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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2026/03/pm_001.php 02.03.2026 13:05:05 Uhr 16.03.2026 13:07:48 Uhr

Kunstpreis 2026 der Landeshauptstadt Dresden für Fotograf Matthias Creutziger

Förderpreise gehen an Musikerinnen und Musiker von ÄTNA und Banda Comunale

Seit 1993 vergibt die Landeshauptstadt Dresden jährlich einen Kunstpreis sowie bis zu zwei Förderpreise an herausragende Künstler, Kulturakteure oder Initiativen. In diesem Jahr wird der mit 10.000 Euro dotierte Kunstpreis an den Dresdner Jazz- und Theaterfotografen Matthias Creutziger verliehen. Das international erfolgreiche Musikduo ÄTNA mit Inéz und Demian Kappenstein sowie die Banda Comunale werden jeweils mit einem Förderpreis und dem Stipendium der Arras-Stiftung ausgezeichnet.

Mit dieser Ehrung unterstreicht die Landeshauptstadt Dresden ihr Engagement für die Kunst- und Kulturszene und fördert Akteurinnen und Akteure, die mit ihrer Arbeit künstlerische Impulse für die kulturelle Entwicklung der Stadt und überregional setzen. 
In Kooperation mit der Arras-Stiftung erhalten die Förderpreisträgerinnen und -träger neben den jeweils mit 5.000 Euro dotierten Förderpreisen ein zusätzliches Stipendium in Höhe von jeweils 2.500 Euro. 
Bis zum 31. Oktober des Vorjahres wurden insgesamt 70 Vorschläge eingereicht. Vorschlagsberechtigt waren Bürgerinnen und Bürger wie auch Institutionen und Verbände. Die durch den Stadtrat berufene Jury wählte daraus die drei Preisträgerinnen und Preisträger aus. Die feierliche Preisverleihung findet am 1. Juni 2026 statt. 

„Die Preisträgerinnen und Preisträger 2026 rücken Musik mit ihrer verbindenden Kraft als zentrales Ausdrucksmedium in den Mittelpunkt. Der performative Akt in der Musik ist dabei das verbindende Element, das sie alle auf ihre eigene Weise künstlerisch zum Ausdruck bringen. Alle drei Preisträger stehen für Dresden exemplarisch als künstlerisches und musikalisches Labor zwischen Tradition und Gegenwart, Internationalität, performativer Energie und gesellschaftlicher Haltung.“

Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch, Vorsitzende der Jury

Kunstpreis 2026 - Matthias Creutziger

Matthias Creutziger, 1951 in Härtensdorf (Sachsen) geboren, widmete sich nach seiner Zeit als Bauingenieur ganz der Musik- und Theaterfotografie. Zwischen 1989 und 1991 war er zudem Referent für Jazz beim Landesmusikrat Niedersachsen. Viele Jahre lang war Creutziger fester Theaterfotograf der Sächsischen Staatsoper Dresden und der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Er begleitete internationale Tourneen und prägte somit über Jahrzehnte das fotografische Bild des Dresdner Musiklebens. Darüber hinaus gestaltete er Fotovorlagen für Bühnenbilder, war künstlerischer Leiter der Konzertreihen „Jazz in der Philharmonie“ in Ludwigshafen und „Jazz in der Semperoper“ in Dresden und kuratierte Foto- und Grafikausstellungen in ganz Deutschland. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Fotografien von ihm befinden sich in renommierten öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter in der Deutschen Fotothek. Für sein Schaffen erhielt er mehrfach Auszeichnungen. 
 

Begründung der Jury 

„Matthias Creutziger gilt als präziser Chronist der Dresdner Musikgeschichte im 20. und 21. Jahrhundert. Seine Fotografien verwandeln Aufführungen und Konzerte in intensive Bildmomente, in denen sich Klang, Bewegung und Emotion verdichten. Seit seinen frühen Jahren als Jazz-Rezensent in der DDR beobachtete und dokumentierte er mit wachem Blick eine lebendige, oft widerständige Musikszene. Als langjähriger Fotograf von Semperoper und Sächsischer Staatskapelle Dresden prägte er das visuelle Gedächtnis zentraler Institutionen; zugleich war und ist er in Jazzclubs, auf Festivals sowie in Theatern und Museen präsent. Die Sicherung seiner Arbeiten durch die Deutsche Fotothek würdigt ein Werk, das musikalische Praxis als kulturelle Erfahrung sichtbar macht und als unverzichtbarer Bestandteil der Dresdner Erinnerungskultur fortwirkt.“

„Der Kunstpreis kam für mich überraschend, ich freue mich und bedanke mich sehr. Er ist ein Zeichen dafür, dass die Fotografie hier auch ihren Platz hat. Diese Ehrung gilt aber auch für die von mir fotografierten Personen. Diese Menschen habe ich immer meine Wertschätzung spüren lassen und beim Arbeiten versucht, den künstlerischen Prozess nicht zu stören. Mit einer Atmosphäre des Vertrauens wurde ich belohnt. Das war und ist für mich der Schlüssel für eine authentische, unverfälschte Fotografie. Diese Auszeichnung interpretiere ich deshalb auch als Statement für ein respektvolles Miteinander. Das gilt selbstverständlich nicht nur für die Welt der Kunst.“

Matthias Creutziger

Jeweils einen Förderpreis vergibt die Landeshauptstadt an die Band ÄTNA sowie die Banda Comunale.

Förderpreis 2026 - ÄTNA

ÄTNA ist es in wenigen Jahren gelungen, sich einen Ruf als eines der innovativsten neuen Electro-Musikprojekte aufzubauen und aus dem Underground zu einem der gefragtesten Live-Acts Europas aufzusteigen. Sängerin Inéz und der Schlagzeuger Demian Kappenstein lernten sich an der Hochschule für Musik in Dresden kennen und fanden schnell zu einer gemeinsamen künstlerischen Sprache. Das Dresdner Duo macht alles andere als Norm-Pop, „Kunstvolle Stimulation“ ist vielleicht die treffendste Beschreibung. Als avantgardistisch klingende Künstlerinnen und Künstler mit einem ausgeprägten Gespür für eingängige Hooks und treibende Rhythmen sind ÄTNA ein Kraftzentrum der Kreativität und musikalischen Innovation. Dabei werden Grenzen gesprengt, von gängigen Genre- und Geschlechtervorstellungen über Rollenvorstellungen und stilistischen Konventionen bis hin zu althergebrachten Vorstellungen davon, was Musik darf und soll. Komplettiert wird die Musik von ÄTNA durch ihre visuelle Welt, ein weiterer Mosaikstein in ihrem Multiversum aus Klang, Design, Mode, Bewegung und Sprache, Virtualität und Verrücktheit.

Begründung der Jury 

„ÄTNA steht für Musik, die Grenzen sprengt und Herzen erreicht. Inéz und Demian Kappenstein verweben Jazz, Electro und Pop zu faszinierenden Klangwelten voller Intensität. Mit ihrer außergewöhnlichen Bühnenpräsenz begeistern sie auch ein internationales Publikum. Dennoch bleibt das Duo der Stadt Dresden verbunden, hier verorten sie ihr Schaffen und treten für eine vielschichtige und offene Musikszene ein.“

„Dresden ist der Ort, an dem unsere gemeinsame künstlerische Reise begann und bis heute fortwährt. Hier entstehen unsere Ideen, hier entwickeln wir uns als ÄTNA ständig weiter. Umso schöner ist es, dass nun unsere Arbeit von unserer Heimatstadt wahrgenommen und gewürdigt wird.“

ÄTNA

Förderpreis 2026 - Banda Comunale  

Die im Jahr 2001 als Protest gegen Neonazi-Aufmärsche gegründete Dresdner Brassband Banda Comunale mischt Brass, Balkanbeats, Klezmer, Afrofunk und Cumbia zu einem mitreißenden, feierlichen Sound. Das rund 20-köpfige Kollektiv aus lokalen und internationalen Musikerinnen und Musikern begleitet seit seinen Anfängen Demonstrationen wie „Laut gegen Nazis“ und spielte bereits über 600 Konzerte bei Festivals, in Flüchtlingsheimen und Gefängnissen. Ab 2015 wuchs das Kollektiv durch geflüchtete Mitglieder zur „Banda Internationale“ heran und kehrt 2021 als „Comunale“ zurück. Mit ihren vielseitigen musikpädagogischen Projekten in Schulen und andernorts setzt das Kollektiv Musik als Brücke gegen Vorurteile und für Toleranz ein. 


Begründung der Jury 

„Die Banda Comunale ist weit mehr als ein Musikensemble. Sie ist ein Symbol für Zusammenhalt, Vielfalt und gesellschaftliches Engagement. Mit ihren mitreißenden Bläserklängen bringt sie Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen und zeigt, dass Musik eine gemeinsame Sprache sein kann. Ihr Wirken beweist, dass Kunst nicht nur für sich selbst stehen darf, sondern Verantwortung übernehmen und Haltung zeigen kann. Banda Comunale verbindet künstlerische Qualität mit gesellschaftlichem Bewusstsein." 

„Banda Comunale und alle, die mit uns im Boot sitzen, freuen sich über diese Anerkennung! Wir sind seit 25 Jahren die Dorfkapelle Dresdens. Wir positionieren uns gegen Rechtsruck, Rassismus, Homophobie, Antisemitismus, Fremden- und Muslimfeindlichkeit. Solange unseren Nachbarinnen und Nachbarn, Kolleginnen und Kollegen und Freundinnen und Freunden und uns selbst täglich die Gleichwertigkeit abgesprochen wird, spielen gemeinsam gegen Menschenfeindlichkeit. Ja, unsere Blasmusik ist politisch. Und wenn sie es nicht mehr sein muss, wird man uns wieder nur noch auf Hochzeiten, Dorffesten und Beerdigungen hören. Auch wenn es nach Außen selten durchdringt: In diesen 25 Jahren hat sich Dresden trotz der beständigen Präsenz von Fremdenfeindlichkeit sehr verändert. Es gibt ein transkulturelles, queeres, multireligiöses, offenes, vielsprachiges, tolerantes, buntes, und ja, auch ein jüdisches Dresden. Ein Dresden mit viel mehr Fingern an einer Hand, als Faschisten zählen können. Das ist unser Zuhause. Und das bleibt.“

Banda Comunale

Mitglieder der Jury 

Die Jury setzt sich für die aktuelle Wahlperiode des Stadtrates von 2024 bis 2029 zusammen aus Vertretern des Stadtrates, der Kulturverwaltung und externen Expertinnen und Experten: ein Mitglied der Arras-Stiftung, Maximilian Aschenbach, Marcel Beyer, Susanne Dagen, Silke Gottlebe, Katja Erfurth, Heiki Ikkola, Gwendolin Kremer, Dr. David Klein, Annekatrin Klepsch, Mario Schmidt, Lars Seniuk und Ulla Wacker.