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https://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/migration/aktuelles/interkulturelle-tage/interviewserien/folge-2-2018.php 25.09.2019 14:37:44 Uhr 07.12.2019 07:54:52 Uhr

Interview-Serie 2018

„Du und Ich. Wir in Dresden.“ – Engagierte stellen sich vor

Folge 2 - Drei Fragen an Hoang Thanh An, Vietnamesisch Buddhistisches Kulturzentrum in Sachsen e. V.

Herr Hoang Thanh An

Im zweiten Teil steht das Thema des interreligiösen Austauschs im Mittelpunkt. Dazu gibt Hoang Thanh An Auskunft. Er lebt seit über 40 Jahren in Deutschland und ist Initiator des Vietnamesisch Buddhistischen Kulturzentrums in Sachsen e. V. mit Sitz in Dresden. Hoang Thanh An wirkt aktiv in zahlreichen Initiativen, Vereinen und Veranstaltungen zur Förderung des interreligiösen Austauschs innerhalb der Stadt mit.

Was macht Ihr Zentrum, um den interreligiösen Austausch zu fördern?

Zur Gründung des Zentrums 2011 waren wir etwa 50 Familien. Heute haben wir über 3 000 Mitglieder. Wir praktizieren die buddhistische Lehre und engagieren uns für soziale und kulturelle Projekte weltweit. Denn nach der Buddha-Lehre sind alle Menschen gleich und leben friedlich zusammen.

Mit Zunahme der Flüchtlinge und der Bewegung gegen fremde Kulturen auf der Straße haben wir uns gefragt, was die buddhistische Gemeinschaft tun kann. So entstand die Idee der interreligiösen Tafelrunde. Gemeinsam mit den Vertretern der evangelischen und katholischen Kirchen riefen wir die Tafelrunde ins Leben. Im Dezember 2014 kamen sieben unterschiedliche Religionsgemeinschaften an einem Tisch zusammen, um sich kennenzulernen und sich zu verständigen.

Noch heute treffen wir uns regelmäßig, tauschen uns in entspannter Begegnungsrunde aus und nehmen gegenseitig an den Festlichkeiten der anderen Gemeinschaften teil. Das ist unglaublich bereichernd für uns alle. Daneben gestaltet die buddhistische Gemeinschaft aber auch Vorträge an Schulen. 

Gibt es weitere Projekte, welche die Religionsgemeinschaften gemeinsam gestalten?

Zu der Festveranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit 2016 in Dresden organisierten wir gemeinsam ein Zelt der Religionen. Über drei Tage tauschten wir uns aus und hatten die Zeit und Gelegenheit, unsere sieben Religionsgemeinschaften vorzustellen. Besonders interessant empfand ich die Gespräche mit den Einwohnerinnen und Einwohnern.

Außerdem bleibt für mich auch die Unterzeichnung des Dresdner Wortes der Religionen in der Öffentlichkeit unvergessen.

Im Vorfeld haben die Religionsgemeinschaften gemeinsam die Botschaft entworfen. Das war natürlich auch mit Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Religionen verbunden. Trotzdem ist es uns gemeinsam gelungen, das Dresdner Wort der Religionen zu formulieren. Neben den katholischen und evangelischen Bischöfen unterschrieben auch die anderen Religionsgemeinschaften das Dresdner Wort. Später unterzeichneten dies bundesweit im Internet auch zahlreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Wissenschaft. Es war für mich eine große Ehre, dieses Dokument unterschreiben zu dürfen.

Wir wollen damit eine klare Botschaft aus Dresden senden, dass interreligiöses Leben in unserer Gesellschaft Normalität geworden und ein friedliches Zusammenleben der Menschen trotz unterschiedlicher Kulturen, Weltanschauungen und Religionen möglich ist. Ich freue mich, dass das Dresdner Wort der Religionen immer noch nachwirkt und unter anderem im Internet zur Unterschrift zur Verfügung steht. 

Welche Herausforderungen sehen Sie bei Ihrer Arbeit?

Interreligiöse Arbeit war nicht immer offen. Ich denke, dass für eine gelingende Zusammenarbeit, gegenseitiges Verständnis und Kompromissbereitschaft wichtig sind. Dafür sollten die Menschen einander mehr zuhören, was sie gefühlt aber immer weniger tun. Ein­ander zuzuhören und miteinander in den Dialog zu gehen ist meines Erachtens aber entscheidend für die Verständigung untereinander.

Friede ist nur auf Grundlage von gegenseitigem Respekt und Achtung möglich. Der Buddhist sagt dazu auch, dass wir ein gemeinsames Haus haben, die Erde. Die Kontinente sind Geschwister. Die Hautfarbe mag zwar unterschiedlich sein, aber das Blut ist gleich rot und die Tränen sind gleich salzig. Damit möchten wir ausdrücken, dass alle Menschen gleich sind. Daher hoffe ich, dass wir einen Beitrag leisten können, um die Gesellschaft wieder enger zusammenzubringen. 

(Das Interview führte Frau Jana Tessner.)

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