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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/archiv/2015/06/pm_133.php 16.07.2015 13:35:29 Uhr 23.02.2020 15:47:25 Uhr
Meldung vom 16.07.2015

Marwa El-Sherbini – Stipendium für Weltoffenheit und Toleranz ausgelobt

Aufruf zur Gedenkveranstaltung am 1. Juli

(Gemeinsame Pressemitteilung mit der Sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Integration)

Zum zweiten Mal loben der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden ein gemeinsames Stipendium zum Gedenken an Marwa El-Sherbini aus. Es beginnt am 1. Oktober 2015. Sie setzen damit ein Zeichen für Weltoffenheit, Toleranz und gesellschaftliche Vielfalt.

„Der Todestag von Marwa El-Sherbini jährt sich am 1. Juli zum sechsten Mal. Dieses tragische Ereignis berührt bis heute viele Menschen weit über Dresden hinaus. Mit dem Stipendium wollen wir an eine mutige, kluge Frau erinnern und für die kommenden zwei Jahre einen jungen Menschen fördern, der sich für Freiheit, Demokratie sowie die Grund- und Menschenrechte einsetzt“, erklärt die Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping.

„Unser Ziel ist es, dass die schreckliche Tat im Landgericht Dresden nicht in Vergessenheit gerät. Gleichzeitig geht es aber nicht nur um das Erinnern, sondern auch um das Verändern. Die Stipendiaten sind Brückenbauer zwischen den unterschiedlichen Nationalitäten und Kulturen die in Dresden beheimatet sind“, erklärt der Erste Bürgermeister Dirk Hilbert. Er nimmt am Mittwoch, 1. Juli, 13 Uhr am Stillen Gedenken im Landgericht teil.

Voraussetzungen, die der Stipendiat oder die Stipendiatin erfüllen muss, sind hervorragende Leistungen in Schule und Studium, interkulturelle Kompetenz, hohes gesellschaftliches Engagement, politisches Interesse und Kreativität. Gefördert werden Studierende Dresdner Hochschulen im Aufbau- oder Ergänzungsstudien im Rahmen einer zweiten wissenschaftlichen Ausbildung, für die Dauer von bis zu zwei Jahren. Wer sich für das Stipendium bewirbt, muss bereits einen Bachelor-Abschluss oder ein Abschluss in einem traditionellen, einstufigen akademischen Studiengang haben.

Im DRESDEN-concept e. V. wurde dafür das Marwa El-Sherbini Förderungswerk eingerichtet. Bewerbungen können bis zum 31. Juli 2015 bei DRESDEN-concept eingereicht werden. Die Antragsunterlagen sind auf www.dresden-concept.de abrufbar.

Integrationsministerin Köpping rief gleichzeitig zur Teilnahme an der Gedenkkundgebung aus Anlass des Todestages von Marwa El-Sherbini auf, die der Dresdner Ausländerrat e.V. gemeinsam mit weiteren Vereinen für die ermordete Ägypterin organisiert, am Mittwoch, 1. Juli 2015, 18 Uhr, vor dem Landgericht Dresden, Lothringer Straße 1.

Köpping betonte: „Das ist ein öffentliches Bekenntnis für das friedliche Zusammenleben aller hier lebenden Menschen - unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Religion und ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit. Wer Ängste schürt, bereitet den Boden für Diskriminierung Rassismus und schadet damit uns allen."

Hintergrund

Marwa El-Sherbini wurde 1977 in Alexandria als Tochter des Chemiker-Ehepaares Ali El-Sherbini und Laila Shams geboren. Während ihrer Schulzeit am English Girls College in Alexandria engagierte sie sich als Schulsprecherin. Sie studierte Pharmazie und schloss 2000 ihr Studium erfolgreich ab. Neben ihrer Ausbildung war sie von 1992 bis 1999 als Spielerin der ägyptischen Handballnationalmannschaft der Frauen aktiv. Im Jahr 2005 kam Marwa El-Sherbini mit ihrem Mann, dem Genforscher Elwi Ali Okaz, nach Deutschland. 2006 wurde der gemeinsame Sohn geboren. 2008 wurde Okaz als Doktorand am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik angestellt, die Familie zog nach Dresden.

Im August 2008 wurde Marwa El-Sherbini von dem Russlanddeutschen Alex Wiens auf einem Dresdner Spielplatz als „Islamistin“ und „Terroristin“ beschimpft. Die Polizei wurde eingeschaltet und gegen Wiens Anklage erhoben. In der Gerichtsverhandlung am 1. Juli 2009 tötete Alex Wiens Marwa El-Sherbini, als diese nach ihrer Zeugenaussage den Gerichtssaal verlassen wollte und verletzte ihren Mann lebensgefährlich. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem Einzeltäter, der aus einer „extrem ausländerfeindlichen Motivation“ handelte. Alex Wiens wurde am 11. November 2009 durch das Landgericht Dresden wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

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