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https://www.dresden.de/de/stadtraum/umwelt/umwelt/oberflaechenwasser.php 13.08.2020 17:07:32 Uhr 01.10.2020 21:10:24 Uhr

Oberflächenwasser

Zu wenig Wasser in Dresdner Bächen – Wasserentnahme verboten

Allgemeinverfügung zur Beschränkung der Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern


Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der geringen Wasserführung in Dresdens Bächen und Flüssen ist die Wasserentnahme mittels Pumpen aus oberirdischen Gewässern im Stadtgebiet Dresden bis 15. Oktober 2020 verboten. Zusätzlich untersagt ist die Wasserentnahme mit Handgefäßen aus den Bächen zum Zweck der Bewässerung.

Die Allgemeinverfügung gilt seit 6. Juni 2020 und betrifft vorwiegend Anlieger und Eigentümer, aber auch alle diejenigen, die darüber hinaus Gießwasser aus den Bächen schöpfen. Ausgenommen von der Allgemeinverfügung sind die Elbe und in punkto Wasserentnahme mit Handgefäßen die Vereinigte Weißeritz sowie der Lockwitzbach.

Werden bei Gewässerkontrollen Verstöße festgestellt, kann dies als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Das Bußgeld beträgt mindestens 50 Euro.

Die Allgemeinverfügung zur Beschränkung der Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern ist im Amtsblatt 23 vom 5. Juni erschienen und steht nachfolgend zur Einsichtnahme bereit:


Allgemeinverfügung zur Beschränkung der Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern
(*.pdf, 175 KB)


Hintergrund:

In Dresdens Gewässern wird das Wasser knapp. Schon Ende April stellten die Fachleute des Umweltamtes fest, dass nahezu alle der 45 beobachteten Fließgewässer im Stadtgebiet nur noch sehr wenig Wasser führen. An vielen Stellen sind lediglich Restpfützen ohne Abfluss verblieben, so auch in den kontrollierten Abschnitten der Prießnitz. 15 der in Augenschein genommenen Bäche sind bereits abschnittsweise oder vollständig trocken, darunter der Blasewitz-Grunaer Landgraben, der Weidigtbach, der Nöthnitzbach und der Rote Graben. Hochgerechnet auf das gesamte Stadtgebiet wird eingeschätzt, dass knapp 2/3 aller Bäche und Gräben entweder ausgetrocknet sind, nur noch Wasser in tiefen Kolken haben oder nur noch minimal Wasser führen. Auch die kontrollierten Quellen sind vollständig ausgetrocknet.

Verschärft und mitverursacht wird die Situation durch die Dürrejahre 2018 und 2019. Die ungewöhnlich starken Niedrigwasserphasen dieser Jahre ließen zahlreiche Dresdner Bäche und Flüsse vollständig oder über weite Strecken austrocknen. Dazu zählte auch die Prießnitz, einer der größten Bäche im Stadtgebiet. Die Niederschlagsdefizite konnten im Winter und Frühling nicht ausgeglichen werden. Die Monate Dezember, Januar und März bis Juli waren deutlich zu trocken. Nur im Februar war der Niederschlag deutlich höher als „normal“. Das fehlende Wasser in den lokalen Grundwassersspeichern konnte dadurch jedoch nicht ausgeglichen werden. Im Vergleich zu den langfristig gemessenen Monatsmittelwerten des Deutschen Wetterdienstes für Dresden hat sich seit 2013 ein Niederschlagsdefizit von über 470 Liter pro Quadratmeter summiert. Das entspricht der Regenmenge, die in Dresden durchschnittlich in einem dreiviertel Jahr fällt.

Die Fließgewässer sind ein wesentlicher Bestandteil des ökologischen Netzes im Stadtgebiet. Sie haben eine kühlende Wirkung auf die Umgebung. Diese Klimaregulation nimmt bei niedriger Wasserführung ab, da die Vegetation weniger mit Wasser versorgt und damit die Verdunstungsleistung reduziert wird. Vom Wassermangel besonders betroffen sind die Fische. Bei Austrocknung des Fließgewässers sterben sie oder wandern ab.

Das Dresdner Umweltamt hat bereits an vielen Stellen Stadtgewässer renaturiert und den natürlichen Wasserrückhalt in den Einzugsgebieten der Flüsse erhöht. Standortgerechte Ufergehölze sorgen für mehr Schatten und Abkühlung sowie weniger Verdunstung. Die begonnenen Projekte müssen in den kommenden Jahren fortgesetzt werden. Langfristig muss es gelingen, die natürlichen Gewässer und ihre Einzugsgebiete widerstandsfähiger gegen klimabedingte Veränderungen zu machen.

Prognosen des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sagen in den nächsten Jahren klimawandelbedingt weiter steigende Temperaturen, spürbar geringere Niederschläge und die Zunahme extremer Wetterereignisse voraus. Damit ist auch zukünftig häufiger mit Niedrigwasserphasen zu rechnen.


Fragen zur Allgemeinverfügung beantwortet das Umweltamt telefonisch unter 0351-4886241.


Die Dresdner Gewässer und Quellen sind im Themenstadtplan dargestellt und mit einem Klick auf die Karte näher beschrieben.


Dresden ist reich an kleineren Gewässern. Flüsse, Bäche und Gräben zählen zu den Fließgewässern, von denen es in Dresden über 550 gibt. Sie werden zunehmend und vielfältig in Anspruch genommen – nicht nur zur Ableitung von Niederschlagswasser. Seen, Teiche und Tümpel bezeichnet man als stehende Gewässer. Künstliche Gewässer sind von Menschen geschaffene oberirdische Gewässer. Zusammen bilden sie die Oberflächengewässer im Stadtgebiet.

Als Quelle bezeichnet das Wassergesetz einen natürlichen, an einer bestimmten, örtlich begrenzten Stelle nicht nur vorübergehend erfolgenden Austritt von Grundwasser. Der ökologische Gesamtzustand der Oberflächengewässer konnte bisher nur lokal verbessert werden. Neben den stofflichen Belastungen aus Einträgen der Siedlungswasserwirtschaft und der Landwirtschaft ist der harte Verbau und die damit einhergehenden Strukturdefizite der Stadtgewässer das größte Hindernis, das im Rahmen der Gewässerentwicklung langfristig überwunden werden muss.

Flüsse, Bäche und Teiche in Dresden

Eine Karte im Themenstadtplan zeigt die aktuellen Oberflächengewässer in der Stadt, die im Sinne des Wasserrechts Gewässereigenschaften besitzen. Zu den wichtigsten Gewässersystemen sind Gewässersteckbriefe abrufbar. Weiterhin sind bekannte Quellen aufgeführt.

Eine weitere Karte im Themenstadtplan zeigt historische Verläufe der Gewässer in der Stadt:

Tun oder Lassen an Bächen

Das Faltblatt "Tun oder Lassen an Bächen" des Umweltamtes informiert Gewässeranlieger und Interessierte, wie sie den Zustand eines Fließgewässers vor ihrer Haustür erhalten und verbessern können. Auch über Fachbegriffe rund um Gewässerbett, Ufer und Gewässerrandstreifen sowie Zuständigkeiten und Ansprechpartner für Fragen gibt das Faltblatt Auskunft:

Gewässersteckbriefe 

Für 31 Gewässersysteme in Dresden liegen umfangreiche Gewässerbeschreibungen in Form von "Steckbriefen" vor. Diese beschreiben in übersichtlicher Form Lage und Verlauf, gewässertechnische Merkmale, Einzugsgebiet, Nutzungen, Belastungen, Erosions- und Hochwassergefährdungen dieser Gewässersysteme.

Die Gewässersteckbriefe sind im Themenstadtplan mit einem Klick auf das jeweilige Gewässer abrufbar:

Maßnahmen der Gewässerentwicklung

Erst nach der Wende wurde auch in Dresden deutlich, wie sehr viele Gewässer vernachlässigt, eingeengt, in steinerne Korsetts gezwängt oder sogar verrohrt wurden. Seitdem wurden an zahlreichen Stellen bereits Maßnahmen umgesetzt, mit denen die Gewässer schrittweise wieder in einen guten ökologischen Zustand gelangen können. Aber es ist auch noch viel zu tun, um dies bis 2027 für alle Gewässer zu erreichen. Dies ist das Jahr, das sich alle europäischen Länder als Ziel gesetzt haben.

Die bereits realisierten Maßnahmen sind im Themenstadtplan dargestellt, ebenso die in der Planung und Umsetzung befindlichen Maßnahmen sowie jene, für die bisher nur konzeptionelle Ansätze vorliegen:

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