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https://www.dresden.de/de/rathaus/stadtbezirksaemter/leuben/geschichte/132010100000168858.php 06.05.2015 11:38:45 Uhr 13.11.2019 02:47:46 Uhr

Die Dresdner Vorortbahn

Vor allem als Verkehrsmittel für seine Arbeiter, aber auch als Transportfahrzeug für Roh- und Fertigstoffe, ließ Kummer 1898 eine 1000 mm Schmalspurbahn bauen. Am 30. Dezember 1899 wurde als erster Abschnitt die Strecke Laubegast (Forsthaus) - Leuben - Niedersedlitz mit vier Triebwagen eröffnet. Die eingleisige Strecke besaß fünf Ausweichstellen und wurde alle 15 Minuten befahren. Vieles war improvisiert. So kam die Energie aus dem Kraftwerk der Kummerschen Fabriken, wo auch die Fahrzeuge in einem vorhandenen Schuppen gewartet wurden, in Niedersedlitz endete die Strecke wegen des damals noch kleineren Bahnhofsvorplatzes vor der heutigen Försterlingstraße.

Kummer hatte sich jedoch in zu viele Projekte verstrickt, geriet in finanzielle Probleme und musste 1901 Konkurs anmelden. Damit der Straßenbahnverkehr erhalten blieb, kaufte die Gemeinde Leuben am 1. Juli 1902 die Vorortsbahn zum Schrottpreis von nur 54.000 Mark. Die Stromversorgung übernahm das Kraftwerk Tolkewitz der Dresdner Straßenbahn-Gesellschaft, und für die Fahrzeuginstandhaltung baute man 1903 auf der Stephensonstraße einen neuen Betriebshof. 1904 kam ein fünfter Triebwagen hinzu. Direktor der Straßenbahnen war nun Gemeindevorstand Hermann Otto Dittrich.

Auch die Gemeinde Kleinzschachwitz war an einem Straßenbahnanschluss interessiert. Pläne, Linien der Vorortsbahn auch dorthin zu führen, hatte der Kummersche Konkurs zunichte gemacht. So kam es zur Bildung eines Gemeindeverbandes mit Leuben. Schon am 17. Oktober 1906 konnte die feierliche Eröffnung erfolgen. Die Verlängerung führte über den inzwischen vergrößerten Niedersedlitzer Bahnhofsvorplatz, wo sich eine gemeinsame Haltestelle mit der ebenfalls 1906 eröffneten Lockwitztalbahn befand, und weiter durch die Bahnhof-, Putjatin- und Kurhausstraße bis zum heutigen Endpunkt. Für die neue Strecke hatte man drei gebrauchte Triebwagen gekauft. Der Verkehr entwickelte sich so gut, dass 1912 nochmals zwei Fahrzeuge beschafft werden mussten.

Mit dem Ersten Weltkrieg kamen die Probleme. Für die zum Kriegsdienst einberufenen Männer mussten Frauen Dienst als Schaffnerin und Fahrerin leisten. Für Reparaturen an Fahrzeugen und Gleisen fehlten Material und Arbeitskräfte. In den wirtschaftlich schwierigen Nachkriegsjahren fehlte trotz mehrfacher Fahrpreiserhöhungen das Geld für die notwendigen Unterhaltungsarbeiten. Als Leuben am 1. April 1921 nach Dresden eingemeindet wurde, befand sich die Vorortsbahn in einem beklagenswerten Zustand. Die Städtische Straßenbahn beorderte daher einige Fahrzeuge der ebenfalls schmalspurigen Lößnitzbahn nach Leuben und strebte die Umspurung auf die in der Stadt übliche Spurweite von 1450 mm an, doch konnten diese Arbeiten erst nach Konsolidierung der Wirtschaft im Jahre 1924 begonnen werden.

Umgespurt wurde von Laubegast aus, die Fährgäste mussten an der Baustelle umsteigen. Am 22. November 1924 wurde der Bahnhof Niedersedlitz erreicht. Als erste Linie fuhr die 19 durchgehend von Cossebaude bis Niedersedlitz. Bis zum 25. Oktober 1925 war auch die Reststrecke umgespurt und gleichzeitig bis zur Elbfähre verlängert worden. Sie wurde zunächst als „Vorortsbahn" ohne Liniennummer weiterbetrieben, 1932 durch eine Omnibuslinie ersetzt und 1936 mit Eröffnung des direkten Straßenbahnverkehrs durch die heutige Berthold-Haupt-Straße nach Kleinzschachwitz ganz eingestellt. Nun erinnern nur noch der von der Johanniter-Unfallhilfe genutzte Betriebshof in der Stephensonstraße und die damalige Wartehalle - heute Gaststätte „Elbidyll - nahe der Fähre an die alte Vorortsbahn.

(Anmerkung: „Vorortsbahn" war die offizielle Schreibweise des Bahnunternehmens)

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