Themenschwerpunkten Vereine und Initiativen vor.

Im ersten Teil steht das Thema „Teil haben – Teil sein. Unsere Nachbarschaft gestalten.“ im Mittelpunkt. Julia Günther, die sich im Netzwerk „Prohlis ist bunt“ engagiert, erläutert, wie sich das Netzwerk für ein weltoffenes und tolerantes Prohlis einsetzt.

 

Was macht „Prohlis ist bunt“?

Wir sind ein Netzwerk mit engagierten Einwohnerinnen und Einwohnern, Vereinen, Einrichtungen, Kirchgemeinde, Quartiersmanagement und Parteienvertreterinnen und Parteivertretern aus Prohlis. Wir stehen für gelebte Demokratie und einen entspannten und konstruktiven Umgang miteinander.

Gemeinsam mit allen hier Lebenden möchten wir unseren Stadtteil aktiv gestalten. Wir wollen in Prohlis ein Klima des Willkommens für Migrantinnen und Migranten schaffen. Unser Ziel ist es, mit allen Beteiligten – auch mit den Prohliser „Ureinwohnerinnen und Ureinwohnern“ – ins Gespräch zu kommen, um zu integrieren statt auszugrenzen. Dabei wollen wir einander annehmen und voneinander lernen.

Wie kam es zur Gründung von „Prohlis ist bunt“?

Im Mai 2014 drohte Prohlis ein größerer Nazi-Aufmarsch. Im Zuge dessen gründete sich das Netzwerk „Prohlis ist bunt“, um ein Zeichen für eine offene und vielfältige Gesellschaft und gegen rechte Hetze im Stadtteil zu setzen. Das Netzwerk besteht bis heute und setzt sich bei immer neuen Bedarfen und Herausforderungen für ein respektvolles Zusammenleben in Prohlis ein. Durch den Erfahrungsaustausch entstehen neue Bündnisse und Verbindungen, Austausch und Zusammenarbeit.

Das Wissen, dass alle Bewohnerinnen und Bewohner, egal ob alteingesessen oder hinzugezogen, von der gemeinsamen Arbeit profitieren, ist eine grundlegende Motivation.

Was sind die Ziele Ihrer Arbeit?

Seit fünf Jahren engagiert sich das Netzwerk für die wachsende Zahl dezentral untergebrachter Asylbewerberinnen und Asylbewerber im Stadtbezirk Prohlis. Wir gestalten seither viele Projekte mit, die teilweise auch nur kurzfristig andauern oder andauerten. Dazu gehören regelmäßige Deutschkurse und niedrigschwellige Deutschtreffs, die bedarfsgerechte Vermittlung von individuellem Deutschunterricht und Patenschaften zur Unterstützung Asylsuchender.

Darüber hinaus gibt es ein Begegnungscafé und zahlreiche Freizeitangebote. Dazu gehören verschiedene Sportarten, wie beispielsweise Fußball, Tischtennis und Schach, aber auch kulturelle Aktionen, wie Theater- und Tanzworkshops, Familientreffs, Feste und Feiern.

Wir wollen, dass Prohlis weltoffen und tolerant ist und bleibt, hier ist kein Platz für Rassismus, Rechtpopulismus und alle anderen Formen von Menschenfeindlichkeit. Eine engagierte Stadtteilgemeinschaft kann diesen Extremen den Nährboden entziehen und dagegen arbeiten. Es braucht dafür jedoch einen langen Atem und viel Kraft, gerade auch um tragfähige Strukturen aufzubauen.

Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial, was ist notwendig, um die Willkommenskultur in Dresden nachhaltig zu stärken?

Wenn sich die Dresdnerinnen und Dresdner gemeinsam engagieren, kann eine Willkommenskultur sowie ein lebendiges Zusammenleben mit Migrantinnen und Migranten, insbesondere mit Asylsuchenden, auch in unserer Stadt gelingen. Dabei benötigen die Stadtteile mit den meisten Asylsuchenden besondere Unterstützung, die sowohl finanzieller als auch struktureller Art sein muss. Stadtteilarbeit braucht Räume und die schnelle sowie pragmatische Unterstützung durch die Stadtverwaltung.

Wir wollen denen in Dresden eine Stimme geben, die rassistischen Anfeindungen ausgesetzt sind. Die engagierte Zivilgesellschaft in Dresden muss lauter werden und das Wort ergreifen.

Was bedeuten die Interkulturellen Tage für Sie?

Sowohl die Interkulturellen Tage als auch die Wochen gegen Rassismus in Dresden sind für unser Netzwerk immer wieder eine gute Gelegenheit, unsere Arbeit der Bevölkerung vorzustellen und um neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu werben.

Daher feiern wir im Rahmen der Interkulturellen Tage am 28. September ein fröhliches Fest für Einwohnerinnen und Einwohner, Geflüchtete, Menschen mit Migrationshintergrund und Zugezogene. Unter dem Motto „In Prohlis. Zusammen leben. Zusammen wachsen.“ sind alle von 14 bis 18 Uhr herzlich eingeladen am Prohliszentrum, Prohliser Allee 10, zusammenzukommen.

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