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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2022/04/pm_094.php 28.04.2022 16:35:13 Uhr 03.10.2022 07:10:05 Uhr
Meldung vom 28.04.2022

Dresden ist dabei: 100 Klimaneutrale und intelligente Städte bis 2030

Landeshauptstadt Dresden nimmt an der EU-Mission teil 

Heute, Donnerstag, 28. April 2022 hat die Europäische Kommission bekannt gegeben, dass die Landeshauptstadt Dresden (LHD) als eine von hundert Städten Teil der EU-Mission "100 klimaneutrale und intelligente Städte bis 2030" ist. Die Dresdner Bewerbung wurde von einer Arbeitsgruppe aus SachsenEnergie AG, Stadtentwässerung Dresden GmbH, Stadtreinigung Dresden GmbH und Stadtverwaltung gemeinsam erarbeitet.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert: „Sensationell! Wir freuen uns riesig, Teil dieser neuen EU-Initiative zu sein. Auch in Dresden spüren wir ganz deutlich, dass die durch den Menschen verursachten Klimaveränderungen direkte Auswirkungen auf unser Leben haben. Extreme Wetterlagen wie Dürre oder Starkregen gehören genauso dazu, wie das Sterben von Stadtbäumen oder anhaltendes Niedrigwasser in der Elbe. Unser Ziel ist es, bei diesen negativen Veränderungen nicht tatenlos zu zuschauen, sondern die Lebensqualität in unserer Stadt zu erhalten. Dresden wird mit der heutigen Entscheidung Pilotstadt in Europa und wir arbeiten gemeinsam mit den Partnern an innovativen und nachhaltigen Lösungen. Wir sind uns bewusst, dass die Aufgaben gewaltig sind. Aber die Teilnahme an der EU-Mission gibt uns wertvolle, neue Impulse und Knowhow für einen gesamtstädtischen Aufbruch in Richtung Klimaneutralität. Als wachsende Stadt mit einer leistungsstarken Industrie, müssen wir klimaneutrale Energieversorgung sicherstellen können. Als Barockstadt mit wertvoller historischer Bausubstanz brauchen wir nachhaltige und innovative Lösungen, wie wir denkmalgerecht und klimaneutral sanieren und bauen. Neben den vorhandenen Quartieren und Gebäude müssen aber auch die wichtigen Freiräume sowie die damit eng verbundene Mobilität angepasst und zukunftsfähig gestaltet werden. Alles das werden wir nicht alleine schaffen. Deshalb bin ich froh, dass wir Teil dieser EU-Mission geworden sind und mein Dank gilt den zahlreichen Partnern, die daran mitgewirkt haben.“

Insgesamt haben sich 377 Städte aus ganz Europa beworben. In den kommenden Monaten wird die EU-Kommission mit der Stadt Dresden einen Klima-Stadtvertrag „Climate City Contract“ (CCC) entwickeln, der als umfassendes, integriertes Strategiedokument dient und auf bereits vorhandenen Plänen und Strategien aufbaut. Für jede Missions-Stadt werden dafür eine individuelle Problemanalyse vorgenommen sowie Maßnahmen und nachhaltige Wirtschafts- und Finanzierungsmodelle abgeleitet und entwickelt. Der CCC ist kein rechtlich bindendes Abkommen, sondern eine Selbstverpflichtung als Stadt.  

Die Dresdner Bewerbung ist ein Gemeinschaftswerk einer Arbeitsgruppe aus Stadtverwaltung, SachsenEnergie AG, Stadtentwässerung Dresden GmbH und Stadtreinigung Dresden GmbH. Viele aufeinander abgestimmte Maßnahmen sollen gemeinsam für künftige Klimaneutralität sorgen. So soll unter anderem der hohe Energiebedarf der leistungsstarken Dresdner Industrie zunehmend von Erneuerbaren Energien zuverlässig sichergestellt werden. Außerdem wird der Ausbau von Photovoltaikanlagen vorangetrieben und in Verbindung mit der umliegenden Region auch Windenergie genutzt. Die Dresdner Fernwärme entsteht bereits in hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung und soll dekarbonisiert, d. h. für die Nutzung Erneuerbarer Energien fit gemacht werden.  Ein Meilenstein wurde dafür bereits 2020 mit der Fertigstellung der Fernwärmetrasse im Elbdüker erreicht. Der verstärkte Einsatz Erneuerbarer Energien bedeutet auch, dass mehr Energiespeicher für Strom und Wärme benötigt werden, um Erzeugung und Nachfrage besser in Einklang zu bringen.  
Die öffentliche Beleuchtung des Hauptstraßennetzes soll mit 2.500 langlebigen, energieeffizienten LED-Leuchten mit zusätzlicher Nachtstromeinsparung ausgestattet werden, das spart Energie und reduziert die Lichtemission. 
Auch Verkehr und Mobilität sind Schlüsselthemen. Radfahren spart, gegenüber motorisiertem Verkehr Emissionen, muss dafür aber auch attraktiv sein. 480 radverkehrsbezogene Baumaßnahmen stehen auf dem Plan, um in Dresden ein Netz von Hauptrouten und diversen Radschnellverbindungen zum Umland zu schaffen. Im Fokus stehen auch Strategien für effizientere Ampelsteuerung und bessere Verkehrssicherheit. Der Stadtbahnausbau 2030 hat das Ziel, die meistbefahrenen Buslinien durch Straßenbahnen zu ersetzen. Eine Straßenbahnverbindung Plauen – Johannstadt würde eine Dieselbuslinie ablösen, die durch die Innenstadt führt.
Beim Thema Müll und Abfall geht es um Smart Waste: Digitalisierung des Managements in der Abfall- und Wertstoffsammlung: Verknüpfung von Datenbanken, Tracking- und Telematiksystemen zur optimierten Planung von Sammeltouren für 135.000 Behälter - von der Nutzung und Wartung bis zum Austausch und Recycling.
Das Schließen von Energie- und Stoffkreisläufen und die Weiterentwicklung von Smart-City-Anwendungen sind ebenso vorgesehen wie innovative Mobilitätskonzepte und klare Nachhaltigkeitsvorgaben für den Neubau und die Sanierung von kommunalen Gebäuden.  

Dr. Axel Cunow, Vorstand der SachsenEnergie: „Teil dieser wichtigen EU-Mission zu sein, ist ein starkes Zeichen aus Dresden und Bestätigung unseres eingeschlagenen Kurses hin zu einer klimaneutralen Energieversorgung. SachsenEnergie versteht sich als Gestalter und Ermöglicher der Energiewende. Wir sind hochmotiviert, diesen Weg zielorientiert und partnerschaftlich gemeinsam mit unseren Partnern voranzutreiben. Dazu gehört die Dekarbonisierung der Energieversorgung durch den Ausbau Erneuerbaren Energieanlagen ebenso wie der Einsatz von innovativen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und die stärkere Nutzung von beispielsweise Geothermie oder Elektrodenheizkesseln. Außerdem ist die Integration von Wasserstoff in unsere Gasnetze, die schon jetzt transportfähig sind, eines unserer Ziele. Diese EU-Mission ist ein zukunftsträchtiges Gemeinschaftsprojekt, welches uns viel Rückenwind gibt und unsere Pläne stärkt, im Rahmen des Energie- und Klimakonzeptes der Stadt Dresden nun tatkräftig voranzuschreiten.“ 

Ralf Strothteicher, Geschäftsführer Stadtentwässerung Dresden: „Für die Stadtentwässerung bedeutet die Teilnahme an diesem wichtigen und ambitionierten Vorhaben einen weiteren Motivationsschub, unsere Klimaziele, beispielsweise eine klimaneutrale Kläranlage und auch unseren Fuhrpark mit eigen erzeugter Energie zu betreiben, in wenigen Jahren zu erreichen und hiermit einen relevanten gesamtstädtischen Beitrag leisten zu können. Bereits jetzt erzeugen wir 85 Prozent der benötigten Energie auf unserer Kläranlage mit eigenerzeugtem Strom.“

Frank Siebert, Geschäftsführer Stadtreinigung Dresden GmbH: „Wir freuen uns sehr über die Nominierung von Dresden und auf den Ideenaustausch mit anderen europäischen Städten auf der Suche nach bestmöglichen Lösungen für eine effiziente Energie- und Ressourcenwirtschaft.“

Ina Helzig, Leiterin des Klimaschutzstabes der Landeshauptstadt Dresden: "Die Zusage zur Teilnahme an der EU-Mission kommt zur rechten Zeit. Derzeit schreiben wir das Integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept fort und erhoffen uns von der EU-Mission wichtige Impulse für die Umsetzung der notwendigen Maßnahmen für ein klimaneutrales Dresden. Mit dem im zweiten Schritt zu erstellenden Klima-Stadtvertrag erhalten wir die Chance wichtige Akteure für die städtische Klimaschutzstrategie zu gewinnen und gemeinsam diese große Aufgabe stemmen zu können."

Die Dresdner Forschungslandschaft beschäftigt sich intensiv mit nachhaltigen Materialien und Baustoffen oder bei der Weiterentwicklung neuer Smart-City Lösungen. In der Landeshauptstadt Dresden, die zusammen mit Saragossa als Lighthouse-City fungiert, sollen die Ergrünung der Fernwärme, der Ausbau von Erneuerbaren Energien, neue Bautechnologien und der Ausbau von Ladeinfrastruktur auf Quartiersebene vorangetrieben werden. Weitere Städte im Konsortium sind Istanbul (Türkei), Vantaa (Finnland) und Gent (Belgien). Größter Partner der LHD sind SachsenEnergie, Vonovia und die WiD, zusammen mit der STESAD. Bei neuen Bautechnologien soll Carbonbeton zum Einsatz kommen. Siehe z. B. www.bauen-neu-denken.de/richtfest-der-rohbau-des-carbonbetongebaeudes-cube-erfolgreich-fertiggestellt

Die Missionen sind ein neues Instrument der europäischen Forschungs- und Innovationsförderung, mit dem die EU gesellschaftlich besonders relevanten Herausforderungen begegnen will. Europaweit sind nun 100 Pilotstädte gefunden, die dabei unterstützt werden, bis 2030 innovative und zivilgesellschaftlich mitgetragene Wege zur Klimaneutralität zu erarbeiten und umzusetzen.
Am Montag, dem 31. Januar 2022, hatte die Landeshauptstadt Dresden Ihre Interessensbekundung bei der Europäischen Kommission eingereicht. 

Die Europäische Kommission hat ein strenges Verfahren befolgt, um Städte auf objektive und faire Weise auszuwählen. Kriterium war dabei nicht der Stand der gegenwärtigen Maßnahmen, sondern die Ambition der Stadt und geplante Maßnahmen. Eine Zusammenfassung der Methode, die die Europäische Kommission genutzt hat, wird demnächst zur Verfügung gestellt. 

Weitere Informationen:

Pressemeldung der EU/ deutsche Version: ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/IP_22_2591

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