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https://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/migration/aktuelles/interkulturelle-tage/interviewserien/folge-3-2019.php 02.10.2019 16:22:26 Uhr 17.11.2019 18:12:57 Uhr

Interview-Serie 2019

„Zusammen leben. Zusammen wachsen.“ – Engagierte stellen sich vor

Folge 3 – Interkulturelle Tage in Dresden – Im Interview: Antonia Gier und Liana Steinbeck von „IDA – In Dresden Ankommen“

IDA - In Dresden Ankommen

Vom 22. September bis zum 13. Oktober finden unter dem Motto „Zusammen leben. Zusammen wachsen.“ die 29. Interkulturellen Tage statt. Dazu stellen sich passend zu den diesjährigen Themenschwerpunkten Vereine und Initiativen vor.

Im dritten Teil steht das Thema „Aufeinander zugehen – Voneinander lernen.“ im Mittelpunkt. Im Interview äußern sich dazu Antonia Gier und Liana Steinbeck. Beide sind im Netzwerk „IDA – In Dresden Ankommen“ aktiv und realisieren dort Projekte für, von und mit Geflüchteten.

Was ist IDA und wie ist IDA entstanden?

Antonia Gier: IDA ist eine studentische Initiative an der TU Dresden und macht Projekte für und mit Geflüchteten. Dabei legen wir den Schwerpunkt auf das Miteinander. Wir wollen uns auf Augenhöhe mit den Geflüchteten begegnen, daher bieten wir den Ehrenamtlichen und Geflüchteten dieselbe Chance sich einzubringen.

Liana Steinbeck: Das Schlüsselereignis war 2015 die sogenannte „Flüchtlingskrise“. Aus der Motivation heraus zu helfen, haben sich Mitarbeitende und Studierende der TU Dresden zusammengefunden und die ABC-Tische gegründet. Später entwickelte sich daraus eine Hochschulgruppe.

Was für Veranstaltungen und Angebote werden von IDA initiiert?

Liana Steinbeck: Das ist ganz umfangreich. Unser größter Fokus liegt auf dem Spracherwerb. Wir sind daher in den Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften besonders aktiv. Außerdem bieten wir Hausaufgabentreffen an. Dort können Geflüchtete Hausaufgaben machen und Nachhilfe oder Unterstützung beim Schreiben von offiziellen Briefen bekommen.

Weitere Angebote beziehen sich auf die Freizeitgestaltung, da haben wir beispielsweise Koch- und Sporttreffen, um Leute kennen zu lernen und mit diesen ins Gespräch zu kommen. Für Studierende haben wir eine Veranstaltungsreihe bei der es um die Sensibilisierung für politische und kulturelle Themen geht.

Und auch Arabisch- und Persischkurse bieten wir an, welche von Geflüchteten geleitet werden und für alle Dresdnerinnen und Dresdner offen sind.

Antonia Gier: Es gibt auch noch das Buddy-Programm, da können Studierende – oder auch nicht Studierende – angeben, wo sie gerne helfen möchten und Geflüchtete geben an, wo sie Unterstützung brauchen. Anhand dieser Interessen werden dann die Personen einander vermittelt. Immer wichtiger wird auch die weiterführende Hilfe für Geflüchtete, die schon besser Deutsch sprechen. Sie benötigen beispielsweise Unterstützung bei Bewerbungsschreiben und der Ausbildungsplatzsuche.

Was sind die Ziele Ihrer Arbeit?

Antonia Gier: Wir wollen Geflüchtete in Dresden nicht aus dem Blick verlieren, da immer noch Geflüchtete ankommen und Hilfe brauchen. Das wollen wir an die Studierenden herantragen, aber auch den Geflüchteten die Möglichkeit geben hier anzukommen.

Liana Steinbeck: Ein weiterer wichtiger Fokus ist der interkulturelle Austausch. Wir legen Wert auf das „voneinander lernen“ und nicht auf „übrigens, wir zeigen euch jetzt, wie es hier funktioniert“.

Was bedeuten die Interkulturellen Tage für Sie?

Liana Steinbeck: In den Medien wird Dresden viel mit Rechtspopulismus in Verbindung gebracht. Daher finde ich die Interkulturellen Tage wichtig, um zu zeigen, dass Dresden international ist.

Antonia Gier: Ich finde das eine total schöne Gelegenheit. Jeden Tag werden unglaublich viele Veranstaltungen angeboten, die man sich angucken und wo man Neues lernen kann. Für diese Vielfalt bin ich total dankbar. Gerade zum Thema Willkommenskultur finde ich es wichtig, dass die Menschen, die schon in Dresden leben oder gerade neu ankommen, sich treffen. So wird Raum geschaffen, um neue Kontakte zu knüpfen.

Was bieten Sie für eine Veranstaltung im Rahmen der Interkulturellen Tage an?

Liana Steinbeck: Wir haben einen Spieleabend geplant. Es können dort verschiedene Spiele aus verschiedenen Ländern gespielt werden, um sich darüber auszutauschen und ins Gespräch zu kommen.

Antonia Gier: Wir werden auch „Mensch ärgere Dich nicht“ spielen. Das habe ich schon einmal mit Geflüchteten gespielt, die fanden das gut.

Was nehmen Sie aus Ihrer Arbeit mit?

Antonia Gier: Ich bewundere die Motivation der Geflüchteten, vor allem im Punkt der deutschen Sprache. Ich nehme mit, wie viel Stärke, Engagement und Durchhaltevermögen sie dadurch zeigen. Außerdem bekommt man so viel Dankbarkeit, obwohl man gar nicht so viel gibt, das ist schon sehr berührend.

Liana Steinbeck: Für mich persönlich ist es, dass man so viel lernt. Man begegnet so vielen Menschen und hört so viele persönliche Geschichten über die Flucht, aber auch darüber, was typisch für andere Länder ist. Ich finde es spannend zu lernen, was hinter dem Stigma „Geflüchtete“ steckt.

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