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Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2026/06/pm_012.php 04.06.2026 12:06:18 Uhr 11.06.2026 15:37:12 Uhr |
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Italienisches Dörfchen: Wiederinbetriebnahme mit neuem Konzept
Verkauf des Erbbaurechts soll Neuanfang ermöglichen – Entscheidung trifft der Stadtrat
Ende 2023 schlossen sich die Türen des Italienischen Dörfchens. Die Gastronomie war unwirtschaftlich geworden und der Sanierungsstau hatte überhandgenommen. Die Landeshauptstadt Dresden als Eigentümerin der Immobilie suchte daraufhin intensiv nach einer Lösung, um das stadtbildprägende und denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten und wiederzubeleben. Dabei sollte die Rechtsform des Erbbaurechts beibehalten werden. Es stellt sicher, dass die Stadt auf Nutzung und Erhaltung Einfluss nehmen kann, ohne selbst direkt in das Gebäude investieren zu müssen.
Eine Lösung ist nun gefunden: Die Altmann GbR als bisherige Erbbaurechtsnehmerin verkauft das Erbbaurecht mit Zustimmung der Landeshauptstadt an die „KFA Kultur für alle gGmbH“ – bekannt als Betreiberin des Palais-Sommers. Voraussetzung dafür ist, dass der Stadtrat der entsprechenden Vorlage zustimmt. Passiert das, kann umgehend mit der Sanierung und Wiederbelebung des Italienischen Dörfchens begonnen werden.
Stephan Kühn, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften„Vielen Dresdnerinnen und Dresdnern schmerzt es, dass das Italienische Dörfchen seit Jahren geschlossen ist. Jetzt kann endlich wieder Leben in das Erlwein-Gebäude am Theaterplatz einkehren. Und mehr noch: Das wiederbelebte Italienische Dörfchen wird das kulturelle Leben der Stadt bereichern. Das neue Nutzungskonzept schenkt den Dresdnerinnen und Dresdnern einen attraktiven neuen Erlebnis- und Begegnungsort mit Anziehungskraft.“
Nutzungskonzept der „KFA Kultur für alle gGmbH“
Dreh- und Angelpunkt für einen erfolgreichen Betrieb des Italienischen Dörfchens durch die KFA ist das Nutzungskonzept. Demnach soll das Gebäude gemeinsam mit Kooperationspartnern aus der Umwelt-, Kultur- und Sozialwirtschaft in einen gemeinwohlorientierten Kultur-, Gastronomie- und Veranstaltungsort umgewandelt werden. Geplant ist ein „Konzerthaus“ für Musikveranstaltungen, Lesungen, Tanzveranstaltungen für verschiedene Altersgruppen sowie private Events.
Ein Kunstsalon und eine Galerie mit integrierter Café-Bar bieten Raum für zeitgenössische Kunst, Vorträge, Musikreihen, Hochzeiten und Unternehmensveranstaltungen. Großer und kleiner Kaffeesaal sowie die Weinstube werden wieder der Gastronomie dienen.
In Kooperation mit Wohlfahrts- und Sozialorganisationen sollen darüber hinaus inklusive Arbeits- und Qualifizierungsangebote in Gastronomie, Kultur und Veranstaltungsorganisation entstehen, die bewusst auch für Menschen mit Unterstützungsbedarf konzipiert sind.
Jörg Polenz, Geschäftsführer der KFA Kultur für alle gGmbH„Wir möchten die deutsch-italienische Geschichte des Ortes weitererzählen und das Haus zu einem Ort der Gemeinschaft, der Kunst und Kultur weiterentwickeln – kombiniert mit einer regional ausgerichteten Gastronomie zu moderaten Preisen, die gesellschaftliche Teilhabe für jeden spürbar macht. Im ersten Schritt stoppen wir den Verfall: Notwendige Reparaturen werden sofort durchgeführt, um eine schnelle Öffnung zu ermöglichen. Unser Ziel ist es, dass schon Anfang 2027 wieder echtes Leben in das Haus einzieht. Die Öffnung des Hauses soll durch eine breite Bürgerbeteiligung getragen werden. Dresdnerinnen und Dresdner werden Spendenzertifikate erwerben können. Jede Spenderin, jeder Spender wird mit dem eigenen Namen vor Ort dauerhaft sichtbar sein. Denn dieses Haus ist ein Stück von uns allen – es ist unser gemeinsames Erbe und gehört zum Herzen unserer Stadt.“
Finanzierung und zeitlicher Ablauf
Um das Vorhaben in der Startphase zu entlasten, ist unter anderem geplant, während der ersten Sanierungsarbeiten vor der Wiedereröffnung seitens der Landeshauptstadt keinen Erbbauzins für das Gebäude des Italienischen Dörfchens zu erheben. In den Folgejahren soll dann der Erbbauzins auf den für Kultur- und Sozialeinrichtungen üblichen Wert reduziert werden. Auch die Eintragung erhöhter Grundschulden auf das Erbbaurecht wird ermöglicht.
Für die erste Sanierungsphase – Stopp des Verfalls und Vorbereitung der Wiedereröffnung – bringt die KFA rund 1,5 Millionen Euro auf, abgesichert durch einen Bankkredit. Wobei hier das große Ziel der KFA ist, diesen ersten Schritt über den Verkauf von Bürgerbeteiligungszertifikaten zu stemmen. Weitere 3,5 Millionen Euro Investitionen sollen dann in der zweiten Renovierungsphase bis Ende 2028 erfolgen.
In den nächsten Phasen soll die vollständige Barrierefreiheit hergestellt werden, inklusive eines neuen Personenaufzugs sowie des Umbaus des Kellers zur Schaffung von modernen Ausstellungsräumen und einer Cinemathek. Zudem sollen die Außenanlagen neugestaltet, die in die Jahre gekommene Haustechnik komplett erneuert und alle denkmalgeschützten Bereiche fachgerecht und behutsam restauriert werden.
Hintergrund
Das Italienische Dörfchen wurde in den Jahren 1911 bis 1913 nach Plänen von Hans Erlwein erbaut. 1993 übergab die Landeshauptstadt das Italienische Dörfchen am Theaterplatz und das Basteischlösschen am Terrassenufer im Erbbaurecht an die Altmann GbR in Hamburg. Während der Gastronomiebetrieb im Basteischlösschen den Schwierigkeiten trotzte und sich zu einem Anziehungspunkt am Elbradweg entwickelte, erwies sich der Betrieb des um ein Vielfaches größeren Italienischen Dörfchens als zunehmend schwierig. Die Stadt reagierte mit einer Senkung des Erbbauzinses. Dennoch erwies sich der reine Gastronomiebetrieb als nicht mehr zukunftsfähig und auch die Gebäudesubstanz litt aufgrund fehlender Investitionen durch den Erbbaurechtsnehmer. Feuchtigkeit drang in die Gemäuer und schädigte unter anderem die Innenbemalung. Die Haustechnik muss im gesamten Gebäude mit seinen rund 3.200 Quadratmetern Nutzfläche dringend erneuert werden, es sind Instandsetzungsarbeiten an der Fassade notwendig und die Barrierefreiheit ist herzustellen. Zuletzt beeinträchtigte die Interims-Fernwärmeleitung direkt vor dem Gebäude die Zugänglichkeit und Attraktivität des Erlweinbaus.