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https://www.dresden.de/de/stadtraum/brennpunkte/augustusbruecke/feierliche-verkehrsfreigabe.php 10.02.2022 10:51:30 Uhr 28.11.2022 19:35:41 Uhr

Feierliche Verkehrsfreigabe

Nach fast fünf Jahren Sanierung haben die Dresdner und Dresdnerinnen ihre Augustusbrücke zurück. Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Hofkirche gab Oberbürgermeister Dirk Hilbert am Freitag, 28. Januar 2022, die Augustusbrücke zusammen mit Martin Dulig, Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr des Freistaats Sachsen sowie Superintendent Christian Behr und Dompfarrer Norbert Büchner für den Verkehr frei. Ab Montag, dem 31. Januar 2022, 3:30 Uhr verkehren dann auch die Straßenbahnlinien 4, 8 und 9 wieder über die Augustusbrücke.

Video zur Verkehrsfreigabe

Foto vom Programmheft des Ökumenischen Gottesdienstes
Programmheft des Ökumenischen Gottesdienstes
Oberbürgermeister Dirk Hilbert
Oberbürgermeister Dirk Hilbert
Ökumenischer Gottesdienst zur Freigabe der Augustusbrücke
Eine alte und eine neue Straßenbahn fahren zur Freigabe über die Augustusbrücke
Alt und Neu begegnen sich auf der Augustusbrücke
Zimmermann Uwe Juchler (Hentschke Bau GmbH) zur Verkehrsfreigabe in Tracht
Zimmermann Uwe Juchler (Hentschke Bau GmbH) zur Verkehrsfreigabe in Tracht
Oberbürgermeister Dirk Hilbert mit Martin Dulig, Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr des Freistaats Sachsen, den DVB-Vorständen Lars Seiffert und Andreas Hemmersbach und weiteren Beteiligten
Oberbürgermeister Dirk Hilbert mit Martin Dulig, Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr des Freistaats Sachsen, den DVB-Vorständen Lars Seiffert und Andreas Hemmersbach und weiteren Beteiligten
Straßenbahn auf der Augustusbrücke
Straßenbahn auf der Augustusbrücke

Nach fast fünf Jahren Sanierung haben die Dresdner und Dresdnerinnen ihre Augustusbrücke zurück. Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Hofkirche gab Oberbürgermeister Dirk Hilbert am Freitag, 28. Januar 2022, die Augustusbrücke zusammen mit Markus Dulig, Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr des Freistaats Sachsen sowie Superintendent Christian Behr und Dompfarrer Norbert Büchner für den Verkehr frei. Ab Montag, dem 31. Januar 2022, 3:30 Uhr verkehren dann auch die Straßenbahnlinien 4, 8 und 9 wieder über die Augustusbrücke.

„Heute empfinde ich genauso wie mein Amtsvorgänger Geheimrat Dr. Beutler zur Weihe der Augustusbrücke am 30. August 1910, als dieser sagte: Wenn wir nun heute das vollendete Bauwerk fertig zur Übergabe an seine Bestimmung vor uns sehen, so erfüllt uns vor allem das Gefühl des Dankes. Dank zu sagen an alle, die die Sanierung der Brücke nach über einhundert Jahren mit großer Fachkunde bewerkstelligt haben, ist mir ein Bedürfnis“, erklärt der Oberbürgermeister.

Mit dem Start der Sanierung im Jahr 2017 gab es Einschränkungen für den Verkehr auf der Brücke, der Straßenbahnbetrieb wurde eingestellt. Mit ihrer Freigabe ist die Augustusbrücke nun autofrei und bleibt, neben dem ÖPNV und Rettungsfahrzeugen, Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. Radfahrerinnen und Radfahrer nutzen künftig die Fahrbahn. Das neue geschnittene Pflaster auf der Fahrbahn wird dem Denkmalstatus der Augustusbrücke als auch den modernen Anforderungen an eine Fahrbahn für Radfahrer gerecht.

“Mit Fertigstellung der Augustusbrücke bekommen wir eine wichtige Straßenbahntrasse im Zentrum zurück. Immerhin verkehren mit der 4, 8 und 9 gleich drei Linien über das historische Bauwerk“, erklärt DVB-Vorstand Lars Seiffert. Sein Vorstandskollege Andreas Hemmersbach sagt: “Die Verbindung über den Theaterplatz spielt nicht nur für Einheimische eine große Rolle, sie auch ein Highlight für Touristen. Wo sonst kann man aus der fahrenden Straßenbahn ein solch geschichtsträchtiges Panorama der Dresdner Innenstadt bewundern.“     

 

Der Spagat zwischen Denkmalschutz und Modernisierung

Bei der Sanierung galt es der Augustusbrücke als Baudenkmal und auch modernen Anforderungen zu entsprechen. „Die Besonderheit bestand im denkmalpflegerischen Anspruch. Möglichst viel von der originalen Bausubstanz sollte erhalten werden. Gleichzeitig mussten die heutigen Vorschriften und Möglichkeiten Berücksichtigung finden, um die Brücke fit für die nächsten 100 Jahre zu machen“, erläutert Holger Kalbe, Projektleiter aus dem Straßen- und Tiefbauamt.

Trotz behutsamen Umgangs konnten nicht alle Bauteile der Brücke wiederverwendet werden. Die Schäden waren zum Teil zu groß, oder die Bauteile entsprachen nicht mehr den heutigen Anforderungen. So mussten die Bauleute zahlreiche Ersatzteile besorgen. „Bauteile wie beispielsweise für die Sandsteinarbeiten oder für die Herstellung der Beleuchtungsmasten nach historischem Vorbild waren nur durch Traditionshandwerk verfügbar. Katalogware kam bei solch einem anspruchsvollen Bauvorhaben nicht zum Einsatz“, berichtet Daniel Windisch, Projektleiter der ausführenden Baufirma Hentschke Bau.

Im Zuge der Sanierung musste der erste Brückenbogen auf der Altstädter Seite aufgrund massiver Schäden komplett neu gebaut werden. „Die wohl größte Herausforderung in der gesamten Bauzeit war der Ersatzneubau des Bogens über dem Terrassenufer unter den besonderen Vorgaben des Denkmalschutzes“, berichtet Bauleiter Kai Bräuer von Henschtke Bau. Hier galt es, die Kassettenoptik der Bogenunterseite von 1910 zu replizieren. „Die Ausschalung des Brückenbogens haben alle Kollegen vor Ort mit Spannung erwartet. Das Ergebnis hat nicht nur uns, sondern auch die Denkmalschützer zu 100 Prozent zufriedengestellt“, fügt Hentschke Bau Projektleiter Windisch hinzu.

 

Überraschungen im Brückeninneren

Eine denkmalgerechte Sanierung unterscheidet sich grundlegend von einem Brückenneubau. „Überraschungen sind nicht nur im Baugrund, wie das auch bei Brückenneubauten der Fall ist, zu erwarten, sondern auch im denkmalgeschützten Brückenbauwerk selbst“, erläutert Rolf Mörbt, Bausteuerer aus dem Straßen- und Tiefbauamt. „Das Freilegen des gesamten Bauwerkes ist immer mit Spannung verbunden – was erwartet uns als nächstes, welche bislang unbekannten Dinge tauchen auf? Besonders der nach 1945 wieder neu errichtete Bereich war spannend, da hierzu nur wenige Dokumente vorhanden waren“, erzählt Jörg Hoffmann, Projektleiter der externen Bauüberwachung vom Ingenieurbüro Leonhardt Andrä und Partner.

„Bei historischen Brücken ist erfahrungsgemäß eine Differenz zwischen den sehr alten Bestandszeichnungen und dem tatsächlichen Brückenbauwerk vorhanden. Wie groß diese bei der Augustusbrücke ausfällt, war allerdings ungewiss. Die Baumeister früherer Zeiten hatten ein enormes Geschick, die Brücken an die natürlichen Gegebenheiten anzupassen und mit dem verfügbaren Material zu arbeiten. Diesem Geschick galt es bei der Sanierung zu folgen“, erklärt Mathias Walter der Bauoberleiter von den IGS Ingenieuren.

Die Überraschungen waren dann tatsächlich vielfältig: Zum Beispiel unerwartete Geometrieabweichungen, nicht dokumentierte Sanierungen von Kriegsschäden, unbekannte Leitungen und große Steinblöcke, wo man aufgrund nachher eingearbeiteter Scheinfugen einzelne Steine erwartete.

 

Historische Brückenreste

Zum Vorschein kamen während der Bauarbeiten auch Überreste vom Brückenvorgänger aus dem Mittelalter, da dieser länger als die heutige Augustusbrücke war und einige Brückenbögen in den Uferbereichen im Laufe der Zeit zugeschüttet worden waren. „Das Freilegen der historischen Brücke direkt vor dem Blockhaus war ein erhebender Moment. Man fühlte sich, als hätte man eine Zeitkapsel geöffnet. Besonders aus Sicht erfahrener Brückenbauer war es interessant zu sehen, wie und womit damals gebaut wurde“ erinnert sich Bauleiter Kai Bräuer. Vier Wochen lang untersuchten und dokumentieren Archäologen den historischen Brückenbogen, bevor dieser wieder verfüllt wurde.

 

Gemeinsam geschafft

Um solch ein Großprojekt mit all seinen Herausforderungen und unter dem fortwährenden kritischen Blick der Öffentlichkeit zu verwirklichen, war die Zusammenarbeit vieler Beteiligter notwendig. Die Baufirma Hentschke Bau mit Nachauftragnehmern, die Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB) sowie Beschäftige des Straßen- und Tiefbauamtes und des Denkmalschutzes arbeiteten Hand in Hand zusammen. „Nicht immer war es einfach, die Interessen aller Beteiligten unter einen Hut zu bekommen. Probleme wurden offen angesprochen und konstruktiv sowie auf Augenhöhe gelöst“ resümiert Projektleiter Windisch. „Überraschungen in den Brückenbögen stellten so manch eingetaktete Zeitschiene auf den Kopf. Doch der Wille, diese Brücke für die nächsten Jahrzehnte nachhaltig zu sanieren, einte alle Projektbeteiligten und so gestaltete sich die Zusammenarbeit stets partnerschaftlich und zielführend“, ergänzt Bauleiter Bräuer.

 

Durchatmen und stolz sein

Nun ist es geschafft! „Jeder Projektabschluss ist ein Moment zum Durchatmen. Leider ist unsere schnelllebige Zeit meist schon randvoll mit Anschlussprojekten. Umso wichtiger ist es, kurz innezuhalten und zu rekapitulieren. Denn erst in solchen Momenten kann man tatsächlich realisieren, welch große Leistung hier vollbracht wurde. Und es macht stolz zu wissen, dass auch die eigenen Enkel noch über diese Brücke laufen werden“, resümiert Holger Kalbe, Projektleiter aus dem Straßen- und Tiefbauamt. „Die aufgetretenen Probleme gelöst zu haben ist eine Bereicherung an Erfahrung für kommende Aufgaben. Die projektbedingte Anspannung weicht nun einem gewissen Stolz, alle Unwägbarkeiten gemeistert zu haben“ fasst Mathias Walter, Bauoberleiter, zusammen.

Bis hierher war es ein langer und herausfordernder Weg. „Umso mehr freue ich mich, dass die Dresdner ihre Brücke nun zurückhaben. Allen Beteiligten, insbesondere den Bauarbeitern, Bauleitern und -planern möchte ich meinen herzlichen Dank aussprechen. Sie dürfen und sollten stolz auf das Geschaffene sein. Auch den Dresdnern gebührt ein Dankeschön für Ihre Geduld“, sagt Simone Prüfer, Leiterin des Straßen- und Tiefbauamtes. „Ein herzlicher Dank gilt auch dem Denkmalschutz für die gute Zusammenarbeit, den genehmigenden Behörden sowie dem Freistaat Sachsen, der Fördermittel für die Instandsetzung der Brücke beisteuerte“, betont Baubürgermeister Stephan Kühn.

Neben den Herausforderungen gab es für die Beteiligten auch viele schöne Momente. „In Erinnerung bleiben wird mir immer die Arbeit auf der Hubbühne vom Schubschiff mit Blick über das historische Dresden“ erinnert sich Karsten Engelmann von den Sächsischen Sandsteinwerken. „Es ist für mich immer etwas ganz Besonderes gewesen, an so einem schönen und beeindruckenden Ort arbeiten zu dürfen“, stimmt Silke Krötzsch, Bauleiterin der DVB, zu. 

Aufzeichnung des Gottesdienstes

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