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https://www.dresden.de/de/stadtraum/umwelt/umwelt/klima-und-energie/stadtklima/Witterungsberichte.php 11.01.2021 11:17:44 Uhr 19.04.2021 04:37:26 Uhr
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© Unwetter über Dresden (Foto: Jan Teller)

Wie waren die Witterungsverhältnisse in den letzten Jahren in Dresden?

2020 – Die wärmste Dekade seit 1961

Tabelle: Meteorologische und klimatologische Kennwerte für die Station Dresden-Klotzsche
Meteorologische und klimatologische Kennwerte für die Station Dresden-Klotzsche
Diagramm: Darstellung der Monatsmitteltemperaturen 2020 in Abweichung vom Klimamittel 1961 bis 1960, gemessen in Dresden-Klotzsche
Monatsmitteltemperaturen 2020 (Dresden-Klotzsche) – Vergleich zum Klimareferenzwert 1961-1990

Nach 2018 und 2019 war 2020 für Dresden das drittwärmste Jahr seit 1961. Mit 11,03 Grad Celsius überstieg die Jahresmitteltemperatur an der Station Dresden-Klotzsche zum dritten Mal in Folge die 11-Grad-Marke und den Klimareferenzwert 1961 bis 1990 um 2,1 Grad.

Die zurückliegende Dekade 2011 bis 2020 war so warm wie nie. Fünf der wärmsten Jahre lagen in dieser Periode. Das Zehnjahresmittel liegt 1,5 Grad über dem Klimareferenzwert 1961 bis 1990. Damit ist das 1,5-Grad-Ziel, auf die die Erderwärmung beschränkt bleiben sollte, in Dresden schon erreicht.

Es war wieder viel zu warm

Bis auf den Mai waren alle Monate im vergangenen Jahr erheblich zu warm. In den Monaten Januar, Februar, April und August überstiegen die Monatsmitteltemperaturen den langjährigen Vergleichswert sogar um drei bis über fünf Grad.

Insgesamt kam vor allem die frostige Witterung zu kurz. 2020 wurde die geringste Anzahl an Eistagen seit 1961 gemessen. Es gab nur einen einzigen Eistag: der 25. Januar 2020.

Eis- und Frosttage

Eistage sind Tage, an denen die höchste Tagestemperatur nicht über 0 Grad Celsius liegt. Frosttage sind solche Tage, an denen die tiefste Tagestemperatur unter dem Gefrierpunkt bleibt.

An diesem kältesten Tag im Jahr 2020 betrug die Tagesmaximumtemperatur -0,6 Grad Celsius. Im Zeitraum 1961 bis 1990 traten durchschnittlich 27 solcher Eistage auf. Auch die Anzahl der Frosttage lag im Jahr 2020 mit 50 deutlich unter dem Klimamittelwert von 81 Frosttagen. Die fehlende Kälte kann sich negativ auf die Pflanzenwelt auswirken. Pflanzenarten, die an die kalte Jahreszeit angepasst sind, benötigen eine durchaus frostige Winterruhe. Bei zu milden Temperaturen besteht die Gefahr, dass sie zu früh austreiben. Einerseits lästig für Allergiker, andererseits eine Gefahr bei Spätfrost. Dann können Blüten oder Fruchtansätze abfrieren.

Der Sommer 2020 war glücklicherweise nicht ganz so heiß wie in den beiden Vorjahren. Es gab eine signifikante Hitzewelle im August. Zwischen dem 7. und 21. August stiegen die Tageshöchsttemperaturen fast täglich über 30 Grad Celsius. Der heißeste Tag 2020 war der 9. August mit einer Maximumtemperatur von 34,4 Grad Celsius (Station Dresden-Klotzsche).

Überwiegende Trockenheit, niedriger Grundwasserstand

Diagramm: Darstellung der Jahresniederschlagssumme 2020 im Vergleich zum Klimareferenzwert 1961-1990, gemessen in Dresden-Klotzsche
Jahresniederschlagssumme 2020 (Dresden-Klotzsche) – Vergleich zum Klimareferenzwert 1961-1990
Diagramm: Darstellung der monatlichen Niederschlagssumme 2020 im Vergleich zum Klimareferenzwert 1961-1990, gemessen in Dresden-Klotzsche
Monatliche Niederschlagssumme 2020 (Dresden-Klotzsche) – Vergleich zum Klimareferenzwert 1961-1990

Auch 2020 war die seit Ende 2017 andauernde Trockenheit prägend. Über die vergangenen drei Wasserhaushaltsjahre (November 2017 bis Oktober 2020) hat sich ein Niederschlagsdefizit von 480 Liter pro Quadratmeter aufgebaut. Das entspricht etwa zwei Drittel eines durchschnittlichen Jahresniederschlages. Das Jahr 2020 allein betrachtet, fiel in der Bilanz etwas positiver aus: Während in den beiden Vorjahren nur 63 bzw. 75 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge gemessen wurden, erreichte die Regensumme im Jahr 2020 mit 536 Millimeter immerhin 80 Prozent des Klimareferenzwertes.

Immer wieder stellten sich blockierende Wetterlagen über Mitteleuropa ein, die den Durchzug regenbringender Tiefdruckgebiete verhinderten. Dadurch ergaben sich erhebliche Niederschlagsdefizite im Januar (-62 Prozent), April (-96 Prozent), Juli (-75 Prozent), November (-88 Prozent) und Dezember (-64 Prozent). 2020 wurde der bisher trockenste Frühling seit 1961 verzeichnet. In den meisten Dresdner Bachläufen war über das Frühjahr und den Sommer kein Tropfen Wasser mehr zu sehen. Nur im Oktober gab es überdurchschnittliche Niederschläge, die kurzzeitig die Wasserführung wieder normalisiert haben. Die aktuellen Daten des Landeshochwasserzentrums Sachsen zeigten zum Jahresende, dass an 8 von 33 Pegeln an den Nebenflüssen der Oberen Elbe bereits wieder Niedrigwasser herrscht. Die Elbe selbst ist ein Sonderfall, da der Durchfluss hier in niederschlagsarmen Perioden überwiegend durch die Wasserabgabe aus Talsperren in Tschechien und nicht durch die natürliche Wasserspende aus dem Einzugsgebiet bestimmt wird.

Karte Sachsen: Darstellung des Bodenfeuchtezustands - Dürrezustand des Gesamtbodens, Stand: 09.01.2021, Quelle: HELMHOLTZ Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Darstellung des Bodenfeuchtezustands für Sachsen - Dürrezustand des Gesamtbodens, Stand: 09.01.2021

Die anhaltende Trockenheit der letzten Jahre zeigt sich auch an den Grundwasserständen. Im Jahr 2020 lag der Grundwasserspiegel in Dresden weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. Mitte Dezember unterschritten die Messstellen des städtischen Messnetzes den monatstypischen Grundwasserstand im Durchschnitt um einen knappen halben Meter. Das ist etwas weniger als im Dezember 2019, als diese Unterschreitung etwa einen Dreiviertelmeter betrug. Besonders an den elbfernen Messstellen ist seit 2014 ein stetiger Rückgang zu verzeichnen. Ursache dafür ist neben dem Niederschlagsdefizit insbesondere die weiterhin „außergewöhnliche“ Dürre des Gesamtbodens für den Dresdner Raum, wie sie die aktuelle Grafik des Dürremonitors des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung GmbH (UFZ) zeigt. Während der Oberboden inzwischen wieder eine ausgeglichene Wasserbilanz aufweist, sind tiefere Bodenschichten weiter viel zu trocken. Um dieses seit nunmehr drei Jahren aufsummierte Bodenwasserdefizit aufzufüllen, bedarf es mehrerer Monate ergiebiger Regenfälle. Besonders die Niederschläge über die Herbst- und Wintermonate sind wichtig für die Böden und die Grundwasserneubildung. In dieser Zeit ist die Verdunstung aufgrund geringerer Temperaturen und geringerer Sonneneinstrahlung reduziert und das Wasser kann überwiegend versickern – sofern die Oberfläche es zulässt.

Insgesamt gab es im Jahr 2020 30 niederschlagsfreie Tage mehr im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961 bis 1990. Trotz dieser geringeren Anzahl an Niederschlagstagen regnete es außergewöhnlich hohe Mengen im Februar (+127 Prozent), August (+57 Prozent) und Oktober (+131 Prozent).

Das Wetter in Dresden wird extremer – Schuld: die globale Klimaerwärmung

Diese extremen Unterschiede von Defiziten und Überschüssen in Folge beständiger Wetterlagen treten seit einigen Jahren immer häufiger auf. Sie stehen im engen Zusammenhang mit der Erwärmung der Arktis und der damit verbundenen Ausprägung des Jetstreams. Der Jetstream – ein wellenförmiges Starkwindband über den mittleren Breiten – ist wetterbestimmend für Mitteleuropa. Durch dieses Starkwindband werden die Hoch- und Tiefdrucksysteme in einer Westströmung über unsere Breiten hinweggeführt. Antrieb für den Jetstream ist der Temperaturunterschied zwischen Arktis und Äquator. Durch die stark ansteigenden Temperaturen in der Arktis verringert sich dieser Temperaturunterschied und damit der Energie-Input für den Jet. Er wird langsamer. Daher dehnen sich die Wellen des Starkwindbandes stärker nach Norden und Süden aus. Sie bleiben länger stabil. Wir spüren dies durch anhaltende beständige Witterungsabschnitte.

Besonders deutlich wurden diese Bedingungen in den letzten drei Jahre. Das Zusammenwirken geringer Niederschlagssummen, durchgängig hoher Temperaturen und intensiver Sonnenstrahlung sorgten für eine stark negative klimatische Wasserbilanz, also das Wasserdargebot. Bei hohen Temperaturen und viel Sonnenschein herrscht eine hohe potentielle Verdunstung, das heißt es besteht ein großes Sättigungsdefizit in der Atmosphäre. Die Atmosphäre ist bestrebt dieses Defizit auszugleichen. Demzufolge wird das Wasser aus dem Boden gesaugt. Aufgrund des Niederschlagsdefizits in den letzten Monaten wurde das Bodenwassers bis in tiefe Schichten ausgeschöpft. Hinzu kommt, dass durch den Wassermangel kaum tatsächliche Verdunstung stattfinden kann und es somit an Verdunstungskühle fehlt. Wo kein Wasser ist, kann nichts verdunsten. Somit erwärmt sich die bodennahe Luft zusätzlich, da über den fehlenden Verdunstungsprozess keine Energie der Atmosphäre entzogen wird.

Neue Klimareferenzperiode 1991-2020

Mit 2020 steht nun die neue Klimareferenzperiode 1991 bis 2020 zur Verfügung. Klimatologische Kenngrößen – also die Klimadaten eines Ortes, einer Region oder global – werden nach den Vorgaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) über einen 30-Jahreszeitraum bestimmt. Diese Klimawerte dienen als Referenz. Sie werden vor allem für die Temperatur, Niederschlag, Sonnenscheindauer, aber auch Eis-, Frost-, Sommertage und heiße Tage berechnet. Anhand dieser Mittelwerte können etwa aktuelle Witterungsereignisse in Bezug gesetzt und Abweichungen (Anomalien) bestimmt werden.

Die Verschiebung des aktuellen Klimareferenzwertes 1961 bis 1990 zur neuen Referenzperiode 1991 bis 2020 wird sich in den Auswertungen deutlich zeigen. Monats- oder Jahreswerte, die bisher als erheblich/extrem zu warm eingestuft wurden, werden im Vergleich zum neuen Klimamittel 1991-2020 als eher „normal“ ausfallen. Denn die stärkste und auch schnellste Erwärmung fand genau in der Zeit seit den 1990er Jahren bis heute statt. So liegt das Klimamittel der Lufttemperatur für den Zeitraum 1991 bis 2020 bei 9,8 Grad Celsius, also 0,9 Grad über dem bisherigen Referenzwert 1961 bis 1990. Die Jahresniederschlagssumme hat gegenüber der Periode 1961 bis 1990 um fünf Prozent abgenommen. Die Sonne schien im Durchschnitt des Zeitraums 1991 bis 2020 14 Prozent länger im Vergleich zur bisherigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Die neuen Klimamittelwerte beinhalten faktisch den Klimawandel.

Der Klimawandel geht rasant weiter

Werden die zukünftigen Monatsmittelwerte in Bezug zu der neuen Referenzperiode gesetzt, wird es häufiger durchschnittliche und möglicherweise auch häufiger zu kühle Monate geben. Dies bedeutet aber nicht, dass der Klimawandel „aufgehört“ hat. Vielmehr muss man sich verdeutlichen, dass die Bedingungen der letzten Jahre zukünftig für uns „normal“ sein werden: höhere Temperaturen, Hitzeperioden, Trockenheit, intensivere Starkniederschläge gehören zur Regel. Doch dabei wird es nicht bleiben. Denn die Klimaerwärmung verläuft nach wie vor ungebremst weiter. So werden sich die benannten Witterungsextreme weiter verschärfen – mit dramatischen Folgen für Flora, Fauna, die menschliche Gesundheit und das gesellschaftliche Leben.

Da die Erderwärmung in einer Geschwindigkeit erfolgt, die bisher in der Erdgeschichte unbekannt ist, haben Pflanzen, Tiere und auch der Mensch kaum eine Chance, sich auf natürlichem Wege an die veränderten Klimabedingungen anzupassen. So müssen Maßnahmen getroffen werden, die die Auswirkungen der Klimawandelfolgen abmildern. Für Dresden bestehen vor allem die Gefahren durch Hochwasser und lokalen Überflutungen aufgrund von Starkregenereignissen. Außerdem werden die Gesundheit zunehmend durch Hitze belastet und neue Krankheitserreger sowie Allergene verbreitet. Eine sehr wirkungsvolle Maßnahme zur Abmilderung dieser Gefahren sind beispielsweise Grünflächen in der Stadt. Sie dienen unter anderem als Rückhalteflächen bei Starkniederschlägen und sind wegen ihrer klimaregulierenden Wirkung und CO2-Bindung von hoher Bedeutung.

Welche Maßnahmen noch getroffen werden können, um die Stadt widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu machen, sind der städtischen Planungshinweiskarte Stadtklima im Themenstadtplan zu entnehmen. Viel wichtiger ist es jedoch, die Ursachen der Klimaveränderung zu bekämpfen. Das heißt, die Klimaerwärmung muss gestoppt werden. Denn auch die Anpassungsmaßnahmen werden ihre Grenzen haben, insbesondere wenn die Erderwärmung über 1,5-Grad hinausgehen wird. Jeder kann und sollte seinen Beitrag leisten. Öfter das Auto stehen lassen, den Fleischkonsum reduzieren, das Kauf- und Konsumverhalten überdenken, regionale Produkte bevorzugen – jeder kann an seinem Verhalten Veränderungen vornehmen. Vielleicht ja noch ein Vorhaben für das neue Jahr.

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