Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de

https://www.dresden.de/de/rathaus/politik/oberbuergermeister/iwgr-2018.php 20.12.2018 14:34:50 Uhr 23.07.2019 17:00:36 Uhr

Grußwort zur bundesweiten Eröffnung der Internationalen Wochen gegen Rassismus

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

sehr geehrter Herr Dr. Micksch,

sehr geehrter Herr Zacchiroli,

sehr geehrte Frau Winkler,

verehrte Gäste,

Richard von Weizsäcker sagte einmal: „Europa muss, seinem Erbe getreu, einen neuen Humanismus verkörpern, als Hort der Menschenwürde und der sozialen Gerechtigkeit.“

Menschenwürde! – Unter diesem Wort ist zu verstehen, dass alle Menschen unabhängig von all ihren Unterscheidungsmerkmalen wie Herkunft, Geschlecht, Alter oder Zustand denselben Wert haben, und dass dieser Wert über dem aller anderen Lebewesen und Dinge steht.

Wir alle, egal, wo wir geboren und aufgewachsen sind, egal welcher Religion wir angehören oder ob wir Atheisten sind:

Wir alle sind Erdenbewohner, die Achtung, Höflichkeit und Respekt verdient haben.

Rassisten fordern und leben das genaue Gegenteil – und damit sind wir schon mitten im Thema:

Herzlich willkommen zum bundesweiten Auftakt der Internationalen Wochen gegen Rassismus.

Diese stehen wieder unter dem Motto „100 % Menschenwürde – Zusammen gegen Rassismus“.

Ich freue mich sehr darüber, dass meinem Beteiligungsaufruf im letzten Jahr so viele Akteure mit über 140 Angeboten gefolgt sind. Das sind deutlich mehr als 2017.

Dresden ist seit 2016 Teil der gleichnamigen bundesweiten Initiative, die von der Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus seit 2007 veranstaltet wird.

Ist das nicht etwas spät für Dresden, werden Sie sich hier im Saal fragen?! Ja, da gebe ich Ihnen Recht.

Nun ist es aber nicht so, dass sich vor 2016 niemand aktiv gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit oder Diskriminierung eingesetzt hat. Ganz im Gegenteil. Es gab bereits vorher Aktivitäten ehrenamtlicher Einzel-Akteure, die sich dem Thema gewidmet haben.

Die Aktionswochen bündeln nun alle Veranstaltungen von Vereinen, Verbänden, Einrichtungen, Institutionen und anderen Akteurinnen und Akteuren der Stadtgesellschaft.

Für diesen Denkanstoß danke ich ganz besonders Dr. Jürgen Micksch, der nicht nur die Landeshauptstadt Dresden ins sprichwörtliche gemeinsame Boot der Aktionswochen holte, sondern der sich auch dafür stark machte, dass in diesem Jahr die bundesweite Eröffnung hier stattfindet.

Die Aktionswochen in Dresden weichen vom bundesweiten Zeitraum ein wenig ab, weil wir am 6. April 2018 Jorge Gomondai anlässlich seines 27. Todestages gedenken. Er starb an den Folgen eines rassistischen Übergriffs am Albertplatz.

Aber auch der Mord an Marwa El-Sherbini am 1. Juli 2009 ist einer der schwärzesten Tage in Dresdens jüngster Geschichte. Marwa El-Sherbini war eine Mutter, Ehefrau, Handball-Nationalspielerin und Pharmazeutin – und sie setzte sich aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zur Wehr. Im Landgericht wurde sie mit ihrem ungeborenen Kind vor den Augen ihres Mannes und Sohnes ermordet, weil ein Nachbar es nicht ertragen konnte, dass sie ihren Glauben und ihre Herkunft selbstbewusst zeigte.

Im Andenken an diese Tat vergeben die Landeshauptstadt Dresden und der Freistaat Sachsen seit 2012 das Marwa-El-Sherbini-Stipendium. Ich freue mich, dass die neue Stipendiatin und damit Botschafterin für Weltoffenheit und Toleranz, Frau Youmna Fouad, heute ebenfalls dabei ist.

Jeden Tag werden wir durch den Tod dieser beiden Menschen schmerzlich daran erinnert, wie wichtig die Auseinandersetzung mit Rassismus und die gemeinsame Suche nach Wegen des partnerschaftlichen, respektvollen Miteinanders für eine friedliche und offene Stadtgesellschaft sind.

Warum ist das so wichtig?

Wir erleben es in unserer Stadt immer wieder, dass Andersaussehende und Anderssprechende angegriffen werden. Gewalttaten, aber auch menschenverachtende Äußerungen gegenüber Menschen anderer Kulturkreise und Glaubensrichtungen, die nach Ansicht Einiger nicht zu uns gehören, treten in Dresden leider immer noch und offen zu Tage.

Das widerspricht den freiheitlich-demokratischen Grundwerten unserer Gesellschaft und beschädigt auch das Image unserer Stadt.

Es ist deshalb notwendig zu zeigen, wofür die Mehrheit der Dresdner Stadtgesellschaft steht:

Nämlich für ein friedliches, solidarisches Miteinander in einem Dresden, in dem alle Menschen, unabhängig ihrer nationalen, kulturellen, religiösen oder sozialen Zugehörigkeit, ein sicheres Leben in Würde und Gerechtigkeit führen können.

Unsere Stadt darf nicht denen überlassen werden, die offen oder verdeckt Rassismus und Hetze verbreiten.

Meine Damen und Herren,

es ist für die Zukunft und das Zusammenleben in unserer Stadt unerlässlich, dass wir uns mit Rassismus und Feindseligkeit gegenüber bestimmten Menschengruppen auseinandersetzen.

Es ist nicht so, dass jeder, der zu einer rechtsgerichteten Demonstration geht, Frauen mit Kopftüchern bepöbelt.

Es ist auch nicht so, dass jeder, der AfD gewählt hat, Zugewanderte verprügelt.

Aber:

Die große Anzahl rechtsorientierter Sympathisanten gibt denen, die es tun, die scheinbar trügerische Sicherheit, im Interesse aller zu handeln.

Diesem rassistischen Nährboden müssen wir etwas entgegensetzen:

Wir müssen die Demokratie verteidigen, Grenzen setzen und die Opfer schützen!

Wir müssen Falschdarstellungen richtig stellen!

Wir müssen den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, die Bürgerbeteiligung als Kommune verbessern sowie Möglichkeiten der Begegnung und des Austauschs schaffen!

Dem dient ganz wesentlich das Programm der diesjährigen Internationalen Wochen gegen Rassismus.

Damit kann Dresden einen wichtigen Beitrag leisten, wenn es uns gelingt, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen und den Kontakt zwischen Einheimischen und Menschen aus anderen Kulturen zu fördern.

Ich danke allen Akteuren der Internationalen Wochen gegen Rassismus sehr herzlich für ihre engagierten Angebote.

Den Organisatoren danke ich dafür, dass sie dieses abwechslungsreiche Programm auf die Beine gestellt haben.

Ob Vorträge, Workshops, Ausstellungen, Gesprächsrunden, Lesungen, Theater, sportliche Angebote oder gemeinsames Kochen – ich bin mir sicher, in diesem Programm ist für jede und jeden etwas Spannendes, Bewegendes, Berührendes und Inspirierendes dabei.

Ich lade alle Dresdnerinnen und Dresdner sowie die Gäste dieser schönen Stadt herzlich ein, die Vielfalt der kommenden Aktionswochen selbst zu erleben, mitzumachen und zu genießen.

Ich fordere Sie alle aber auch auf: Bringen Sie sich ein und machen Sie sich stark, um Dresden zu einem lebenswerten Ort für alle Menschen zu machen.

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