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Meldung vom 13.05.2016

Dresdens „Fünf-Punkte-Plan“ für die Zukunft

Visionen für die „Zukunftsstadt Dresden 2030+“

Vision Dresden im Jahr 2030+: 600.000 Einwohner leben und arbeiten in einer grünen und ruhigen Metropole. Radwege durchziehen die Stadt, Elektroautos fahren fast lautlos durch die Straßen und für jeden fußläufig erreichbar sind Gemeinschaftsgärten, die es überall im Stadtgebiet gibt. Dresdens Einwohner versorgen sich mit lebenswichtigen Dingen zum größten Teil aus der Region. Die Stadt ist ein großer Campus, auf dem sich die Bürgerschaft im demokratischen und respektvollen Miteinander mit lokalen, regionalen und globalen Fragestellungen beschäftigt und in praxisnahen Reallaboren nach Lösungen sucht. Mittelpunkt dafür ist ein „Haus der Kompetenzen/Haus der Nachhaltigkeit“. Gleichzeitig schickt die Stadt jedes Jahr mehrere Botschafter in die Welt, um Dresdens Expertise global anzubieten und gleichzeitig neue Impulse mit zurückzubringen.

Das hier gezeichnete Bild der Landeshauptstadt Dresden ist noch Zukunftsmusik. Die genannten Punkte sind einige von vielen Visionen, die mehr als 1.000 Dresdnerinnen und Dresdner zwischen September 2015 und März 2016 während einer Fahrt mit einer der Zukunftsbahnen oder in einem Workshop im Rahmen des Projektes „Zukunftsstadt Dresden 2030+“ zusammengetragen haben.

Mit dem Projekt beteiligt sich Dresden am Wettbewerb „Zukunftsstadt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). 51 Städte und Gemeinden wollen in dem dreistufigen Wettbewerb zeigen, wie Forschung schon heute dazu beiträgt, Städte nachhaltig und lebenswert zu gestalten. Ob sichere Energie und klimaangepasstes Bauen, Wohnen, Arbeiten oder Freizeit, Kultur, Bildung und Mobilität: Bürgerinnen und Bürger lösen gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft und Politik vor Ort die großen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Durch erfolgreich angeschobene bzw. umgesetzte Projekte will Dresden eine „Zukunftsstadt“ mit Vorbildcharakter werden. „Damit können wir unterstreichen, dass Dresden nicht nur für Tradition und Kultur steht, sondern hier auch Lösungen für die globalen Herausforderungen der Zukunft gefunden werden“, sagt Dr. Robert Franke, Leiter Amt für Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Dresden. „Die Teilnahme an dem Zukunftsstadt-Wettbewerb ist für Dresden eine riesige Chance, die vorhandenen Potenziale noch besser zu nutzen. Auf der einen Seite gibt es beispielsweise eine Vielzahl hervorragender Wissenschaftseinrichtungen, auf der anderen Seite eine engagierte, kreative Bürgerschaft, die ihre Stadt nachhaltig mitentwickeln möchte. Der Wettbewerb bietet ihnen die Möglichkeit, sich einzubringen“, so Franke.

Mit Blick auf die rege Beteiligung der Dresdner in der ersten Projektphase sagt Norbert Rost, Projektleiter „Zukunftsstadt: Open City Dresden – Gemeinsame Verantwortung für eine Nachhaltige Stadtentwicklung“: „Sie zeigt das große Interesse der Menschen an der Entwicklung ihrer Stadt. Die Formate der Bürgerbeteiligung treffen ihren Nerv. Die Dresdnerinnen und Dresdner wollen sich einbringen und Verantwortung übernehmen, wenn es um die zukünftige Entwicklung der Metropole geht. Schon jetzt wird deutlich, dass sie ihre Stadt nicht auf Kultur und Geschichte reduzieren, sondern zukunftsweisende Ideen haben, wie Dresden Vorbildwirkung in Europa entfalten kann.“

Mehr als 700 Meinungen und 70 einzelne Visionen sind innerhalb der ersten Projektphase entwickelt und zusammengetragen worden. Daraus entstand eine Art „Fünf-Punkte-Plan für Dresdens Zukunft“, der nun zur Diskussion und zur Weiterentwicklung steht. Dieser Plan umfasst fünf Handlungsfelder, die von der Perspektive des einzelnen Bürgers hin zum globalen Denken reichen:

  1. Selbstverantwortung: In Dresden herrscht eine Vielfalt der (Sub-)Kulturen auf Basis einer „Kultur des respektvollen Miteinanders“. Jeder nimmt dies als Win-Win-Situation wahr. Gemeinsam wird in nachbarschaftlichen Initiativen daran gearbeitet, den ökologischen Fußabdruck der Stadt zu verringern und die Ressourcenansprüche den regionalen und globalen Rahmenbedingungen anzupassen.
  2. Nachbarschaftliche Verantwortung: Das Leben in Dresden ist kein anonymes Dasein, sondern ein nachbarschaftliches Miteinander in allen Stadtteilen. Die Menschen identifizieren sich mit ihrem Stadtteil, haben aber auch die Entwicklung der Gesamtstadt mit im Blick und als Ziel.
  3. Regionale Verantwortung: Die Stadt Dresden zeichnet eine Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen und negativen Einflüssen aus. Dazu gehören regionale Extremsituationen wie z. B. Hochwasser genauso wie globale Finanz- und Wirtschaftskrisen oder auch Energieengpässe. Diese Widerstandsfähigkeit speist sich hauptsächlich aus der starken regionalen Einbettung der Stadt. Dresden hat sich als „Solar City“ einen Namen gemacht und der regionale Versorgungsgrad mit lebenswichtigen Dingen (Nahrung, Energie etc.) liegt bei 73 Prozent.
  4. Gesellschaftliche Verantwortung: Entscheidungsprozesse in der Stadt basieren auf einer „Kultur der Bürgerbeteiligung“, die europaweit Vorbild-Charakter hat. Demokratische Umgangsformen bestimmen das respektvolle Miteinander. Jeder Dresdner Bürger begreift sich im Alltag als Forscher, als „Citizen Scientist“. Globale, regionale und lokale Fragestellungen werden von der Stadtgesellschaft aufgegriffen und durch kreative Beteiligungsformen verarbeitet.
  5. Globale Verantwortung: Dresden richtet sein lokales Handeln an den globalen Herausforderungen und den UN-Nachhaltigkeitszielen aus. Stadtbotschafter bereisen mit Jahresstipendien die Welt und stellen die in Dresden entwickelten sozialen und technischen Innovationen global zur Verfügung. Gleichzeitig nehmen sie Inspirationen auf und bringen neue Impulse zur Weiterentwicklung mit zurück in die Stadt. Ein „Haus der Kompetenzen/Haus der Nachhaltigkeit“ ist Dresdens nachhaltige Schnittstelle zur Welt.

Das Visionsbild „Zukunftsstadt Dresden 2030+“ mit seinen fünf Handlungsfeldern richtet sich nach dem Grundsatz: „Lokal nachhaltig Handeln – Global weitsichtig Denken“, eingebettet in eine Kultur des respektvollen Miteinanders und des Meinungsaustausches.

Dazu sagt Dr. Markus Egermann vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, das wissenschaftlicher Partner im Projekt „Zukunftsstadt Dresden 2030+“ ist: „Der zentrale Fokus für die künftige Entwicklung Dresdens liegt auf einer nachhaltigen Entwicklung und dem Einsatz vorbildhafter Bürgerbeteiligungsmodelle, mit denen die Dresdner ihre Stadt als mündige Bürger selbst gestalten und dabei auf wissenschaftliche Erkenntnisse von Forschern und Bürgerwissenschaftlern gleichermaßen setzen. Denn: Nachhaltig zu handeln und wissenschaftlich zu denken, ist beides in der Dresdner Stadtgesellschaft verwurzelt. Wir haben in unserem EU-Forschungsprojekt ARTS über 50 Dresdner Initiativen identifiziert, die heute schon eine nachhaltige Zukunft praktizieren, indem sie teilen statt besitzen, Ressourcen sparen, sich in Verbrauchergemeinschaften für bio-regionale Lebensmittel (übrigens der größten ihrer Art in Deutschland) oder Genossenschaften zur Nutzung erneuerbarer Energien organisieren. Zudem haben laut Bürgerumfrage mehr als 40 Prozent der Dresdner Berufstätigen einen akademischen Abschluss und viele davon sind beruflich weltweit tätig. Eine vielversprechende Kombination aus lokalem Handeln und globalem Wissen. Dieses Potenzial gilt es zu nutzen!“

Jemand, der als Person für dieses Dresdner Potenzial in Wissenschaft und Wirtschaft steht und es gern in das Projekt „Zukunftsstadt Dresden 2030+“ einbringen möchte, ist der Experte für Digitalisierung, Prof. Dr. Frank Schönefeld, Geschäftsleitung der Dresdner T-Systems Multimedia Solutions GmbH und Vorstand beim Hightech-Cluster Silicon Saxony e. V. sowie im dortigen Fachbereich Software Saxony. Er sieht in digitalen Plattformen optimale Instrumente, um handelnde Personen und Entscheider aus Stadt, Forschung und Industrie zu vernetzen und damit eine agile Innovationskultur zu befördern. „Digitale Güter und Dienstleistungen skalieren unbegrenzt und zu Grenzkosten Null. Insofern sind digitale Lösungen wie Portale oder Apps die modernste und kostengünstigste  Art, den Bürgerzugang und die Bürgerpartizipation zu realisieren. Aber die Stadt kann weitere digitale Produkte und Dienstleistungen anbieten, z. B. OpenData Zugänge oder Smart City Pilotprojekte. Hohes Potenzial besteht in der durchgängigen Digitalisierung der Stadtverwaltung (elektronisches Grundbuch etc.) – Stichwort: Dresden Digital. Von der Forschungsseite und Industrieseite her ist Dresden gut für die Zukunft gerüstet, die Schlüsseltechnologien für Industrie 4.0 und das Internet der Dinge (Sensoren, Aktoren, Systeme, Software) werden vor Ort erforscht, produziert und angewendet“, so Schönefeld.

Dass Dresdens Potenziale nur durch ein Hand in Hand von Bürgerschaft, Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam gehoben werden können, ist sich Hendrik Kamp, Mitinitiator und Vertreter von „Dresden 2030 & Beyond“, sicher: „Für die Gestaltung von Dresdens Zukunft braucht es Menschen mit Gestaltungswillen und entsprechenden Ressourcen, die wie wir davon überzeugt sind, dass Dresden mehr als eine Stadt mit großer Geschichte ist. Dresden 2030 & Beyond versteht sich als Forum, um bürgerschaftliches Engagement zu inspirieren und zu unterstützen. Jenseits tagesaktueller Fragen und Probleme möchten wir den Blick weiten für eine prosperierende, lebenswerte Bürgergesellschaft der Zukunft im Herzen Europas.“ Im Vorfeld der Bewerbung der Landeshauptstadt für den „Zukunftsstadt-Wettbewerb“ hat sich Dresden 2030 & Beyond von Beginn an als Ideengeber in die Arbeit des Projektteams eingebracht. „Die heute vorgestellten Ergebnisse der ersten Wettbewerbsphase sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Deshalb werden wir uns auch weiterhin einbringen“, sagt Kamp.

Als Vertreter der Wissenschaft ist Prof. Dr. Hubert Jäger, Vorstandssprecher des Instituts für Leichtbau und Kunststofftechnik der TU Dresden, jemand, der sich immer wieder einbringt, Zukunftsvisionen für Dresden laut zu denken und damit Anregungen zu geben. Seine Ansätze sind dabei u. a. die Themen Verkehrsanbindung und Infrastrukturen: „Eine Stadt der Zukunft muss gefallen, dynamische und soziokulturelle Voraussetzungen erfüllen und bereit sein für eine zukunftsfähige Wirtschaft. Zur notwendigen Attraktivität für deren Bewohner und Besucher sind Rahmenbedingungen notwendig, die gemeinsam geschaffen werden müssen. Dazu gehören neben guten Verkehrsanbindungen zu anderen Regionen auch eine innerörtliche verkehrstechnische Erschließung, ein investitions- und Start-up-freundliches Klima und eine mutige Stadtverwaltung, die die Zukunftsgestaltung aktiv steuert.“ Dresdens zukünftige Rolle sieht er u. a. darin, „eine Vorbildfunktion zu übernehmen hinsichtlich intelligenter Systeme und Strukturen, was sich am Beispiel energieeffizienter Infrastrukturen wie Gebäuden und Verkehrsführungen im internationalen Vergleich messen lassen kann. Dafür bietet das DRESDEN-concept beste Entwicklungsvoraussetzungen zur Umsetzung und muss nur noch gemeinsam aktiviert werden“.

Das Visionsbild „Zukunftsstadt Dresden 2030+“ mit seinen fünf Handlungsfeldern ist das erste Zwischenergebnis des Wettbewerbes und Abschluss der ersten Phase. Auf dem Weg der Visionsfindung sind in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftspartnern des Projekts, dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und der Forschungsgruppe Wissensarchitektur an der TU Dresden (WissArch), Werkzeuge entstanden, die auch für künftige Visionsfindungen nutzbar sind: Visionsblatt und Workshop, „Zukunftsmatrix“, „Visionsfinder“ und „Visionsbaustelle“ sowie Zukunftsbahnmaterial. Der entstandene Zwischenbericht wurde auf der Berliner BMBF-Konferenz „Wege in die Zukunftsstadt" vorgestellt.

Zukunftskonferenz am 21. Mai in Dresden  

Die Zukunftskonferenz ist der Abschluss der ersten Phase des Projekts „Zukunftsstadt“. Bei der Konferenz wird das Zukunftsbild präsentiert, diskutiert und weiterentwickelt. „Die Mitwirkenden und die gesamte Dresdner Stadtgesellschaft sind aufgerufen, die Zukunftsideen für ein nachhaltiges Dresden aufzugreifen und weiterzuentwickeln“, so Dr. Robert Franke. Oberbürgermeister Dirk Hilbert wird die Zukunftskonferenz eröffnen. Die Teilnahme an der Zukunftskonferenz ist kostenfrei, um Anmeldung wird gebeten über http://www.dresden.de/zukunftsstadt. Anmeldeschluss: 18. Mai 2016. Medienvertreter sind ebenfalls herzlich zur Zukunftskonferenz eingeladen.

Bis zum 17. Juni wird sich die Landeshauptstadt Dresden gemeinsam mit den Projektpartnern für die zweite Projektphase beim BMBF bewerben. Dann gilt es ab November 2016, mit möglichst breiter Bürgerbeteiligung einen Plan zu erstellen: Wie kommen wir vom Heute zur Vision der nachhaltigen Stadt? In Vorbereitung darauf bringt die Konferenz interessierte Dresdner Zukunftsdenker zusammen. In der dritten Phase ab 2018 werden schließlich acht Kommunen erste innovative Ideen in sogenannten „Reallaboren“ in die Praxis überführen.

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